Team: Novalis
Challenge: Hurt/Comfort/Angst - Narben (für mich)
Fandom: Original (Der Blaue Salon)
Wörter: ~700
Charaktere: Maron, Niél, Ian
Anmerkung: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Der Koffer liegt noch an der selben Stelle, an der Maron ihn vor ihrer Flucht versteckt hatte. Der Morgen dämmert, die Sonne lässt das Meer zart violett erglühen, als er sein Hemd zuknöpft. Er fühlt sich fremd und verkleidet, hat noch immer nicht gelernt in ziviler Kleidung zuhause zu sein. Ohne Säbel an seinem Gürtel kommt er sich nackt vor und hilflos.
Er weiß nicht, was er machen wird – wenn sie ihn erkennen. Er hat nie gelernt, wegzulaufen.
Bis er die Kreuzung findet, wo sie sie letzte Nacht gestellt hatten, dauert es. Und dabei dachte er immer, er kenne sich aus – im Hafenviertel. Er versucht sich zu erinnern in welche Richtung er Ian geschickt hat. Versucht nachzuvollziehen, wohin er gelaufen sein könnte. Falls die Bluthunde ihn nicht – der Gedanke schnürt Maron die Kehle zu, lässt versteinert auf dem Gehsteig stehen.
Ein Teil von ihm ist immer noch fasziniert, amüsiert und wütend – was aus ihm geworden ist. Was Ireana aus ihm gemacht hat.
Den ganzen Tag irrt er durch die Hafenstraßen, späht in jeden Kellereingang, jeden Häuserwinkel. Unter die Rampen, auf denen die Lieferkisten hinauf in die Läden geschoben werden. Am Nachmittag macht er sich auf den Weg ins Westviertel, in die Aturstraße, zu dem schmalen Haus, wo der Putz von der Fassade bröckelt, wo die Tür noch lose in den Angeln hängt – die Kellerwohnung einem Schlachtfeld gleicht. Die Möbel umgestürzt, Kissen zerschnitten, Kleider verstreut dazwischen, den Spiegel von der Wand geschlagen. Als habe das Zimmer genau so wenig Recht auf Unversehrtheit – auf Existenz – wie seine Bewohner.
Es ist das zweite Mal, dass Maron hier her kommt. Aber es ist kein bisschen leichter. Wie Narben erzählen die Splitter und Scherben Geschichten dessen, was hier passiert sein muss. Er weiß nicht, wer von seinen früheren Kameraden hier war. Es spielt kaum eine Rolle. Ihre Worte hallen bitter in seinen Ohren nach. Huren seien sie alle miteinander, die Mondkinder. Nur dazu da –
Mit aller Kraft schiebt er die Bilder vor seinen Augen beiseite. Seine Hände zittern.
„Ian?“, ruft er – gerade laut genug, dass der Name den Raum erfüllt und ihn, Maron, erinnert, weshalb er hier ist.
Keine Antwort. Er ruft noch einmal. Dann hält er es nicht mehr aus, hier, stolpert zurück auf die Straße. Vielleicht hätte er auf das fremde Mondkind warten sollen? Sie könnten einander finden, hatte Ireana ihm einmal erklärt. Einander erfühlen.
Es wird schon wieder dunkel, als er an einem Kiosk anhält, einen Teil jenes Geldes aus seiner Hosentasche kramt, das für ihre Flucht bestimmt war, und gegen eine Flasche Wacholderschnaps tauscht. Erst als die zur Hälfte geleert ist macht er sich auf den Weg, zurück zu ihrem Versteck. (Unverantwortlich!, ruft eine Stimme in seinem Kopf. Wenn ihm jetzt jemand folgt – er würde es gar nicht bemerken.)
Ob es daran liegt, dass er betrunken ist, fragt sich Maron, als er vor der Backsteinruine steht und keinen Eingang findet – er ist sich ganz sicher, dass er genau hier das Versteck verlassen hatte. Aber dann ist es ihm auch egal. Wo er steht setzt er sich auf den Boden, zwischen Brennnesseln und Disteln, und merkt kaum wie die Pflanzen ihn mit Stacheln und Borsten zu vertreiben suchen.
Eine Hand auf seiner Schulter lässt ihn herum fahren, instinktiv dort hin greifen, wo sonst sein Säbel gehangen hätte.
„Da bist du“, stellt das fremde Mondkind fest. Sie schält die Schnapsflasche aus seinen Fingern, zieht Maron zurück auf seine Füße. Sie führt ihn um ein paar Ecken, durch die alte Fabrikanlage. Malt mit ihren Fingern ein Zeichen in die Luft, und lässt das Efeu von einer Wand verschwinden. Sie öffnet die Tür dahinter und führt Maron herein, führt ihn durch endlos verschlungene Gänge, zurück in das Zimmer, in dem sie ihm letzte Nacht das Leben gerettet hatte.
Maron weiß nicht wie, es ist nur eine Gestalt, die winzigen Konturen eines Menschen, die er auf ihrem Lager ausmachen kann. Aber er weiß – und im nächsten Moment sitzt er da und hält seinen Sohn in den Armen. Und für einen kurzen Moment ist die Welt wieder in Ordnung.
Challenge: Hurt/Comfort/Angst - Narben (für mich)
Fandom: Original (Der Blaue Salon)
Wörter: ~700
Charaktere: Maron, Niél, Ian
Anmerkung: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Der Koffer liegt noch an der selben Stelle, an der Maron ihn vor ihrer Flucht versteckt hatte. Der Morgen dämmert, die Sonne lässt das Meer zart violett erglühen, als er sein Hemd zuknöpft. Er fühlt sich fremd und verkleidet, hat noch immer nicht gelernt in ziviler Kleidung zuhause zu sein. Ohne Säbel an seinem Gürtel kommt er sich nackt vor und hilflos.
Er weiß nicht, was er machen wird – wenn sie ihn erkennen. Er hat nie gelernt, wegzulaufen.
Bis er die Kreuzung findet, wo sie sie letzte Nacht gestellt hatten, dauert es. Und dabei dachte er immer, er kenne sich aus – im Hafenviertel. Er versucht sich zu erinnern in welche Richtung er Ian geschickt hat. Versucht nachzuvollziehen, wohin er gelaufen sein könnte. Falls die Bluthunde ihn nicht – der Gedanke schnürt Maron die Kehle zu, lässt versteinert auf dem Gehsteig stehen.
Ein Teil von ihm ist immer noch fasziniert, amüsiert und wütend – was aus ihm geworden ist. Was Ireana aus ihm gemacht hat.
Den ganzen Tag irrt er durch die Hafenstraßen, späht in jeden Kellereingang, jeden Häuserwinkel. Unter die Rampen, auf denen die Lieferkisten hinauf in die Läden geschoben werden. Am Nachmittag macht er sich auf den Weg ins Westviertel, in die Aturstraße, zu dem schmalen Haus, wo der Putz von der Fassade bröckelt, wo die Tür noch lose in den Angeln hängt – die Kellerwohnung einem Schlachtfeld gleicht. Die Möbel umgestürzt, Kissen zerschnitten, Kleider verstreut dazwischen, den Spiegel von der Wand geschlagen. Als habe das Zimmer genau so wenig Recht auf Unversehrtheit – auf Existenz – wie seine Bewohner.
Es ist das zweite Mal, dass Maron hier her kommt. Aber es ist kein bisschen leichter. Wie Narben erzählen die Splitter und Scherben Geschichten dessen, was hier passiert sein muss. Er weiß nicht, wer von seinen früheren Kameraden hier war. Es spielt kaum eine Rolle. Ihre Worte hallen bitter in seinen Ohren nach. Huren seien sie alle miteinander, die Mondkinder. Nur dazu da –
Mit aller Kraft schiebt er die Bilder vor seinen Augen beiseite. Seine Hände zittern.
„Ian?“, ruft er – gerade laut genug, dass der Name den Raum erfüllt und ihn, Maron, erinnert, weshalb er hier ist.
Keine Antwort. Er ruft noch einmal. Dann hält er es nicht mehr aus, hier, stolpert zurück auf die Straße. Vielleicht hätte er auf das fremde Mondkind warten sollen? Sie könnten einander finden, hatte Ireana ihm einmal erklärt. Einander erfühlen.
Es wird schon wieder dunkel, als er an einem Kiosk anhält, einen Teil jenes Geldes aus seiner Hosentasche kramt, das für ihre Flucht bestimmt war, und gegen eine Flasche Wacholderschnaps tauscht. Erst als die zur Hälfte geleert ist macht er sich auf den Weg, zurück zu ihrem Versteck. (Unverantwortlich!, ruft eine Stimme in seinem Kopf. Wenn ihm jetzt jemand folgt – er würde es gar nicht bemerken.)
Ob es daran liegt, dass er betrunken ist, fragt sich Maron, als er vor der Backsteinruine steht und keinen Eingang findet – er ist sich ganz sicher, dass er genau hier das Versteck verlassen hatte. Aber dann ist es ihm auch egal. Wo er steht setzt er sich auf den Boden, zwischen Brennnesseln und Disteln, und merkt kaum wie die Pflanzen ihn mit Stacheln und Borsten zu vertreiben suchen.
Eine Hand auf seiner Schulter lässt ihn herum fahren, instinktiv dort hin greifen, wo sonst sein Säbel gehangen hätte.
„Da bist du“, stellt das fremde Mondkind fest. Sie schält die Schnapsflasche aus seinen Fingern, zieht Maron zurück auf seine Füße. Sie führt ihn um ein paar Ecken, durch die alte Fabrikanlage. Malt mit ihren Fingern ein Zeichen in die Luft, und lässt das Efeu von einer Wand verschwinden. Sie öffnet die Tür dahinter und führt Maron herein, führt ihn durch endlos verschlungene Gänge, zurück in das Zimmer, in dem sie ihm letzte Nacht das Leben gerettet hatte.
Maron weiß nicht wie, es ist nur eine Gestalt, die winzigen Konturen eines Menschen, die er auf ihrem Lager ausmachen kann. Aber er weiß – und im nächsten Moment sitzt er da und hält seinen Sohn in den Armen. Und für einen kurzen Moment ist die Welt wieder in Ordnung.