[identity profile] http://users.livejournal.com/leni_/ posting in [community profile] 120_minuten
Team: Novalis
Challenge: Horror/Thriller - Einen Flüchtling verstecken (für mich)
Fandom: Original (Der Blaue Salon)
Charaktere: Maron, Ian
Wörter: 575
Anmerkung: Kapitel 0, sozusagen. Spielt direkt vor Beginn des Haupthandlungsstrangs.


Die Stunden nach ihrer Hinrichtung sind die schlimmsten seines Lebens. Sich nichts anmerken lassen, während er seine Gruppe vom Großen Platz fort führte. Nichts anmerken lassen, während sie ihre Patrouille beendeten. Bis er endlich alleine war.
Auf dem Weg zu ihr – zu ihrer Wohnung – schwirrten die Fragen in seinem Kopf. Ob es seine Schuld war, dass sie gefunden wurde. Viel größer, eine Andere. Die ihm vor Angst die Kehle zuschnürte.
Der Schlüssel lag noch versteckt in der Mauerritze, aber die Tür war eingetreten. Die kleine Stube ein Schlachtfeld. Maron stand reglos darin, sah zerfledderte Bücher, zerschnittene Kleider, irgendwo dazwischen der gebrochene Hals ihrer Balalaika. Nur von Ian war keine Spur zu sehen.
Zwischen den Trümmern ließ Maron sich fallen, hätte geweint, wenn an ihm das weinen nicht von klein auf abgewöhnt hatte.
Er sah das Versteckt nicht, aus dem Ian kletterte, bemerkte ihn erst als er direkt vor ihm stand, eine Hand nach ihm ausstreckte. Mit großen, leuchtenden Augen sah er Maron an, mit einem Gesicht aus dem jede Regung verschwunden war.

Als Maron mit ihm in seiner Zelle ankam wusste er schon nicht mehr, wie er es geschafft hatte den Jungen an den Wachposten vorbei zu schmuggeln. Irgendwie ging es, wurden sie nicht entdeckt.
Zwei Wochen konnte Maron ihn bei sich behalten, ohne das es auffiel.
Tags, während er draußen war, brav seine Pflichten erfüllte, schwitzte er innerlich Blut und Wasser. Wenn es nur einmal eine Kontrolle gäbe – Ireanas Keller hatte Ian gekannt, hatte gewusst wo er verschwinden konnte. In Marons Zelle wäre er den aufmerksamen Augen des Aufsichtspersonals hilflos ausgeliefert.
Nachts kümmerte er sich um Ian. Versuchte ihn zum Essen zu bringen, ihn durch Spiele aufzumuntern. Geschichten, forderte Ian, und Lieder, wie Mama sie singt und überhaupt – allem voran. Seine Mutter.
Vielleicht hatte er überhaupt nicht geschlafen, in diesen zwei Wochen – Maron wusste es nicht. Sein Rudelführer bemerkte den Abfall seiner Leistungen, bemerkte wohl auch die tiefen Ringe unter seinen Augen.
Er habe ehrlich geglaubt Maron sei wieder ganz bei ihnen, sagte der Rudelführer, als er Maron in sein Büro bestellte. Ob Maron ihm wohl sagen könnte, was ihn in der letzten Zeit so ablenke.
Maron konnte nicht. Er murmelte etwas von Erkältung und wenn er nur ein paar Tage frei bekäme.
Der Rudelführer lächelte. Selbstverständlich, sagte er und schickte Maron zum Stabsarzt, der ihn für drei Tage frei stellte. Jedenfalls von seinem Dienst. Maron war sich sicher, dass er in seinem ganzen Leben nie so unfrei gewesen war wie in jenen Tagen. Überall waren Augen, die ihn beobachteten, auf dem Gang vor seiner Zelle, auf dem Hof vor seinem Fenster, in der Kantine, wenn er versuchte ein wenig Brot auf sein Zimmer zu schmuggeln.

Ob es wohl besser gewesen wäre, hätte er Ian zurück gelassen, gehofft dass jemand anderes ihn findet, kam es ihm in den Sinn, und was er sich überhaupt gedacht hatte. Ob er wirklich glaubte, Ian so leben lassen zu können. Selbst wenn sie ihn nicht fänden. Ihn im Kleiderschrank versteckt aufzuziehen.
Und dann erinnerte er sich an Ireanas Pläne, an das Boot, das irgendwo im Hafen lag, an die Flucht, für die sie schon so gut wie alles vorbereitet hatte. Es wäre riskant, ja vermutlich unmöglich Ian aus der Kaserne hinaus zu bekommen, ohne dass man ihn entdeckt. Aber, so oft er diese Gedanken auch drehte und wendete, Maron konnte in sich kein einziges Szenario ausdenken, in dem es eine sicherere Lösung gab.

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