Brother of Sleep
Jul. 20th, 2012 11:52 amTeam: Novalis
Challenge: Angst/Hurt/Comfort - Nahtoderfahrung (für mich)
Fandom: Original (Der Blaue Salon)
Wörter: ~700
Charaktere: Niél, Ireana
Anmerkung: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Ich bin mir nicht sicher, wie sehr ich da wirklich das Genre getroffen habe... Vermutlich schon ein bisschen. (Können Nahtoderfahrung un-angsty sein? Das wäre vielleicht mal ein Experiment wert.)
Achso, mir wurde neulich erklärt Nahtoderfahrungen im Traum wären durchaus ernstzunehmende, richtige, echte Vertreter ihrer Art. (Gruselig. Unter diesen Vorraussetzungen habe ich schon diverse Nahtoderfahrungen in meinem Leben gehabt...)
Niél schläft unruhig. Jeden Tag liegt sie wach und denkt darüber nach, was auf der Brücke geschehen war. Was sie danach gesehen hatte. Manchmal versucht sie sich abzulenken. Dann denkt sie an ihr Zuhause, in letzter Zeit ist es nicht immer der Blaue Salon, der vor ihren Augen erscheint. Es ist die alte Fabrik, es ist ihr Versteck, es sind die Menschen, die Niél gegenüber Loyalität bewiesen hatten – selbst als der Blaue Salon in Schutt und Asche lag und der Preis für Niéls Leben ins Unermessliche gestiegen war.
Die Gedanken bringen wenig Trost. Alles was sie noch hatte, stellt Niél an einem Morgen fest, alles was noch übrig geblieben war von ihrem Leben, hatte sie zurück gelassen.
Wenn sie schläft, träumt sie. Die Träume bringen sie zurück in die Hauptstadt. Durch die Straßen läuft sie. Suchend. Sie weiß nicht was.
Dann steht sie plötzlich vor ihm. Weiß und unberührt steht er da. Sein blaues Kuppeldach strahlt im Mondlicht. Aus den bunten Fenstern der Seitenflügel strömt sanftes Licht.
Niél weiß, dass es nur ein Traum ist, und doch steigen ihr die Tränen in die Augen. Mit einer Ehrfurcht, als wäre es das erste mal, steigt sie die weißen Treppen empor, achtzehn Stufen, bis zum Tor. Die Novizen am Eingang verbeugen sich vor ihr, küssen ihre Hände und nehmen ihr die Schuhe ab. Barfuß läuft sie weiter, über weißes Marmor.
Vor dem Altar betet sie. Sie hätte sich längst hier her träumen sollen. Sie kann förmlich spüren, wie ihre eigene Unruh sich auflöst, in milde Gleichmut zerfließt.
Nach dem Gebet will sie ihre Brüder und Schwestern treffen, aber die Türen zum Gemeinschaftsraum sind verschlossen.
„Sie warten auf dich.“
Niél fährt herum, blickt einer Frau in Gesicht. Ein Mondkind, wie sie. Niél kennt sie nicht. Sie kann ihr Gesicht nicht erkennen, obwohl sie keinen Schleier trägt. Aber weil es ein Traum ist, in dem sie sich treffen, wundert sie sich nicht darüber. Es ist schwer im Traum die Gesichter derjenigen zu erkennen, die man nicht kennt.
Die Fremde hakt sich bei Niél unter und führt sie den Gang entlang, in den Keller und zu dem Badesaal.
Es kam selten vor – selbst als sie noch viele waren – dass Niél jemandem begegnete, dessen Macht der ihren nahen kam. Die Frau aber, der sie im Traum begegnet, ist vielleicht sogar mächtiger als Niél.
„Das war dein Leben?“, fragt sie, als sie nebeneinander in heißem Wasser sitzen.
Niél nickt. Sie war noch so jung, als sie begonnen hatte dem Salon zu dienen – sie kann sich kaum erinnern, was vorher gewesen war.
„Du warst nie hier“, stellt sie fest. Sie braucht nicht zu fragen. Hätte die Fremde einmal den Blauen Salon besucht, wäre sie keine Fremde mehr.
„Mein Glaube gehört mir alleine“, antwortet die Fremde und lächelt „und mein Leben gilt meinem Leben und sonst nichts.“
Sie legt eine Hand auf Niéls Schulter.
„Ich meine das nicht persönlich, gegen dich“, flüstert sie. Eine Entschuldigung, aber Niél weiß nicht wofür.
Plötzlich ist sie unter Wasser. Die Hände der Fremden halten sie dort, halten sie fest, wie Niél sich auch windet, tritt, schlägt.
Das ist ein Traum, erinnert sie sich, wenn du nur willst, dann kannst du auch unter Wasser atmen. Aber als sie den Mund öffnet strömt ihr das Wasser in die Lunge. Sie versucht zu schreien, versucht aufzuwachen, aber die Fremde hält sie fest. Es wird dunkel um sie herum.
Dann ist die Fremde verschwunden. Vor Niél, in der Dunkelheit, steht eine kleine, hutzelige Gestalt. Sie streckt Niél einen roten Luftballon entgegen.
„Viel Glück!“, sagt die Gestalt, und ehe Niél sich versieht steigt sie auf, zieht der Ballon sie in die Höhe. Über sich sieht sie die Meerdecke, ein weißes Licht, da wo der Mond das Wasser berührt. Sie steigt höher und höher. Lässt das Schwarz und das Dunkel zurück.
Aus weiter Ferne hört sie eine Stimme. Ihre eigene.
„Du stirbst“, sagt die Stimme.
Aber es ist nur ein Traum, denkt Niél.
„Macht das wirklich einen Unterschied?“
Der Luftballon zieht sie höher, stößt schon gegen die Wasseroberfläche, lässt sie silberne Wellen schlagen. Da treibt etwas in den Wellen. Ein Schlüssel.
„Sie warten auf dich“, hört sie die Fremde wieder. Sie hat das alles schon einmal erlebt.
Dann löst die Welt sich auf in gleißendes Licht.
Challenge: Angst/Hurt/Comfort - Nahtoderfahrung (für mich)
Fandom: Original (Der Blaue Salon)
Wörter: ~700
Charaktere: Niél, Ireana
Anmerkung: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Ich bin mir nicht sicher, wie sehr ich da wirklich das Genre getroffen habe... Vermutlich schon ein bisschen. (Können Nahtoderfahrung un-angsty sein? Das wäre vielleicht mal ein Experiment wert.)
Achso, mir wurde neulich erklärt Nahtoderfahrungen im Traum wären durchaus ernstzunehmende, richtige, echte Vertreter ihrer Art. (Gruselig. Unter diesen Vorraussetzungen habe ich schon diverse Nahtoderfahrungen in meinem Leben gehabt...)
Niél schläft unruhig. Jeden Tag liegt sie wach und denkt darüber nach, was auf der Brücke geschehen war. Was sie danach gesehen hatte. Manchmal versucht sie sich abzulenken. Dann denkt sie an ihr Zuhause, in letzter Zeit ist es nicht immer der Blaue Salon, der vor ihren Augen erscheint. Es ist die alte Fabrik, es ist ihr Versteck, es sind die Menschen, die Niél gegenüber Loyalität bewiesen hatten – selbst als der Blaue Salon in Schutt und Asche lag und der Preis für Niéls Leben ins Unermessliche gestiegen war.
Die Gedanken bringen wenig Trost. Alles was sie noch hatte, stellt Niél an einem Morgen fest, alles was noch übrig geblieben war von ihrem Leben, hatte sie zurück gelassen.
Wenn sie schläft, träumt sie. Die Träume bringen sie zurück in die Hauptstadt. Durch die Straßen läuft sie. Suchend. Sie weiß nicht was.
Dann steht sie plötzlich vor ihm. Weiß und unberührt steht er da. Sein blaues Kuppeldach strahlt im Mondlicht. Aus den bunten Fenstern der Seitenflügel strömt sanftes Licht.
Niél weiß, dass es nur ein Traum ist, und doch steigen ihr die Tränen in die Augen. Mit einer Ehrfurcht, als wäre es das erste mal, steigt sie die weißen Treppen empor, achtzehn Stufen, bis zum Tor. Die Novizen am Eingang verbeugen sich vor ihr, küssen ihre Hände und nehmen ihr die Schuhe ab. Barfuß läuft sie weiter, über weißes Marmor.
Vor dem Altar betet sie. Sie hätte sich längst hier her träumen sollen. Sie kann förmlich spüren, wie ihre eigene Unruh sich auflöst, in milde Gleichmut zerfließt.
Nach dem Gebet will sie ihre Brüder und Schwestern treffen, aber die Türen zum Gemeinschaftsraum sind verschlossen.
„Sie warten auf dich.“
Niél fährt herum, blickt einer Frau in Gesicht. Ein Mondkind, wie sie. Niél kennt sie nicht. Sie kann ihr Gesicht nicht erkennen, obwohl sie keinen Schleier trägt. Aber weil es ein Traum ist, in dem sie sich treffen, wundert sie sich nicht darüber. Es ist schwer im Traum die Gesichter derjenigen zu erkennen, die man nicht kennt.
Die Fremde hakt sich bei Niél unter und führt sie den Gang entlang, in den Keller und zu dem Badesaal.
Es kam selten vor – selbst als sie noch viele waren – dass Niél jemandem begegnete, dessen Macht der ihren nahen kam. Die Frau aber, der sie im Traum begegnet, ist vielleicht sogar mächtiger als Niél.
„Das war dein Leben?“, fragt sie, als sie nebeneinander in heißem Wasser sitzen.
Niél nickt. Sie war noch so jung, als sie begonnen hatte dem Salon zu dienen – sie kann sich kaum erinnern, was vorher gewesen war.
„Du warst nie hier“, stellt sie fest. Sie braucht nicht zu fragen. Hätte die Fremde einmal den Blauen Salon besucht, wäre sie keine Fremde mehr.
„Mein Glaube gehört mir alleine“, antwortet die Fremde und lächelt „und mein Leben gilt meinem Leben und sonst nichts.“
Sie legt eine Hand auf Niéls Schulter.
„Ich meine das nicht persönlich, gegen dich“, flüstert sie. Eine Entschuldigung, aber Niél weiß nicht wofür.
Plötzlich ist sie unter Wasser. Die Hände der Fremden halten sie dort, halten sie fest, wie Niél sich auch windet, tritt, schlägt.
Das ist ein Traum, erinnert sie sich, wenn du nur willst, dann kannst du auch unter Wasser atmen. Aber als sie den Mund öffnet strömt ihr das Wasser in die Lunge. Sie versucht zu schreien, versucht aufzuwachen, aber die Fremde hält sie fest. Es wird dunkel um sie herum.
Dann ist die Fremde verschwunden. Vor Niél, in der Dunkelheit, steht eine kleine, hutzelige Gestalt. Sie streckt Niél einen roten Luftballon entgegen.
„Viel Glück!“, sagt die Gestalt, und ehe Niél sich versieht steigt sie auf, zieht der Ballon sie in die Höhe. Über sich sieht sie die Meerdecke, ein weißes Licht, da wo der Mond das Wasser berührt. Sie steigt höher und höher. Lässt das Schwarz und das Dunkel zurück.
Aus weiter Ferne hört sie eine Stimme. Ihre eigene.
„Du stirbst“, sagt die Stimme.
Aber es ist nur ein Traum, denkt Niél.
„Macht das wirklich einen Unterschied?“
Der Luftballon zieht sie höher, stößt schon gegen die Wasseroberfläche, lässt sie silberne Wellen schlagen. Da treibt etwas in den Wellen. Ein Schlüssel.
„Sie warten auf dich“, hört sie die Fremde wieder. Sie hat das alles schon einmal erlebt.
Dann löst die Welt sich auf in gleißendes Licht.