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Team: Dickinson
Autor: Jenchan
Titel: Survivor
Challenge: H/C/Angst - Ausnahmezustand (fürs mich)
Fandom: Original
Charaktere: ein Mann
Wörter: ~430
Warnings: unbetaed, nicht Korrektur gelesen
Disclaimer: Alles meins.

Kommentar: In Memoriam Hiroshima. Jedenfalls hatte ich mich daran erinnert gefühlt, als mir diese Idee in den Sinn kam. So spät abends sollte ich wirklich nicht mehr schreiben und schon gar nicht an deprimierende Themen denken.



Survivor

Eine beängstigende Ruhe hatte sich über die Stadt gesenkt, die einst seine Heimat war. Er konnte nicht sagen, dass es ein schönes Leben war, das er hier geführt hatte. Oft war er wochenlang von einem nagenden Hungergefühl geplagt und gerade in letzter Zeit hatte er öfter in einem Schutzkeller gesessen, als er in seiner eigentlichen Wohnung verbringen konnte.
Aber er lebte noch. Einer von wenigen.
Seine Augen blinzelten, als er seinen Kopf in die staubige, totenstille Luft reckte. Es roch seltsam nach verbranntem Fleisch, Staub und etwas, das er nicht zuordnen konnte. Es war jedenfalls nicht angenehm.
Als sich seine Augen ein wenig an das trübe Tageslicht gewöhnt hatten, wagte er schließlich einen Blick um sich. Sein Herz blutete bei dem Anblick. Was einst seine Heimat gewesen war, lag nun dem Erdboden gleich in Trümmern vor ihm.
Er spürte das beklemmende Gefühl von dem Horror, der sich hier oben abgespielt haben musste, während er mehrere Meter untertag in einem Schutzkeller verbracht hatte. Sie hatten von der Außenwelt nicht mehr als leichte Erschütterungen wahrgenommen. Gelegentlich hatte auch das Licht geflackert.
Erst als es lange genug weder gebebt noch Stromschwankungen gegeben hatte, waren sie aus dem Schutzkeller hervorgekrochen. Er und eine handvoll andere Überlebende der Großstadt.
Der Krieg hatte ihnen nun restlos alles genommen, was sie besessen hatten und er hörte einige Frauen ihren Schmerz herausweinen. Es trug nicht dazu bei, dass er sich besser fühlte, aber er nahm seinen Mut zusammen und begann über die Trümmer auf der Straße hinweg zu steigen, sein Blick suchend und alles in sich aufnehmend.
Er sah Tote. Viele, viele Tote.
Manche waren bis zur Unkenntlichkeit verkohlt, einigen fehlten Füße, Hände oder andere Körperteile. Es gab zerquetschte Kadaver, aber am schrecklichsten fand er die Toten, die übersät waren mit kleinen Bläschen als wären sie in eine ätzende Flüssigkeit gefallen.
Er kannte dieserlei Bilder zur Genüge. Es war nicht der erste Krieg, in dem Bomben dieser Größe zum Einsatz gekommen waren, aber es war bedauerlich, dass die Menschen in diesem Punkt nichts dazu gelernt hatten.
Vor ihm glitzerte etwas am Boden und als er in die Hocke ging, um es sich näher anzusehen runzelte er leicht die Stirn. Dann hob er seine Kamera an und drückte nach einigen Justierungen den Auslöser, bevor er das zu Glas verschmolzene Sandstück aufhob. Es war immer noch ein wenig warm und er sah in den verrußten Himmel. Er betete zum ersten Mal in seinem Leben. Er betete, dass der Krieg damit endlich ein Ende gefunden haben möge. Diesen Einblick in die Hölle würden sie alle nie wieder vergessen.




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