[identity profile] somali77.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Kaleko
Challenge: Hurt/Comfort/Angst- Falsche Zeit, Falscher Ort (für mich)
Fandom: Naruto
Charakter: Sasuke, Naruto, Gaara
Anmerkung: Ob jemand zur falschen Zeit am falschen Ort ist, stellt sich manchmal als sehr subjektive Einschätzung heraus... manchmal aber auch nicht. Fortsetzung von http://120-minuten.livejournal.com/699610.html#cutid1



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Er mochte die Tatsache nicht, sich beim Aufwachen erst völlig neu orientieren zu müssen, weil er in
bewusstlosem Zustand irgendwo anders hin geschleppt worden war. Definitiv nicht. Dass ihm das
in letzter Zeit oft passiert war, änderte gar nichts daran.

Im Gegenteil, es machte seine Laune nur noch gereizter als er die Augen aufschlug und geblendet
in strahlendes, makelloses Weiß blinzelte, in dem man sich sofort fremd fühlte, schmutzig und fehl
am Platz. In der Nähe sprach jemand. Verschiedene Stimmen. Rechts über ihm hing ein
durchsichtiger Behälter. Wasserklare Flüssigkeit tropfte in einen Schlauch der an einer Metallstange
herunter abwärts führte, bis er unter der gleißend weißen Bettdecke verschwand.

Sein Kopf rollte auf dem Kissen herum. Er spürte einen Verband an der Stirn.
Feindselige, dunkle Augen richteten sich auf die Menschen neben seinem Bett-... gleich mehrere auf
einmal! Wer zum Teufel-...?

Abrupt versuchte er sich aufzusetzen-... und die Decke rutschte von seiner Brust, entblößte nackte
Haut und eine Menge runder Aufkleber an ihm, von denen plastikummantelte Drähte wegführten, die
wie graue Würmer an ihm herunterglitten. Was zum-... er zuckte zusammen, hob die Hand um das
Zeug von sich weg zu reißen-... und scheiterte an Schlingen aus weißem Klettverschluss um seine
Handgelenke.

Oh, das mochte er gar nicht...

Im selben Moment in dem er die Zähne fletschte und mit Wucht seine Muskeln nach oben zu reißen
versuchte um diese lächerlichen Fesseln zu zerfetzen, warf sich jemand über ihn.

Er schrie vor Empörung, versuchte den Stahlklammergriff um seine Handgelenke abzuschütteln und
seine Augen wurden weit, als er dieses blonde Zottelhaar, die Narben über den Wangen und die
blauen, blitzenden Augen schon wieder sehen musste.

„Lass- mich- los!“, schäumte er.

„Hey, hey hey! Ruhig! Langsam! Um Himmels Willen, es ist okay! Es ist alles okay!“

„Fick dich!“, spie Sasuke und versuchte ihn durch einen heftigen Kopfstoß auszuknocken, dem er
dummerweise auswich. In Ermangelung seiner Hände versuchte er, mit den Füßen zu treten. „Nichts ist okay!“

„Verdammt, Sasuke! Entweder du beruhigst dich, oder die müssen dir was spritzen, verstehst du?
Du kannst hier nicht so ausflippen, du bist im Krankenhaus!“

Sasukes Blut gefror zu Eis bei den Worten.

„Das wagst du nicht-...“, zischte er, sein Körper zuckend, die Augen groß und rund. Naruto
schüttelte mit bedauernd verzerrter Miene den Kopf.
„Das ist nicht meine Entscheidung!“, beteuerte er, „Du wärst fast drauf gegangen, du-...“

Zwei Schwestern und zwei Pfleger in Weiß eilten herbei, ein Arzt im weißen Kittel erschien am
Kopfende des Bettes, hob die Hand erst zu dem Zugang in seinem Arm und als er sich zu heftig
wehrte zu der Infusionsflasche über ihm, die außerhalb seiner Reichweite war.

Sasuke sah die Spritze mit irgendeiner unbekannten Substanz in seiner Hand und sein Gehirn setzte
aus. Er riss mit bloßer Muskelkraft beide Fesseln durch, schnappte nach den Schläuchen der
Infusion und fetzte sie herunter so dass die Verbindung riss und Infusionsflüssigkeit auf ihn und
den Arzt herunterplätscherte. Sofort war er mit einem Sprung aus dem Bett, packte Naruto am
Kragen und warf ihn rücklings gegen einen Berg von Überwachungsinstrumenten, dass es nur so
krachte.

Er zog sämtliche Schläuche von seiner Haut, schaudernd und panisch, aus der Wunde an seinem
Handrücken troff Blut auf den Boden, aber er ignorierte es. Genau so wie die Tatsache, dass er
nichts trug außer einem komplett durchsichtigen Höschen das aussah als sei es aus Gummifäden
gehäkelt und einer dicken Watteeinlage, die zumindest einen Teil seines Geschlechtsteils verdeckte.

„Sasuke!“, Naruto hob beschwörend die Hände. Er hatte bei näherem Hinsehen ein deutliches
blaues Auge und eine aufgesprungene Lippe und Sasuke konnte nicht anders als anzuerkennen,
dass er jeden Versuch ihn ins Nirvana zu prügeln bisher überraschend gut weggesteckt hatte.

„Ganz ruhig, niemand tut dir was! Die Leute versuchen nur, dir zu h-...“
Sasuke packte das nächste was er auf seinem Weg rückwärts den Gang entlang in die Finger
bekam, um diese Stimme zum Schweigen zu bringen. Neben ihm stand stand ein Wagen mit Tassen
und Plastikbechern und genau das feuerte er dem Blonden gezielt ins Gesicht. Dank guter Reflexe
schaffte der es, das meiste davon kurz vor dem Aufschlag abzuwehren. Wer war überhaupt
dieser triefäugige Rotschopf mit dem Tattoo auf der Stirn, der so unbeteiligt daneben stand und
glotzte? Hatte er den nicht auch schon öfter gesehen?

Ein todesmutige Pfleger der schließlich von schräg hinter ihm versuchte, ihn zu Boden zu ringen,
gab ihm den Rest. Er schlug ungebremst nach dem Jochbein dass es nur so krachte, das Knie
rammte er tief in den Solarplexus, seine Fußkante trat nach dem Unterkiefer. Mit einem Satz war er
über den gurgelnden Mann am Boden hinweg, packte die nächste Schwester im Gang die ihn
schafsäugig anglotzte kurzerhand am Kinn und schmetterte sie mit Wucht rückwärts gegen die
Wand-... dann begann er zu laufen.

Er riss etwas im Vorbeigehen mit sich, das nach Stoff aussah. Dummerweise entpuppte es sich bei
näherer Betrachtung nur als Kissenbezug.

Nicht dass ihn solche Kleinigkeiten übermäßig irritieren konnten. Er lief nackt genau so schnell wie in
angezogenem Zustand und in einem Krankenhaus wo einem seltsame Schläuche in
Körperöffnungen geschoben wurden und man keinen Einfluss darauf hatte, welche Drogen einem
die Weißkittel ins System pumpten, hielt ihn nichts. Jedenfalls nicht dünne Klettverschlüsse und ein
blonder Idiot.

Wie war der Kerl überhaupt nur wieder dorthin gekommen? Es war als hätte er irgendeinen
Peilsender im Backenzahn oder so etwas Krankes. Ein bisschen zu viel Zufälle für die kurze Zeit.
Dummerweise erregte ein nackter Mann erheblich mehr Aufsehen und öffentliches Ärgernis als ein
angezogener, also war er gezwungen so schnell wie möglich in den nächsten öffentlichen Toiletten
Deckung zu suchen. Dort schlug er den ersten ahnungslosen Touristen der nach ihm durch die Tür
kam nieder und bediente sich an dessen Shirt und Jeans. Letztere waren etwas zu lang, sie
reichten bis über die Hälfte seiner Fußsohlen, aber das war immer noch besser als das Gegenteil.
Er warf die Watteeinlage hinter sich in die Kabine, weil sein Hintern sonst garantiert nicht in die
Hosen gepasst hätte und stand nur zwei Minuten später mit vernichtendem Blick, durch energische
Fingergriffe zurechtgezupfte Frisur und einem viel zu lockeren, dunkelblauen Shirt mit der silbern
glitzernden Aufschrift: "Psycho Bitch", wieder vor der klapperigen Tür.

Und direkt vor dem ominösen, viel zu entspannten Rotschopf aus dem Krankenhaus, der ihn mit
grauen Augen ausdruckslos anstarrte.

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