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DickinsonChallenge:
Fantasy - Schwüre und Flüche (für's Team)Fandom:
Original | Vinya NoréCharaktere:
Nim'Meril (die Tyelperin/Fürstin), Sídhwen (ihre Schwester)Wörter:
796Kommentar:
Und wieder ein Beitrag aus der Reihe "auch Elben haben ein Privatleben".„Ist das wirklich, was du glaubst? Du tust ihm unrecht, Saeleth.“
Sie saßen auf der sanft abfallenden Wiese vor dem Schrein, nebeneinander, wie sie es früher getan hatten. Nur dass damals auf dem frischen Gras gesessen hatten statt auf weichen Kissen, dass ihre Kleider schlicht und ihre Haare gelöst gewesen waren und dass keine Leibwache gerade außer Hörweite bereitgestanden hatte, die die Schwestern keinen Augenblick aus den Augen ließ.
Nim’Meril, die nur noch von ihren Eltern, Schwestern und ihrem Gemahl bei ihrem Beinamen gerufen werden durfte, seufzte. „Tue ich das?“ Es hätten nicht viele gewagt, ihr das zu sagen.
„Ihr seid die tiefste Verbindung eingegangen, die einzugehen ist. Ihr seid das Spiegelbild der Höchsten. Selbst wenn er zuvor auch nur einen Gedanken noch an sie verschwendet hat, so ist dieser lange verloschen. Du spürst doch, was er fühlt. Und man muss nur in seine Augen blicken, um zu erkennen, dass du so viel mehr für ihn bist als seine Herrin, seine Tyelperin. Und daran kann keine kleine Waldläuferin aus Orgaladhad etwas ändern. Zumal diese Verbindung schon zuvor nicht möglich gewesen wäre, und das weißt du.“
Nim’Meril betrachtete ihre ältere Schwester mit einem etwas schmalen Lächeln. „Sídhwen, ich weiß nicht, ob ich dich für deine unverblümten Worte maßregeln oder über deine erfrischende Offenheit froh sein sollte.“
Sídhwen lachte ihr glockenhelles Lachen. Alles an ihr schien wie Musik, ihre schwingenden Bewegungen, ihre melodische Stimme, und Nim’Meril erinnerte sich an Zeiten, in denen sie ihre Schwester beinahe darum beneidet hatte. „Deswegen bin ich hier“, erklärte sie schelmisch. „Damit du dir zwischen allen hohen Angelegenheiten des Hauses solche Fragen stellen musst.“
„Irgendwie habe ich mit so etwas gerechnet, liebste Schwester.“ Nim’Meril schüttelte den Kopf. „Und warum bist du wirklich hier?“
„Weil ich es geschworen habe.“ Mit einem Mal wirkte Sídhwen ernst.
„Verzeihung?“
„Bei deiner Ernennung. Als wir dort hinter dir standen und dich bewundern durften, unsere Jüngste, die plötzlich unsere Höchste wurde, haben Arfaeriel und ich uns geschworen, stets an deiner Seite zu sein, wenn es notwendig ist. Denn du magst die Tyelperin unseres Hauses sein, die höchste Hüterin der Ithildin, du magst das Licht sein, dem wir alle folgen, und all das hast du dir nicht nur verdient, sondern auch bewiesen, dass du nur genau den Platz eingenommen hast, der schon immer der deine gewesen ist. Aber du bleibst auf ewig unsere jüngste Schwester.“ Sie lächelte. „Und wir mögen beide ein Leben gewählt haben, abgeschieden selbst von dieser unserer Welt, und noch abgeschiedener von den Landen der Menschen, in die du so oft reist, aber auch zu uns dringen Boten vor. Die Zeiten sind dunkel, sie sind unsicher und sie sind voll Veränderungen, die uns so fremd erscheinen. Ich bewundere dich dafür, wie sicher du uns alle durch diese Zeiten führst. Aber ich kenne dich, Saeleth. Besser vielleicht, als jeder andere, von Arfaeriel mal abgesehen. Ich weiß, was das von dir verlangt. Deshalb bin ich hier.“
Das Lächeln, das Nim’Meril ihrer Schwester schenkte, war das erste seit langer Zeit, das vollkommen von ihrem Herzen kam. „Ich danke dir, Sídhwen. Dass du hier bist. Und das du all das erkennst. Du solltest mich einmal in die Lande der Menschen begleiten. Ich bin sicher, du wirst sie genauso lieben lernen, wie ich es getan habe.“
„Lieber nicht.“ Sídhwen hob die Hände. „Ich glaube für so etwas bin ich dann doch zu alt. Ich verstehe die Menschen nicht. Und ich glaube nicht, dass sie mich verstehen würden. Ich habe nicht dein Gefühl für Diplomatie. Nein, ich bin schon ganz richtig da, wo ich bin.“ Mit einer Hand strich sie über die Saiten der kleinen Harfe, die sie niemals ganz aus den Augen ließ. „Um auf unser anfängliches Gesprächsthema zurückzukommen, ich finde, du solltest die kleine Waldläuferin hierher holen.“
„Bitte?!“ Nim’Meril sah ihre Schwester skeptisch an.
„Dann hast du sie im Blick und du siehst, wie er auf sie reagiert. Außerdem hat sie deine Zofe mitgenommen auf Reisen, es wäre nur gerecht, käme sie mit ihr zurück. Und ein bisschen Benimm können die Orgaladhad immer lernen, gerade wenn sie sich mit den Menschen beschäftigen. Mehr als dich auf ewig verfluchen kann sie nicht tun, sie wird es kaum ablehnen, wenn du sie bittest, zu kommen.“
„Und du behauptest, du hast kein Gefühl für Diplomatie? Möglicherweise tue ich sogar etwas in der Art. Aber erst nachdem ich aus den Menschenlanden zurück bin. Dieses Zusammentreffen nimmt derzeit den Großteil meiner Aufmerksamkeit in Anspruch.
Aber etwas ganz anderes, Schwester: Nun habe ich schon einmal das Vergnügen, die wohl beste Harfenspielerin auf Ambars Angesicht bei mir zu Gast zu haben. Würdest du mir die Ehre erweisen, für mich zu spielen?“
Mit einer fließenden Bewegung erhobt sich Sídhwen, nur um dann vor ihrer Schwester in einen formvollendeten Knicks zu sinken. „Selbstverständlich. Der Wunsch der Tyelperin sei mir Befehl.“
no subject
Date: 2012-07-22 03:31 pm (UTC)Und große Schwestern, die sich um die Kleine kümmern? Immer gut. ♥