Sind wir raus
Jul. 21st, 2012 10:51 pmFandom: OriginaldassichnochnichtganzvomFandomAUemanzipierthat
Challenges: Fantasy || Die erste Verwandlung
Personen: Lisbeth, er und der Kleine
Wörter: 823
Geschrieben in: 80 Minuten
Disclaimer:meins
Kommentar: Ich hatte da vor eineinhalb Jahren das "Ai´ll be bäck!" vergessen. Sorreeeey.
Und ich übernehme keinerlei Garantie für die ersten Gehversuche nach der ganzen Zeit ;)
Manche haben eine Katze. Andere einen Hund. Ein paar haben auch Mäuse oder Schlangen. Jeder hat einen Dämon.
Mein Dämon gehört zu der aufdringlichen Sorte, die, die einem am liebsten tagelang im Nacken sitzt. Er weiß, dass ich das nicht leiden kann, aber gerade deshalb macht es ihm so viel Spaß. Zur Strafe habe ich in Lisbeth getauft.
Lisbeth braucht keine große Einladung um mich zu pisacken. Ich muss nur hier ein, zwei Scheine mitgehen lassen und dort meinen alten Schlüssel an einem Auto entlangziehen und schon ist er da, holt einmal tief Luft und nagt mir das Ohr ab. Sein liebster Vorwurf hat mit früher zu tun und das meine Mutter sowas ja wohl nie gewollt hätte. Ich hab mal versucht ihm zu erklären, dass Mama auch nie gewollt hätte, dass man für einen Hunni höchstens ein, zwei Tage satt wird. Außerdem hat eh keiner mehr Benzin um mit den Schrottkisten zu fahren, die die Straßen verstopfen. Und die anderen machen es auch. Jeder macht es. Aber Lisbeth interessiert das nicht. Sein verdammtes Wertesystem hat einen Bart bis über die Fußspitzen, aber er schleift es mit uns rum als könnte es noch irgendwas reißen. Manchmal tut er mir fast Leid.
Vor dem Fastfood-Restaurant steht eine riesige Schlange, bis raus in den Regen. Vordrängeln zwecklos. Du kannst den Leuten volle Kanne in die Eier treten und mit einem blauen Auge davonkommen, aber wenn du ihnen das Futter wegnimmst, bist du tot. Also stelle ich mich brav ganz hinten an und warte mir einen Wolf, während Lisbeth voll aufdreht. Hätte ich was in den Taschen wäre das okay. Aber ich habe nichts in den Taschen, , weil keiner was in den Taschen hat, auf jeden Fall nichts Brauchbares. Genau deswegen balle ich trotzdem eine Faust um die magere Ausbeute in meiner Tasche.
Als ich endlich dran bin, tropft mir Wasser von der Kapuze ins Gesicht. Der ganze Schuppen dampft und es riecht nach Menschenschweiß. Ich schiebe dem Servierer meine Münzen über den Tresen. Er schnaubt, zählt sie indem er sie mit einem Finger hin-und herschiebt und sieht mich an, als hätte ich einen Elefanten bestellt. "Achtzehn fünfundsiebzig", schnarrt er. Seine Uniform hat dunkle Flecken unter den Ärmeln und das Namensschild fehlt. "Nen Hamburger." "Kostet neunzehn. Nächster." Bevor ich protestieren kann, schubst mich das Aas hinter mir zur Seite. Ich kann gerade noch mein Geld zusammenkratzen, dann stehe ich zwar vorn, aber neben der Schlange. Kein Durchkommen. Lisbeth hat dazu nichts zusagen. Er sagt nie was, wenn mal mir einer ans Bein pisst. "Und der Kleine?", zische ich ihm zu. Der Kleine ist auch so eins seiner Lieblingsthemen. Lisbeth grummelt, rutscht von meiner Schulter und verdrückt sich.
Ich brauche fast eine Stunde, um die fehlenden fünfundzwanzig Cent aufzutreiben und den Burger einzusacken. Das bedeutet, dass ich nicht nur im Regen nach Hause laufen darf sondern auch im Dunkeln. Ich hasse das. Ein Springmesser ist keine große Beruhigung, wenn es die Mindestausstattung darstellt. Aber ich hab keine Angst. Ich habe keine Angst.
Wenigstens riecht es im Treppenhaus weniger nach Pisse als sonst. Vielleicht der Regen. Ich quäle mich die Stufen hoch bis unters Dach, klopfe das Signal an die Tür und warte. Der Kleine braucht lang, bis er aus dem Bett kommt. Ich kann seine schlurfenden Schritte hören, die Tür ist viel zu dünn. Wenn sich da einer dagegen wirft, bricht er spätestens beim zweiten Mal durch. Nur gut dass der Kleine gut ist im still halten. Trotzdem sollten wir bald umziehen, wir sind schon viel zu lange hier.
Die Tür öffnet sich einen Spalt. „Happa happa“, sage ich und halte die Tüte mit dem Burger hoch. Der Kleine macht mir auf und schlurft vor mir zurück in die düstere Wohnung. Seine Schulterblätter stehen vor, als wollten sie mich anklagen.
Ich stelle ihm die Tüte vor das zerschlissene Sofa, auf dem er schläft, und setzte mich auf meine Decke. Er ist langsam, zerpickt das Brötchen mit seinen knochigen Fingern.
„Schmeckts?“
„Wie Pappe und ranziges Fett“, grient er mich zwischen zwei Bissen an.
„Was macht dein Rücken?“
Er zuckt mit den Schultern, reißt ein Stück aus der Tüte und steckt es sich in den Mund. „Keine Ahnung, sehe ihn nie.“
„Fühlst du was?“
Noch ein Stück Burger, noch ein Stück Tüte. „Ja.“ Er kaut. „Morgen. Ganz bestimmt.“ Und noch ein Stück, bevor er mich ansehen muss. Er weiß, dass ich weiß, dass er lügt. Trotzdem warte ich bis er fertig ist mit dem Burger und der Tüte und untersuche die Beulen neben seiner Wirbelsäule. Sie sind schon immer da, seit ich denken kann. Nie wird da was durchkommen.
„Ich glaube links ist ein bisschen gewachsen“, murmelt er. Links ist keinen Deut größer als rechts. „Stimmt“, sage ich und kratze vorsichtig an der rauen Haut. „Es ist gewachsen. Er wird bald rauskommen. Und dann wars das, dann sind wir raus hier.“
„Raus hier“, wiederholt er verträumt.
„Ja, raus hier. Du nimmst mich doch mit, wenn du fliegen kannst?“