Team: Dickinson
Challenge: Romantik/Intimität - Blicke (für mich)
Fandom: Original | Schalmeienklänge
Worte: 1181
Kommentar: Irgendwie will das mit dem Genre nicht so ganz. Egal. Direkte Fortsetzung hiervon.
Laaaangweilig!, konstatierte Ninia gedanklich und ließ den Kopf in den Nacken fallen. Seit sie aufgewacht war in diesem kleinen, aber gemütlichen Zimmer (das ihnen eine Bauernfamilie großzügig überlassen hatte, als sie sie halbtot hergebracht hatten, hatte Feobar ihr erklärt, sie wusste nichts mehr davon, aber vielleicht war das auch ganz gut so), wurde sie nicht nur beständig von irgendwem daran gehindert, sich in irgendeiner Form zu bewegen, geschweige denn aufzustehen, nein, ihre drei Gefährten hatten sogar eine Art Wachplan aufgestellt, um zu gewährleisten, dass sie nie alleine war. Weil ihre Wunden aufreißen könnten, die im Inneren, weil sie Fieber bekommen könnte, weil sie Schmerzen haben könnte, Ninia kam sich vor wie ein kleines Kind. (Auf der anderen Seite hatte sie tatsächlich Schmerzen und war manchmal ganz froh, dass jemand da war, aber das hätte sie niemals zugegeben.)
Die aktuelle Wache hielt der Hinkende, der über diese Aufgabe offenbar auch nicht interessanter fand, als Ninia ihr zur Ruhe verdammtes Dasein. Zumindest kam es ihr so vor, denn er saß auf dem kleinen Schemel neben ihrem Bett, hielt eine Pergamentrolle in den Händen und las. Eine konzentrierte, kleine Falte hatte sich zwischen seinen Augenbrauen gebildet und er kniff die Augen ein wenig zusammen, als hätte er Schwierigkeiten, die feine Schrift zu entziffern. Ninia blinzelte. Sie hatte gedacht, ihren Feuertänzer inzwischen zu kennen. Unstet, immer für eine Überraschung gut, und ganz sicher mit mehr Geheimnissen, als es für einen Mann gesund war. Aber das hatte sie nun doch nicht erwartet. Sie genoss diesen faszinierenden Anblick noch einen Moment, ehe sie beschloss, sich bemerkbar zu machen.
„Ich wusste gar nicht, dass du lesen kannst.“
Der Hinkende zuckte zusammen und ließ das Pergament ein wenig zu hastig sinken. Das Grinsen, das seine Lippen umspielte, als er sich zu ihr umwandte, kannte sie hingegen zu gut. Es war immer ein Zeugnis von Verlegenheit, wenn er sich bei irgendetwas ertappt fühlte.
„Schön, dass du wach bist. Wie geht es dir?“
Ninia winkte ab. „Ganz gut. Wo hast du Lesen gelernt?“
Der Hinkende zuckte die Schultern. „Ich habe es einmal lernen müssen. Es war… sinnvoll. Warum überrascht dich das so?“ Sie war sich nicht ganz sicher, ob er tatsächlich ernsthaft verwundert war.
„Nun…“, Ninia machte eine vage Handbewegung, „du bist der einzige unserer kleinen Gemeinschaft, der es kann. Es hätte schon öfters mal hilfreich sein können, zu wissen, dass du diese Hühnerspuren auf Pergament entziffern kannst. Und – du bist ein Feuertänzer. Ich dachte immer, lesen wäre etwas für Adelige und Pfeffersäcke. Kannst du etwa auch noch schreiben?“
Der Hinkende rutschte etwas auf dem Schemel hin und her. „Leidlich.“
„Spannend.“ Ninia rappelte sich etwas auf und war stolz auf sich, dass sie dabei nur etwas das Gesicht verzog. „Wärst du so nett, mir etwas zu trinken zu besorgen?“
Offensichtlich erleichtert, dass die Fragestunde beendet war, stand der Hinkende auf und füllte einen bereit stehenden Becher auf der Kommode mit Wasser. Ninia betrachtete ihn und bewahrte diese interessante Erkenntnis in ihrem Hinterkopf.
Der nächste, der zur Wache erschien, war Torín. Er duftete nach Sonne und Erde und Ninia schnupperte einen Moment versonnen. „Schön.“
„Was?“ Der Schemel knarzte bedrohlich, als der Trommler sich niederließ.
„Du riechst gut.“
„Ja? Ich war den ganzen Tag draußen. Ich helfe dem Bauern mit den Wintervorbereitungen. Als Bezahlung dafür, dass du hier herumliegen darfst, unser Beutel ist etwas schmal.“
„Ich verstehe. Tut mir Leid.“
Torín lachte. „Vergiss es. Du kannst nichts dafür. Und ehrlich gesagt macht mir die Arbeit sogar Spaß. Ist mal wieder… eine schöne Abwechslung. Oder so etwas.“
Irgendetwas war in seiner Stimme bei diesen Worten, dass Ninia aufmerken ließ. Fast so etwas wie… Wehmut? Wenn sie darüber nachdachte… Sie kuschelte sich ins Kissen. „Macht es dir etwas aus, wenn ich ein bisschen schlafe? Bin müde.“
„Mach nur. Ich bin ja nur zum Aufpassen hier.“
„Wer ist eigentlich auf die Schnapsidee gekommen, dass ich ständig bewacht werde?“
„Feobar. Is’ aber auch egal. Schlaf du nur.“ Noch eine Erkenntnis, die sich zu merken es lohnte, befand Ninia und schloss die Augen. Nicht, um zu schlafen. Und sobald Torín sich irgendetwas zugewandt hatte, vom Geräusch her flickte er irgendetwas an seiner Kleidung, öffnete sie die Augen wieder ein Stückchen, um ihn zu betrachten.
Eigentlich hatte sie immer geglaubt, die Schwielen an seinen Händen stammten von seinem Leben als Trommler, und das breite Kreuz zu großen Teilen davon, die schwere Trommel landauf, landab zu schleppen. Und der leise Hauch vom Norden in seiner Stimme… irgendwann hatte sie aufgehört, den zu hören. Aber wenn sie die Stücke zusammensetzte, konnten die schwieligen Hände auch von der Feldarbeit stammen, genauso wie die mächtige Statur. Sie dachte zurück daran, wie er zuerst auf sie reagiert hatte, und auf das, was sie tat, wenn der Beutel allzu leer und der Hunger allzu groß wurde. Und sie dachte an die Geschichten, die man sich erzählte, über die Bauern aus dem Norden und was geschehen war mit ihren Feldern und Höfen, als das Ostreich die Nordlande zum ersten Mal überfiel. Vielleicht würde sie ihn irgendwann einmal darauf ansprechen, wenn er nicht gerade annahm, dass sie schlief, und sie ihn heimlich beobachtete. Aber es war etwas, das es sich zu merken lohnte. Was man nicht alles sah, wenn man seine Gefährten nur einmal richtig betrachtete und sich nicht um die nächste Mahlzeit sorgen musste.
Torín hatte auf dem zweiten Strohlager an ihrer Seite die Nacht verbracht, und als er am morgen ging, um weiter auf dem Feld zu helfen, übernahm Feobar den Wachdienst. Und er brauchte Frühstück, was Ninia ausgesprochen freundlich fand. Auch wenn es nur dunkles Brot und ein kleines Stück Käse waren. Sie war über die Großzügigkeit der Bauern mehr als dankbar, denn auch, wenn sie es sich nicht anmerken ließ, wandern wollte sie in der nächsten Zeit wirklich nicht.
„Und, womit hast du dich nützlich gemacht?“
Feobar grinste, tastete mit dem Fuß nach dem Schemel und setzte sich. „Körbe flechten.“
„Bitte!?“
„Ich habe keine Ahnung, ob es hübsche Körbe geworden sind, ich flechte, was man mir anreicht. Ich habe das irgendwann als Junge mal gelernt. Gar nicht so unpraktisch, man kann sie im Winter verkaufen.“
Ninia lachte. „Also langsam glaube ich, ich hätte euch alle viel früher schon einmal nach euren Leben ausfragen sollen.“
Feobar legte den Kopf ein wenig schief. „Was meinst du?“
„Der Hinkende kann lesen.“
„Was?!“
„Wirklich. Torín weiß, wie man Felder bestellt… ich wüsste gerne, was du noch für Talente verbirgst.“
„Gar nichts. Außer Körben.“ Die Antwort kam ein wenig zu schnell und Ninia war es, als hätte sie Feobar unbedingt etwas fragen wollen, als wäre er da gewesen und seltsam, als sie im Wald gelegen hatte… Aber die Erinnerungen waren verschwommen und machten ihr Kopfschmerzen.
„Alles in Ordnung?“ Es faszinierte Ninia immer wieder, wie der Blinde merkte, dass etwas nicht stimmte.
„Ja… nur mein Kopf. Irgendetwas, was ich dich fragen wollte, aber ich hab es wohl vergessen, während ich fast ausgeblutet bin.“
„Was Recht ist, kommt wieder“, meinte Feobar und strich ihr über den Arm. Und Ninia vergaß den Gedanken wieder.
Bei manchen Dinge konnte man eben nicht nur durch ein paar Blicke erfahren.
Challenge: Romantik/Intimität - Blicke (für mich)
Fandom: Original | Schalmeienklänge
Worte: 1181
Kommentar: Irgendwie will das mit dem Genre nicht so ganz. Egal. Direkte Fortsetzung hiervon.
Laaaangweilig!, konstatierte Ninia gedanklich und ließ den Kopf in den Nacken fallen. Seit sie aufgewacht war in diesem kleinen, aber gemütlichen Zimmer (das ihnen eine Bauernfamilie großzügig überlassen hatte, als sie sie halbtot hergebracht hatten, hatte Feobar ihr erklärt, sie wusste nichts mehr davon, aber vielleicht war das auch ganz gut so), wurde sie nicht nur beständig von irgendwem daran gehindert, sich in irgendeiner Form zu bewegen, geschweige denn aufzustehen, nein, ihre drei Gefährten hatten sogar eine Art Wachplan aufgestellt, um zu gewährleisten, dass sie nie alleine war. Weil ihre Wunden aufreißen könnten, die im Inneren, weil sie Fieber bekommen könnte, weil sie Schmerzen haben könnte, Ninia kam sich vor wie ein kleines Kind. (Auf der anderen Seite hatte sie tatsächlich Schmerzen und war manchmal ganz froh, dass jemand da war, aber das hätte sie niemals zugegeben.)
Die aktuelle Wache hielt der Hinkende, der über diese Aufgabe offenbar auch nicht interessanter fand, als Ninia ihr zur Ruhe verdammtes Dasein. Zumindest kam es ihr so vor, denn er saß auf dem kleinen Schemel neben ihrem Bett, hielt eine Pergamentrolle in den Händen und las. Eine konzentrierte, kleine Falte hatte sich zwischen seinen Augenbrauen gebildet und er kniff die Augen ein wenig zusammen, als hätte er Schwierigkeiten, die feine Schrift zu entziffern. Ninia blinzelte. Sie hatte gedacht, ihren Feuertänzer inzwischen zu kennen. Unstet, immer für eine Überraschung gut, und ganz sicher mit mehr Geheimnissen, als es für einen Mann gesund war. Aber das hatte sie nun doch nicht erwartet. Sie genoss diesen faszinierenden Anblick noch einen Moment, ehe sie beschloss, sich bemerkbar zu machen.
„Ich wusste gar nicht, dass du lesen kannst.“
Der Hinkende zuckte zusammen und ließ das Pergament ein wenig zu hastig sinken. Das Grinsen, das seine Lippen umspielte, als er sich zu ihr umwandte, kannte sie hingegen zu gut. Es war immer ein Zeugnis von Verlegenheit, wenn er sich bei irgendetwas ertappt fühlte.
„Schön, dass du wach bist. Wie geht es dir?“
Ninia winkte ab. „Ganz gut. Wo hast du Lesen gelernt?“
Der Hinkende zuckte die Schultern. „Ich habe es einmal lernen müssen. Es war… sinnvoll. Warum überrascht dich das so?“ Sie war sich nicht ganz sicher, ob er tatsächlich ernsthaft verwundert war.
„Nun…“, Ninia machte eine vage Handbewegung, „du bist der einzige unserer kleinen Gemeinschaft, der es kann. Es hätte schon öfters mal hilfreich sein können, zu wissen, dass du diese Hühnerspuren auf Pergament entziffern kannst. Und – du bist ein Feuertänzer. Ich dachte immer, lesen wäre etwas für Adelige und Pfeffersäcke. Kannst du etwa auch noch schreiben?“
Der Hinkende rutschte etwas auf dem Schemel hin und her. „Leidlich.“
„Spannend.“ Ninia rappelte sich etwas auf und war stolz auf sich, dass sie dabei nur etwas das Gesicht verzog. „Wärst du so nett, mir etwas zu trinken zu besorgen?“
Offensichtlich erleichtert, dass die Fragestunde beendet war, stand der Hinkende auf und füllte einen bereit stehenden Becher auf der Kommode mit Wasser. Ninia betrachtete ihn und bewahrte diese interessante Erkenntnis in ihrem Hinterkopf.
Der nächste, der zur Wache erschien, war Torín. Er duftete nach Sonne und Erde und Ninia schnupperte einen Moment versonnen. „Schön.“
„Was?“ Der Schemel knarzte bedrohlich, als der Trommler sich niederließ.
„Du riechst gut.“
„Ja? Ich war den ganzen Tag draußen. Ich helfe dem Bauern mit den Wintervorbereitungen. Als Bezahlung dafür, dass du hier herumliegen darfst, unser Beutel ist etwas schmal.“
„Ich verstehe. Tut mir Leid.“
Torín lachte. „Vergiss es. Du kannst nichts dafür. Und ehrlich gesagt macht mir die Arbeit sogar Spaß. Ist mal wieder… eine schöne Abwechslung. Oder so etwas.“
Irgendetwas war in seiner Stimme bei diesen Worten, dass Ninia aufmerken ließ. Fast so etwas wie… Wehmut? Wenn sie darüber nachdachte… Sie kuschelte sich ins Kissen. „Macht es dir etwas aus, wenn ich ein bisschen schlafe? Bin müde.“
„Mach nur. Ich bin ja nur zum Aufpassen hier.“
„Wer ist eigentlich auf die Schnapsidee gekommen, dass ich ständig bewacht werde?“
„Feobar. Is’ aber auch egal. Schlaf du nur.“ Noch eine Erkenntnis, die sich zu merken es lohnte, befand Ninia und schloss die Augen. Nicht, um zu schlafen. Und sobald Torín sich irgendetwas zugewandt hatte, vom Geräusch her flickte er irgendetwas an seiner Kleidung, öffnete sie die Augen wieder ein Stückchen, um ihn zu betrachten.
Eigentlich hatte sie immer geglaubt, die Schwielen an seinen Händen stammten von seinem Leben als Trommler, und das breite Kreuz zu großen Teilen davon, die schwere Trommel landauf, landab zu schleppen. Und der leise Hauch vom Norden in seiner Stimme… irgendwann hatte sie aufgehört, den zu hören. Aber wenn sie die Stücke zusammensetzte, konnten die schwieligen Hände auch von der Feldarbeit stammen, genauso wie die mächtige Statur. Sie dachte zurück daran, wie er zuerst auf sie reagiert hatte, und auf das, was sie tat, wenn der Beutel allzu leer und der Hunger allzu groß wurde. Und sie dachte an die Geschichten, die man sich erzählte, über die Bauern aus dem Norden und was geschehen war mit ihren Feldern und Höfen, als das Ostreich die Nordlande zum ersten Mal überfiel. Vielleicht würde sie ihn irgendwann einmal darauf ansprechen, wenn er nicht gerade annahm, dass sie schlief, und sie ihn heimlich beobachtete. Aber es war etwas, das es sich zu merken lohnte. Was man nicht alles sah, wenn man seine Gefährten nur einmal richtig betrachtete und sich nicht um die nächste Mahlzeit sorgen musste.
Torín hatte auf dem zweiten Strohlager an ihrer Seite die Nacht verbracht, und als er am morgen ging, um weiter auf dem Feld zu helfen, übernahm Feobar den Wachdienst. Und er brauchte Frühstück, was Ninia ausgesprochen freundlich fand. Auch wenn es nur dunkles Brot und ein kleines Stück Käse waren. Sie war über die Großzügigkeit der Bauern mehr als dankbar, denn auch, wenn sie es sich nicht anmerken ließ, wandern wollte sie in der nächsten Zeit wirklich nicht.
„Und, womit hast du dich nützlich gemacht?“
Feobar grinste, tastete mit dem Fuß nach dem Schemel und setzte sich. „Körbe flechten.“
„Bitte!?“
„Ich habe keine Ahnung, ob es hübsche Körbe geworden sind, ich flechte, was man mir anreicht. Ich habe das irgendwann als Junge mal gelernt. Gar nicht so unpraktisch, man kann sie im Winter verkaufen.“
Ninia lachte. „Also langsam glaube ich, ich hätte euch alle viel früher schon einmal nach euren Leben ausfragen sollen.“
Feobar legte den Kopf ein wenig schief. „Was meinst du?“
„Der Hinkende kann lesen.“
„Was?!“
„Wirklich. Torín weiß, wie man Felder bestellt… ich wüsste gerne, was du noch für Talente verbirgst.“
„Gar nichts. Außer Körben.“ Die Antwort kam ein wenig zu schnell und Ninia war es, als hätte sie Feobar unbedingt etwas fragen wollen, als wäre er da gewesen und seltsam, als sie im Wald gelegen hatte… Aber die Erinnerungen waren verschwommen und machten ihr Kopfschmerzen.
„Alles in Ordnung?“ Es faszinierte Ninia immer wieder, wie der Blinde merkte, dass etwas nicht stimmte.
„Ja… nur mein Kopf. Irgendetwas, was ich dich fragen wollte, aber ich hab es wohl vergessen, während ich fast ausgeblutet bin.“
„Was Recht ist, kommt wieder“, meinte Feobar und strich ihr über den Arm. Und Ninia vergaß den Gedanken wieder.
Bei manchen Dinge konnte man eben nicht nur durch ein paar Blicke erfahren.