Team: Kaleko
Challenge: Hurt/Comfort(?!no way)/Angst- Blutspende/Blutverlust (für mich)
Fandom: Naruto (AU) Fortsetzung von http://120-minuten.livejournal.com/699385.html#cutid1
Charaktere: Sasuke, Itachi
Wörter: 1011
Warnings: charakter death, drama, angstfest... ô_O"
Anmerkungen: Was?! Ich hatte nen Schreib- Flow ´xD
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Er hatte nicht richtig getroffen. Einer der Querschläger hatte Itachi am Brustkorb verletzt und jetzt
krümmte er sich gurgelnd und japsend am Boden. Er erstickte an seinem eigenen Blut.
Sasukes Hände zitterten viel zu sehr. Seine Handflächen waren so rutschig dass ihm die Waffe
beinahe aus der Hand fiel. Er versuchte zwischen die Augen zu zielen, aber er konnte nicht mehr
abdrücken. Es war unmöglich. Mit zusammengebissenen Zähnen stand er da wie gelähmt, unfähig
sich von dem furchtbare Anblick vor seinen weiten Augen auch nur abzuwenden.
„Sasuke“, japste Itachi. Seine Stimme war sehr leise und kraftlos. „Das hast du... gut gemacht.
Danke dir“
Langsam sank die Hand mit der Waffe herunter.
Sasuke fiel auf die Knie. Sein Gesicht war eine Maske aus Schrecken. Unter ihm färbte sich der
Boden rot. Ein Teppich aus Blut. Genau wie damals.
„Sie wollten dir-... weh tun. Weißt du“
Er spürte wieder, wie das Blut in seinen Ohren zu pochen begann. Die Sicht vor ihm verschwamm
zu Schlieren von rot. Irgendwo vor ihm tanzte Itachis verzerrtes, trauriges Lächeln in seinem
Albtraum.
„So wie-... mir auch“
Er spürte zwei Finger an seiner Stirn. Eine Flut von Erinnerungen stürzte auf ihn ein. Bildfetzen,
Worte, Emotionen. Der liebevolle, sanfte Itachi. Dieses freundliche Stupsen mit zwei Fingern gegen
seine Stirn. Der fürsorgliche, beschützende Itachi. Der Itachi, der immer ernster geworden war im
Heim. Der immer weniger Zeit für ihn gehabt hatte. Er hatte immer seltener gegen seine Stirn
gestupst. Der Itachi mit den viel zu leeren Augen, der ihn zum Spielen weggeschickt hatte.
„Heute nicht, Sasuke“
„Ich muss noch etwas erledigen, Sasuke“
Wenn er es sich recht überlegte, war sein Bruder wirklich oft im Büro des Heimleiters gewesen.
Weil er so ein Wunderkind gewesen war, hatten sie gesagt...
Er spürte sich heimkommen über einen klebrigen, roten Teppich der nach rostigem Eisen stank. Es
war totenstill in den Gängen. Das Heim war immer schon unheimlich gewesen, aber an diesem
Abend war es ein Grab. Außer Itachi lebte niemand mehr. Keiner der Betreuer. Keiner seiner
Freunde. Er hatte allen die Kehle aufgeschnitten. Mit einem Teppichmesser.
Und dann hatte er ihn entdeckt.
Die folgenden Minuten, das Grauen, die erstickende Angst als sein Bruder ihn durch das Gebäude
gejagt hatte, würde er nie vergessen. Es hatte sich tief in ihn hinein gefressen, sorgfältig
abgekapselt von jeder Gemütsregung. Er hörte noch die Worte in seinem Ohr. Du musst stärker
werden, Sasuke, hatte er gesagt. Sonst erwischen sie dich, in dieser hässlichen Welt. Du musst
noch stärker werden als ich. Und wenn du glaubst, dass es so weit ist... kommst du zurück zu mir
und wir bringen alles zu Ende.
„Was-...“, seine Stimme versagte.
Es war viel zu still auf einmal an diesem schäbigen Ort, in diesem grauenhaften Augenblick.
Irgendwo draußen, in der Welt außerhalb dieser schmutzigen Wände, rollte rumpelnd der Donner
eines beginnenden Gewitters.
Sasuke saß in Itachis Blutlache und sah seinem Bruder beim Sterben zu.
„Warum?“, krächzte er kaum hörbar. Seine Kehle war wie zugeschnürt.
„Wenn du-... Nur damit ich dich-..?“
Itachis Körper zuckte. Seine Augen glitten langsam zu.
„Ich bin zu-... tief abgestürzt, kleiner Bruder“
Sasuke war unfähig auch nur einen Muskel zu rühren. Er konnte nur da sitzen und mit weiten
Augen zusehen.
„Bei dem was war-... ist es gut, jetzt“, die blutigen Finger glitten kraftlos von seiner Stirn,
beschmierten die blasse Haut mit tiefdunklem Rot.
Die Zeit in dem kleinen Zimmer schien still zu stehen.
Itachi lächelte. Ein dünnes Rinnsal von Blut sickerte ihm aus dem Mundwinkel.
„Ich hab dich-... immer lieb gehabt, weißt du“, wisperte er. Sasuke sah die Welt in seinem Blickfeld
verschwimmen. „Nein“, stieß er reflexhaft hervor.
„Jetzt gibt es kein nächstes Mal mehr...“
„Nein“, schluchzte Sasuke.
„Nein!“, er packte in Itachis Kleidung um ihn zu schütteln, „Tu das nicht, du Idiot! Bleib bei mir!“
Ungläubig, fassungslos spürte er, wie sich eine unnatürliche Ruhe in seinem Innern ausbreitete,
obwohl er gerade noch das Gefühl gehabt hatte, in tausend Teile zu brechen.
Ein warmes, schützendes Glücksgefühl flutete durch seine Adern, das ihn einhüllte wie einen
Mantel und es wurde immer stärker. Er wusste sofort, dass es nichts mit normalen Gefühlen zu tun
hatte. Die Droge begann zu wirken und sie wirkte mit voller Macht. Das Wissen allein brachte ihn
noch mehr außer sich, er kämpfte erbittert um sein Recht auf Schmerz und Verzweiflung.
„Nein!“, schrie er, „Nein, nein! Itachi!“
Aber die Tränen versiegten zu schnell.
Viel zu schnell wurde er ruhiger, egal wie sehr er versuchte dagegen anzukämpfen und sich die
Tatsachen vor Augen zu halten. Der goldene, künstliche Engelsgesang lullte ihn ein, betäubte ihn,
zwang ihn zu Fassung und auf einmal schien es die beste Idee zu sein, sich einfach an der
zerschossenen Brust des letzten Familienmitglieds das ihm genommen worden war,
zusammenzurollen und mitten in all dem Blut an ihn gedrückt einzuschlafen. In hellem, vollkommenem
Frieden zu schlafen und nie wieder aufzuwachen.
Mit letzter Kraft wuchtete er sich in stummer Fassungslosigkeit nach oben, fand stolpernd, bis in die
Grundfesten erschüttert den Ausgang. Die Metalltür nach draußen war nicht abgeschlossen.
Ihn empfing eiskalter, strömender Regen und endlose Weite in jeder Richtung. Eine graue Welt aus
Steppengräsern und niedrigem Gestrüpp. Über ihm rollte der Donner über die Fläche. Er hatte keine
Ahnung wo er war, er wusste nur, dass er dort nicht bleiben wollte. Vielleicht, wenn er genug
Abstand zwischen sich und das was passiert war brachte, konnte es ihn nicht mehr erreichen.
Dann konnte er sich einreden, es wäre alles nie passiert.
Seine Beine waren wie aus Gummi. Er schleppte sich vorwärts, verlor in kurzer Zeit jede
Orientierung, jedes Zeitgefühl. In einer Grube aus Kies blieb er liegen. Unter dem weinenden Himmel
rollte er sich zusammen, allein. Wie ein Embryo ohne Mutter. Ein Wesen, das es gar nicht geben
sollte. So wie er im Grunde immer gewesen war.
Das letzte was er wahrnahm war die kalte Nase eines Hundes, der aufgeregt über sein Ohr
schnupperte und einen Ruf aus weiter Ferne, dann wurde es Nacht um ihn.
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