Team: Dickinson
Challenge: Hurt/Comfort/Angst - Nahtoderfahrung (für's Team)
Fandom: Original | Schalmeienklänge
Worte: 1010
Kommentar: In einer Original, in der der Tod einer der Hauptcharaktere ist, eine Nahtoderfahrung zu schreiben, ist irgendwie auch zu offensichtlich. Aber es musste einfach sein...
„Und wo geht es als nächstes hin?“
Der Hinkende ließ sich rückwärts ins Gras fallen und starrte in den klaren Himmel, den die letzten Sonnenstrahlen sanft färbten. „Nicht nach Süden und nicht nach Osten. Man sagt, die Grauen Truppen rücken vor, wenn wir Pech haben, gerade wir genau zwischen die Fronten. Vom Meer kommen wir gerade… nordwärts?“
„Nein. Der Norden bringt uns nichts. Karg, kaum Gasthäuser. Eigentlich hatten wir durchaus an den Süden gedacht. Feobar?“
„Süden. Ich möchte nach Hause, meine Schwester hat schon zu lange nichts mehr von mir gehört. Und - Still.“ Der Blinde hob die Hand und die anderen beiden lauschten angestrengt. Feobars Augen mochten zu nichts zu gebrauchen sein, aber sein Gehör war dafür untrüglich.
Und dann zerriss der Schrei die Stille.
„Ninia!“
Alle drei kamen sie sofort auf die Füße. Sie hatte gesagt, sie wollte noch etwas für ihr Abendessen suchen, denn die nächste Siedlung war weit entfernt und sie hatten alle beschlossen, nicht durch die Nacht zu wandern. Irgendwo im nahen Wald.
Sie fanden sie auf einer kleinen Lichtung. Reglos verdreht, wie eine zerbrochene Puppe lag sie auf dem unebenen Waldboden. Bluse und Mieder waren zerfetzt und das Blut bildete langsam eine kleine Pfütze, so stetig troff es aus den drei tiefen Wunden, die sich quer über ihre schmale Brust zogen, die sich nur noch schwach hob und senkte. Nutzlos wie ein Spielzeug lag der kleine Dolch, den sie sonst nur zum Schlafen ablegte, neben Ninias erschlaffter Hand. Ein metallisch-übelkeiterregender Geruch lag in der Luft.
„Eine Waldkatze“, murmelte Torín tonlos. „Sie muss sie überrascht haben.“ Neben seiner Gefährtin ging er in die Knie.
„Ich dachte, die gibt es so weit unten gar nicht!“ Der Hinkende schien die Situation kaum erfassen zu können.
„Tut es auch nicht. Normalerweise. Aber auch in den Wäldern oben wird gekämpft. Vermutlich haben die Truppen sie nach unten getrieben. Sie hat es nicht wissen können.“ Toríns bärengroße Pranken wirkten so fehl am Platze, als er versuchte, genug Kleidungsreste zusammenzusammeln, um sie auf die Wunden drücken zu können, und Ninia dabei nicht so zu berühren, wie sie es nicht gewollt hätte.
An seiner Schulter entlang tastete sich Feobar nach unten, um sich neben ihn zu knien. Seine Finger flatterten kurz über den Boden, bis er Ninias Hand fand. „So kalt…“
Irgendetwas an seinen Worten schien Torín zu wecken.
„Du.“ Er drehte sich zu dem Hinkenden um, der immernoch wie gelähmt hinter ihnen stand. „Hol Hilfe. Irgendwen. Renn ins nächste Dorf. Du bist der flinkste von uns. Los!“ Der Feuertänzer nickte noch nicht einmal. Er drehte sich einfach um und stob davon. Torín stand auf. „Es gibt Kräuter, die dafür sorgen, dass das Bluten aufhört. Ich gehe sie suchen. Du bleibst hier. Drück irgendwas auf die Wunde. Dein Hemd, irgendwas.“ Es dauerte einen Augenblick, bis er bemerkte, wie sinnlos seine Aufforderung war, ging noch einmal in die Knie und schon Feobars Hände, die inzwischen sein dünnes Hemd hielten, in die richtige Position. „Da. Fest. Ich bin gleich wieder da. Und du“, er sah die leblose Ninia direkt an, „bleibst bei uns. Nicht weggehen.“ Und damit wandte er auch er sich ab und verschwand zwischen den Bäumen.
Feobar biss die Zähne zusammen.
„Geh weg.“
Er musste den Kopf nicht drehen um zu wissen, dass der Gevatter lautlos wie stets neben ihm erschienen war. Irgendwo in der Ferne schrie ein Rabe.
Ihre Zeit ist fast da.
„Nein. Nicht so. Nicht hier.“
„Mit wem sprichst du?… Er ist hier, nicht war?“ Ninias Stimme war leise und seltsam erstickt und Feobar fragte sich, wie viel sie wusste, spürte, ahnte. Er versuchte sich an einem Lächeln, wusste nicht, ob sie es sah. „Nein. Alles ist gut. Torín und der Hinkende bringen Hilfe. Nicht sprechen.“
„Mir ist kalt.“
Er drückte das Hemd, das wohl schon vollkommen durchnässt sein musste noch etwas fester auf ihre Brust und spürte, wie sie zusammenfuhr. „Der Hinkende macht ein Feuer, sobald er wieder hier ist. Du wirst sehen, alles wird gut.“
Sie antwortete nicht mehr.
„Nicht so.“
Sanft strich der Gevatter Ninia eine Strähne aus der Stirn. Was willst du tun?
„Lass uns spielen.“
Interessant. Der Gevatter lehnte sich in seinem Sessel zurück und Feobar bemerkte erstaunt, dass sie sich nicht mehr in der raumlosen Leere befanden, in der er seinen Spielpartner sonst zu treffen pflegte, sondern in einem edlen Saal, und dass auch er in einem bequemen Sessel Platz genommen hatte.
„Sie ist eine Spielfrau. Das heißt, sie darf würfeln.“
Sie gehört zum Bunten Volk. Sie kennt den Brauch nicht.
„Aber ich kenne ihn. Und ich fordere hiermit ihr Recht ein. Auf meine Zeit. Komm nach drei und einem halben Jahr statt den sieben, die mir zustehen. Aber lass mich würfeln.
Der Gevatter grinste. Wie stets. Wie du möchtest.
„Feobar?“ Er zuckte zusammen, als er Toríns Stimme hörte, wusste nicht wie viel Zeit vergangen war und spürte Ninia noch immer unter seinen Händen atmen. Es fühlte sich ein wenig stärker an als zuvor. Nur ein wenig.
„Hast du die Kräuter?“
„Ein paar. Ich-“ Er kam nicht zu mehr Erklärungen, denn hinter ihnen brach der Hinkende aus den Bäumen hervor. Schnelle Schritte folgten ihm und als Torín neben ihm instinktiv den alten Gruß vollführte, wusste Feobar, dass es sein Soldat der Grauen Truppen des Nordens sein musste. Später würde Torín ihm beschreiben, dass der Soldat zweifelsfrei eingeschüchtert aussah.
„Truppen in der Nähe“, erklärte der Hinkende in seiner typisch knappen Art, die er immer anschlug, wenn er nicht wusste, was er tun sollte. „Feldscher Beorg hilft.“ Der Feldscher, dem ein leiser Duft von langer Wanderung, von Staub und einem Wirtshaus anhaftete, schon Feobar zur Seite. „Lass mich sehen.“ In seiner Stimme rollte der Klang des Nordens, wie bei Torín, wenn er nicht darauf achtete. „Es ist gut, mein Kind. Hilfe ist da.“
Feobar musste nicht sehen können um zu wissen, dass Ninia erneut die Augen geöffnet hatte und ihn ansah. „Du hast etwas gemacht.“ In ihrer leisen Stimme schwang seltsame Trauer mit und Feobar fragte sich, ob er ihr wohl irgendwann die ganze Geschichte erzählen sollte.
Challenge: Hurt/Comfort/Angst - Nahtoderfahrung (für's Team)
Fandom: Original | Schalmeienklänge
Worte: 1010
Kommentar: In einer Original, in der der Tod einer der Hauptcharaktere ist, eine Nahtoderfahrung zu schreiben, ist irgendwie auch zu offensichtlich. Aber es musste einfach sein...
„Und wo geht es als nächstes hin?“
Der Hinkende ließ sich rückwärts ins Gras fallen und starrte in den klaren Himmel, den die letzten Sonnenstrahlen sanft färbten. „Nicht nach Süden und nicht nach Osten. Man sagt, die Grauen Truppen rücken vor, wenn wir Pech haben, gerade wir genau zwischen die Fronten. Vom Meer kommen wir gerade… nordwärts?“
„Nein. Der Norden bringt uns nichts. Karg, kaum Gasthäuser. Eigentlich hatten wir durchaus an den Süden gedacht. Feobar?“
„Süden. Ich möchte nach Hause, meine Schwester hat schon zu lange nichts mehr von mir gehört. Und - Still.“ Der Blinde hob die Hand und die anderen beiden lauschten angestrengt. Feobars Augen mochten zu nichts zu gebrauchen sein, aber sein Gehör war dafür untrüglich.
Und dann zerriss der Schrei die Stille.
„Ninia!“
Alle drei kamen sie sofort auf die Füße. Sie hatte gesagt, sie wollte noch etwas für ihr Abendessen suchen, denn die nächste Siedlung war weit entfernt und sie hatten alle beschlossen, nicht durch die Nacht zu wandern. Irgendwo im nahen Wald.
Sie fanden sie auf einer kleinen Lichtung. Reglos verdreht, wie eine zerbrochene Puppe lag sie auf dem unebenen Waldboden. Bluse und Mieder waren zerfetzt und das Blut bildete langsam eine kleine Pfütze, so stetig troff es aus den drei tiefen Wunden, die sich quer über ihre schmale Brust zogen, die sich nur noch schwach hob und senkte. Nutzlos wie ein Spielzeug lag der kleine Dolch, den sie sonst nur zum Schlafen ablegte, neben Ninias erschlaffter Hand. Ein metallisch-übelkeiterregender Geruch lag in der Luft.
„Eine Waldkatze“, murmelte Torín tonlos. „Sie muss sie überrascht haben.“ Neben seiner Gefährtin ging er in die Knie.
„Ich dachte, die gibt es so weit unten gar nicht!“ Der Hinkende schien die Situation kaum erfassen zu können.
„Tut es auch nicht. Normalerweise. Aber auch in den Wäldern oben wird gekämpft. Vermutlich haben die Truppen sie nach unten getrieben. Sie hat es nicht wissen können.“ Toríns bärengroße Pranken wirkten so fehl am Platze, als er versuchte, genug Kleidungsreste zusammenzusammeln, um sie auf die Wunden drücken zu können, und Ninia dabei nicht so zu berühren, wie sie es nicht gewollt hätte.
An seiner Schulter entlang tastete sich Feobar nach unten, um sich neben ihn zu knien. Seine Finger flatterten kurz über den Boden, bis er Ninias Hand fand. „So kalt…“
Irgendetwas an seinen Worten schien Torín zu wecken.
„Du.“ Er drehte sich zu dem Hinkenden um, der immernoch wie gelähmt hinter ihnen stand. „Hol Hilfe. Irgendwen. Renn ins nächste Dorf. Du bist der flinkste von uns. Los!“ Der Feuertänzer nickte noch nicht einmal. Er drehte sich einfach um und stob davon. Torín stand auf. „Es gibt Kräuter, die dafür sorgen, dass das Bluten aufhört. Ich gehe sie suchen. Du bleibst hier. Drück irgendwas auf die Wunde. Dein Hemd, irgendwas.“ Es dauerte einen Augenblick, bis er bemerkte, wie sinnlos seine Aufforderung war, ging noch einmal in die Knie und schon Feobars Hände, die inzwischen sein dünnes Hemd hielten, in die richtige Position. „Da. Fest. Ich bin gleich wieder da. Und du“, er sah die leblose Ninia direkt an, „bleibst bei uns. Nicht weggehen.“ Und damit wandte er auch er sich ab und verschwand zwischen den Bäumen.
Feobar biss die Zähne zusammen.
„Geh weg.“
Er musste den Kopf nicht drehen um zu wissen, dass der Gevatter lautlos wie stets neben ihm erschienen war. Irgendwo in der Ferne schrie ein Rabe.
Ihre Zeit ist fast da.
„Nein. Nicht so. Nicht hier.“
„Mit wem sprichst du?… Er ist hier, nicht war?“ Ninias Stimme war leise und seltsam erstickt und Feobar fragte sich, wie viel sie wusste, spürte, ahnte. Er versuchte sich an einem Lächeln, wusste nicht, ob sie es sah. „Nein. Alles ist gut. Torín und der Hinkende bringen Hilfe. Nicht sprechen.“
„Mir ist kalt.“
Er drückte das Hemd, das wohl schon vollkommen durchnässt sein musste noch etwas fester auf ihre Brust und spürte, wie sie zusammenfuhr. „Der Hinkende macht ein Feuer, sobald er wieder hier ist. Du wirst sehen, alles wird gut.“
Sie antwortete nicht mehr.
„Nicht so.“
Sanft strich der Gevatter Ninia eine Strähne aus der Stirn. Was willst du tun?
„Lass uns spielen.“
Interessant. Der Gevatter lehnte sich in seinem Sessel zurück und Feobar bemerkte erstaunt, dass sie sich nicht mehr in der raumlosen Leere befanden, in der er seinen Spielpartner sonst zu treffen pflegte, sondern in einem edlen Saal, und dass auch er in einem bequemen Sessel Platz genommen hatte.
„Sie ist eine Spielfrau. Das heißt, sie darf würfeln.“
Sie gehört zum Bunten Volk. Sie kennt den Brauch nicht.
„Aber ich kenne ihn. Und ich fordere hiermit ihr Recht ein. Auf meine Zeit. Komm nach drei und einem halben Jahr statt den sieben, die mir zustehen. Aber lass mich würfeln.
Der Gevatter grinste. Wie stets. Wie du möchtest.
„Feobar?“ Er zuckte zusammen, als er Toríns Stimme hörte, wusste nicht wie viel Zeit vergangen war und spürte Ninia noch immer unter seinen Händen atmen. Es fühlte sich ein wenig stärker an als zuvor. Nur ein wenig.
„Hast du die Kräuter?“
„Ein paar. Ich-“ Er kam nicht zu mehr Erklärungen, denn hinter ihnen brach der Hinkende aus den Bäumen hervor. Schnelle Schritte folgten ihm und als Torín neben ihm instinktiv den alten Gruß vollführte, wusste Feobar, dass es sein Soldat der Grauen Truppen des Nordens sein musste. Später würde Torín ihm beschreiben, dass der Soldat zweifelsfrei eingeschüchtert aussah.
„Truppen in der Nähe“, erklärte der Hinkende in seiner typisch knappen Art, die er immer anschlug, wenn er nicht wusste, was er tun sollte. „Feldscher Beorg hilft.“ Der Feldscher, dem ein leiser Duft von langer Wanderung, von Staub und einem Wirtshaus anhaftete, schon Feobar zur Seite. „Lass mich sehen.“ In seiner Stimme rollte der Klang des Nordens, wie bei Torín, wenn er nicht darauf achtete. „Es ist gut, mein Kind. Hilfe ist da.“
Feobar musste nicht sehen können um zu wissen, dass Ninia erneut die Augen geöffnet hatte und ihn ansah. „Du hast etwas gemacht.“ In ihrer leisen Stimme schwang seltsame Trauer mit und Feobar fragte sich, ob er ihr wohl irgendwann die ganze Geschichte erzählen sollte.