16. Romantik/Intimität - Regen (für mich)
Aug. 30th, 2012 12:42 pmTeam: Dickinson
Challenge: Romantik/Intimität - Regen (für mich)
Fandom: Original | Schalmeienklänge
Charaktere: Ninia, der Hinkende
Worte: 760
Es war kalt. Nein, eigentlich war es sogar schweinekalt und noch dazu regnete es seit geschlagenen fünf Tagen und es gab ganz sicher keinen einzigen Zipfel an ihrer Kleidung, der noch irgendwie die Bezeichnung „trocken“ verdient hätte, vom Rest ihres Körpers ganz zu schweigen. Und es wäre natürlich viel zu einfach gewesen, die Regentage irgendwo an einem festen Ort zu verbringen. Nein, seit ihre Begegnung mit der Waldkatze sie fast zwei Wochen in einem Dorf festgehalten hatte, schien Feobar geradezu versessen darauf, dass sie schnell weiterkamen, auch wenn niemand von ihnen so ganz genau wusste, wo „weiter“ denn überhaupt war. Sie wollten in den Süden, soweit schien klar zu sein, es machte auch am meisten Sinn. Und sie hatte Feobar dem Hinkenden irgendetwas von „nach Hause“ erzählen hören, also kam der Schalmeienspieler vermutlich aus dem Süden und wollte irgendwas erledigen, aber eigentlich war ihr das auch herzlich egal. Denn Ninia war nass. Und ihr war kalt. Und das nächste Dorf lag etwa genauso weit entfernt wie das letzte und insgesamt war sie über die Situation alles andere als glücklich.
Außerdem konnte sie nicht schlafen, und das war ohnehin das größte Problem von allen. Als ihnen klar geworden war, dass sie vor Einbruch der Dunkelheit kein befestigtes Haus mehr erreichen würden, hatten sie sich wohl oder übel ein Lager am nahen Waldrand errichtet (Ninia hatte darauf bestanden, dass es der Rand war, auch wenn ihr Torín noch so oft versichert hatte, dass es hier keine Waldkatzen geben konnte). Sie hatten sogar eine kleine Höhle gefunden, die zumindest ansatzweise Schutz vor dem Regen bot. Trotzdem tropfte es dort von der Decke und machte dabei ekelhafte Geräusche und trotzdem rauschte der Wind und trotzdem konnte Ninia nicht schlafen und deshalb saß sie nun hier im Höhleneingang und machte sich Gedanken über den Regen und darüber, dass sie sich Gedanken machte. Hinter ihr schnarchte Torín, während Feobar irgendetwas unverständliches murmelte und der Hinkende mal wieder wie immer kein Geräusch von sich gab. Ninia fand das ziemlich langweilig. Dann stutzte sie. Ihr war schon öfters aufgefallen, dass der Hinkende ein erstaunliches Talent hatte, an ziemlich feine Sachen zu kommen, von denen niemand genau wusste, wo er sie herhatte. Sie hatte auch schon öfters gesehen, dass er einen Mantel besaß, auch wenn sie noch nicht wirklich in kalten Gegenden gewesen waren, seit sie sich kannten. Aber dieser Mantel, in den er sich eingerollt hatte, war definitiv drei Dinge: Wolle, warm und trocken. Wie auch immer der Hinkende das geschafft hatte.
Ninia war eine Frau der Gelegenheiten. Einige hatten sie dafür als Glückskind bezeichnet, noch viel mehr als Miststück. Es stimmte, dass sie prinzipiell die einzige ihrer kleinen Gemeinschaft war, die den vielbesungenen Met in den Gasthäusern, in denen sie spielten, auch wirklich genießen durfte, weil sie immer jemand einlud. Und dass sie die Männer, die mehr von ihr bekamen, als nur ein nettes Lächeln und einen Handkuss, danach aussuchte, wie viel sie bei der ganzen Sache noch erwarten durfte. Sie hatte sich zwar irgendwann einmal vorgenommen, dass die Männer, mit denen sie reiste, tabu waren. Aber der Hinkende hatte einen Mantel. Und das war definitiv eine Ausnahmesituation.
„Was…?“ Verschlafen blinzelte der Blonde, als sich der warme, kleine Körper plötzlich an ihn drängte. Ninia lachte leise. „Schlaf weiter.“
„Was machst du da?“
„Mir ist kalt.“
„Und?“
„Du hast einen Mantel.“ Sie zog besagtes Stück Stoff etwas über sich, kuschelte sich noch etwas näher an den Hinkenden heran und schloss die Augen. „Gute Nacht.“ Und schon war sie eingeschlafen.
Der Hinkende blinzelte. Er hatte Ninia interessant gefunden seit dem Moment, in dem er sie kennen gelernt hatte. Er wusste, dass sie mit den richtigen Mitteln zu haben war, nur nicht von ihm, Feobar und Torín. Manchmal hatte ihn das fast geärgert. Und jetzt lag sie einfach neben ihm unter seinem Mantel. Und er hielt mit etwas Mühe seine Hände im Zaum. Seufzend rollte sich der Feuertänzer auf den Rücken, achtete dabei aber darauf, dass er Ninia den erkämpften Mantel nicht gleich wieder wegzog. Wahrscheinlich tat er gut daran, diese Nacht jetzt zu genießen, denn näher würde er der Tänzerin wohl nie mehr kommen.
„Na gut… dann komm halt her.“ Er drehte sich zurück auf die Seite, legte einen Arm um die schmale Frau und schlief irgendwann auch ein. Und eigentlich war es schade, dass er so ein Langschläfer war, denn so entgingen ihm die halb verwirrten, halb belustigten Blicke von Torín am nächsten Morgen und Ninias entzückend einfache Erklärung: „Mir war kalt. Er hatte einen Mantel. Und wir sind doch alle Freunde.“
Challenge: Romantik/Intimität - Regen (für mich)
Fandom: Original | Schalmeienklänge
Charaktere: Ninia, der Hinkende
Worte: 760
Es war kalt. Nein, eigentlich war es sogar schweinekalt und noch dazu regnete es seit geschlagenen fünf Tagen und es gab ganz sicher keinen einzigen Zipfel an ihrer Kleidung, der noch irgendwie die Bezeichnung „trocken“ verdient hätte, vom Rest ihres Körpers ganz zu schweigen. Und es wäre natürlich viel zu einfach gewesen, die Regentage irgendwo an einem festen Ort zu verbringen. Nein, seit ihre Begegnung mit der Waldkatze sie fast zwei Wochen in einem Dorf festgehalten hatte, schien Feobar geradezu versessen darauf, dass sie schnell weiterkamen, auch wenn niemand von ihnen so ganz genau wusste, wo „weiter“ denn überhaupt war. Sie wollten in den Süden, soweit schien klar zu sein, es machte auch am meisten Sinn. Und sie hatte Feobar dem Hinkenden irgendetwas von „nach Hause“ erzählen hören, also kam der Schalmeienspieler vermutlich aus dem Süden und wollte irgendwas erledigen, aber eigentlich war ihr das auch herzlich egal. Denn Ninia war nass. Und ihr war kalt. Und das nächste Dorf lag etwa genauso weit entfernt wie das letzte und insgesamt war sie über die Situation alles andere als glücklich.
Außerdem konnte sie nicht schlafen, und das war ohnehin das größte Problem von allen. Als ihnen klar geworden war, dass sie vor Einbruch der Dunkelheit kein befestigtes Haus mehr erreichen würden, hatten sie sich wohl oder übel ein Lager am nahen Waldrand errichtet (Ninia hatte darauf bestanden, dass es der Rand war, auch wenn ihr Torín noch so oft versichert hatte, dass es hier keine Waldkatzen geben konnte). Sie hatten sogar eine kleine Höhle gefunden, die zumindest ansatzweise Schutz vor dem Regen bot. Trotzdem tropfte es dort von der Decke und machte dabei ekelhafte Geräusche und trotzdem rauschte der Wind und trotzdem konnte Ninia nicht schlafen und deshalb saß sie nun hier im Höhleneingang und machte sich Gedanken über den Regen und darüber, dass sie sich Gedanken machte. Hinter ihr schnarchte Torín, während Feobar irgendetwas unverständliches murmelte und der Hinkende mal wieder wie immer kein Geräusch von sich gab. Ninia fand das ziemlich langweilig. Dann stutzte sie. Ihr war schon öfters aufgefallen, dass der Hinkende ein erstaunliches Talent hatte, an ziemlich feine Sachen zu kommen, von denen niemand genau wusste, wo er sie herhatte. Sie hatte auch schon öfters gesehen, dass er einen Mantel besaß, auch wenn sie noch nicht wirklich in kalten Gegenden gewesen waren, seit sie sich kannten. Aber dieser Mantel, in den er sich eingerollt hatte, war definitiv drei Dinge: Wolle, warm und trocken. Wie auch immer der Hinkende das geschafft hatte.
Ninia war eine Frau der Gelegenheiten. Einige hatten sie dafür als Glückskind bezeichnet, noch viel mehr als Miststück. Es stimmte, dass sie prinzipiell die einzige ihrer kleinen Gemeinschaft war, die den vielbesungenen Met in den Gasthäusern, in denen sie spielten, auch wirklich genießen durfte, weil sie immer jemand einlud. Und dass sie die Männer, die mehr von ihr bekamen, als nur ein nettes Lächeln und einen Handkuss, danach aussuchte, wie viel sie bei der ganzen Sache noch erwarten durfte. Sie hatte sich zwar irgendwann einmal vorgenommen, dass die Männer, mit denen sie reiste, tabu waren. Aber der Hinkende hatte einen Mantel. Und das war definitiv eine Ausnahmesituation.
„Was…?“ Verschlafen blinzelte der Blonde, als sich der warme, kleine Körper plötzlich an ihn drängte. Ninia lachte leise. „Schlaf weiter.“
„Was machst du da?“
„Mir ist kalt.“
„Und?“
„Du hast einen Mantel.“ Sie zog besagtes Stück Stoff etwas über sich, kuschelte sich noch etwas näher an den Hinkenden heran und schloss die Augen. „Gute Nacht.“ Und schon war sie eingeschlafen.
Der Hinkende blinzelte. Er hatte Ninia interessant gefunden seit dem Moment, in dem er sie kennen gelernt hatte. Er wusste, dass sie mit den richtigen Mitteln zu haben war, nur nicht von ihm, Feobar und Torín. Manchmal hatte ihn das fast geärgert. Und jetzt lag sie einfach neben ihm unter seinem Mantel. Und er hielt mit etwas Mühe seine Hände im Zaum. Seufzend rollte sich der Feuertänzer auf den Rücken, achtete dabei aber darauf, dass er Ninia den erkämpften Mantel nicht gleich wieder wegzog. Wahrscheinlich tat er gut daran, diese Nacht jetzt zu genießen, denn näher würde er der Tänzerin wohl nie mehr kommen.
„Na gut… dann komm halt her.“ Er drehte sich zurück auf die Seite, legte einen Arm um die schmale Frau und schlief irgendwann auch ein. Und eigentlich war es schade, dass er so ein Langschläfer war, denn so entgingen ihm die halb verwirrten, halb belustigten Blicke von Torín am nächsten Morgen und Ninias entzückend einfache Erklärung: „Mir war kalt. Er hatte einen Mantel. Und wir sind doch alle Freunde.“
no subject
Date: 2012-08-30 06:14 pm (UTC)Und irgendwie ist "entzückend einfache Erklärung" eine wunderschöne Formulierung. =)