[identity profile] nessaniel.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Dickinson
Autor: nessaniel
Titel: Schrei nach mir
Challenge: Fantasy – Joker (zu dieser Challenge zu diesem Bild) – fürs Team
Fandom: Darksiders I und II (Aber man muss nichts wissen (tu ich auch nicht XD), außer, dass der bleiche Kerl vorn im Bild der Tod ist und der mit der Kapuze Krieg)
Charaktere: Tod und Krieg, die Schwärze
Disclaimer: Mir gehört natürlich nichts, pfffht.
Kommentar: Eine Fic zu einem Spiel, das ich niemals gespielt habe, zu einem Bild, das völlig aus dem Kontext gerissen ist. Aber woah, dieses Plotbunny hat mich sogar nachts um drei noch aus dem Bett getrieben!



Schrei nach mir


Ich hörte ein tiefes Grollen hinter mir und fuhr herum, mit erhobenen Sicheln.
Ein dunkler Koloss wälzte sich durch den Felsspalt am Ende des Plateaus, der Boden bebte unter seinem schweren Schritt.

Ein Eisriese, überlegte ich rasch, doch sofort verwarf ich den Gedanken wieder. Zwar wurde mir nie kalt, doch auch an meinen Stiefeln kroch diesmal kein Frost empor, sodass es unmöglich einer der Eisdämonen sein konnte. Ich hatte so viele von ihnen erschlagen.

„Was ist das für eine neue Teufelei?“, keuchte ich leise. Ich zog die Arme näher an den Körper. Der tote Engel, dessen Gerippe in einiger Entfernung immer noch loderte, hatte mich an der Schulter verwundet und ich merkte, wie ich kampfesmüde wurde.

Es würde eh bald vorbei sein. Nicht mehr viele waren übrig.

Ich richtete mich auf und verengte die Augen zu Schlitzen, doch genau erkennen konnte ich das Monster immer noch nicht.

„Wer auch immer du bist“, rief ich dennoch, „ich warne dich. Ich bin der Reiter Tod und werde dein Verderben sein, wenn du dich mir näherst.“

Die Gestalt – es konnte kein Eisriese sein, sie war zu groß dafür – hielt für einen Moment inne.

Dann lachte sie und es klang wie ein tiefes, furchtbares Geheul.

In mir erstarrte alles zu Stein.

Das konnte nicht sein.

Ich wich instinktiv einen Schritt zurück, während sich die Gewissheit immer weiter in meine bleichen Knochen fraß.

„Wer bist du?“, schrie ich erneut, drängender, ängstlicher.

Bitte, bei allem, was noch heilig war, das konnte nicht sein, nicht er, nicht derjenige, den ich um jeden Preis hatte retten wollen…

Das Lachen ertönte erneut und das Biest schob sich endgültig aus der Finsternis heraus, trottete mit langsamen Schritten auf mich zu.

Mich verließ alle Kraft, ich fiel auf die Knie.

„Bruder“, brachte ich stöhnend hervor.

Krieg antwortete mir nicht. Doch es war unzweifelhaft mein Bruder. Sein Schwert glänzte von frischem Blut, ebenso wie seine Kapuze und der schwere, steife Mantel.

Schlohweißes Haar hing ihm bis zur Brust und es hatte den Anschein, als sei sein Leib eine offene Wunde, als schaue man durch Fleisch und Muskel bis auf den blanken Knochen hinab.

„Krieg“, rief ich ihn erneut.

Er hob den Kopf nicht – und schlagartig wurde mir bewusst, dass ich mich an die Farbe seiner Augen nicht mehr erinnern konnte.

Es war so lange her.

„Krieg, ich bin es. Dein Bruder.“ Meine Stimme hatte einen flehenden Ton angenommen, doch es kümmerte mich nicht. Wieso sah er mich nicht an? Wieso war er hier, am Ende der Welt, wo es nur einen Ausweg gab, der ausschließlich durch meine Arme führte?

Ein Klirren ertönte – eine meiner Sicheln war mir aus den Händen gefallen, doch ich konnte nicht nach ihr greifen, zu gebannt war mein Blick.

Ich musste den Kopf in den Nacken legen, als Krieg kurz vor mir anhielt. Er war riesig, weitaus größer und gewaltiger, als ich ihn in Erinnerung hatte.

Weiße Augen glühten auf mich herunter.

Als er endlich sprach, zerbarst mir beinah der Schädel, so dröhnend laut war seine Stimme.

„Wie jämmerlich du bist“, schleuderte er mir nach zwei Millennia der Trennung entgegen. „Ich begreife nicht, was der Rat in dir sah, dass er dich zum Ältesten erhob.“

„Was tust du hier?“, fragte ich leise. Ich ignorierte die Vorwürfe, ich hatte sie schon unzählige Male gehört – auch von mir selbst.

„Hast du geglaubt, ich fürchte dich, Tod?“, brüllte er mich an. Ich schrie vor Schmerzen auf, doch er lachte nur verächtlich und als ich mich krümmte, trat er mir gegen den Schädel.
Hustend und spuckend kämpfte ich mich auf die Knie. „So hör mich doch an, Krieg…“

„Nein, Bruder. Ich habe keine Angst vor dir. Zorn und Hader sind dir erlegen, das weiß ich, du hast sie gefressen, in deiner unersättlichen Gier.“ Er nahm das Schwert von der Schulter – ich wusste, was er vorhatte, doch ich konnte mich nicht wehren. Die scharfe Klinge presste sich gegen meine Stirn und Krieg fuhr fort. „Auch Schlaf, mein geliebtes Schwesterlein, hast du hinfort gerissen. Du hast sie schon immer gehasst, ich weiß.“

Ich heulte auf. „Verstehst du denn nicht, ich musste es tun!“, versuchte ich mich zu
verteidigen, doch Krieg ließ mir keine Gelegenheit. Die flache Seite der Klinge traf mich am Kopf und ich wurde nach hinten geschleudert.

„Genug!“, donnerte er. „Ich habe genug von deinen Lügen und deinen ewigen Entschuldigungen. Du warst schon immer ein Feigling, Tod. Ein Schmarotzer.“

Das war zuviel, ich hielt es nicht mehr aus und richtete mich auf, umfasste die Sense fester.

„Nach all den Jahrtausenden…“, murmelte ich langsam. „und du wirfst mir das immer noch vor?“
Ich sah ihn an. Tränen und Blut klebten an meinen Kleidern, nichts davon stammte von mir. Feuer loderte um meine Hände.

Es gab kein Zurück mehr

Krieg streifte die Kapuze ab und streckte mir das Schwert entgegen.

„Immer, Bruder. Denn du weißt, dass ich Recht habe.“

„Ich stehle dir nichts“, betete ich herunter.

„Doch ohne mich würdest du verhungern“, kam die äonenalte Antwort.

Ich warf ihm einen letzten flehenden Blick zu.

„Wir müssen das nicht tun, Bruder…“, begann ich.

„Natürlich müssen wir das tun! Sieh dich doch um!“ Er deutete auf das Schlachtfeld um uns herum: Leichenberge faulten überall und dahinter türmte sich die grässliche Schwärze auf, der ich mit aller Kraft entgegenwirken zu suchte. Das Ende der Welt und das aller Zeiten. „Ich bin der Letzte, der noch übrig ist, von all dem, was dieses Universum einst war!“

Ich ließ den Kopf hängen. „Wenn du mir nur die Hand reichen würdest, Bruder. Wir müssen nicht kämpfen. Ich kann dich begleiten, ohne Schmerzen…“

Doch Krieg stürzte mit einem Schrei auf mich zu.
-------------

Der Kampf dauerte lange, Krieg gab nicht nach, nicht um einen Zentimeter. Er blutete aus zahlreichen Wunden, doch seine Hiebe verloren nichts von ihrer Kraft und er bedrängte mich immer heftiger.

Doch es war unausweichlich, dass ich gewinnen würde und schließlich, nach Ewigkeiten, sank er getroffen zu Boden, die Sensen tief in der Brust.

Er schrie auf, eh das Gurgeln des Blutes in seiner Kehle ihn verstummen ließ.

Ich stürzte zu ihm und schloss ihn endlich, endlich in die Arme und bedeckte seine Stirn mit Küssen. Die Schwärze war immer näher gekrochen, kaum eine Armeslänger war sie nun noch von uns entfernt.

„Wieso quälst du mich so?“, hauchte ich. „Warum lässt du dich von mir ermorden, hier, am Ende aller Zeiten? Warum bist du nicht ohne Kampf mit mir gekommen? Warum diese letzte Kränkung, Bruder?“

Krieg keuchte und spuckte in meinen Armen, doch er wehrte sich nicht gegen meinen Griff, obwohl er spüren musste, wie ich langsam alle Kraft aus ihm heraussaugte.

Ich sah ihm in die Augen, die nur noch schwach glommen.

„Warum, Bruder?“, flüsterte ich.

Und dann lächelte er und alle Last schien von ihm abzufallen. Er griff nach meiner Maske und zog sie mir vom Gesicht.

„Weil ich nicht wollte, dass du allein bist, wenn die Schwärze kommt“, erklärte er mir. „Sie frisst auch dich, nicht wahr? Auch du überlebst das Ende aller Dinge nicht. Ich wollte bei dir sein.“ Er strich mir über die vernarbten Wangen. „Du warst so lang allein…“

Nur sehr langsam begriff ich seine Worte – und als ich es tat, begann ich zu lachen und zu weinen.

Krieg stimmte erschöpft mit ein.

Als die Schwärze begann, sich um meine Beine zu schlingen und mich zu vertilgen, drückte ich Krieg fester an mich.

„Ich bin froh, dass du bei mir bist“, flüsterte ich in sein Ohr.

Erst da merkte ich, dass er bereits fort war.

Alles war vorbei.

Einen Augenblick später verschlang die Schwärze mich vollständig.

-Ende



(Ob ich wohl einen Darksiders-tag bekommen dürfte, liebe Mods? =3)
Ihr seid großartig, liebe Mods! <3

Edit: weil ich zu blöde bin, um Links richtig zu setzen

Date: 2012-08-23 09:12 pm (UTC)
der_jemand: (green)
From: [personal profile] der_jemand
Wow, jetzt habe das Bedürfnis, Darksiders zu recherchieren. *gg*

Aber das hat was. Ich mag Geschwister, die sich hassen, sich Vorwürfe machen und sich kümmern. Auch (und vielleicht auch grade wenn) sie personifizierte Katastrophen sind.^^
Schönes Ende!

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