[identity profile] exiles-diary.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Dickinson
Autor: Jenchan
Titel: Der neue Nachbar
Challenge: H/C/Angst - zu heiß/zu kalt (fürs Team)
Fandom: Original
Charaktere: Gabriela und Noah
Wörter: ~1620
Warnings: unbetaed, nicht Korrektur gelesen
Disclaimer: meins! (fast)

Widmung: Für [livejournal.com profile] der_jemand weil sie die Anregung gegeben hat und mir auch zwischendurch versucht hat, weiterzuhelfen. Vielen Dank!

Kommentar: Ja ja ja! Endlich wieder mal etwas längeres geschrieben. Mit Namen, auf die ich nie gekommen wäre. Aber es hat Spaß gemacht. Gabriela gefällt mir irgendwie und Noah... keine Ahnung, wie der ist. Ich glaube, durch Gabrielas Sicht wird das Bild ziemlich verzerrt. Aber vielleicht kann ich damit ja irgendwann Geld verdienen <.<***



Der neue Nachbar

Ich koche wahnsinnig gerne. Schon immer. Als ich gerade erst laufen gelernt habe, war mein Platz schon in der Küche. Meine Familie und meine Freunde wundern sich heute noch öfter, warum ich meine Leidenschaft nicht zum Beruf gemacht habe.
Die Antwort ist immer noch dieselbe: In Großküchen zu arbeiten ist etwas ganz anderes, als seine Liebsten bekochen zu wollen.
Ich habe noch nie mehr als sieben Menschen gleichzeitig bekocht und ich koche für einen Abend auch nicht dreitausend verschiedene Gerichte. Es gibt allerhöchstens eine Vor- und oder eine Nachspeise. Aber am wichtigsten ist natürlich der Hauptgang.
Solche Abenden mit Freunden oder Familie sind mir immer die liebsten. Alle haben Spaß und es wird viel gelacht. Aber vor allem sehe und höre ich es natürlich gerne, wenn es allen schmeckt.
Wahrscheinlich liegt darin meine Leidenschaft fürs Kochen begründet und aufgrund meiner Erfahrung halte ich mich eigentlich für eine recht gute Köchin. Aber wie es das Leben so will, ist niemand perfekt.
Vor einer Woche bin ich umgezogen. Neue Stadt, neuer Job, neue Nachbarn. Eigentlich ein ganz neues Leben, wie ich feststellen muss und das ist nicht immer einfach. Am ersten Tag bin ich meinem unmittelbaren Nachbarn begegnet und ich dachte, ich müsste sterben, so toll sah er aus.
Er ist in etwa meinem Alter und heißt Noah. Noah Hartberg. Groß, schlank, braune Augen, dunkelblonde Locken im Kurzhaarschnitt. Er sah einfach nur wow aus. Genau mein Geschmack.
Natürlich hatte ich einfach nur leicht dämlich gekichert und mich gleich darauf ins nächste Erdloch verbuddeln wollen. Ich bin eigentlich ein recht offener Mensch, sehr kommunikativ und habe keinerlei Probleme, mit anderen Menschen ein Gespräch zu beginnen.
Noah raubte mir den Atem und es war ein Wunder, dass ich meinen eigenen Namen rausbrachte. "Gabriela... Liebherr Gabriela. Ich... ich bin neu hier", hatte ich gestottert und gekichert als wäre ich ein zwölfjährige dumme Kuh. Er hingegen hat mir ein strahlend, freundliches Lächeln geschenkt - wie konnte ein Mensch nur so weiße Zähne haben? - und mich herzlich willkommen geheißen.

Wir sind uns dann noch ein paar Mal im Stiegenhaus begegnet und schließlich habe ich es doch geschafft, mich zusammenzureißen. Ich ging zu seiner Türe - das war gestern, Freitag - und habe angeläutet. Ich kam gerade von der Arbeit und war fest entschlossen mich diesmal nicht aus dem Tritt zu bringen.
"Hi!", strahlte ich ihn an. "Ich bin Gabriela von nebenan. Der Neueinzug, erinnerst du dich?" Ja, ich wollte mich dafür treten, aber zu dem Zeitpunkt hatte ich gar keine Zeit darüber nachzudenken, wie dämlich ich mich gerade aufführte. Ich hatte eine MISSION! Und die hieß: Nachbar einladen.
"Tja - und jetzt bin ich schon ne Woche hier und dachte mir, wär doch cool, wenn du deinen Nachbarn einlädtst. Immerhin kann gute Nachbarschaftspflege durchaus wichtig sein. Wenn einem Salz oder Zucker ausgeht." Er starrte mich lächelnd an und ich wurde noch nervöser. "Jedenfalls, wenn du Sie du... Also wenn SIE Zeit haben, dann sind Sie herzlich für morgen Abend bei mir zum Essen eingeladen. Ich hoffe, Sie haben keine Allergien. Sie können sich auch gerne ein Gericht aussuchen..."
"Um wieviel Uhr soll ich da sein?", hatte er mich dann unterbrochen und mein Verstand war ihm dafür ein wenig dankbar, weil ich mich hier nun sicher dumm und fusselig geredet hätte.
"Passt sechs Uhr?", fragte ich kleinlaut und Noah nickte.
"Dann bis morgen sechs Uhr", bestätigte er und damit war die Sache geritzt. Nur dass er mich nicht gesagt hatte, was er gerne aß und ob es Dinge gab, die er so gar nicht vertrug. Also musste ich mir das Gehirn zermatern, was ich kochen sollte. Für mich ja primär eigentlich nicht so ein Problem, weil ich dann einfach koche, auf was ich persönlich Lust habe, aber irgendwie konnte ich das bei Noah nicht.
Der Typ hatte mir auf gewisse Weise schwer den Kopf verdreht und ein bescheuerter, nicht unwesentlicher Teil von mir wollte ihn einfach beeindrucken. Aber ich wollte ihn auch nicht vergiften, also musste es etwas sein, was gut war, aber die meisten Menschen auch vertrugen. Und ich hatte nicht ewig Zeit, schließlich musste ich morgen dafür noch allfällige frische Zutaten organisieren.

Mein Samstag war in diesem Sinne dann auch recht stressig und ich war gerade dabei, in den Töpfen zu rühren, als es klingelt. Das wirft mich wieder etwas aus der Bahn, aber einen Moment kann ich das Essen ja aus den Augen lassen, um die Türe zu öffnen.
Vor mir steht Noah und er sieht noch viel besser aus, als die letzten Tage. Er trägt ein blassrosa Hemd - was ich persönlich sehr mutig finde; es gibt nicht vielen Menschen, die diese Farbe wirklich steht - und eine pechschwarze Anzughose dazu. Seine Schuhe sind glänzend und ebenfalls schwarz.
"Guten Abend, Frau Liebherr."
"Gabriela", flüstere ich sofort tonlos zurück. Besser wir machen es uns beide nicht schwerer als es sein muss. Wir sind Nachbarn, da ist es in Ordnung, sich mit Vornamen anzusprechen.
"Gabriela", wiederholt er mit diesem unerschütterlichen Lächeln und ich schmelze regelrecht dahin. "Hier, die habe ich Ihnen mitgebracht." Er hält mir eine Schachtel mit einem sehr teuren, aber unglaublich guten Rotwein hin. Wow, was für ein Mann.
"Danke", versuche ich meine Stimme wiederzufinden, aber so wirklich gelingt es mir nicht. Ich glaube ja nicht, dass ich mich verliebt habe, ich glaube nur, dass oberflächlich betrachtet dieser Mann wirklich heiß aussah und die Gedanken bringen mich durcheinander. Weiß der Teufel wieso.
Es war auch nicht wichtig, denn zu meinem Entsetzen stellt er etwas anderes fest. "Hier riecht es irgendwie verbrannt." Verbrannt! Natürlich!
Mir wird ganz schlecht, als ich den beißenden Geruch schließlich selbst wahrnehme und flitze in die Küche. Auf dem Herd blubbert fröhlich mein Topf über und die Flüssigkeit verteilt sich malerisch auf dem Ceranfeld und haucht dort zischend ihr Leben aus. "Fuck!", fluche ich relativ unchalant und zieh den Topf zur Seite. Natürlich nicht mit der notwendigen Vorsicht und verbenne mir auch noch gleich meine Finger.
Ich fluche wieder und schalte die Herdplatte ab, bevor ich meine Hand unter das kalte Wasser lege. Zu allem Überfluss hat es sich mein Nachbar nicht im Wohnzimmer stehen geblieben, sondern betrat gerade mit einem leisen Pfiff die Küche.
Ich möchte heulen!

"Zeig mal", fordert Noah mich schließlich auf, aber ich tue so, als würde ich ihn nicht hören. Ich vermeide es auch tunlichst, ihn irgendwie anzusehen. Das war mir alles so unangenehm. Es war zwar nicht das erste Mal, dass mir eine Speise mal nicht gelingt. In meinen Anfängen ist sogar ziemlich viel im Müll gelandet. Aber ich habe noch nie so rigoros versagt wie heute. Das kann ich nicht so einfach verdauen.
Ich zucke sogar zusammen, als er hinter mich tritt und sanft meine Hand unter dem eisigen Wasserstrahl hervorzieht. Ich sehe seine Füße an. Seine Socken sind dunkelblau und... ist das ein Loch? Sehr spannend.
"Die ist ja schon eiskalt", meint er sanft und etwas überrascht. Seine Hand fühlte sich warm an, natürlich. Wobei ich es nicht wirklich registriere, weil meine Finger ganz taub sind.
"Hey. Das ist nicht so schlimm. Beim nächsten Mal klappts vielleicht besser." Noah will mich trösten und ich weiß, er meint es nicht böse, aber seine Worte treffen mich. Er hat doch keine Ahnung!
Ich entziehe ihm barsch meine Hand und nehme Abstand. Meine Augen funkeln ihn regelrecht an. "Dir passiert sowas vielleicht! Aber ich kann kochen!" Zu allem Überfluss merke ich, wie mir Tränen in die Augen steigen. "Ich KANN KOCHEN!", kreische ich fast und wische mir frustriert schniefend über die Augen.
Er hebt abwehrend die Arme. "Schon gut. Ich glaub dir ja", meint er reserviert und ich drehe ihm den Rücken zu. Shit! Heute ist echt nicht mein Glückstag, wie es scheint. Jetzt hat mich mein Nachbar bestimmt nicht mehr gern. Oder er denkt, ich bin eine zickige Furie!
Aber so bin ich nicht! Wirklich, ganz dolles Indianerehrenwort. Ich bin ein umgänglicher Mensch.
Es breitet sich eine unangenehme Stille aus, auch weil mein Entschuldigung wahrscheinlich viel zu leise war, als dass es irgendwer hätte hören können.
"Darf ich einen Vorschlag machen?", fragte Noah schließlich leise und atmete tief durch.
"Entschuldige. Ich hab mich gerade ziemlich unprofessionell verhalten", drehe ich mich wieder zu ihm um und setze ein Lächeln auf. Er zuckt mit den Schultern.
"Hast du", widerspricht er mir nicht und ich finde das irgendwie beeindruckend ehrlich. "Aber wir sind Nachbarn und wenn ich mir das Chaos hier ansehe, kann ich es irgendwie verstehen. Egal. Reden wir nicht darüber. willst du meinen Vorschlag hören?"
Ich presse meine Lippen zusammen, weil er wieder irgendwie genau einen Nerv trifft, seufze und nicke aber schließlich.
"Ich hab bei mir noch Pizza im Eisfach. Ich werde sie schnell holen gehen und du bereitet alles vor, damit wir sie nur noch in den Ofen schmeißen müssen. Dann machen wir uns einen gemütlichen Abend, wie es, nehme ich mal an, der Plan gewesen ist." Noah war noch viel besser, als er aussah und im Moment ärgert mich das irgendwie.
"Also eigentlich stehe ich ja nicht so auf Tiefkühlpizza." Aber ich könnte durchaus ein paar Minuten für mich selbst gebrauchen. "Aber in Anbetracht dessen, dass es meine Schuld ist, dass wir kein Abendessen haben, fein. Ich nehme das Angebot an. Du kannst die Türe einen Spalt offen lassen. Ich räume hier auf."
Er schenkt mir ein viel zu süßes, fröhliches Lächeln.
"Super. Den Offen auf 220 Grad vorheizen, Ober-Unterhitze. Ich bin gleich wieder da", meint er noch dazu und war schon aus der Kücher verschwunden. Ich werfe einen Blick auf das Chaos in der Küche, seufzte und schalte den Ofen ein. zumindest scheint er wirklich nicht böse auf mich zu sein - und ich werde ihm ein anderes Mal beweisen, dass ich gut kochen kann.



Date: 2012-08-28 08:31 pm (UTC)
der_jemand: (abby and kate)
From: [personal profile] der_jemand
Aber vielleicht kann ich damit ja irgendwann Geld verdienen <.<***
Wenn du das tust, will ich was abhaben! *gg* ...Auch wenn ich das nicht verdient habe. ;)

Gabriela ist in der Tat sehr niedlich. Und Noah bräuchte noch ne Fic... Aber schön, dass er aus Gabrielas Sicht so perfekt ist. - Sehr niedlich. Und Tiefkühlpizza!

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