[identity profile] http://users.livejournal.com/leni_/ posting in [community profile] 120_minuten
Team: Novalis
Challenge: Kink - "Du hast mich gebissen" (fürs Team)
Fandom: Original
Wörter: 758
Charaktere: Wolf und Spinne
Warnung: Machtgespiele. Es ist auch ein bisschen eine Drogengeschichte.
Anmerkung: Ich hoffe es ist nicht schlimm, dass die Challenge nicht als wörtliche Rede im Text auftaucht?
Zwei so Charaktere, die ich schon seit Jahren mit mir rumschleppe. Das Verhältnis das sie miteinaner haben war mir schon lange klar - und trotzdem habe ich nie ein Wort darüber verloren...
Übrigens: Wolf und Spinne haben ihren Tieren entsprechende Superkräfte und Arbeiten für eine nicht-weiter-definierte Organisation, die diese Superkräfte für das Große und Gute benutzt. Aber das ist, für diese Geschichte, nicht wichtig.


Sie spürt seine Schritte von weitem. Sie lassen den Fußboden schwingen, bis in die Federn ihrer Matratze. Es ist später als sonst, und sie fragt sich, ob er möglicherweise gar nicht hatte kommen wollen, an diesem Abend.
Sein Klopfen klingt zögerlich – ein schmales Lächeln zeichnet sich auf Spinnes Lippen. Soll er eben warten, denkt sie. Was er wohl den Anderen sagen würde, wenn einer von ihnen ihn so vor ihrer Tür stehen sieht. Aber dann steht sie doch auf und lässt Wolf herein.
Früher war es nichts weiter gewesen als unverbindlicher Sex. Solcher, den man nur haben kann mit einem Menschen, den man eigentlich nicht leiden kann. Inzwischen ist das anders.
Er sieht blass aus. Schweiß perlt auf seiner Stirn und seine Hände sind kalt, als er Spinne um die Hüfte fasst und sie zu sich zieht.
„Meine Regeln“, erinnert sie ihn, und löst sich aus seinem Griff.
Er ist gleich wieder ganz nah bei ihr. Seine Nase streicht durch ihr Haar, seine Lippen an ihr Ohr. (Manchmal kann sie sich immer noch wundern, dass er überhaupt nicht so viel größer ist als sie.)
„Bitte...“
So ein Wort, das er außerhalb dieses Zimmers, dieses Szenarios, niemals benutzen würde. Spinne genießt es, lässt ihn zappeln. Lässt ihn betteln; Ihr stolzer Anführer.
Sein Bart kratzt in ihrem Gesicht, als er versucht sie zu küssen, aber sie schlüpft ihm zwischen den Händen weg. Seine blauen Augen bleiben verwirrt dort hängen, wo sie eben noch stand.
„Du solltest nicht mehr her kommen“, rät sie ihm, weil sie weiß, dass er ihrem Rat sowieso nicht folgen wird. Wolf weiß das selber auch. Für einen Augenblick wird eine beängstigende Klarheit in seinem Blick sichtbar.
„Das ist alles deine Schuld“, knurrt er. Spinne ist froh, dass sie auf ihrem Bett sitzt – weit genug weg von ihm um sich ein unbeeindrucktes Gähnen erlauben zu können. Sie lehnt sich zurück, sieht ihm zu wie er mit sich ringt, zurück zur Tür blickt. Er zittert, beißt auf seiner Unterlippe herum. Spinne genießt den Anblick. Sie hatte nie gedacht, dass er so aussehen könnte. So verzweifelt. So hilflos. Vielleicht ist sie die einzige, die ihn jemals so gesehen hat – ein Gedanke der sie mit Genugtuung erfüllt. Genugtuung die nur wächst, als er sich auf sie stürzt, sie in die Raufasertapete schmettert – sie wird blaue Flecken haben, Morgen, da wo seine Finger sich in ihre Armen graben, um ihren Hals schließen. Für einen kurzen Moment hat sie wirklich Angst vor ihm.
Dann lässt er sie los, fängt an zu weinen. Es ist das erste mal, dass er weint. Beinahe könnte sie so etwas wie Mitleid für ihn empfinden.
„Mach es endlich“, fleht er, flüstert er. Sein Atem bleibt warm und klamm in ihrem Nachthemd hängen.
„Ist ja gut“, sie streicht ihm durch sein Haar, drückt ihn behutsam zurück auf die Matratze. Er hat seine Augen geschlossen.
Ganz sachte, liebevoll könnte man fast sagen, küsst sie ihn auf den Mund. Wolf hebt seinen Kopf, erwidert den Kuss gierig. Aber Spinne hält ihn nicht lange. Der Kuss ist schließlich nur ein Vorgeschmack.
Mit spinnen-dünnen Fingern fährt sie Wolfs Hals entlang, öffnet ihm sein Hemd. Sie betastet die runden Narben um seine Schulter herum, die Wunden, die noch nicht Zeit genug hatten um zu verheilen, findet nicht gleich eine freie Stelle. Wolf liegt ganz still, wartet, harrt aus. Nur ein leises Beben verrät seine Unruhe.
Dann beißt sie zu, gräbt ihre Zähne tief in sein Fleisch, bis sie Blut schmeckt, bis ihr Speichel sich dickflüssig mit seinem Blut vermischt. Wolf stöhnt auf. Seine Finger verkrallen sich in ihrem Haar. Er hält sie ganz fest, da wo sie ist. (Manchmal glaubt Spinne, dass sie früher weit mehr auf ihre Kosten gekommen ist.)

Seine Muskeln entspannen sich, sein Griff löst sich. Spinne bleibt wo sie ist, lässt ihren Kopf an seine Brust sinken. Sie hört wie sein Herzschlag langsamer wird, während ihr Gift sich in seinem Körper ausbreitet. Seine Hand ist noch in ihren Haaren, streichelt, spielt matt mit verfilzten Strähnchen.
Irgendwann wird sie ihn noch umbringen, denkt Spinne und ist selbst erstaunt, dass dieser Gedanke sie traurig stimmt.
„Hey...“, Wolf fasst ihr unters Kinn, hebt ihren Kopf ein wenig. Er sieht sie aus halb geschlossenen Augen an.
„Ich liebe dich“, flüstert er.
So ein Satz, den noch nie jemand zu ihr gesagt hat. Spinne möchte lachen, aber das Lachen bleibt ihr im Hals stecken, traut sich nicht an seinem Blut, das sie noch auf den Lippen trägt, vorbei.

Date: 2012-08-14 08:53 am (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
Wow ...
Das fand ich wirklich sehr beeindruckend...
Ich wollte deine Sachen eigentlich schon lange mal lesen und ich erinnere mich, dass mir diese Original besonders hängen geblieben ist, weil ich die Namen so cool finde. Spinne, Wolf und so.
Ich liebe düsteren, unglücklichen Sex zwischen düsteren, unglücklichen Menschen. Wunderbar atmosphärisch und tragisch und bitter.

Date: 2012-08-29 10:32 pm (UTC)
From: [identity profile] ina-chan0808.livejournal.com
spät aber doch noch ein kommentar von mir ^^"

ich war sofort wahnsinnig begeistert und eingenommen von spinne- besonders am schluss bei "Irgendwann wird sie ihn noch umbringen, denkt Spinne und ist selbst erstaunt, dass dieser Gedanke sie traurig stimmt."
eigentlich hat sie die macht in ihren händen, aber gleichzeitig ist sie doch etwas schwach (oder tut nur so?) wenn sie so in seinen armen liegt...
du hast in dem verhältnismäßig kurzen textstück so viel untergebracht und mich so mitgerissen, dass ich traurig war, dass es schon vorbei ist :)

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