Blicke

Aug. 12th, 2012 10:52 pm
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Team: Kaléko
Challenge: Romantik/Intimität - Blicke
Fandom: Original (Our Own World)
Charaktere: Sabine, Nathalie, Liang, Oliver
Wörter: 645


Der Tag war ungewöhnlich heiß, aber das hielt sie nicht davon ab, weiterzugehen. Welche Wahl hatten sie auch? Bis zum Sonnenuntergang musste sie die nächste Stadt erreicht haben, wenn sie nicht testen wollten, ob die Geschichten, die über diese Ebene kursierten, wahr waren.
Terina jedenfalls hatte da keine Lust drauf. Ein früheres Schlachtfeld, auf dem die Toten wieder aufstanden und arme Reisende umbrachten. Es klang zu abgedroschen um wahr zu sein, aber natürlich rannten sie jeder noch zu blöden Geschichte nach. Und dem Geld, das der Stadtrat denen geboten hatte, die das Problem wieder aus der Welt schafften.
Warum die anderen das so toll gefunden hatten, war Terina aber nicht klar. Sie hasste Geister, Spukgeschichten und alles, was auch nur im Entferntesten damit zu tun hatte. Aber Taras Argumente waren irgendwie so... logisch gewesen. Hinter ihr knackte etwas und mit einem erschrockenen Schrei zog sie ihr Schwert und ruinierte mit einem schlecht gezielten Hieb den Umhang ihrer Schwester.
„Sonst geht’s dir gut?“, beschwerte Ijana sich, während sie den Schaden begutachtete.
„Wir sind hier mitten in einer verdammten Geistergeschichte, wie solls mir da gut gehen?“, schnappte Terina, woraufhin Ijana nur die Augen verdrehte. „Deine Selbstbeherrschung ist echt mies, weißt du das?“


„Eigentlich wollte ich dir deine Proben ja erschweren, aber wenn es schon so losgeht, bringst du uns dann nur alle um...“, murmelte Liang, was Sabine dazu verleitete, ihm einen wütenden Blick zuzuwerfen. Sie hatte gerade ihre Prüfungen hinter sich und hätte nichts gegen ein Erfolgserlebnis. Und dann musste Liang mit Zombies ankommen!
Nathalie schob ihr die Weinflasche hin. Es war inzwischen die zweite. „Hier, trink noch was.“
„Du meinst, ich soll mir dieses Fiasko schönsaufen?“, grinste Sabine, was Nathalie zum Lachen brachte. „Zum Beispiel. Liang, wollte Oliver nicht noch vorbeikommen?“
„Keine Ahnung... er schreibt noch an einer Hausarbeit. Immer noch. Ich sollte das Teil schon längst korrekturgelesen haben.“
„Prokrastination ist eben viel zu weit verbreitet unter unseresgleichen“, merkte Jonas an, was ihm einen Tritt von Nathalie einbrachte. „Du schreibst keine Hausarbeiten! Du schreibst Klausuren! Das ist ja wohl ein himmelweiter Unterschied!“
„Ach, das willst du mir vorwerfen? Dann studier beim nächsten Mal auch ne Naturwissenschaft.“
„Sagt mal, da oben... spielt ihr oder streitet ihr?“
Praktisch sofort sprang Liang auf und lief zum Balkongeländer, um sich vorzubeugen und runterzusehen. „Du wolltest doch noch hochkommen.“
Die Art, wie sich Liangs Miene veränderte, verriet, dass Oliver mindestens lächelte. Sabine unterdrückte das starke Bedürfnis, nachzusehen, was da passierte. Die beiden hatten so eine Art, sich anzusehen, die jedem anderen das Gefühl gab, ein unerwünschter Eindringling zu sein. Ein Spanner in einer höchst intimen Situation.
Als würde sich die Welt nur um die beiden drehen... kein anderer existieren.
Es musste ein schönes Gefühl sein, jemanden zu haben, der alles andere ausblendete. Wenn man nur diese eine Person brauchte, um zufrieden zu sein.
Gott, sie beneidete diese Frischverliebten.
Sie wollte auch jemanden haben, der sie so ansah.
Ein ganz leichtes Lächeln erschien inzwischen auf Liangs Gesicht. Oliver musste irgendwas gesagt haben, was sie nicht mitbekommen hatte. Oder so.
„Ich komme runter, sobald wir hier fertig sind.“
„Was noch dauern kann, wenn Sabine weiterhin ihren Charakter ausflippen lässt“, spöttelte Nathalie und bekam dafür direkt einen Bleistift an den Kopf geworden. „Aua! Du bist genauso rabiat wie Terina!“
„Sie ist ja auch mein Charakter.“
Unter ihnen lachte Oliver. „Ihr habt alle einen Vogel, wisst ihr das? Dann bis später, Liang.“ Seine Stimme war sanfter geworden und Sabine hatte den dringenden Verdacht, dass Oliver gerade wieder diesen Blick hatte. Diesen Blick, mit dem er Liang so gerne bedachte, wenn er glaubte, niemand würde zusehen.
Sie beneidete die beiden wirklich.
Aus dem Augenwinkel bemerkte sie, dass Nathalie sie ansah und drehte sich zu ihr um. „Ist was?“
„Nein...“ Aber etwas an ihrem Lächeln war merkwürdig.

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