[identity profile] chija.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Das Richtige
Team: Dickinson
Challenge: Fantasy - Blutrausch (für's Team)
Fandom: Original | Vinya Noré
Wörter: 843
Kommentar: Ich glaube, ich streife die Challenge nur, aber wer sagt, dass den Blutrausch immer der Protagonist haben muss? Und Blut gibt's genug.
Zum Verständnis: Auf unseren Liverollenspielveranstaltungen, auf den das ganze ja basiert, sprechen die Elfen aus pädagogischen Gründen Englisch. Spieltechnisch ist es eine Halbsprache irgendwo zwischen Elfischem und Menschlichem. Deswegen hier englische Dialoge, weil es einfach besser gepasst hat.

Das Schlimmste waren die Schreie. Wenn die Klingen und Dornen und Klauen in ihre Körper fuhren. Wenn die Kälte ihre Haut verbrannte. Wenn diese Bestien in ihren Geist drangen und ihn quälten, tiefer und tiefer und tiefer. Und wenn sie dann vor ihr lagen, geschunden und zerschlagend und schreiend. Oder wimmernd. Die, die nur noch wimmerten waren die schlimmsten. Die keine Kraft mehr hatten, mehr als einen leisen Laut von sich zu geben. Die unter ihren Händen noch einmal, ein letztes Mal erstarkten und ihr und ihnen allen so viel Hoffnung gaben, um dann doch zu vergehen, hinfortgerissen von Schmerz und Kälte und Qual.
Und es waren doch noch Kinder. Selbst für die Menschen.
Jemand riss grob die Zelttür beiseite. Die nächste Welle. Sie straffte die Schultern. Schloss für einen Augenblick die Augen. Sammelte sich.
„Mylady, could you…?“
„Get him over. Her? And whoever is bleeding too strongly. You don’t look like you can take another spell.“
Die Meisterschülerin warf ihr einen dankbaren Blick zu und dirigierte die beiden Soldaten, die ihre verletzten Kameraden brachten, hinüber. Es waren zwei. Ein Junge – junger Mann, korrigierte sie sich in Gedanken, die Menschen wurden so schnell erwachsen – der sie mit Panik in den Augen ansah. Sein Wappenrock und sein Gewand waren zerrissen, die Haut, die darunter hervorschaute erschreckend weiß. Und ein Mädchen.
Es sah aus, als hätte sie die Klinge ohne jeden Schutz getroffen. Von ihrem Gewand und dem, was wohl einmal eine lederne Rüstung gewesen sein mochte, waren nur noch Fetzen übrig. Genauso wie von der Haut dahinter. Blutige, schwärzliche Fetzen. Sie wimmerte noch nicht einmal mehr.
Nim’Meril atmete tief durch, versuchte, den stechenden Geruch nach bitteren Kräutern, Blut, Dreck und Exkrementen, der sie sofort zu betäuben drohte zur Seite zu drängen und sah dem Jungen in die Augen. „You can bear it, just for another minute, can’t you? Your comrade needs me more. It’s all going to be okay, I promise. It’s going to be okay. Just hold on another minute.“
Der Junge nickte. Vermutlich hatte er kaum ein Wort verstanden, aber das machte nichts, so lange er ruhig blieb. Und ihr nicht unter den Händen starb, aber er zumindest sah nicht danach aus.
Irgendwo am Rande ihres Bewusstseins realisierte die Hüterin, die Fürstin, dass es tatsächlich nur das war, was zählte. Dass niemand schreien musste. Dass niemand starb. Gleich ob Mensch oder Elf. Gleich wie zu ihnen stehend. Sie hatten alle gegen die gleichen Bestien gekämpft. Nichts zählte. Außer dem nächsten Handgriff. Dem nächsten, kleinen Spruch, denn für mehr reichte ihre Kraft nicht mehr aus. Das nächste Leben. Dabei war sie nie zur Heilerin ausgebildet worden. Ihr Weg war immer ein anderer gewesen.
Das ist wohl, was der Krieg aus einem macht, schoss es ihr durch den Kopf und sie ließ nicht zu, dass dieser Gedanke sie erschreckte. Wichtiger war das Mädchen, das vor ihr lag, und dem sie schon während des kurzen Gesprächs mit dem Jungen angefangen hatte, die Reste seiner Kleidung vom Leib zu schälen. Jede Schicht, jedes kleine Stück Körper machte es nur noch schlimmer.
„You hold on. I know you’re in pain, but you hold on. Leaving is not an option, we need you here. There will be comrades, friends, family. You don’t want them to cry for you, do you? Right. So hold on. And brace yourself, this might hurt.“
Sie schloss die Augen, sammelte sich erneut. Begann zu summen, das auf einen Punkt zu bündeln, was ihr an Energie noch blieb. Sie musste die Blutungen stillen, sonst würde sie hier nicht weiterkommen. Aber bei so vielen Stellen die bluteten, wo sollte sie anfangen? Nicht zum ersten Mal in dieser Nacht wünschte sie sich nichts sehnlicher als eine Heilerausbildung. Ihres Volkes. Die Magie und Verbände so vortrefflich zu verbinden vermochte.
„Mylady, what are you doing?“
Aus dem Nichts war er im Zelteingang erschienen. Turmhoch wirkte er im flackernden Fackelschein, besorgt und wütend zugleich. Sie drängte seine Empfindungen zurück. Wie musste sie wohl auf ihn wirken? Seine Herrin, kniend im Dreck, das helle Gewand, die Hände, vermutlich sogar das Gesicht blutverschmiert, die Haare statt kunstvoll geflochten streng zurückgebunden. Einmal mehr so weit entfernt von all dem, was angemessen, schicklich und gut gewesen wäre. Und dann wieder doch nicht. Denn es waren ihre Verbündeten, die dort litten, bluteten, starben.
„The right thing. Now since I see that you are still capable of standing, would you please clear the entrance, my love? We’re expecting more patients. If you insist on protecting me, protect this tent. If not, return if you’ve become incapable of standing.“
Er starrte sie an.
„Consider this your Tyelperin’s order.“
Vermutlich hätte er noch etwas erwidert, vielleicht hatte er es sogar getan, aber es kümmerte sie nicht. Wichtig war das Mädchen vor ihr. Das Menschenkind, das das nächste Morgengrauen sehen würde. Es war noch nicht an ihrer Zeit, zu gehen.

Denn darum war sie hier.
Nicht, um die Menschen zu verstehen.
Nicht, um das Bündnis zu wahren.
Nicht, weil sie gegen den selben Feind standen.

Nur, um eines zu tun.
Das Richtige.

Date: 2012-07-26 07:46 pm (UTC)
der_jemand: (green)
From: [personal profile] der_jemand
Die Mischung aus Deutsch und Englisch hat irgendwie wirklich was. *__*
Und ich beginne die Beziehung der Dame zu ihrem Kerl sehr interessant zu finden.^^

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