[identity profile] chija.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Was ich niemals wollte
Team: Dickinson
Challenge: Fantasy/Mystery - Schwert und Schild (für's Team)
Fandom: Original | Vinya Noré
Charaktere: Alegion Allanon Liamlaeldor ed i noss Aerin (wie war das mit Elfen und langen Namen?), Tyelperin Eyrië ed i noss Aerin (die (da noch) Fürstin)
Worte: ~720
Disclaimer: Alegion und Eyrië gehören nicht mir, sondern meinem Freund, die Story ist auch für ihn.
Kommentar: Inspiration war dieses Lied. Alegion ist der, der in der oben verlinkten Story in der Tür steht, und über den hier geredet wird. Das ganze spielt 5-10 Jahre davor.

Die schweren Schwaden süßlichen Rauchwerkdufts umfingen ihn, kaum dass er das mächtige Portal durchquert hatte. Donnernd fiel es hinter ihm zu und aufgescheuchtes Personal huschte erschreckt davon. Tausendfach hallten seine Schritte von den blanken Marmorwänden wider, denen das bleiche Mondlicht einen silbrigen Schein verlieh.

Alegion rannte.

Die Plattenschultern scheuerten an seinem Hals, er war sich sicher, dass er irgendwo eine Armschiene verloren hatte und die Ränder des breiten Risses in seinem Kettenhemd waren inzwischen bräunlich-rot verfärbt, genauso wie die dunkle Tunika darunter, aber es war ihm egal. So egal. Seine Rüstung hätte in Stücken von ihm abfallen, die Haut in Fetzen von seinem Fleisch hängen können, es hätte ihn nicht gekümmert. Nur seine Hand krallte sich immer fester um den Griff der schlanken Glefe, auf deren Klinge noch immer rötlich das Blut zu kleben schien, obwohl er die Klinge wieder und wieder und wieder gewaschen hatte, das Blut seines Bruders. Thalion war im Kampf gefallen, gegen die Untoten. So würde man es berichten, auf ewig. Niemand würde jemals erfahren, was wirklich geschehen war. Niemand.

In unzähligen Echos hallte sein Schrei in den breiten Fluren wieder, als er abrupt stehen blieb und seine Fäuste gegen die Wände schlug. Der brennende Schmerz lenkte ihn nur für einen Augenblick ab von dem Schmerz in seinem Inneren, seinem Zorn, seiner Verzweiflung, aber kaum lang genug. Am liebsten hätte er sich an dieser Stelle auf den Boden sinken lassen und sich nie wieder erhoben. Aber er musste Haltung bewahren. Ausgerechnet er. Ausgerechnet jetzt.

Er bemerkte seine Mutter erst, als sie direkt hinter ihm stand, wie stets umgeben von ihren Zofen, Damen, Vertrauten, schemengleich in ihren weißen Gewändern. Eyrië war bleich, ihre helle Haut beinahe durchsichtig, und tiefe Trauer stand in ihren Augen. Der Bote war also schneller gewesen als er. Vermutlich einer der Späher. Er würde ihn finden müssen. Später.
„Es tut mir so Leid.“ Seine Stimme war rau. Er konnte sich kaum mehr erinnern, wie viel er geschrien hatte, als sie gekommen waren, so plötzlich, von allen Seiten, wie sie über sie hergefallen waren so weit hinter dem Fluss, wo sie niemals hätten sein dürfen. Niemals.
Ein trauriges Lächeln umspielte Eyriës Lippen. „Es ist nicht deine Schuld.“ Es klang, als spräche sie von weit entfernt und er hatte den Drang, sie festzuhalten. Auch wenn er in der Tiefe seines Herzens wusste, dass sie bereits schwand.
„Ich hätte es verhindern müssen. Wir hatten die Vorhut. Sie hätten Thalions Truppen gar nicht erreichen dürfen.“
„Du konntest nichts verhindern. Du kannst nur seine Nachfolge antreten. Dein Vater ist erkrankt, Alegion.“
Die Worte trafen ihn wie ein Schlag in die Magengrube. Er öffnete den Mund, aber kein Laut klang heraus. Nicht auch noch sein Vater. Nicht jetzt.
„Du wirst nicht an die Grenze zurückkehren. Du wirst hier bleiben und deinem Vater zur Seite stehen. Und sollte er den Weg zu den Sternen antreten, dann wirst du hier sein, und die Wahl des Rates abwarten.“ Es klang, als hätte sie sich bereits damit abgefunden.
„Aber ich kann das nicht!“ Erst, als seine Mutter die Hand hob und ihn mit einem Blick zur Mäßigung aufforderte, wurde ihm klar, dass er sie angeschrien hatte. Den Blick starr auf den Boden gerichtet sank Alegion auf ein Knie. „Verzeiht mir, meine Tyelperin.“
Eyrië schüttelte den Kopf und bedeutete ihrem Sohn, sich zu erheben. „Es gibt nichts zu verzeihen. Aber es hat keinen Nutzen, zu schreien. Es ist der Lauf der Welt. Genauso hervorragend, wie du deine Aufgabe als Krieger der Grenzwache erfüllt hast, so wirst du diese Aufgabe erfüllen. Nun leg deine Waffe und deine Rüstung ab. Lass deine Wunden verarzten. Geh zu deiner Schwester. Auch sie trauert. Ihr werdet beieinander Trost finden. Solltet ihr mich suchen, ich werde bei eurem Vater sein.
Alegion begriff kaum, was sie sagte, und befolgte doch ihre sanften Befehle ohne ein weiteres Wort, wie er es immer getan hatte. Lange sah seine Mutter ihm nach.

„Weißt du“, sagte sie dann leise zu einer ihrer Damen, die die Robe einer Hüterin der Ithildin trug, „Laeldor sagte einst, Thalion und Alegion seien wie Schild und Schwert. Thalion der Beschützer. Der Taktierer. Er hätte sich niemals in einen offenen Kampf gestürzt und ist doch in einem solchen gefallen. Alegion ist der Krieger. Mutig. Ein wenig zu mutig vielleicht. Aber auch so stark. Vielleicht ist es das, was wir noch alle brauchen werden.“

Date: 2012-08-28 01:53 pm (UTC)
From: [identity profile] nessaniel.livejournal.com
Das ist so klasse!

Ich bin bei AUs mit laaaangen Elfennamen immer sehr skeptisch (was rein an meiner Abneigung gegenüber Elfen liegt!), doch als ich aus Neugier auf den Link geklickt habe... OH GOTT Q____Q

Und dann kommst du mit einer superperfekten Geschichte noch hinterher! Oh wow.Ich kenne die Charaktere zwar nicht, aber ich konnte dennoch mitfühlen, Alegion tut mir so Leid. Wie er kaum eine Atempause bekommt, obwohl er seinen Bruder so schmerzlich vermisst...
Die Figur der Mutter ist dir super gelungen! Sie ist toll, sie ist stark, aber nicht eiskalt sondern mitfühlend und einfach nur großartig! Ich ziehe den Hut vor dir! *__*
(Möglicherweise muss ich jetzt meine Elfenabneigung noch einmal überdenken...xD)

Date: 2012-08-28 03:34 pm (UTC)
servena: (Katniss Mockingjay)
From: [personal profile] servena
Also ich finde, da versteht man genug, auch ohne den Hintergrund zu kennen. Bei mir kam jedenfalls die entsprechende Stimmung rüber, dramatisch und traurig und doch erhaben - vermutlich wegen seiner Mutter. Deren Auftritt finde ich sehr gelungen. :)

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