Ein Unfall
Jul. 27th, 2012 05:57 pmTeam: Novalis
Challenge: Hurt/Comfort/Angst - Falsche Zeit, Falscher Ort
Fandom: Original (Echte Helden hätten sowas nicht nötig!)
Wörter: ~800
Charaktere: Zoe - eine Werwölfin, Elin - eine Halbelfe, Paul - ein Auserwählter der irgendwann die Welt retten soll, Sybille - ihre Mitbewohnerin.
Anmerkung: Eigentlich finde ich Werwölfe mittelmäßig langweilig. Darum habe ich vermutlich auch noch nie über diese WG geschrieben, die ich mir irgendwann ausgedacht hatte um sie für Mystery-Geschichten à la Buffy oder Mortal Instruments zu benutzen.
Also, jetzt hier, Premiere!
„Ist Zoe immer noch im Bad?“
Es war die Frage die sie sich alle stellten, aber natürlich war es Elin, die sie aussprechen musste.
„Ich meine, wenn sie nicht bald da raus kommt muss ich unsere Nachbarn fragen, ob sie mir ihre Dusche leihen.“
Sie wedelte mit ihrem Handtuch, um ihrer Aussage mehr Deutlichkeit zu verschaffen.
„Vielleicht sollten wir mal nach ihr sehen?“, schlug Paul vorsichtig vor.
„Ich meine nur, falls sie sich etwas angetan hat!“
Für einen Moment schwiegen sie. Als wartete jeder von ihnen darauf dass ein Anderer diese Vermutung für absurd erklärte.
„Na dann los“, brach Elin schließlich die Stille. Sie murmelte ein paar Worte auf Isländisch und kurz darauf hörten sie wie der Riegel auf der anderen Seite der Tür sich ganz von selbst zurück zog.
Billi, die bisher still geblieben war, sah ihre Mitbewohner vorwurfsvoll an.
„Ihr hättet wenigstens anklopfen können“, sagte sie. Aber dann war sie doch die erste von ihnen, die sich ins Badezimmer wagte.
In der Ecke hinter der Waschmaschine fanden sie Zoe. Wie ein verschreckter Hund kauerte sie da. Ihre Finger bluteten.
„Geht weg!“, schrie sie, als sie die anderen entdeckte. Mit rot gebleckten Zähnen, aus rot verheulten Augen, blickte sie zu ihnen hinauf.
„Ganz bestimmt nicht.“
Billi kniete sich vor ihr auf den Boden. Mit einem trotzig knurrenden Laut kroch Zoe tiefer in ihren Winkel.
„Das ist sicher schwer für dich“, warf Elin ein. Unter ihren verschränkten Armen hielt sie noch immer ihr Handtuch fest.
„Und wir sind alle hier, wenn du uns brauchst. Aber manche von uns würden das Badezimmer ganz gerne auch benutzen!“
Sie ignorierte die Blicke, die Paul und Billi ihr zu warfen.
„Ist doch wahr“, sagte sie nur, und nahm dann auf dem Badewannenrand Platz.
Jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt für einen Streit, entschied Billi nach kurzem Überlegen. Sie wandte sich wieder Zoe zu, nahm vorsichtig deren Hände in ihre.
„Scheiße, was hast du denn gemacht?“
Da wo einmal Fingernägel gewesen waren, klaffte jetzt zehn mal bloßgelegtes Fleisch.
„Das wächst schon wieder nach“, bemerkte Elin trocken.
„Hej – sie ist ein Werwolf. Ich möchte wetten, heute Abend kann sie schon wieder Nagellack tragen.“
„Kannst du nicht einfach die Klappe halten?“, zischte Paul ihr zu, während er aus dem kleinen Schrank unter dem Waschbecken das Verbandszeug fischte.
„Ich meinte doch nur, dass es nicht so schlimm ist.“
„Vielleicht solltest du das mit dem Trösten gar nicht erst probieren.“
„Du meinst also, wenn ich es nicht gleich so kann wie du es für richtig hältst, soll ich es ganz sein lassen?“
„Ich meine, vielleicht solltest du -“
„Leute?“
Billi war aufgestanden.
„Könnt ihr das draußen klären?“, und ohne auf eine Antwort zu warten schob sie ihre beiden Mitbewohner zurück auf den Flur.
„Was ist mit meiner Dusche?“, fragte Elin noch, aber da hatte Billi die Tür schon wieder geschlossen.
„Magst du jetzt vielleicht raus kommen?“, fragte sie, nachdem sie den Riegel wieder vorgeschoben hatte.
Zoe schüttelte ihren Kopf. Es war eigentlich sowieso nicht wichtig, dachte Billi. Auch wenn sie hinter der Waschmaschine hockte, konnte Zoe ihr ja trotzdem zuhören.
„Ich will gar nicht behaupten, ich könnte mir vorstellen wie das für dich ist“, fing sie an.
„Ich meine... keine Ahnung. Ich bin kein Werwolf, aber...“, sie überlegte. Zoe hatte ihre Arme gesenkt. Sie blickte zu Billi herüber.
„Also. Du – und die Wölfin... das sind doch zwei verschiedene Dinge. Und natürlich ist es schlimm, dass die Wölfin... dass sie... Aber das warst ja nicht du!“
„Und warum kann ich mich dann erinnern?“, flüsterte Zoe.
„Warum kann ich mich dann erinnern? Wie sie aussahen, wie sie gerochen haben, wie sie …“
Sie fuhr sich durchs Gesicht. Ihre Finger ließen rote Streifen zurück.
„Ihr habt gesagt, das Haus ist sicher!“, schrie sie und Billi zuckte erschrocken zusamen. So schnell war Zoe aufgesprungen, dass Billi es gar nicht mitbekommen hatte.
„Da kommt nie jemand hin – da ...“
„Ich weiß...“, Billi tat einen Schritt zurück, bis sie die kalten Fliesen an ihrem Rücken fühlen konnte. Das ist Zoe, erinnerte sie sich selbst, Zoe hat nichts mit der Wölfin zu tun!, erinnerte sie sich. Aber es war schwer zu glauben, so wie sie aussah, mit dem blutverschmiertem Gesicht unter wild zerzaustem Haar, blutroten Zähnen und blutenden Fingern. Sie tigerte auf und ab in dem kleinen Karree zwischen Klo und Badewanne.
„Aber wir konnten doch auch nicht wissen, dass ausgerechnet an diesem Abend – dass irgendwelche Halbstarken-“
„Kinder“, unterbrach Zoe sie.
„Kinder. Es waren Kinder verdammt. Die waren doch nicht mal dreizehn ... Bestimmt war das das erste mal, dass sie irgendwas verbotenes gemacht haben. Eine Flasche Rotwein zu dritt teilen oder so... von der ersten Zigarette kotzen. Und nicht... nicht...“, ihre Stimme brach und das Raubtier verschwand wieder.
Mit aller Vorsicht ging Billi auf sie zu, legte ihre Arme um Zoe. Der kurze Impuls zurück zu weichen, dann ließ Zoe sich in die Umarmung fallen.
„Es war ein Unfall“, versicherte Billi ihr, so glaubhaft sie nur konnte.
„Ein schlimmer, schlimmer Unfall für den Niemand etwas kann.“
Challenge: Hurt/Comfort/Angst - Falsche Zeit, Falscher Ort
Fandom: Original (Echte Helden hätten sowas nicht nötig!)
Wörter: ~800
Charaktere: Zoe - eine Werwölfin, Elin - eine Halbelfe, Paul - ein Auserwählter der irgendwann die Welt retten soll, Sybille - ihre Mitbewohnerin.
Anmerkung: Eigentlich finde ich Werwölfe mittelmäßig langweilig. Darum habe ich vermutlich auch noch nie über diese WG geschrieben, die ich mir irgendwann ausgedacht hatte um sie für Mystery-Geschichten à la Buffy oder Mortal Instruments zu benutzen.
Also, jetzt hier, Premiere!
„Ist Zoe immer noch im Bad?“
Es war die Frage die sie sich alle stellten, aber natürlich war es Elin, die sie aussprechen musste.
„Ich meine, wenn sie nicht bald da raus kommt muss ich unsere Nachbarn fragen, ob sie mir ihre Dusche leihen.“
Sie wedelte mit ihrem Handtuch, um ihrer Aussage mehr Deutlichkeit zu verschaffen.
„Vielleicht sollten wir mal nach ihr sehen?“, schlug Paul vorsichtig vor.
„Ich meine nur, falls sie sich etwas angetan hat!“
Für einen Moment schwiegen sie. Als wartete jeder von ihnen darauf dass ein Anderer diese Vermutung für absurd erklärte.
„Na dann los“, brach Elin schließlich die Stille. Sie murmelte ein paar Worte auf Isländisch und kurz darauf hörten sie wie der Riegel auf der anderen Seite der Tür sich ganz von selbst zurück zog.
Billi, die bisher still geblieben war, sah ihre Mitbewohner vorwurfsvoll an.
„Ihr hättet wenigstens anklopfen können“, sagte sie. Aber dann war sie doch die erste von ihnen, die sich ins Badezimmer wagte.
In der Ecke hinter der Waschmaschine fanden sie Zoe. Wie ein verschreckter Hund kauerte sie da. Ihre Finger bluteten.
„Geht weg!“, schrie sie, als sie die anderen entdeckte. Mit rot gebleckten Zähnen, aus rot verheulten Augen, blickte sie zu ihnen hinauf.
„Ganz bestimmt nicht.“
Billi kniete sich vor ihr auf den Boden. Mit einem trotzig knurrenden Laut kroch Zoe tiefer in ihren Winkel.
„Das ist sicher schwer für dich“, warf Elin ein. Unter ihren verschränkten Armen hielt sie noch immer ihr Handtuch fest.
„Und wir sind alle hier, wenn du uns brauchst. Aber manche von uns würden das Badezimmer ganz gerne auch benutzen!“
Sie ignorierte die Blicke, die Paul und Billi ihr zu warfen.
„Ist doch wahr“, sagte sie nur, und nahm dann auf dem Badewannenrand Platz.
Jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt für einen Streit, entschied Billi nach kurzem Überlegen. Sie wandte sich wieder Zoe zu, nahm vorsichtig deren Hände in ihre.
„Scheiße, was hast du denn gemacht?“
Da wo einmal Fingernägel gewesen waren, klaffte jetzt zehn mal bloßgelegtes Fleisch.
„Das wächst schon wieder nach“, bemerkte Elin trocken.
„Hej – sie ist ein Werwolf. Ich möchte wetten, heute Abend kann sie schon wieder Nagellack tragen.“
„Kannst du nicht einfach die Klappe halten?“, zischte Paul ihr zu, während er aus dem kleinen Schrank unter dem Waschbecken das Verbandszeug fischte.
„Ich meinte doch nur, dass es nicht so schlimm ist.“
„Vielleicht solltest du das mit dem Trösten gar nicht erst probieren.“
„Du meinst also, wenn ich es nicht gleich so kann wie du es für richtig hältst, soll ich es ganz sein lassen?“
„Ich meine, vielleicht solltest du -“
„Leute?“
Billi war aufgestanden.
„Könnt ihr das draußen klären?“, und ohne auf eine Antwort zu warten schob sie ihre beiden Mitbewohner zurück auf den Flur.
„Was ist mit meiner Dusche?“, fragte Elin noch, aber da hatte Billi die Tür schon wieder geschlossen.
„Magst du jetzt vielleicht raus kommen?“, fragte sie, nachdem sie den Riegel wieder vorgeschoben hatte.
Zoe schüttelte ihren Kopf. Es war eigentlich sowieso nicht wichtig, dachte Billi. Auch wenn sie hinter der Waschmaschine hockte, konnte Zoe ihr ja trotzdem zuhören.
„Ich will gar nicht behaupten, ich könnte mir vorstellen wie das für dich ist“, fing sie an.
„Ich meine... keine Ahnung. Ich bin kein Werwolf, aber...“, sie überlegte. Zoe hatte ihre Arme gesenkt. Sie blickte zu Billi herüber.
„Also. Du – und die Wölfin... das sind doch zwei verschiedene Dinge. Und natürlich ist es schlimm, dass die Wölfin... dass sie... Aber das warst ja nicht du!“
„Und warum kann ich mich dann erinnern?“, flüsterte Zoe.
„Warum kann ich mich dann erinnern? Wie sie aussahen, wie sie gerochen haben, wie sie …“
Sie fuhr sich durchs Gesicht. Ihre Finger ließen rote Streifen zurück.
„Ihr habt gesagt, das Haus ist sicher!“, schrie sie und Billi zuckte erschrocken zusamen. So schnell war Zoe aufgesprungen, dass Billi es gar nicht mitbekommen hatte.
„Da kommt nie jemand hin – da ...“
„Ich weiß...“, Billi tat einen Schritt zurück, bis sie die kalten Fliesen an ihrem Rücken fühlen konnte. Das ist Zoe, erinnerte sie sich selbst, Zoe hat nichts mit der Wölfin zu tun!, erinnerte sie sich. Aber es war schwer zu glauben, so wie sie aussah, mit dem blutverschmiertem Gesicht unter wild zerzaustem Haar, blutroten Zähnen und blutenden Fingern. Sie tigerte auf und ab in dem kleinen Karree zwischen Klo und Badewanne.
„Aber wir konnten doch auch nicht wissen, dass ausgerechnet an diesem Abend – dass irgendwelche Halbstarken-“
„Kinder“, unterbrach Zoe sie.
„Kinder. Es waren Kinder verdammt. Die waren doch nicht mal dreizehn ... Bestimmt war das das erste mal, dass sie irgendwas verbotenes gemacht haben. Eine Flasche Rotwein zu dritt teilen oder so... von der ersten Zigarette kotzen. Und nicht... nicht...“, ihre Stimme brach und das Raubtier verschwand wieder.
Mit aller Vorsicht ging Billi auf sie zu, legte ihre Arme um Zoe. Der kurze Impuls zurück zu weichen, dann ließ Zoe sich in die Umarmung fallen.
„Es war ein Unfall“, versicherte Billi ihr, so glaubhaft sie nur konnte.
„Ein schlimmer, schlimmer Unfall für den Niemand etwas kann.“
no subject
Date: 2012-07-27 05:44 pm (UTC)Und Elin spricht isländisch! Und ich mag sie, auch wenn sie unsensibel ist.
no subject
Date: 2012-07-27 10:41 pm (UTC)- wie Elin sagen würde: "Da muss jeder Werwolf früher oder später durch."
Jaja. Isländisch... die Sprache der Elfen, Feen, Kobolde und Halbwesen. Jedenfalls von denen, die keine Kelten sind.