Im Sonnenlicht
Jul. 14th, 2012 06:17 pmTeam: Novalis
Challenge: Hurt/Comfort/Angst - Zu heiß/Zu kalt (für mich)
Fandom: Original (Der Blaue Salon)
Wörter: ~700
Charaktere: Niél, Ian
Anmerkung: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Niél erwacht alleine. Die vergangene Nacht scheint wie ein Traum – weit weg. Aber da ist der Verband um ihren Arm, da liegen noch, in Fetzen geschnitten, die Kleider des Bluthundes Maron. Nur von ihm selbst ist nirgends etwas zu sehen.
Ohne sich von ihrem Lager zu erheben, hebt Niél das Brett vor ihrem Fenster, lässt es sofort wieder zurück fallen. Das Sonnenlicht brennt noch Minuten später grell in ihren Augen.
Langsam steht sie auf. Etwas wacklig auf den Beinen noch suchte sie ihre Sachen zusammen. Den Mantel mit der weiten Kapuze, die Brille mit den schwarz gefärbten Gläsern.
Wieso eigentlich? Sie weiß es nicht. Wenn der Bluthund sich den anderen Bluthunden vor die Füße schmeißen will, was kümmert es sie?
Ein wenig hasst sie sich, dass sie sich so verantwortlich fühlt für diesen Fremden, als sie durch die Schatten der Häuser schleicht, den Blick auf ihre Füße, den Schal bis zu ihrer Nase gezogen. Es ist heiß – die Tränen die ihre Wangen hinunterlaufen mischen sich mit Schweiß, brennen salzig da wo die Wolle die Haut schon wund gescheuert hat.
Sie kann sich denken was er will, hat eine Ahnung wo er sucht. Erst im Hafenviertel lässt sie ihre Schritte langsamer werden, kommt in einer Toreinfahrt zum stehen. Sie schließt die Augen, atmet tief ein. Sie versucht sich an Ian zu erinnern, wie er aussah in Marons Traum, wie er sich angefühlt hatte. Es ist so hell. So heiß. Ihr Kopf muss zerspringen, glaubt Niél, wenn sie nicht bald zurück ins Dunkel kommt.
Da hört sie – in ihren Gedanken hört sie, nur für ihresgleichen hörbar, die Stimme eines kleinen Jungen rufen. Nach seiner Mutter ruft er, schreit er. Ganz jämmerlich klingt er.
Sie folgt der Stimme.
Ob sie den Bluthund Maron dort auch finden wird? Sie kann es sich nicht vorstellen. Woher sollte der wissen, wo sein Sohn ist?
Die Stimme führt sie hinunter zu den Piers, lässt sie über schlüpfrige Steintreppen klettern. Aus einer Einbuchtung in der Wand lugt ein Zipfel Gelb hervor.
Zu einem kleinen Bündel hat sich der Junge zusammen gerollt. Als Niél sich ihm nähert blickt er auf. Seine Augen sind rot, sein Gesicht verquollen. Er kann sie überhaupt nicht mehr sehen, kommt es Niél in den Sinn, als sie zu ihm in die Einbuchtung klettert. Er hört sie, bewegt seinen Kopf in diese und jene Richtung, streckt kleine Kinderhände aus. Aber er kann sie nicht sehen.
„Mama?“, fragt er. Seine Stimme klingt heiser. Seine Finger grapschen gierig, kaum dass sie auch nur einen Hauch von Niéls Gegenwart erfühlt haben.
Sie hat noch keine brauchbare Antwort gefunden, da kriecht Ian schon in ihre Arme, krallt sich in ihre Kleider. Er schmiegt seinen Kopf an ihre Brüste an.
„Papa hat gesagt, du kommst nicht mehr“, nuschelt er in ihren Mantel. Niél weiß nicht was sie antworten soll. Sie streicht dem Jungen durch sein Haar, hält ihn ganz fest als er zu weinen beginnt. Erleichtert weint, so weint wie man nur in den Armen seiner Mutter weinen kann.
„Es tut so weh“, sagt er, als er sich endlich beruhigt hat. Er hebt seinen Kopf, blickt mit großen Augen zu Niél auf. Auch durch das Schwarz ihrer Brille kann sie all die kleinen, geplatzten Äderchen erkennen. Die grauen Schatten, die über dem Pink, das mal leuchtendes Weiß gewesen war, wabern.
„Es hört bald auf“, verspricht sie ihm. Sie zeichnet Muster in sein Gesicht, die den Schmerz verschwinden lassen sollen. Aber sie ist selbst so aufgebraucht, so erschöpft – sie weiß nicht, ob es wirklich hilft.
„Versuch ein wenig zu schlafen“, rät sie Ian. Sie öffnet ihren Mantel, lässt ihn unter dem schweren Stoff mehr Schutz vor der Sonne finden. Es hat keinen Sinn zu versuchen, ihn jetzt zurück in ihren Keller zu bringen. Sie müssen warten, bis die Sonne untergeht. Einen letzten Blick wirft Niél hinaus. Die Algen wachsen nicht bis zu ihrem Versteck, stellt sie beruhigt fest. Sie lehnt ihren Kopf zurück gegen die Steine – die sind wenigstens kühl.
„Singst du für mich?“, fragt es aus ihrer Jacke.
Niél zögert. Was wenn man sie hört? Aber die Möwen kreischen so laut. Also beginnt sie zu singen. Ganz leise singt sie für Ian, singt auf der Sprache der Mondkinder, das selbe Lied das ihrer Mutter für sie und ihre Geschwister gesungen hat.
Challenge: Hurt/Comfort/Angst - Zu heiß/
Fandom: Original (Der Blaue Salon)
Wörter: ~700
Charaktere: Niél, Ian
Anmerkung: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Niél erwacht alleine. Die vergangene Nacht scheint wie ein Traum – weit weg. Aber da ist der Verband um ihren Arm, da liegen noch, in Fetzen geschnitten, die Kleider des Bluthundes Maron. Nur von ihm selbst ist nirgends etwas zu sehen.
Ohne sich von ihrem Lager zu erheben, hebt Niél das Brett vor ihrem Fenster, lässt es sofort wieder zurück fallen. Das Sonnenlicht brennt noch Minuten später grell in ihren Augen.
Langsam steht sie auf. Etwas wacklig auf den Beinen noch suchte sie ihre Sachen zusammen. Den Mantel mit der weiten Kapuze, die Brille mit den schwarz gefärbten Gläsern.
Wieso eigentlich? Sie weiß es nicht. Wenn der Bluthund sich den anderen Bluthunden vor die Füße schmeißen will, was kümmert es sie?
Ein wenig hasst sie sich, dass sie sich so verantwortlich fühlt für diesen Fremden, als sie durch die Schatten der Häuser schleicht, den Blick auf ihre Füße, den Schal bis zu ihrer Nase gezogen. Es ist heiß – die Tränen die ihre Wangen hinunterlaufen mischen sich mit Schweiß, brennen salzig da wo die Wolle die Haut schon wund gescheuert hat.
Sie kann sich denken was er will, hat eine Ahnung wo er sucht. Erst im Hafenviertel lässt sie ihre Schritte langsamer werden, kommt in einer Toreinfahrt zum stehen. Sie schließt die Augen, atmet tief ein. Sie versucht sich an Ian zu erinnern, wie er aussah in Marons Traum, wie er sich angefühlt hatte. Es ist so hell. So heiß. Ihr Kopf muss zerspringen, glaubt Niél, wenn sie nicht bald zurück ins Dunkel kommt.
Da hört sie – in ihren Gedanken hört sie, nur für ihresgleichen hörbar, die Stimme eines kleinen Jungen rufen. Nach seiner Mutter ruft er, schreit er. Ganz jämmerlich klingt er.
Sie folgt der Stimme.
Ob sie den Bluthund Maron dort auch finden wird? Sie kann es sich nicht vorstellen. Woher sollte der wissen, wo sein Sohn ist?
Die Stimme führt sie hinunter zu den Piers, lässt sie über schlüpfrige Steintreppen klettern. Aus einer Einbuchtung in der Wand lugt ein Zipfel Gelb hervor.
Zu einem kleinen Bündel hat sich der Junge zusammen gerollt. Als Niél sich ihm nähert blickt er auf. Seine Augen sind rot, sein Gesicht verquollen. Er kann sie überhaupt nicht mehr sehen, kommt es Niél in den Sinn, als sie zu ihm in die Einbuchtung klettert. Er hört sie, bewegt seinen Kopf in diese und jene Richtung, streckt kleine Kinderhände aus. Aber er kann sie nicht sehen.
„Mama?“, fragt er. Seine Stimme klingt heiser. Seine Finger grapschen gierig, kaum dass sie auch nur einen Hauch von Niéls Gegenwart erfühlt haben.
Sie hat noch keine brauchbare Antwort gefunden, da kriecht Ian schon in ihre Arme, krallt sich in ihre Kleider. Er schmiegt seinen Kopf an ihre Brüste an.
„Papa hat gesagt, du kommst nicht mehr“, nuschelt er in ihren Mantel. Niél weiß nicht was sie antworten soll. Sie streicht dem Jungen durch sein Haar, hält ihn ganz fest als er zu weinen beginnt. Erleichtert weint, so weint wie man nur in den Armen seiner Mutter weinen kann.
„Es tut so weh“, sagt er, als er sich endlich beruhigt hat. Er hebt seinen Kopf, blickt mit großen Augen zu Niél auf. Auch durch das Schwarz ihrer Brille kann sie all die kleinen, geplatzten Äderchen erkennen. Die grauen Schatten, die über dem Pink, das mal leuchtendes Weiß gewesen war, wabern.
„Es hört bald auf“, verspricht sie ihm. Sie zeichnet Muster in sein Gesicht, die den Schmerz verschwinden lassen sollen. Aber sie ist selbst so aufgebraucht, so erschöpft – sie weiß nicht, ob es wirklich hilft.
„Versuch ein wenig zu schlafen“, rät sie Ian. Sie öffnet ihren Mantel, lässt ihn unter dem schweren Stoff mehr Schutz vor der Sonne finden. Es hat keinen Sinn zu versuchen, ihn jetzt zurück in ihren Keller zu bringen. Sie müssen warten, bis die Sonne untergeht. Einen letzten Blick wirft Niél hinaus. Die Algen wachsen nicht bis zu ihrem Versteck, stellt sie beruhigt fest. Sie lehnt ihren Kopf zurück gegen die Steine – die sind wenigstens kühl.
„Singst du für mich?“, fragt es aus ihrer Jacke.
Niél zögert. Was wenn man sie hört? Aber die Möwen kreischen so laut. Also beginnt sie zu singen. Ganz leise singt sie für Ian, singt auf der Sprache der Mondkinder, das selbe Lied das ihrer Mutter für sie und ihre Geschwister gesungen hat.
no subject
Date: 2012-07-14 04:56 pm (UTC)Ich hab mir gedacht, eigentlich müsste er ja merken, dass sie nicht seine Mutter ist,aber das ist vermutlich verzweifeltes Wunschdenken von seiner Seite. Und macht das Ganze umso trauriger.
Jetzt hast du schon 4 Teile, Zeit für ein Fandomtag...ich will eins, damit ich das hier besser fangirlen kann. Und damit du gezwungen bist, weiter zu schreiben. *flüster und verschwind*
no subject
Date: 2012-07-15 10:02 am (UTC)Hmmm... nagut. Ich frag mal nach.