[identity profile] http://users.livejournal.com/leni_/ posting in [community profile] 120_minuten
Team: Novalis
Challenge: AU - Cowboys (fürs Team)
Fandom: X-Men (sehe ich das richtig? Für die gibt es noch keinen tag??)
Charatere: Wolverine, Rogue
Wörter: ~700
Anmerkung: Es ist sehr, sehr, sehr lange her dass ich zuletzt irgend etwas von den X-Men gelesen oder gesehen habe. Daher bitte ich um Verzeihung, falls die beiden etwas ooc geartet sein sollten. Außerdem: Nicht gegengelesen.


Ein endloses Meer aus trockenen Gräsern. Die trockenen Halme raschelten trocken, wenn der Wind über sie strich. Trockene Blätter stachen, schnitten trocken in ihre trockene Haut.
Trocken.
Das einzige Wort, das ihr geblieben war. Das einzige Wort das noch in ihrem Kopf kreiste.
Wie die Geier über ihrem Kopf.
Für Durst war schon gar kein Platz mehr.

„Hey, Kleine!“
Etwas berührte ihre Lippen, Wasser, jemand hielt ihren Kopf, Sandpapierhände.
Sie trank, schluckte, verschluckte sich. Wasser, Sandpapierhände, jemand hielt sie fest.
„Langsam...“
„Fassen Sie mich nicht an!“
Der Schreck war größer als die Erschöpfung. Mit einem Mal war sie hellwach, krabbelte rücklings von dem Fremden weg.
Der hatte seine Hände gehoben, die Feldflasche noch in der einen. Sandpapierhände. Ein Gesicht aus Ecken und Kanten. Dunkle Augen, tief unter buschigen Brauen. Und ein Ausdruck, der gleichzeitig verwirrt und entschuldigend und irgendwie fehl am Platz in diesem Gesicht wirkt.
„O-kay...“
Er streckte ihr die Wasserflasche entgegen, so wie man vielleicht einer scheuen Katze ein Stückchen Fleisch hinhalten würde.
„Danke“, murmelte sie. Er hatte sie gerettet, immerhin. Sie sollte Dankbarkeit zeigen. Aber sie konnte nicht. Er hätte sie verrecken lassen sollen.
Er hätte sie verrecken lassen sollen. Seinetwegen.
Sie trank die Hälfte des Wassers. Er hatte bestimmt mehr, sonst hätte er es ihr nicht so freigiebig angeboten. Dann stand sie auf – schwarze Punkte schwammen vor ihren Augen, aber sie schenkte ihnen keine Beachtung. Die Sonne verschwand eben hinter dem westlichen Horizont.
Der Fremde hatte ein Feuer gemacht, trockene Gräser glühten eifrig. Das darüber gestapelte Holz brauchte mehr Zeit um zu entflammen und der Fremde nutzte diese Zeit um ein Kaninchen seiner Felle und Innereien zu entledigen.
Sie war hungrig, so verdammt hungrig, aber sie konnte nicht bleiben. Er hatte sie gerettet. Er hatte es nicht verdient...
„Danke, nochmal“, murmelte sie, so leise, dass er sie vielleicht gar nicht hören würde. Dann drehte sie sich um und ging, langsam schneller werdend, bis sie schließlich rannte. Vielleicht hätte sie geweint, aber sie hatte nicht annähernd genug getrunken um schon wieder Tränen übrig zu haben.

Sie war nicht weit gekommen, als er sie einholte. Seine Sandpapierhand fasste ihren Arm, riss sie herum.
„Nicht anfassen!“, schrie sie. Kreischte. Ob sie hysterisch klang? Sie hatte sich eigentlich nie als besonders hysterische Person gesehen.
„Schon gut“, er ließ sie los. Machte eine Schritt zurück.
„Hey, ich habe keine Ahnung was man dir getan hat, aber -“
Da lachte sie. Erstickt. Vielleicht weinte sie auch. Sie war sich nicht sicher.
„Sie versteh'n nicht“, sagte sie.
„Lassen sie mich gehen, wen ihnen ihr Leben lieb ist!“
Der Fremde runzelte die Stirn, blickte an ihr vorbei in die sich schwarz färbende Prärie, dann zurück zu ihr. Gut, dachte sie, er hält mich für wahnsinnig. Für übergeschnappt. Soll er.
„Willst du sterben?“, fragte er dann.
Ja! Dachte sie. Schrie sie in Gedanken. Ja, verdammt. Wenn der Tod ihr schon überall auf Tritt und Schritt folgen musste, dann sollte er sie auch endlich mitnehmen. Aber die Worte wollten nicht aus ihrem Mund kommen.
„Ich will nicht, dass Sie sterben“, sagte sie statt dessen. Oder vielleicht wollte sie es doch, wenn sie sich das Grinsen so ansah, das sich plötzlich auf dem Gesicht des Fremden ausbreitete.
„Glaub mal, ich bin nicht so leicht tot zu kriegen“, versicherte er ihr.
„...das sind sie alle“, murmelte sie und drehte sich um.
Der Fremde kam ihr nicht nach.

Irgendwo in der Ferne hörte sie einen Kojoten heulen. Mit der Dunkelheit kam eine eisige Kälte.
„Ich will sterben“, sagte sie sich selbst, versicherte sie sich selbst, während sie weiter ging, weiter und weiter und doch trugen ihre Füße sie zurück zu dem Feuer und dem Fremden.
Aus sicherer Entfernung sah sie ihm zu, wie er das Kaninchen über dem Feuer drehte.
Er ist nur ein Fremder, sagte sie sich. Niemand den ich kenne, niemand den ich mag, vermutlich nicht mal jemand den irgendwer vermissen wird. Ihr Magen knurrte.
Er schien wenig überrascht, als sie sich auf der anderen Seite des Feuers niederließ.
„Hast du das Sterben verschoben?“, fragte er über Flammen und brutzelndes Kaninchen hinweg.
Ja. Dachte sie. Für mich schon.

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