[identity profile] http://users.livejournal.com/leni_/ posting in [community profile] 120_minuten
Team: Novalis
Challenge: Thriller/Horror - In der Falle (für mich)
Fandom: Original (Der Blaue Salon)
Wörter: ~1200
Charaktere: Niél, Maron, Ian und ein paar Piraten
Anmerkung: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Die Piraten hatte ich nicht geplant, aber je länger ich diese Challenge anstarrte um so mehr wollten sie geschrieben werden... eigentlich sollte es auch viel mehr um das "In der Falle"-Stecken gehen, aber dann kamen diese privaten Szenen vorher, die eigentlich nur Überleitung sein sollten, und nahmen Überhand. (Überhaupt - ich sollte mal lernen Geschichten dort anzufangen, wo sie anfangen, und nicht fünf Gedanken vorher...)


Jeden Abend fühlt Niél sich erschöpfter, wenn sie erwacht. Es liegt an ihren Träumen, weiß sie, aber an die kann sie sich kaum erinnern. Ian geht es ähnlich. Manchmal glaubt sie, da muss es einen Zusammenhang geben, glaubt sie, ihm die Schuld geben zu müssen; aber er ist noch so jung. Selbst wenn er ihre Kräfte hätte, könnte er noch nichts damit anfangen. Und dann sieht sie ihn an, wie er in ihrem Bett liegt – jeden Morgen bringt sie ihn in sein eigenes, jeden Abend ist er wieder bei ihr – an sie geschmiegt und aller Argwohn zerschmilzt.
Sie streicht ihm über die Stirn, über den Bluterguss, der violettgrünrot schimmernd um sein linkes Auge blüht. Sie hätte machen können, dass er nie entsteht. Sie ließ es bewusst bleiben. Sollte Maron nur sehen, was er getan hatte.

Sie klettert an Ian vorbei, er schläft noch tief und fest, zieht sich eines von Ireanas Kleidern an, bunt und schillernd, und so ganz anders als das blaue Grau, das Niél ihr Leben lang getragen hatte. Und doch fühlt es sich seltsam vertraut an.

Neben der Luke, die von der Brücke unter Deck führt, bleibt sie stehen. Sie beobachtet Maron, wie der über den Kartentisch gelehnt steht. Im Restlicht der Dämmerung muss es ihm schwer fallen überhaupt noch etwas zu sehen, denkt Niél. Er hat sie noch gar nicht bemerkt.
Sie geht in seine Richtung, weiß nicht so recht weshalb. Ganz dicht neben ihm bleibt sie stehen. Ihrer Augen erhellen das Papier ein wenig.
„Wieso machst du dir denn kein Licht an?“, fragt sie.
Maron zuckt zusammen, Niél spürt den unterdrückten Impuls ihr an die Kehle zu gehen. Sie lächelt.
„Wir sollten Energie sparen“, teilt er ihr dann mit. Distanziert und ohne sie dabei anzusehen, wie überhaupt alles, was er in den letzten Tagen zu ihr gesagt hat.
„Darum auch die Scheinwerfer?“, Niél deutet hinaus in die sie allmählich einhüllende Dunkelheit.
Ein Nicken ist die einzige Antwort die sie erhält, dann wendet Maron sich wieder der Karte zu, misst die eingezeichnete Strecke, die mutmaßliche, die sie gefahren sind, und schreibt etwas auf einen Notizzettel. Er misst die Strecke, die sie noch fahren müssen um zu den Freien Inseln zu gelangen, notiert auch die. Er rechnet, schiebt Zahlen hin und her. Vergleicht die neue Rechnung mit denen, die er davor angestellt hat. (Und das sind viele. Die ganze Seite ist bedeckt mit Zahlen.) Die Falte zwischen seinen Augenbrauen wächst.
Wie von selbst schließt sich Niéls Hand um die seine, hält ihn vom schreiben ab.
„Du denkst zu viel nach“, hört sie sich sagen. Aber das ist nicht ihre Stimme die da spricht.
Maron zieht seine Hand unter ihrer fort, der Bleistift fällt klackernd auf den Fußboden.
Aus drei Schritten Abstand sieht er sie an, mit gesenktem Kopf. Manchmal sieht er eben genau so aus – wie ein Bluthund.
„Hör auf damit!“, brüllt er sie an.
Niél weiß nicht was er meint. Sie hat doch überhaupt nichts gemacht.
„Sei meinetwegen die Mama für Ian, aber hör auf -“, er bricht ab. Vielleicht, weil er nicht weiter sprechen kann. Vielleicht weil er merkt, dass Niél ihm überhaupt nicht zuhört.
An ihm vorbei starrt sie, aus dem Fenster und ins Dunkel. Da bewegt sich etwas auf sie zu. Sie weiß, dass er es nicht sehen kann, schwarz in schwarz wie es gekleidet ist, aber vor ihren Augen kann es sich nicht verstecken.
Ein Schiff. Groß wie ein Haus und leise wie ein Raubtier fährt es ohne Licht, genau wie sie, fährt direkt auf sie zu, weil es sie nicht sehen kann.
Niél reißt das Steuer herum, ehe Maron sie daran hindern kann. Sie drehen langsam, viel langsamer als es Niél recht wäre, ab, dass das fremde Schiff an ihnen vorbei kann. Aus dem Augenwinkel sieht sie Symbole auf der Schiffswand gezeichnet. Symbole die sie kennt, die sie als junge Novizin in und auswendig hatte lernen müssen, und andere, von denen sie nur gehört hat. Solche die nichts mit den Lehren des Blauen Salons zu tun haben. Verbotene Formeln. Sie lässt vom Steuer ab, es ist ihr auch egal als Maron versucht sie wieder zurück auf Kurs zu bringen. Sie presst ihre Nase an die Glasscheibe.
Auf dem Schiff sind Mondkinder. Spürt sie. Weiß sie. Darum fahren sie ohne Licht.
Darum müssen sie ihr Boot gesehen haben.

Und dann spürt sie auch, dass sie nicht mehr alleine sind. Sie müssen auf sie gewartet haben, in ihren Beibooten, denkt sie.
„Geh runter und pass auf Ian auf“, weist sie Maron an. Der versteht nicht, sieht sie an als habe sie den Verstand verloren. Aber dann geht er doch. Vielleicht weil selbst er als Mensch ihre Angst fühlen kann.
Niél selbst schließt ihre Augen – ein kurzes Gebet – dann tritt sie hinaus aufs Außendeck.
„Zeigt euch!“, befielt sie. Auch wenn sie daran zweifelt, dass diese Mondkinder Respekt vor dem Blauen Salon und dessen Priesterinnen haben.
Aber es funktioniert. Über die Reling kommen Männer geklettert. Ihre Augen leuchten in Niéls Richtung.
„Das hier ist mein Revier!“, ruft der kleinste von ihnen ihr zu. Seine Haare sind an den Seiten abrasiert, der verbliebene Streifen ist in einen schweren, langen Zopf zusammengebunden.
„Was habt ihr hier zu suchen?“
„Wir sind auf der Flucht“, antwortet Niél so ruhig sie kann. Vom Himmel blickt ein abnehmender Mond zu ihr herab, und hat keine Hoffnung für sie übrig.
„Wir wollen zu den Freien Inseln.“
Die Mondkinder lachen.
„Da seid ihr aber ganz schön ab vom Schuss“, sagt ihr Wortführer. Er geht auf Niél zu. In seiner linken Hand hält er ein Messer, mit krummer Klinge und dunklen Flecken darauf.
„Ich glaube, du erzählst uns Märchen“, flüstert er in Niéls Ohr. Er muss sich auf die Zehenspitzen stellen um überhaupt so weit zu reichen.
„Ich glaube, ihr seid ein paar dreckige Schmuggler, die sich in mein Revier geschmuggelt haben.“
„Ich schwöre“, Niél wird unterbrochen von grölendem Gelächter.
„Ich schwöre, bei meiner Ehre als Priesterin des Blauen Salons-“
„Ich scheiße auf den Blauen Salon!“, brüllt der Anführer.
„Sayn, Keremi – bringt sie hoch. Der Rest von euch guckt was die Priesterin hier versteckt hat.“
Einen Schutzzauber, nur einen – aber nichts fällt ihr ein, nichts kommt zu ihr und der Abnehmende Mond am Himmel tut nichts als sie auszulachen. Da heben Sayn und Keremi ihre Hände. Binnen Sekunden steigt ein weißer Nebel aus dem Meer, schließt sich um Niél. Sie schmeckt Salz auf ihrer Zunge, es macht ihre Augen brennen, dann wir der Nebel dichter, konzentriert sich um ihren Körper, findet feste Form, eine Salzkruste die sich um sie legt, hart wie Stein. Nur eine kleine Wolke schwebt weiter vor ihrem Gesicht, legt sich auf ihre Stirn und versiegelt ihr Mal.
Sie kann sich nicht wehren, als die beiden Männer sie packen und in ihr Beiboot werfen, will es gar nicht. Jeder Mut dazu hat sie verlassen. Sie nehmen sie gefangen, denkt sie, also muss sie noch keine Angst um ihr Leben haben. Um das fürchtet sie allerdings sowieso nicht so sehr.
Solange nur Ian nichts zustößt. Sie wäre bereit alles zu geben. Und dann fällt ihr Maron ein und betet, dass der keinen Unsinn macht, nicht meint sich mit irgendwelchen Waffen zu Wehr setzen zu müssen. Dass er sich einfach mitnehmen lässt.

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