luinaldawen: (Default)
[personal profile] luinaldawen posting in [community profile] 120_minuten
Team: Kaléko
Challenge: h/c, angst – Nahtoderfahrung (für mich)
Fandom: Original (Our Own World)
Charaktere: Liang, Oliver (Verena)
Wörter: 724



Es war wahnsinnig schnell gegangen.
In wirklich jeder Hinsicht. Erst hatte er verschlafen, hatte sich dann in einen Affenzahn fertig gemacht und war aus der Wohnung gehetzt. Es war nicht so, als würde er zu viel Stress bekommen, wenn er zu spät zum Seminar kam, aber er war einfach ungerne unpünktlich. Vor allem so kurz vor den Prüfungen.
Für Nathalie, die mit Buch bewaffnet vor ihrem Kaffee herumlungerte hatte Liang nur eine sehr knappe Begrüßung übrig. Die Reaktion bekam er nicht mehr mit, vermutlich wäre es sowieso nur ein abwesendes „Zao shang hao“ gewesen.
Auf der Treppe schaffte er es mehr oder weniger erfolgreich, sich nicht das Genick zu brechen. Wer stürzte auch schon auf einer Treppe? Die musste doch immer als Ausrede herhalten oder nicht?
Bis zum letzten Absatz natürlich. Da hatte er nämlich vollkommen die vierköpfige Familie vergessen, deren halbwüchsige Kinder ihre Schuhe immer im Weg liegen ließen. Die anderen wussten das inzwischen eigentlich und wichen entweder aus oder kickten die Schuhe zur Seite. Oliver hatte sich einmal sogar beschwert – ohne Erfolg.
Liang musste selbstverständlich ausgerechnet jetzt über diese Schuhe stolpern.
Der Sturz schien sich merkwürdig hinzuziehen. Als befände er sich in einem dieser schlechten Actionfilme in denen alle wichtige und dramatische in Zeitlupe abgespielt wurde. Was das ganze irgendwie lächerlich mache. Jetzt war es gar nicht lächerlich. Er sollte wohl genug Zeit haben, Angst zu bekommen. Die blieb aber aus. Vielmehr war es Unglaube.
Würde ein halbes Stockwerk reichen, um ihm das Licht auszublasen?
Dann landete er auf den ersten Stufen und alles verschwamm in einem Wirbel aus der nun einsetzenden Angst und dem Schmerz. Bevor er das aber realisierend konnte, schlug er mit dem Kopf auf und alles verschwand in Schwärze.

Es waren die Stimmen, die ihn weckten. Wenigstens glaubte er das. Sie waren leise, angespannt. Und er konnte kein Wort verstehen.
Worüber redeten sie?
Wo war er?
Und was war passiert?
Er musste irgendwas gemacht haben, denn mit einem Mal war da ein Geräusch direkt neben ihm. „Liang!“ Veve... er wollte etwas sagen, aber selbst die Lippen zu bewegen war ein ungeheurer Kraftaufwand. Als wollte sein Körper ihm nicht so recht gehorchen.
Es war schwer, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Das konnte an den Kopfschmerzen liegen, die eher unterschwellig wie durch Watte an sein Bewusstsein drangen.
Kein Wunder.
Die Treppe... genau, er war gestolpert. Und dann... er konnte sich nicht erinnern.
Erstmal versuchte er lieber das nächstliegende: Augen öffnen.
Die Angst, dass seine Kopfschmerzen das nicht gerade gutheißen würden, berechtigte sich nicht. Besser so, er fühlte sich schon beschissen genug. Vielleicht war auch die Watte in seinem Kopf Schuld.
Erstmal aber sah er alles beunruhigend verschwommen. Es war hell um ihn herum... und er erkannte zwei Umrisse. Einer musste Verena sein, der pinke Fleck in Kopfhöhe war ein eindeutiges Zeichen. Der andere... das war schwerer.
„Ich geh mal Bescheid sagen“, sagte Verena und der pinke Fleck, der langsam wirklich wie ein Kopf aussah verschwand aus seinem Blickfeld.
Auch die andere Person konnte er nun besser erkennen und er musste lächeln. „Oliver...“
Sein Freund sah zwar reichlich blass um die Nase aus, aber er erwiderte das Lächeln. „Zum Glück hast du so einen Dickschädel.“
„Der war schlecht.“
„Ich weiß. Erschreck mich doch nicht so.“ Oliver streichelte ihn beinahe schüchtern über die Wange, bevor er seine Hand ergriff und festhielt.
„Sorry...“ In seinen Ohren klang seine Stimme alles andere als sicher, aber wenigstens gehorchte sie ihm wieder.
„Quatsch. Wie fühlst du dich?“
Diese Frage war eigentlich reichlich überflüsig. „Scheiße.“ Langsam sollte er vielleicht mal rausfinden, was alles heil geblieben war.
„Kein Wunder. Aber du hast echt Glück gehabt. Der linke Arm ist gebrochen, ansonsten nur einige Prellungen und eine Platzwunde samt Gehirnerschütterung.“
Das nannte er Glück? Liang wollte das gerade anmerken, als Oliver ein merklich schockiertes: „Du hättest tot sein können! Diese dämlichen Scheißbälger...“, loswurde.
Scheißbälger? Er erinnerte sich vage daran, das Schuhe im Spiel gewesen waren. Liang schloss müde die Augen und drückte Olivers Hand. „Denken wir da nicht drüber nach.“ Das war eine Option, die er gar nicht erst diskutieren wollte. Nicht daran denken, dass solche Stürze sicher auch sehr viel unglücklicher ausgehen könnten.
Oliver erwiderte den Druck und strich sanft durch Liangs Haare, bis die Tür sich wieder öffnete und Verena zurückkam.

Date: 2012-09-03 08:37 pm (UTC)
der_jemand: (merlin)
From: [personal profile] der_jemand
Awwww. Das "Oh mein Gott, sind sie niedlich!" ist obligatorisch.
Und ich liebe es, wie du die Surrealität des Fallens beschrieben hast. Er sollte wohl genug Zeit haben, Angst zu bekommen. Auf die Idee bin ich nie gekommen, aber aaah, ich finde es sehr passend und einen grundsätzlich phantastischen Satz. Und die Angst, die dann doch kommt, kurz bevor es schwarz wird. - Ja, tolle Beschreibung. *_*

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