Team: Novalis
Challenge: Horror/Thriller - Verfolgungsjagd (für mich)
Fandom: Original (Der Blaue Salon)
Wörter: ~800
Charaktere: Maron, Niél, Ian
Anmerkung: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Viel schneller, als Niél gedacht hätte, gewöhnt sie sich an ihre neuen Wohnverhältnisse. Sie gewöhnt sich an Ian, der immer noch nicht begriffen hat, dass es nicht seine Mutter ist, die ihn Pflegt. Sie gewöhnt sich an Maron, an dessen stille Schweigsamkeit, an die dunklen, leeren Augen, die sie beobachten, sezieren – immer wenn er glaubt, dass sie es nicht bemerkt.
Für sich selbst zu kochen, hatte sie irgendwo einmal gehört, sei der einzige Ausdruck von Individualität den die Autorität ihren Bluthunden gestatten würde. Niél weiß nicht, ob dieses Gerücht stimmt – traut sich nicht, Maron zu fragen. Sie gibt sich damit zufrieden festzustellen, dass er ein hervorragender Koch ist. Egal was sie von ihren Patienten mitbringt (die meisten Zahlen mit Nahrungsmitteln, die wenigsten mit Geld oder Wertmarken), jedes mal gelingt es Maron eine formidable Mahlzeit für sie alle zu zaubern.
Das sind die Morgenstunden, wenn sie erschöpft zurück kehrt. Ians Wunden versorgt, die Kerzen abdunkelt, ehe sie sich seine Augen ansieht, ihn bittet Äpfel von Schuhen zu unterscheiden. Jeden Morgen fühlt sie Marons Angst wachsen, bekräftigt sich ihre eigene Sorge, wenn Ian ihr keine Antwort gibt, die zu erkennenden Objekte gar nicht anschaut, schließlich mit den Händen der Richtung folgt, die Niéls Stimme vorgibt.
Er sitzt in einer Ecke des Zimmers, lässt mit einem Holzlöffel in der Hand alles um ihn herum klirrend, klappernd, scheppernd klingen. So laut, dass Maron fragt, ob man die Geräusche nicht von draußen hört.
Niél schüttelt ihren Kopf. Er brauche sich keine Sorgen machen, versichert sie dem Bluthund. Hier seien sie so sicher, wie sie nur sicher sein könnten, versichert sie ihm mit einem Lächeln.
Im selben Moment kreischen die Sirenen, brüllen megaphonverstärkte Stimmen, sie sollen heraus kommen. Niél ist gar nicht so schnell auf den Füßen, wie der Bluthund Maron die Salben für Ian in ihre Umhängetasche und dann die Tasche zu ihr geworfen hat.
Niél greift nach ihrer Sonnenbrille, ihrem Mantel. Dann öffnet sie den Verschlag über ihrem Lager. Auf dieser Seite der Fabrik sieht sie niemanden.
Sie klettert die Feuerleiter hinunter ohne noch einmal zurück zu blicken, nutzt unten die Zeit, die sie warten muss bis Maron ihr mit Ian gefolgt ist, um sich für den Tag vollkommen zu vermummen. Dann überlegt sie es sich anders, knöpft ihren Mantel auf und legt ihn über Ian und Maron über den Rücken. Ian ist ganz still, als wüsste er genau was gerade vor sich geht.
„Kannst du so rennen?“, flüstert Niél. Sie hört über sich, wie schwere Stiefel ihre Tür eintreten, das letzte bisschen Heimat, das sie gehabt hatte, unter sich zerstampfen.
„Kannst du?“, flüstert Ian zurück. Niél ist sich nicht sicher. Die Sonne brennt schon jetzt auf ihrer Haut, will jeden klaren Gedanken verdunsten lassen. Sie nickt trotzdem, nickt in eine Richtung und sie laufen los.
Sie hört Rufe hinter ihnen, schwere Stiefelschritte, hört die Motoren ihrer Autos in der Parallelstraße, die ihnen den Weg abschneiden wollen. Sie fällt hinter Maron zurück, folgt ihm durch die Überreste einer Lagerhalle, über das Trümmerfeld (sie zwingt sich, nicht einen Blick auf ihre Hände zu werfen, die sich anfühlen, als müssten sie in Flammen aufgehen), über den alten Friedhof (ihr Kopf schwirrt), die Nordstraße hinunter stolpern sie – Niél spürt die Bluthunde hinter sich, kann ihre Gedanken hören. Sie strauchelt, so kommt es ihr jedenfalls vor, weiß nicht mehr wo oben oder unten ist, sieht nur noch Ian auf Marons Rücken, unter ihrem Mantel. Klammert sich an dieses Bild, zwingt ihre Füße diesem Bild zu folgen, es nicht zu verlieren, keinen Abstand gewinnen.
Sie stolpert, fällt, stürzt in die Tiefe. Jemand fängt sie. Der Boden schaukelt unter ihr. Hin und her. Das Blut schwappt glucksend in ihrem Kopf. Ein Motor wird angeworfen, tuckernd, langsam an Zug gewinnend. Wind fährt beißend Salzig über ihre wunde Haut, bringt erfrischende Kälte.
Als Sie ihre Augen wieder öffnet, umgibt sie angenehme Dunkelheit. Neben ihr glimmt ein elektrisches Licht, dunkelgelb. Die Welt schwankt immer noch.
Vorsichtig setzt Niél sich auf. Die Schmerzen sind nur halb so schlimm, wie sie erwartet hätte. Ein matter Film bedeckt ihre Haut – sie schnuppert, es ist die selbe Salbe, die sie für Ians Brandwunden gemischt hatte. Sie liegt in einem Bett, einem echten. Einen Arm breit zu ihrer linken erkennt sie ein zweites, und darin, in seine Decke verheddert, Ian. Zu ihrer rechten verkleben schwarze Folien ein Fenster und die Sicht nach draußen.
Sie will eben aufstehen, als sich eine Tür hinter dem Fußende des zweiten Bettes öffnet und Maron herein kommt. Er bringt ihr Tee.
„Wo sind wir?“, fragt Niél, ehe er sich nach ihrem Befinden erkundigen kann.
„In Sicherheit“, antwortet er. Niél erinnert sich ihrer eigenen Worte, als sie noch in ihrem Versteck saßen; erinnert sich der Worte ihrer Brüder und Schwestern vom Blauen Salon.
„Das Boot hatte Ireana besorgt“, erklärt Maron leise flüsternd.
„Für unsere Flucht ...“
Aber dann haben die Bluthunde sie gefunden, endet der Satz in seinen Gedanken, endet in einer verzweifelten Wut, die Wände einreißen könnte. Maron schaut zu Ian hinüber.
„Du kannst sie nicht einfach ersetzen“, murmelt er. Nicht als Feststellung, sondern als Ermahnung. Als Verbot.
Niél lächelt matt.
„Ich weiß“, antwortet sie leise.
„Aber kannst du ihm das wirklich erklären?“
Challenge: Horror/Thriller - Verfolgungsjagd (für mich)
Fandom: Original (Der Blaue Salon)
Wörter: ~800
Charaktere: Maron, Niél, Ian
Anmerkung: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Viel schneller, als Niél gedacht hätte, gewöhnt sie sich an ihre neuen Wohnverhältnisse. Sie gewöhnt sich an Ian, der immer noch nicht begriffen hat, dass es nicht seine Mutter ist, die ihn Pflegt. Sie gewöhnt sich an Maron, an dessen stille Schweigsamkeit, an die dunklen, leeren Augen, die sie beobachten, sezieren – immer wenn er glaubt, dass sie es nicht bemerkt.
Für sich selbst zu kochen, hatte sie irgendwo einmal gehört, sei der einzige Ausdruck von Individualität den die Autorität ihren Bluthunden gestatten würde. Niél weiß nicht, ob dieses Gerücht stimmt – traut sich nicht, Maron zu fragen. Sie gibt sich damit zufrieden festzustellen, dass er ein hervorragender Koch ist. Egal was sie von ihren Patienten mitbringt (die meisten Zahlen mit Nahrungsmitteln, die wenigsten mit Geld oder Wertmarken), jedes mal gelingt es Maron eine formidable Mahlzeit für sie alle zu zaubern.
Das sind die Morgenstunden, wenn sie erschöpft zurück kehrt. Ians Wunden versorgt, die Kerzen abdunkelt, ehe sie sich seine Augen ansieht, ihn bittet Äpfel von Schuhen zu unterscheiden. Jeden Morgen fühlt sie Marons Angst wachsen, bekräftigt sich ihre eigene Sorge, wenn Ian ihr keine Antwort gibt, die zu erkennenden Objekte gar nicht anschaut, schließlich mit den Händen der Richtung folgt, die Niéls Stimme vorgibt.
Er sitzt in einer Ecke des Zimmers, lässt mit einem Holzlöffel in der Hand alles um ihn herum klirrend, klappernd, scheppernd klingen. So laut, dass Maron fragt, ob man die Geräusche nicht von draußen hört.
Niél schüttelt ihren Kopf. Er brauche sich keine Sorgen machen, versichert sie dem Bluthund. Hier seien sie so sicher, wie sie nur sicher sein könnten, versichert sie ihm mit einem Lächeln.
Im selben Moment kreischen die Sirenen, brüllen megaphonverstärkte Stimmen, sie sollen heraus kommen. Niél ist gar nicht so schnell auf den Füßen, wie der Bluthund Maron die Salben für Ian in ihre Umhängetasche und dann die Tasche zu ihr geworfen hat.
Niél greift nach ihrer Sonnenbrille, ihrem Mantel. Dann öffnet sie den Verschlag über ihrem Lager. Auf dieser Seite der Fabrik sieht sie niemanden.
Sie klettert die Feuerleiter hinunter ohne noch einmal zurück zu blicken, nutzt unten die Zeit, die sie warten muss bis Maron ihr mit Ian gefolgt ist, um sich für den Tag vollkommen zu vermummen. Dann überlegt sie es sich anders, knöpft ihren Mantel auf und legt ihn über Ian und Maron über den Rücken. Ian ist ganz still, als wüsste er genau was gerade vor sich geht.
„Kannst du so rennen?“, flüstert Niél. Sie hört über sich, wie schwere Stiefel ihre Tür eintreten, das letzte bisschen Heimat, das sie gehabt hatte, unter sich zerstampfen.
„Kannst du?“, flüstert Ian zurück. Niél ist sich nicht sicher. Die Sonne brennt schon jetzt auf ihrer Haut, will jeden klaren Gedanken verdunsten lassen. Sie nickt trotzdem, nickt in eine Richtung und sie laufen los.
Sie hört Rufe hinter ihnen, schwere Stiefelschritte, hört die Motoren ihrer Autos in der Parallelstraße, die ihnen den Weg abschneiden wollen. Sie fällt hinter Maron zurück, folgt ihm durch die Überreste einer Lagerhalle, über das Trümmerfeld (sie zwingt sich, nicht einen Blick auf ihre Hände zu werfen, die sich anfühlen, als müssten sie in Flammen aufgehen), über den alten Friedhof (ihr Kopf schwirrt), die Nordstraße hinunter stolpern sie – Niél spürt die Bluthunde hinter sich, kann ihre Gedanken hören. Sie strauchelt, so kommt es ihr jedenfalls vor, weiß nicht mehr wo oben oder unten ist, sieht nur noch Ian auf Marons Rücken, unter ihrem Mantel. Klammert sich an dieses Bild, zwingt ihre Füße diesem Bild zu folgen, es nicht zu verlieren, keinen Abstand gewinnen.
Sie stolpert, fällt, stürzt in die Tiefe. Jemand fängt sie. Der Boden schaukelt unter ihr. Hin und her. Das Blut schwappt glucksend in ihrem Kopf. Ein Motor wird angeworfen, tuckernd, langsam an Zug gewinnend. Wind fährt beißend Salzig über ihre wunde Haut, bringt erfrischende Kälte.
Als Sie ihre Augen wieder öffnet, umgibt sie angenehme Dunkelheit. Neben ihr glimmt ein elektrisches Licht, dunkelgelb. Die Welt schwankt immer noch.
Vorsichtig setzt Niél sich auf. Die Schmerzen sind nur halb so schlimm, wie sie erwartet hätte. Ein matter Film bedeckt ihre Haut – sie schnuppert, es ist die selbe Salbe, die sie für Ians Brandwunden gemischt hatte. Sie liegt in einem Bett, einem echten. Einen Arm breit zu ihrer linken erkennt sie ein zweites, und darin, in seine Decke verheddert, Ian. Zu ihrer rechten verkleben schwarze Folien ein Fenster und die Sicht nach draußen.
Sie will eben aufstehen, als sich eine Tür hinter dem Fußende des zweiten Bettes öffnet und Maron herein kommt. Er bringt ihr Tee.
„Wo sind wir?“, fragt Niél, ehe er sich nach ihrem Befinden erkundigen kann.
„In Sicherheit“, antwortet er. Niél erinnert sich ihrer eigenen Worte, als sie noch in ihrem Versteck saßen; erinnert sich der Worte ihrer Brüder und Schwestern vom Blauen Salon.
„Das Boot hatte Ireana besorgt“, erklärt Maron leise flüsternd.
„Für unsere Flucht ...“
Aber dann haben die Bluthunde sie gefunden, endet der Satz in seinen Gedanken, endet in einer verzweifelten Wut, die Wände einreißen könnte. Maron schaut zu Ian hinüber.
„Du kannst sie nicht einfach ersetzen“, murmelt er. Nicht als Feststellung, sondern als Ermahnung. Als Verbot.
Niél lächelt matt.
„Ich weiß“, antwortet sie leise.
„Aber kannst du ihm das wirklich erklären?“
no subject
Date: 2012-07-17 09:35 pm (UTC)Sehr dramatisch, dass Ian immer noch nichts sehen kann...und dann ihre überstürzte Flucht aus ihrem Versteck, ich hab schon gedacht, Niél bleibt jetzt zurück und wird geschnappt. >__< Jetzt sind sie also auf einem Boot, könnten sie damit nicht fliehen? Die Frage ist, wohin, und Niél will ja auch ihre Patienten nicht zurücklassen...
Ich bleib jedenfalls dran. :D
no subject
Date: 2012-07-19 07:42 pm (UTC)Ich fürchte, bis Niél wieder etwas zu sagen hat, sind sie schon viel zu weit draußen, als dass sie noch umkehren können.
<3