Titel: Die Jagd auf das Chamäleon
Team: Dickinson
Challenge: Horror/Thriller - Verfolgungsjagd (für's Team)
Fandom: Bourne Trilogie
Sprache: Deutsch
Warnings: Gewalt, ein bisschen Fluchen
Kommentar: Ich hab noch nicht mal angefangen, die Filme wieder zu sehen...und jetzt weiß ich auch wieder, weswegen ich so ungern Thriller schreibe. Wer Logikfehler findet, gibt ihnen bitte ein gutes Zuhause... ^^'
Ein Job verläuft für Jason Bourne nicht wie geplant.
Die Jagd auf das Chamäleon
Fuck.
Das schoss Jason Bourne durch den Kopf, als sich das Zielobjekt in dem Moment, als er den Abzug betätigte, abrupt zur Seite drehte, um mit einer der Frauen zu sprechen. Die Kugel verfehlte ihn um wenige Milimeter und hinter ihm zersprang die Vitrine mit teurem chinesischen Porzellan in tausend Scherben. Die Frau kreischte.
Am liebsten hätte Jason laut geflucht. Stattdessen duckte er sich unter das Geländer der Balustrade, als die Leibwächter das Feuer eröffneten. Marmorsplitter sprangen von der Brüstung ab, als die Kugeln über seinen Kopf hinweg flogen. Unten im Raum erklangen laute Rufe und Schreie.
Er wusste, dass er keine Zeit mehr zu verlieren hatte. Wenn er erst die Leibwächter ausschaltete, wäre das Zielobjekt bis dahin schon in Sicherheit. Er konnte es sich nicht leisten, diesen Job zu versauen.
Er ließ das Gewehr mit dem Zielfernrohr zurück und zog stattdessen eine Pistole aus seiner Manteltasche. Als er die Schritte auf der Treppe zur Balustrade hörte, warf er sich über das Geländer. Einer der Schüße verfehlte ihn nur um Haaresbreite. Er stürzte in die Tiefe und landete hinter einem der Tische, geübt federten seine Beine den Aufprall ab. Sofort stieß er den Tisch um, um dahinter Deckung zu suchen.
Sein Blick suchte im Chaos die Zielperson. Die Tür lag zu seiner Linken, und auf dem Weg dorthin war der Mann, abgeschirmt von einem Leibwächter. Der erste Schuß traf den schwarzgekleideten Mann in die Brust und riss ihn zu Boden. Der zweite Leibwächter zielte auf ihn und er rollte sich weg. Die Kugel sprengte Holzsplitter des Tisches in die Luft.
Zielen, schießen, bewegen, sagte er sich. Dafür bist du ausgebildet. Du kannst das.
In dem Moment explodierte der Schmerz in seiner Seite.
Er biss die Zähne zusammen und richtete seine ganze Konzentration auf das Ziel – der Schuß knallte laut in seinen Ohren, als der Mann getroffen zu Boden stürzte. Er rannte zur Tür. Erst im Laufen fuhr seine Hand unter den Mantel zu der Wunde, spürte das warme Blut an seinen Fingern, das den Stoff des dunklen Shirts durchtränkte. Mit jedem Schritt schoss der Schmerz erneut durch seinen Körper. Er spürte, wie ihm der Schweiß ins Gesicht trat.
Der Garten war taghell erleuchtet. Die beiden Dobermänner, die er betäubt hatte, lagen noch schlafend auf dem gepflegten Rasen. Mit einem einzigen Satz packte er die Spitzen des Zaunes exakt an der Stelle, wo er den Stacheldraht zerschnitten hatte. Er schwang sich herüber. Die Bewegung riss an seiner Wunde und er keuchte. Er konnte die Rufe der Leibwächter hinter sich hören.
Die Straßen der Stadt waren schmal und verwinkelt, das konnte ihm nur zum Vorteil gereichen. Er hatte sich die Karte genau eingeprägt, kannte jeden Winkel und jede Sackgasse. Normalerweise hätte er seine Verfolger hier mühelos abgehängt. Jetzt aber war er verletzt, und obwohl das Adrenalin ihm noch half, einen klaren Kopf zu behalten, konnte er nicht mehr lange so weiter machen. Jetzt schon kam sein Atem in kurzen, angestrengten Stößen, während er rannte. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis die Polizei auftauchte. Bis dahin musste er hier weg sein. Er lauschte auf die Schritte seiner Verfolger, während er um die nächste Straßenecke bog. Drei Männer, ohne Zweifel bewaffnet. Er konnte es nicht auf eine direkte Auseinandersetzung ankommen lassen.
An einer kleinen Straßenkreuzung, die nicht direkt von einer Straßenlaterne beleuchtet wurde, blieb er stehen. An der Mauer des nahestehenden Hauses verlief ein schmaler Sims, er packte ihn mit den Händen und zog sich hinauf. Seine Hände waren schweißnass und beinahe hätte er den Halt verloren. Ganz ruhig, sagte er sich. Sein Herzschlag hämmerte in seiner Brust und er war außer Atem, aber er war immer noch hochkonzentriert.
Lange konnte er sich hier nicht halten, aber es musste ausreichen In diesem Moment stürmten die schwarzgekleideten Männer um die Ecke, Pistolen in den Händen – und erschreckten ein Pärchen, das die Straße hinunterkam, beinahe zu Tode.
Es schien ewig zu dauern. Während zwei der Männer bereits weitereilten, befragte der andere den jungen Mann und seine Begleiterin. Hatten sie jemanden gesehen? Jetzt, wo er ruhig war, wurden ihm die Schmerzen erst richtig bewusst. Seine Finger krampften sich um den Vorsprung, an dem er Halt gefunden hatte. Die Pistole hatte er in die Manteltasche geschoben.
Endlich, nach einem misstrauischen Rundumblick, ging auch der verbliebene Mann weiter und das Pärchen verschwand um eine Straßenecke. Er erlaubte sich, einen tiefen, erleichterten Atemzug zu nehmen. Dann ließ er sich fallen. Der Aufprall ließ ihn zusammenzucken und er stöhnte. Er schob die Hand in die Tasche und umfasste den Griff der Pistole, bevor er losrannte.
Die kleine Kneipe, die er aufsuchte, war nur ein paar Straßen entfernt und um diese Uhrzeit gut besucht. Das hatte er schon in den letzten Tagen festgestellt, als er, als harmloser Tourist verkleidet, die Stadt erkundet hatte. Jetzt schob er sich zwischen den Leibern hindurch und bemühte sich, nicht zu fluchen, wenn ihn jemand anstieß. Es roch nach Zigarettenqualm und Bier.
Die Toiletten gingen von einem dunklen Gang im hinteren Teil des Gebäudes ab. Voller Ungeduld wartete er, bis einer der Räume frei würde, schob sich dann rasch hinein und versperrte die Tür hinter sich. Aus dem kleinen Spiegel sah ihm sein Gesicht entgegen, mit Schweißperlen auf der Stirn und geweiteten Augen.
Er konnte sich in dem Raum kaum bewegen, aber es gab ein Waschbecken, das war essentiell. Mit wenigen Handgriffen löste er den Deckel des Spülkastens. Darin befand sich kein Wasser, sondern ein großes Päckchen in einer Plastiktüte, das er rasch auspackte. Er schob sich das Portemonnaie mit dem Ausweis, der ihn als Marcel Bouvier, Heimatstadt Lyon, auswies, in die Hosentasche und zerschnitt mit einer kleinen Schere den Ausweis, den er bei sich getragen hatte. Für den Fall, dass er geschnappt oder gar getötet werden würde, sollte man ihn für den russischen Auftragsmörder einer feindlichen Familie halten. Jetzt musste diese Identität verschwinden. Er spülte die kleinen Schnipsel in den Abfluss des Waschbeckens und ließ zur Sicherheit das Wasser noch eine Weile laufen, damit nichts im Siphon hängen blieb.
Das Päckchen enthielt auch Mullbinden und eine kleine Rolle Verbandszeug für den Notfall. Umständlich streifte er den Mantel ab und ließ ihn zu Boden fallen. Das Shirt ließ sich nicht so leicht ausziehen, der dunkle Stoff hatte sich mit dem Blut aus der Wunde verklebt. Ungeduldig riss er daran und biss sich im selben Moment auf die Zunge, um nicht aufzuschreien. Die Schußwunde leuchtete rot direkt unter dem letzten Rippenbogen auf seiner rechten Seite. Mit Wasser und den Papiertüchern wischte er das Blut ab, so gut es ging. Dann legte er die Mullbinden auf und wickelte den Verband darüber. Er hatte keine Zeit, die Kugel zu entfernen, auch wollte er das bevorzugt in einer saubereren Umgebung tun.
Auch ein zusammengerolltes blaues Shirt hatte Platz in der Tüte gefunden. Vorsichtig streifte er es sich über. Der letzte Gegenstand in dem Päckchen war nur einige Zentimeter groß und enthielt dunkelgrüne Kontaktlinsen. Er setzte sie sich vor dem Spiegel ein, dann feuchtete er seine Haare an und strich sie zurück. Mit wenigen Handgriffen können Sie den Eindruck, den Sie hinterlassen, vollkommen verändern, klang Conklins Stimme in ihm nach.
Er schob die Tüte mit dem Rest der Sachen in seinen Mantel und entnahm das kleine Prepaid-Handy, das er in seine Hosentasche schob, sowie seine Waffe, die er in den Hosenbund steckte und das Shirt darüberzog. Den Mantel rollte er eng zusammen und schob ihn hinter die Tür, sodass er beim Eintreten nicht sofort zu sehen war. Er atmete einmal tief durch, dann öffnete er die Tür.
Der Gang lag im Halbdunkel. Rechts führte er zurück zum Schankraum, während es links eine am Ende eine Hintertür gab, die normalerweise abgeschlossen war. Jason hatte dafür gesorgt, dass sie es an diesem Abend nicht war. Doch noch während er überlegte, welcher Weg der sicherere wäre, kam ihm von der Kneipe aus ein Mann entgegen. Jason erkannte ihn an der schwarzen Kleidung und dem Gang – es war einer der Männer von der Villa. Nachdem sie seine Spur verloren hatten, durchsuchten sie offenbar systematisch die Gegend.
Ganz ruhig, sagte er sich. Er zwang sich, seinen Atem zu verlangsamen. Sie hatten sein Gesicht nicht lange genug gesehen, um ihn einwandfrei zu identifizieren. Jetzt kam alles auf seinen Auftritt an. Er schlenderte dem anderen entgegen. Eine Hand schob er unauffällig in die Nähe seiner Waffe, aber er machte sich bereit, sich fallenzulassen – bis er die Pistole in der Hand hatte, konnte es zu spät sein.
Er setzte seine Füße etwas unsicher, als wäre er bereits angetrunken. Als sie aneinander vorbeigingen, warf er dem Mann einen kurzen, scheinbar uninteressierten Blick zu. Der Mann musterte ihn. Jason spürte, wie klamm seine Handinnenflächen waren. Er ging vorbei.
„Hey!“, erklang der Ruf hinter ihm.
Ihm blieb beinahe das Herz stehen. Mit leicht verwirrtem Gesichtsausdruck drehte er sich um. „Ja?“
„Ich suche einen Mann mit einem schwarzer Mantel. Er ist ein alter Freund von mir. Haben Sie ihn gesehen?“
Jason deutete den Gang hinunter. „Es ist jemand zur Hintertür hinaus vor ein paar Minuten, hat mich angerempelt.“ Er sprach die r's weich aus und zog die Vokale etwas, wie es ein Franzose tun würde.
Der Mann nickte ihm zu und wandte sich ab.
Jason atmete erst wieder, als er den Schankraum betrat. An der Garderobe nahm er sich einen dunklen Anorak mit, als der Wirt gerade nicht hinsah. Dann trat er hinaus. Er widerstand dem Bedürfnis, sofort loszurennen, und ging mit raschen Schritten die Straße hinunter. Zwei Blocks weiter hatte sich sein Puls wieder normalisiert. Erzückte das Handy und rief sich ein Taxi zum Theater, das zwei Straßen entfernt lag, dann wählte er die Nummer, die er auswendig gelernt hatte. Es klingelte nur zweimal.
„Nicky? Ich bin auf dem Weg zum Bahnhof.“
Am anderen Ende erklang eine professionelle Frauenstimme. „Okay, warst du erfolgreich?“
„Ja, aber ich bin etwas ...angeschrammt“ gab er widerwillig zu.
„Ich werde dafür sorgen, dass du medizinische Hilfe bekommst, sobald du da bist.“
„Danke.“ Er klappte das Handy zu.
In Paris lauschte Nicky Parsons dem Tuten in der Leitung und legte dann den Hörer auf. Sie fragte sich, ob sie einmal vergeblich auf seinen Anruf warten würde. Würde Jason Bourne eines Tages nicht mehr zurückkehren?
Liebe Mods, könnte ich ein 'Bourne'-Tag haben, bitte? :D
Team: Dickinson
Challenge: Horror/Thriller - Verfolgungsjagd (für's Team)
Fandom: Bourne Trilogie
Sprache: Deutsch
Warnings: Gewalt, ein bisschen Fluchen
Kommentar: Ich hab noch nicht mal angefangen, die Filme wieder zu sehen...und jetzt weiß ich auch wieder, weswegen ich so ungern Thriller schreibe. Wer Logikfehler findet, gibt ihnen bitte ein gutes Zuhause... ^^'
Ein Job verläuft für Jason Bourne nicht wie geplant.
Die Jagd auf das Chamäleon
Fuck.
Das schoss Jason Bourne durch den Kopf, als sich das Zielobjekt in dem Moment, als er den Abzug betätigte, abrupt zur Seite drehte, um mit einer der Frauen zu sprechen. Die Kugel verfehlte ihn um wenige Milimeter und hinter ihm zersprang die Vitrine mit teurem chinesischen Porzellan in tausend Scherben. Die Frau kreischte.
Am liebsten hätte Jason laut geflucht. Stattdessen duckte er sich unter das Geländer der Balustrade, als die Leibwächter das Feuer eröffneten. Marmorsplitter sprangen von der Brüstung ab, als die Kugeln über seinen Kopf hinweg flogen. Unten im Raum erklangen laute Rufe und Schreie.
Er wusste, dass er keine Zeit mehr zu verlieren hatte. Wenn er erst die Leibwächter ausschaltete, wäre das Zielobjekt bis dahin schon in Sicherheit. Er konnte es sich nicht leisten, diesen Job zu versauen.
Er ließ das Gewehr mit dem Zielfernrohr zurück und zog stattdessen eine Pistole aus seiner Manteltasche. Als er die Schritte auf der Treppe zur Balustrade hörte, warf er sich über das Geländer. Einer der Schüße verfehlte ihn nur um Haaresbreite. Er stürzte in die Tiefe und landete hinter einem der Tische, geübt federten seine Beine den Aufprall ab. Sofort stieß er den Tisch um, um dahinter Deckung zu suchen.
Sein Blick suchte im Chaos die Zielperson. Die Tür lag zu seiner Linken, und auf dem Weg dorthin war der Mann, abgeschirmt von einem Leibwächter. Der erste Schuß traf den schwarzgekleideten Mann in die Brust und riss ihn zu Boden. Der zweite Leibwächter zielte auf ihn und er rollte sich weg. Die Kugel sprengte Holzsplitter des Tisches in die Luft.
Zielen, schießen, bewegen, sagte er sich. Dafür bist du ausgebildet. Du kannst das.
In dem Moment explodierte der Schmerz in seiner Seite.
Er biss die Zähne zusammen und richtete seine ganze Konzentration auf das Ziel – der Schuß knallte laut in seinen Ohren, als der Mann getroffen zu Boden stürzte. Er rannte zur Tür. Erst im Laufen fuhr seine Hand unter den Mantel zu der Wunde, spürte das warme Blut an seinen Fingern, das den Stoff des dunklen Shirts durchtränkte. Mit jedem Schritt schoss der Schmerz erneut durch seinen Körper. Er spürte, wie ihm der Schweiß ins Gesicht trat.
Der Garten war taghell erleuchtet. Die beiden Dobermänner, die er betäubt hatte, lagen noch schlafend auf dem gepflegten Rasen. Mit einem einzigen Satz packte er die Spitzen des Zaunes exakt an der Stelle, wo er den Stacheldraht zerschnitten hatte. Er schwang sich herüber. Die Bewegung riss an seiner Wunde und er keuchte. Er konnte die Rufe der Leibwächter hinter sich hören.
Die Straßen der Stadt waren schmal und verwinkelt, das konnte ihm nur zum Vorteil gereichen. Er hatte sich die Karte genau eingeprägt, kannte jeden Winkel und jede Sackgasse. Normalerweise hätte er seine Verfolger hier mühelos abgehängt. Jetzt aber war er verletzt, und obwohl das Adrenalin ihm noch half, einen klaren Kopf zu behalten, konnte er nicht mehr lange so weiter machen. Jetzt schon kam sein Atem in kurzen, angestrengten Stößen, während er rannte. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis die Polizei auftauchte. Bis dahin musste er hier weg sein. Er lauschte auf die Schritte seiner Verfolger, während er um die nächste Straßenecke bog. Drei Männer, ohne Zweifel bewaffnet. Er konnte es nicht auf eine direkte Auseinandersetzung ankommen lassen.
An einer kleinen Straßenkreuzung, die nicht direkt von einer Straßenlaterne beleuchtet wurde, blieb er stehen. An der Mauer des nahestehenden Hauses verlief ein schmaler Sims, er packte ihn mit den Händen und zog sich hinauf. Seine Hände waren schweißnass und beinahe hätte er den Halt verloren. Ganz ruhig, sagte er sich. Sein Herzschlag hämmerte in seiner Brust und er war außer Atem, aber er war immer noch hochkonzentriert.
Lange konnte er sich hier nicht halten, aber es musste ausreichen In diesem Moment stürmten die schwarzgekleideten Männer um die Ecke, Pistolen in den Händen – und erschreckten ein Pärchen, das die Straße hinunterkam, beinahe zu Tode.
Es schien ewig zu dauern. Während zwei der Männer bereits weitereilten, befragte der andere den jungen Mann und seine Begleiterin. Hatten sie jemanden gesehen? Jetzt, wo er ruhig war, wurden ihm die Schmerzen erst richtig bewusst. Seine Finger krampften sich um den Vorsprung, an dem er Halt gefunden hatte. Die Pistole hatte er in die Manteltasche geschoben.
Endlich, nach einem misstrauischen Rundumblick, ging auch der verbliebene Mann weiter und das Pärchen verschwand um eine Straßenecke. Er erlaubte sich, einen tiefen, erleichterten Atemzug zu nehmen. Dann ließ er sich fallen. Der Aufprall ließ ihn zusammenzucken und er stöhnte. Er schob die Hand in die Tasche und umfasste den Griff der Pistole, bevor er losrannte.
Die kleine Kneipe, die er aufsuchte, war nur ein paar Straßen entfernt und um diese Uhrzeit gut besucht. Das hatte er schon in den letzten Tagen festgestellt, als er, als harmloser Tourist verkleidet, die Stadt erkundet hatte. Jetzt schob er sich zwischen den Leibern hindurch und bemühte sich, nicht zu fluchen, wenn ihn jemand anstieß. Es roch nach Zigarettenqualm und Bier.
Die Toiletten gingen von einem dunklen Gang im hinteren Teil des Gebäudes ab. Voller Ungeduld wartete er, bis einer der Räume frei würde, schob sich dann rasch hinein und versperrte die Tür hinter sich. Aus dem kleinen Spiegel sah ihm sein Gesicht entgegen, mit Schweißperlen auf der Stirn und geweiteten Augen.
Er konnte sich in dem Raum kaum bewegen, aber es gab ein Waschbecken, das war essentiell. Mit wenigen Handgriffen löste er den Deckel des Spülkastens. Darin befand sich kein Wasser, sondern ein großes Päckchen in einer Plastiktüte, das er rasch auspackte. Er schob sich das Portemonnaie mit dem Ausweis, der ihn als Marcel Bouvier, Heimatstadt Lyon, auswies, in die Hosentasche und zerschnitt mit einer kleinen Schere den Ausweis, den er bei sich getragen hatte. Für den Fall, dass er geschnappt oder gar getötet werden würde, sollte man ihn für den russischen Auftragsmörder einer feindlichen Familie halten. Jetzt musste diese Identität verschwinden. Er spülte die kleinen Schnipsel in den Abfluss des Waschbeckens und ließ zur Sicherheit das Wasser noch eine Weile laufen, damit nichts im Siphon hängen blieb.
Das Päckchen enthielt auch Mullbinden und eine kleine Rolle Verbandszeug für den Notfall. Umständlich streifte er den Mantel ab und ließ ihn zu Boden fallen. Das Shirt ließ sich nicht so leicht ausziehen, der dunkle Stoff hatte sich mit dem Blut aus der Wunde verklebt. Ungeduldig riss er daran und biss sich im selben Moment auf die Zunge, um nicht aufzuschreien. Die Schußwunde leuchtete rot direkt unter dem letzten Rippenbogen auf seiner rechten Seite. Mit Wasser und den Papiertüchern wischte er das Blut ab, so gut es ging. Dann legte er die Mullbinden auf und wickelte den Verband darüber. Er hatte keine Zeit, die Kugel zu entfernen, auch wollte er das bevorzugt in einer saubereren Umgebung tun.
Auch ein zusammengerolltes blaues Shirt hatte Platz in der Tüte gefunden. Vorsichtig streifte er es sich über. Der letzte Gegenstand in dem Päckchen war nur einige Zentimeter groß und enthielt dunkelgrüne Kontaktlinsen. Er setzte sie sich vor dem Spiegel ein, dann feuchtete er seine Haare an und strich sie zurück. Mit wenigen Handgriffen können Sie den Eindruck, den Sie hinterlassen, vollkommen verändern, klang Conklins Stimme in ihm nach.
Er schob die Tüte mit dem Rest der Sachen in seinen Mantel und entnahm das kleine Prepaid-Handy, das er in seine Hosentasche schob, sowie seine Waffe, die er in den Hosenbund steckte und das Shirt darüberzog. Den Mantel rollte er eng zusammen und schob ihn hinter die Tür, sodass er beim Eintreten nicht sofort zu sehen war. Er atmete einmal tief durch, dann öffnete er die Tür.
Der Gang lag im Halbdunkel. Rechts führte er zurück zum Schankraum, während es links eine am Ende eine Hintertür gab, die normalerweise abgeschlossen war. Jason hatte dafür gesorgt, dass sie es an diesem Abend nicht war. Doch noch während er überlegte, welcher Weg der sicherere wäre, kam ihm von der Kneipe aus ein Mann entgegen. Jason erkannte ihn an der schwarzen Kleidung und dem Gang – es war einer der Männer von der Villa. Nachdem sie seine Spur verloren hatten, durchsuchten sie offenbar systematisch die Gegend.
Ganz ruhig, sagte er sich. Er zwang sich, seinen Atem zu verlangsamen. Sie hatten sein Gesicht nicht lange genug gesehen, um ihn einwandfrei zu identifizieren. Jetzt kam alles auf seinen Auftritt an. Er schlenderte dem anderen entgegen. Eine Hand schob er unauffällig in die Nähe seiner Waffe, aber er machte sich bereit, sich fallenzulassen – bis er die Pistole in der Hand hatte, konnte es zu spät sein.
Er setzte seine Füße etwas unsicher, als wäre er bereits angetrunken. Als sie aneinander vorbeigingen, warf er dem Mann einen kurzen, scheinbar uninteressierten Blick zu. Der Mann musterte ihn. Jason spürte, wie klamm seine Handinnenflächen waren. Er ging vorbei.
„Hey!“, erklang der Ruf hinter ihm.
Ihm blieb beinahe das Herz stehen. Mit leicht verwirrtem Gesichtsausdruck drehte er sich um. „Ja?“
„Ich suche einen Mann mit einem schwarzer Mantel. Er ist ein alter Freund von mir. Haben Sie ihn gesehen?“
Jason deutete den Gang hinunter. „Es ist jemand zur Hintertür hinaus vor ein paar Minuten, hat mich angerempelt.“ Er sprach die r's weich aus und zog die Vokale etwas, wie es ein Franzose tun würde.
Der Mann nickte ihm zu und wandte sich ab.
Jason atmete erst wieder, als er den Schankraum betrat. An der Garderobe nahm er sich einen dunklen Anorak mit, als der Wirt gerade nicht hinsah. Dann trat er hinaus. Er widerstand dem Bedürfnis, sofort loszurennen, und ging mit raschen Schritten die Straße hinunter. Zwei Blocks weiter hatte sich sein Puls wieder normalisiert. Erzückte das Handy und rief sich ein Taxi zum Theater, das zwei Straßen entfernt lag, dann wählte er die Nummer, die er auswendig gelernt hatte. Es klingelte nur zweimal.
„Nicky? Ich bin auf dem Weg zum Bahnhof.“
Am anderen Ende erklang eine professionelle Frauenstimme. „Okay, warst du erfolgreich?“
„Ja, aber ich bin etwas ...angeschrammt“ gab er widerwillig zu.
„Ich werde dafür sorgen, dass du medizinische Hilfe bekommst, sobald du da bist.“
„Danke.“ Er klappte das Handy zu.
In Paris lauschte Nicky Parsons dem Tuten in der Leitung und legte dann den Hörer auf. Sie fragte sich, ob sie einmal vergeblich auf seinen Anruf warten würde. Würde Jason Bourne eines Tages nicht mehr zurückkehren?
Liebe Mods, könnte ich ein 'Bourne'-Tag haben, bitte? :D
no subject
Date: 2012-09-03 04:03 pm (UTC)no subject
Date: 2012-09-03 08:25 pm (UTC)(Lol, unsere Icons passen zusammen! :D)