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[personal profile] servena posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Three's a charm
Team: Dickinson
Challenge: Kink - Drei sind (k)einer zu viel (für mich) (für's Team)
Fandom: Original
Warnings: femslash, angedeuteter Dreier (siehe Challenge)
Kommentar: Die Challenge hat mich sofort angesprungen, besonders mit dem Hinweis Drei Leute die abwechselnd mit einander Tango tanzen und sich die ganze Zeit glühende Blicke zu werfen Sie sollte kurz werden, aber sie wollte und wollte einfach nicht enden. u__u


Three's a charm

Man sagt, Hochzeiten seien die Hölle für Singles. All die glücklichen Paare zu sehen, die schon verheiratet waren oder es bald sein würden, und dann auch noch das furchtbar kitschige Liebesgeständnis des Brautpaares vor dem Altar. Hin und wieder ein mitleidiger Blick, wenn man auf die Frage „Und mit wem bist du hier?“ mit „Ich bin allein hier“ beantwortete.
Samantha fand das ganz und gar nicht. Sie liebte Hochzeiten. Das gute Essen, das Tanzen, die Frauen in eleganten Abendkleidern und die Männer in Anzügen. Nicht zu vergessen den Alkohol. Hochzeiten waren kein Trauerspiel für sie. Sie waren die perfekte Gelegenheit zur Jagd auf verzweifelte Singles.
Das einzige, was sie störte, war, dass man in dem Saal nicht rauchen durfte. Unschlüssig klopfte sie mit dem Finger auf ihre Zigarettenschachtel, die auf dem Tisch lag, während sie mit der anderen Hand den Cocktail zu ihren Lippen führte. Sie könnte auf die Terrasse gehen, aber dann müsste sie ihren Mantel holen, denn draußen war es Januar und verdammt kalt. Dann würde sie es aber riskieren, ihr jüngstes Opfer aus den Augen zu verlieren.
Normalerweise stand sie überhaupt nicht auf blonde Frauen, aber diese her hatte etwas. Sie trug ein dunkelblaues fließendes Kleid und hatte ihre Haare hochgesteckt, sodass der Nacken frei war. Ihre Figur war schmal und elfenhaft. Und sie hatte sogar aus der Ferne ein sehr bezauberndes Lächeln.
Den ganzen Abend hatte Samantha schon beobachtet, wie die andere durch den Saal ging und sich mal diesem oder jenem Grüppchen anschloss. Sie vermutete, dass sie irgendwie zu der Verwandtschaft der Braut gehörte, auch wenn sie sie nie zuvor gesehen hatte.
Als besagte mit ihrem weißen Kleid an ihr vorbeiging, hielt Samantha sie auf. „Auf ein Wort, meine Teuerste?“
„Natürlich, Samantha, es tut mir so Leid, so viele Leute...“ Die Braut ließ sich deutlich außer Atem auf den Stuhl neben ihr fallen. Ihre Wangen waren gerötet und sie sandte dieses Strahlen aus, dass nur frisch Verheiratete an sich hatten. „Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hingehen soll, alle wollen was von mir, und ich glaube, ich hatte zu viel Sekt.“
„Ist das nicht der Sinn einer Hochzeit?“ Samantha hob das Glas. „Auf die Braut!“
„Du hast ja Recht.“ Audrey ließ ihr Sektglas dagegen klingen. „Du kannst hier drin aber nicht rauchen“, sagte sie dann mit einem Blick auf die Zigarettenschachtel.
„Ich weiß“, entgegnete sie mit säuerlicher Miene. „Eine furchtbare Unsitte der Moderne. - Wie auch immer, sagst du mir mal fix, wer das da ist?“ Innerhalb von einem Augenblick hatte sie die Blonde wiedergefunden und deutete mit ihrem Glas in die Richtung.
„Das kann nicht dein Ernst sein.“
„Das ist mein Ernst. Wieso, verheiratet?“
„Nein, aber sie steht nicht – na, auf Frauen. Soweit ich weiß.“
Samantha lächelte nur und nahm einen Schluck von ihrem Ladykiller. „Sag mir einfach, wer sie ist.“
„Die Schwägerin meiner Schwester, du weißt schon, von Kate. Sie ist die Schwester von ihren Mann. Ich glaube, ihr Name ist Lucy, Lucy Dearing.“
„Danke vielmals.“
„Ich komme mir schon vor wie die Auskunft, wir hätten Familienstammbäume aufhängen sollen, bei den ganzen Cousinen und Cousins, die hier herumlaufen. Apropos Cousins, ich glaube, Ryan ist dir zuvorgekommen.“ Sie beobachteten beide, wie ein dunkelhaarige Mann, den Samantha als Cousin von Audreys neu angetrautem Ehemann identifizierte, eine Unterhaltung mit Lucy begann.
„Siehst du, hab ich dir doch gesagt“, sagte Audrey und leerte ihr Sektglas. „Er hat mich vorhin schon nach ihr gefragt und schien sehr interessiert. Sieht so aus, als müsstest du diesmal allein nach Hause gehen.“
„Abwarten“, sagte Samantha nur.
„Egal, ich muss weiter, ich hab Emily versprochen, dass ich mit ihr anstoße, das war vor einer Stunde, bis später!“ Audrey rauschte in ihrem Traum aus Weiß davon.
Samantha begann, die Zigarettenschachtel in ihrer Hand zu drehen, während sie den letzten Rest ihres Cocktails trank. Über den Rand des Glases sah sie zur Tanzfläche hinüber. Was Audrey nicht wusste, war, dass Lucy schon den ganzen Abend Samanthas Blicke erwidert hatte, zuerst verwirrt und etwas schüchtern, dann immer offener. Dass sie offenbar Interesse an Ryan zeigte, machte das ganze aber noch interessanter.
Sie waren ein umwerfendes Paar. Sie mit schlanken Beinen und einzelnen Haarsträhnen, die aus ihrer Hochsteckfrisur gerutscht waren und ihr nun in Stirn und Nacken hingen, er kaum größer als sie, aber mit breiten Schultern und sehr eleganten Tanzschritten. Und als sie ganz offen hinüber starrte, fing Lucy ihren Blick auf und sah zurück. Sie hielten den Augenkontakt, auch als der Tanz weiterging, und ein leichtes Lächeln zeigte sich auf Lucys Gesicht. Mit einigen geschickten Schritten dirigierte sie Ryan über die Tanzfläche, näher zu dem Tisch, an dem Samantha saß.
Diese stand auf und schob die Zigarettenschachtel in ihre Handtasche. Sie schlüpfte an den tanzenden Paaren vorbei und blieb schließlich genau vor den beiden stehen. „Darf ich dich ablösen?“, fragte sie mit einem sehr freundlichen Lächeln zu Ryan.
Der schaute sie einen Moment verwirrt an. Aber bevor er antworten konnte, löste sich Lucy schon von ihm und sagte: „Natürlich.“ Und zu Ryan: „Nur ein Tanz, ja?“ Sie zwinkerte ihm zu und ließ sich von Samantha mitziehen.
„Ich wusste es“, sagte diese, sobald sie sich etwas entfernt hatten. „Ich liege einfach niemals falsch.“
Lucy lachte, und drehte dann den Kopf, um sich nach Ryan umzusehen, der gerade auf die Terasse hinaustrat. „Der arme Kerl. Ich wollte ihn gar nicht einfach so stehen lassen. Aber, na ja...“ Sie lächelte Samantha an.
„Ich empfinde leichtes Mitgefühl. Von einer so schönen Frau stehen gelassen zu werden, muss hart sein.“
Lucy strich sich etwas hektisch eine lose Haarsträhne hinter das Ohr. „Das Kompliment gebe ich gerne zurück.“
Für einen Moment war Samantha abgelenkt, als sie die Braut mit ihrem Bräutigam auf der Tanzfläche entdeckte. Audrey schaute ein wenig ungläubig, und sie konnte nicht anders, als triumphierend zu grinsen. Demonstrativ zog sie Lucy etwas näher an sich.
Lucys Augen waren blau und eigentlich sehr kitschig mit den blonden Haaren, aber Samantha fand sie umwerfend. Sie hielten den Augenkontakt die ganze Zeit, während sie tanzten und dabei einmal beinahe mit einem anderen Paar zusammenstießen. Als das Lied aufhörte, blieben sie mitten auf der Tanzfläche stehen. Lucy sah sie unsicher an.
„Also“, sagte Samantha, „gehst du?“
„Ich sollte wirklich nach ihm sehen.“
„Natürlich, so einen lässt man nicht so schnell vom Haken.“ Samantha lächelte. „Aber ich dich auch nicht.“
„Tja, dann...fürchte ich, dass ihr euch um mich duellieren müsst“, sagte Lucy.
„Nicht unbedingt. - Lass uns nach draußen gehen, wenn ich nicht bald eine rauchen kann, muss ich leider jemanden ermorden. Bevorzugt denjenigen, der das Rauchverbot hier verhängt hat.“ Sie holten sich an der Garderobe ihre Mäntel und traten dann durch die Flügeltür auf die Terrasse hinaus.
Draußen schlug ihnen die kalte Januarluft entgegen und machte ihren Atem in weißen Wölkchen vor ihren Lippen sichtbar. Samantha lehnte sich an die weiße Mauer, die die Terrasse begrenzte, und zündete sich die Zigarette an. Sie hielt Lucy die Schachtel hin, aber die schüttelte den Kopf.
Etwas entfernt hatte sich trotz der Kälte eine kleine Gruppe gebildet, die sich unterhielt, manche von ihnen rauchten ebenfalls. Unter ihnen konnte Samantha Ryan entdecken, der sich fröstelnd die Arme unter seinem dünnen Sakko rieb, aber keine Anstalten machte, wieder herein zu gehen.
„Ich glaube, du hast seinen Stolz verletzt“, kommentierte sie und blies langsam den Rauch zwischen den Lippen hindurch.
Lucy sah ebenfalls hinüber. „Er tut mir wirklich Leid.“
„Er ist ein gut aussehender Kerl.“
Lucy nickte.
„Ich habe eine Frage“, sagte Samantha langsam.
Das brachte die andere dazu, sich ihr wieder voll und ganz zuzuwenden. Sie sah sie fragend an, mit leicht geöffnetem Mund. Samantha blickte zurück und lächelte dann. Sie nahm einen weiteren Zug von ihrer Zigarette.
„Was?“, fragte Lucy etwas atemlos. Eine leichte Röte hatte sich über ihre Wangen ausgebreitet. Vielleicht war es nur die Kälte.
„Wie stehst du zum Teilen?“
Es brauchte einen Moment und einen demonstrativen Blick von Samantha in Ryans Richtung, bis sie verstand. „Aber nein...das können wir doch nicht machen.“
„Wieso nicht? Ich bin sicher, dass er nichts dagegen hätte.“
„Aber...“, murmelte Lucy und beschäftigte sich schon wieder mit ihren losen Haarsträhnen.
Samantha beugte sich vor und strich die Haare hinter Lucys Ohr zurück. „Na komm, sei keine Spielverderberin“, flüsterte sie. „Du kannst uns beide haben, du musst dich nicht entscheiden.“ Sie richtete sich wieder auf. „Außerdem denke ich wirklich, dass er interessiert ist.“ Sie sah über Lucys Schulter und grinste.
Lucy drehte sich um und fing Ryans Blick auf. Er hatte sich von der Gesprächsrunde gelöst und sah herüber. Samantha winkte ihm fröhlich zu. „Warum kommst du nicht rüber, damit wir uns unterhalten können?“, sagte sie laut.
Ein paar Köpfe drehten sich zu ihnen um und Ryan wirkte unbehaglich, kam aber mit großen Schritten herüber. Er nickte Lucy zu und sah dann Samantha an. „Also, duellieren wir uns jetzt? Brauche ich nicht einen Adjutanten oder so was?“
Lucy gab ein prustendes Lachen von sich.
Samantha lächelte. „Wir duellieren uns nicht. Wäre doch schade um dein hübsches Gesicht.“ Sie legte den Kopf leicht schräg. „Wir hatten noch nicht das Vergnügen, miteinander zu tanzen, glaube ich.“
„Naja, du hattest die Chance“, erwiderte Ryan mit einem Blick auf Lucy.
„Weißt du, manchmal fällt es mir ein bisschen schwer, mich zu entscheiden“, sagte Samantha. „Und Lucy scheint es ebenso zu gehen. Also dachte ich, warum sollte man sich überhaupt entscheiden?“
Er sah zwischen Lucy und Samantha hin und her. „...Ist das eurer Ernst? Ich meine...“ Er blickte Lucy an, die offen zurück sah. „Das ist eurer Ernst.“
„Absolut“, sagte Lucy und lächelte.
„Aber wenn du wegrennen möchtest, wir halten dich nicht auf“, fügte Samantha hinzu und legte einen Arm um Lucys Taille.
Sein Mund war leicht geöffnet und entließ weiße Atemwölkchen in die kalte Luft. „Ich renne nirgendwohin.“
„Fantastisch“, sagte Samantha.

Date: 2012-07-26 07:44 am (UTC)
From: [identity profile] chija.livejournal.com
Ohoho. Ziemlich heiß, gefällt mir sehr. Sehr, sehr. Und das Hochzeits-Setting, das du aufgebaut hast, ist so schön realistisch. So viel Verwandtschaft - ich weiß, warum ich so ungern auf Hochzeiten bin *hust*

Sehr toll auf jeden Fall. Ich mag Samantha.

Date: 2012-07-26 08:08 am (UTC)
From: [identity profile] http://users.livejournal.com/leni_/
Hmmm... vielleicht sollte ich mich häufiger auf Hochzeiten einladen lassen.
Äh - cooler Text, jedenfalls.

Im obersten Absatz ist übrigens ein "auf" zu viel (oder ein "beantwortet" statt "antwortet", je nach dem) ^^

Date: 2012-07-26 05:40 pm (UTC)
der_jemand: (pepper)
From: [personal profile] der_jemand
Wie gesagt: *_____*
Und ich hasse dich ein bisschen, weil ich gestern abend meine Dreier-Geschichte nach dem Lesen weggeworfen habe. *gg*

Aber nein, es ist toll. Und ich mag Samantha. Eine furchtbare Unsitte der Moderne. Indeed! ♥

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