Team: Kaléko
Challenge: h/c, angst: Nahtoderfahrung (für mich)
Fandom: Digimon
Charaktere: Yamato, Taichi
Wörter: 900
Anmerkungen: Nein, ich habe weder eine Entschuldigung noch eine Erklärung dafür.
1, 2
Als er Taichi über den Weg lief, hätte er kaum schlechter darauf vorbereitet sein können. Nach einer wachgelegenen Nacht und einem ziemlich aufreibenden Frühstück mit Takeru und seiner Mutter hatte er regelrecht die Flucht ergriffen, um sich anzusehen, was sich alles verändert hatte. Wenigstens hatte er das gesagt.
Und wie er feststellte, war das einiges.
Das ältere Haus an der Ecke war einem Neubau gewichen. Die Schule war immerhin renoviert worden. Ein Park war ein gutes Stück kleiner geworden. Und aus dem Bäcker war ein Computerladen geworden. Das bedauerte er irgendwie am Meisten.
„Shit...“
Eine Sekunde lang schien sein Herz einfach auszusetzen. Diese Stimme... kam ihm bekannt vor. Sie hatte sich leicht verändert, aber das passierte mit den Jahren wohl. Langsam drehte er sich um und sah direkt in ein braunes Augenpaar, das beinahe entsetzt wirkte.
„Yama... was... wieso...“ Taichi verstummte und fuhr sich mit beiden Händen durch die noch immer wuscheligen, aber nun kürzeren Haare.
Scheiße... wo kam der plötzlich her? In einer unsicheren Geste, die ihm in den letzten Jahren zur Gewohnheit geworden war, umfasste er das verräterische Handgelenk, obwohl man im Moment gar nichts sehen konnte. Taichi sollte nicht erfahren, was für einen Riesenmist er gebaut hatte. Nicht so.
„Taichi...“ Warum jetzt? Warum hier? Ausgerechnet. „Ich wollte dich heute anrufen...“ Er presste die Lippen aufeinander. Vermutlich hätte er das eher nicht getan. Aber sagen konnte man es immer leicht.
„Seit wann bist du hier?“
„Heute nacht... ich bleib über das Wochenende.“
Taichi schluckte und wandte sich für einen Moment ab, bevor er Yamato wieder ansah. „Das hat mir keiner gesagt.“
„Ich weiß... Takeru hats mir erzählt.“
„Du hättest dich einfach melden können.“
Jetzt ist es Yamato, der den anderen nicht mehr ansehen kann. Unaufhaltsam geht sein Blick gen Boden. Jemand hat eine Zigarette achtlos weggeworfen. Yamato hatte auch geraucht. Ein Jahr lang. Jetzt wünschte er sich wieder eine. Einfach nur um etwas zu haben, woran er sich festhalten konnte.
„Ja... hätte ich...“ Er presste die Lippen aufeinander und versuchte sich dazu zu bringen, Taichi anzusehen. Den er von allen wohl am meisten verletzt hatte. Einfach deswegen, weil er ihn von allen am nächsten gestanden hatte und keine Ahnung hatte. Keine Ahnung, warum er so überstürzt zu anderen Verwandten gegangen war. Anstatt bei seiner Mutter zu bleiben. Warum er sich nach dem Tod seines Vaters so von allen zurückgezogen hatte.
Kurz hob er den Blick, konnte aber den verletzten Ausdruck in Taichis Gesicht nicht lange ertragen. „Es tut mir Leid.“
Wofür er sich genau entschuldigte, wusste er nicht. Für das furchtbare Gefühl, nirgendwo hinzugehören? Weil die Person, die ihn immer vorbehaltlos unterstützt hatte, plötzlich nicht mehr dagewesen war. Die Entfremdung von allen anderen war schleichend gekommen. Die Dunkelheit und Kälte hatte sich in ihm festgesetzt und einfach nicht mehr weichen wollen.
Heute fragte er sich selbst, wie es so weit hatte kommen können, dass er keinen Ausweg mehr gesehen hatte. Wo es so leicht erschienen war, es einfach zu beenden. All dem zu entfliehen.
So leicht...
Vielleicht hatte er gewollt, dass man ihn rettete. Und er war im Nachhinein erleichtert, dass es seine Mutter gewesen war, die ihn gefunden hatte und nicht sein Bruder. Es war schon schlimm genug, dass er wusste, was er getan hatte.
„Warum hast du dich nie gemeldet?“ Könnte ein im Regen sitzen gelassener Hund sprechen, hätte er genau diese Stimme.
„Ich wusste nicht, was ich.... hätte sagen sollen.“
„Warum? War ich so ein schlechter Freund?“
„Nein!“ Yamatos Kopf flog wieder hoch. „Niemals!“ War das Taichis einzige Sorge? Dass er als Freund versagt hätte? Das war doch totaler Quatsch! „Du bist...“ Er stockte. Aber es musste einfach raus. Irgendwie... musste er es sagen. „Du bist der einzige Grund, warum ich wieder hier bin.“
Das war ihm im Zug klargeworden. Als er festgestellt hatte, dass die Begegnung mit Taichi ihm am Meisten angst machte. Weil er es ihm zu wichtig war, dass er ihm verzieh. Mit der Ablehnung der anderen könnte er leben. Solange nur Taichi ihn wieder anlächelte. Gerne könnte er ihm auch eine reinhauen. Hauptsache, danach wäre alles wieder gut. Wenn er dann wieder eine Chance bei seinem besten Freund hatte.
Taichi haute ihm keine rein. Eine gefühlte Ewigkeit sah er ihn nur an. Vielleicht waren es nur ein paar Sekunden, Yamato wusste es nicht. Dann plötzlich zog Taichi ihn in eine feste Umarmung, bei der Yamato beinahe seine Knochen knirschen hörte. „Was auch immer mit dir los war... du hättest es mir doch sagen können... egal was... oder wann...“ Weinte er? Yamato war sich da nicht ganz sicher. Aber Taichis Stimme klang verräterisch erstickt.
„Es tut mir Leid... es tut mir so Leid...“ Es tat so gut, Taichi wieder in die Arme zu nehmen. Etwas, was damals so selbstverständlich gewesen war. Er würde es nie wieder als selbstverständlich ansehen.
Schließlich war es Taichi, der ihn losließ und Yamato blieb nichts anderes übrig, als es ihm gleichzutun. Bevor er aber einen Schritt zurückmachen konnte, hielt Taichi ihn am Handgelenk fest. Erst als er erstarrte, bemerkte Yamato, dass der Ärmel hochgerutscht war, und Taichi die Narbe genau spüren musste.
Daher leistete er keinen Widerstand, als sein bester Freund das Gelenk so drehte, dass er alles sehen konnte. Der Unglaube in Taichis Gesicht wich Entsetzen, als er ihn wieder ansah. „Was hast du getan?“
Challenge: h/c, angst: Nahtoderfahrung (für mich)
Fandom: Digimon
Charaktere: Yamato, Taichi
Wörter: 900
Anmerkungen: Nein, ich habe weder eine Entschuldigung noch eine Erklärung dafür.
1, 2
Als er Taichi über den Weg lief, hätte er kaum schlechter darauf vorbereitet sein können. Nach einer wachgelegenen Nacht und einem ziemlich aufreibenden Frühstück mit Takeru und seiner Mutter hatte er regelrecht die Flucht ergriffen, um sich anzusehen, was sich alles verändert hatte. Wenigstens hatte er das gesagt.
Und wie er feststellte, war das einiges.
Das ältere Haus an der Ecke war einem Neubau gewichen. Die Schule war immerhin renoviert worden. Ein Park war ein gutes Stück kleiner geworden. Und aus dem Bäcker war ein Computerladen geworden. Das bedauerte er irgendwie am Meisten.
„Shit...“
Eine Sekunde lang schien sein Herz einfach auszusetzen. Diese Stimme... kam ihm bekannt vor. Sie hatte sich leicht verändert, aber das passierte mit den Jahren wohl. Langsam drehte er sich um und sah direkt in ein braunes Augenpaar, das beinahe entsetzt wirkte.
„Yama... was... wieso...“ Taichi verstummte und fuhr sich mit beiden Händen durch die noch immer wuscheligen, aber nun kürzeren Haare.
Scheiße... wo kam der plötzlich her? In einer unsicheren Geste, die ihm in den letzten Jahren zur Gewohnheit geworden war, umfasste er das verräterische Handgelenk, obwohl man im Moment gar nichts sehen konnte. Taichi sollte nicht erfahren, was für einen Riesenmist er gebaut hatte. Nicht so.
„Taichi...“ Warum jetzt? Warum hier? Ausgerechnet. „Ich wollte dich heute anrufen...“ Er presste die Lippen aufeinander. Vermutlich hätte er das eher nicht getan. Aber sagen konnte man es immer leicht.
„Seit wann bist du hier?“
„Heute nacht... ich bleib über das Wochenende.“
Taichi schluckte und wandte sich für einen Moment ab, bevor er Yamato wieder ansah. „Das hat mir keiner gesagt.“
„Ich weiß... Takeru hats mir erzählt.“
„Du hättest dich einfach melden können.“
Jetzt ist es Yamato, der den anderen nicht mehr ansehen kann. Unaufhaltsam geht sein Blick gen Boden. Jemand hat eine Zigarette achtlos weggeworfen. Yamato hatte auch geraucht. Ein Jahr lang. Jetzt wünschte er sich wieder eine. Einfach nur um etwas zu haben, woran er sich festhalten konnte.
„Ja... hätte ich...“ Er presste die Lippen aufeinander und versuchte sich dazu zu bringen, Taichi anzusehen. Den er von allen wohl am meisten verletzt hatte. Einfach deswegen, weil er ihn von allen am nächsten gestanden hatte und keine Ahnung hatte. Keine Ahnung, warum er so überstürzt zu anderen Verwandten gegangen war. Anstatt bei seiner Mutter zu bleiben. Warum er sich nach dem Tod seines Vaters so von allen zurückgezogen hatte.
Kurz hob er den Blick, konnte aber den verletzten Ausdruck in Taichis Gesicht nicht lange ertragen. „Es tut mir Leid.“
Wofür er sich genau entschuldigte, wusste er nicht. Für das furchtbare Gefühl, nirgendwo hinzugehören? Weil die Person, die ihn immer vorbehaltlos unterstützt hatte, plötzlich nicht mehr dagewesen war. Die Entfremdung von allen anderen war schleichend gekommen. Die Dunkelheit und Kälte hatte sich in ihm festgesetzt und einfach nicht mehr weichen wollen.
Heute fragte er sich selbst, wie es so weit hatte kommen können, dass er keinen Ausweg mehr gesehen hatte. Wo es so leicht erschienen war, es einfach zu beenden. All dem zu entfliehen.
So leicht...
Vielleicht hatte er gewollt, dass man ihn rettete. Und er war im Nachhinein erleichtert, dass es seine Mutter gewesen war, die ihn gefunden hatte und nicht sein Bruder. Es war schon schlimm genug, dass er wusste, was er getan hatte.
„Warum hast du dich nie gemeldet?“ Könnte ein im Regen sitzen gelassener Hund sprechen, hätte er genau diese Stimme.
„Ich wusste nicht, was ich.... hätte sagen sollen.“
„Warum? War ich so ein schlechter Freund?“
„Nein!“ Yamatos Kopf flog wieder hoch. „Niemals!“ War das Taichis einzige Sorge? Dass er als Freund versagt hätte? Das war doch totaler Quatsch! „Du bist...“ Er stockte. Aber es musste einfach raus. Irgendwie... musste er es sagen. „Du bist der einzige Grund, warum ich wieder hier bin.“
Das war ihm im Zug klargeworden. Als er festgestellt hatte, dass die Begegnung mit Taichi ihm am Meisten angst machte. Weil er es ihm zu wichtig war, dass er ihm verzieh. Mit der Ablehnung der anderen könnte er leben. Solange nur Taichi ihn wieder anlächelte. Gerne könnte er ihm auch eine reinhauen. Hauptsache, danach wäre alles wieder gut. Wenn er dann wieder eine Chance bei seinem besten Freund hatte.
Taichi haute ihm keine rein. Eine gefühlte Ewigkeit sah er ihn nur an. Vielleicht waren es nur ein paar Sekunden, Yamato wusste es nicht. Dann plötzlich zog Taichi ihn in eine feste Umarmung, bei der Yamato beinahe seine Knochen knirschen hörte. „Was auch immer mit dir los war... du hättest es mir doch sagen können... egal was... oder wann...“ Weinte er? Yamato war sich da nicht ganz sicher. Aber Taichis Stimme klang verräterisch erstickt.
„Es tut mir Leid... es tut mir so Leid...“ Es tat so gut, Taichi wieder in die Arme zu nehmen. Etwas, was damals so selbstverständlich gewesen war. Er würde es nie wieder als selbstverständlich ansehen.
Schließlich war es Taichi, der ihn losließ und Yamato blieb nichts anderes übrig, als es ihm gleichzutun. Bevor er aber einen Schritt zurückmachen konnte, hielt Taichi ihn am Handgelenk fest. Erst als er erstarrte, bemerkte Yamato, dass der Ärmel hochgerutscht war, und Taichi die Narbe genau spüren musste.
Daher leistete er keinen Widerstand, als sein bester Freund das Gelenk so drehte, dass er alles sehen konnte. Der Unglaube in Taichis Gesicht wich Entsetzen, als er ihn wieder ansah. „Was hast du getan?“
no subject
Date: 2012-07-15 08:39 pm (UTC)okay, das ist auf jeden fall mal ein grund einfach zu gehen, suizidsachen sind immer heftig :(
mir ist sowas ähnliches passiert, narben entdeckt und psychische instabilität einer freundin gleich mitgefunden...aber bei der wars noch nicht SO schlimm...
es tut weh so etwas zu finden, genauso wie es sehr weh tut einen freund so plötzlich und unerwartet zu "verlieren"
hat sicher einen ordentlichen schrecken bekommen, als er yamato einfach so auf der straße getroffen hat ^^" armer taichi, und dann auch noch gleich mit gefühlsausbruch!
wie ich die fortsetzung so schnell übersehen hab ist mir ein rätsel >.<
no subject
Date: 2012-07-15 09:14 pm (UTC)Ich habe mir einige Gedanken über diesen Teil gemacht, aber irgendwie kams dann doch von alleine. Auch wenn es mir sehr leid tut, den beiden so etwas anzutun ._. Aber jetzt weiß Taichi ja Bescheid und die beiden können glücklich werden. Oder so. Naja... das sehen wir dann. Ich bin gespannt, wer im nächsten Teil wen comfortet, sie sind beide so hinüber. ._.
no subject
Date: 2012-07-15 09:47 pm (UTC)ach was, hab kein schlechtes gewissen, dafür ist's dann umso schöner wenn sie einander umsorgen können <3
(also ich für meinen teil freu mich schon drauf :D meine wette wer wen comfortet hab ich auch schon platziert...bin ja mal gespannt!)