Team: Ovid
Fandom: Digimon 02
Challenge: Angst/h/c - Ausnahmezustand [Für mich]
Pairing: Mimi/Jou
Wörter: 905
Warnung: schnulzschmadderschmier
Sie ist sich sicher, dass Jou zu irgendeinem unbekannten Zeitpunkt in seinem Leben einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben muss. Nicht bewusst – das will sie ihm auf keinen Fall unterstellen- aber womöglich in einem schwachen Moment wie jenem, in dem ein Staubsaugervertreter an der Haustür klingelt und so lange schleimt und redet bis man entnervt eine Bestellung für den SuperHoover 3000 ausfüllt.
Daher ist sie kaum überrascht als eine ältere Dame in echten Fuchspelz gehüllt am Nebentisch des Restaurants plötzlich irgendetwas in den falschen Hals verschluckt, wahrscheinlich eine Muschel oder Escargôt, sich an den Hals fasst und langsam, aber sicher blau anläuft. Wo Jou ist, lauert der Tod.
Mimi sitzt steif und starr da und bemerkt erst viel später, dass ihre rechte Hand mit der Gabel und den daraufgespießten Bandnudeln noch immer in der Luft schwebt, auch dann, als Jou schon längst an den Nebentisch gehechtet ist und an der Frau diesen magischen Griff, dessen Namen Mimi vergessen hat, anwendet. Wäre dies nur ein Film, denkt Mimi und blinzelt ungläubig, es wäre ein schlechter, aber womöglich könnte sie trotzdem darüber lachen. Aber hier und jetzt hängt dieses Menschenleben am seidenen Faden und alle starren ihr Date an, einen hageren, großgewachsenen Arzt, dem die halblangen Haare nun ins Gesicht gefallen sind.
Sekunden später hustet die Frau einen undefinierbaren Klumpen Grau hoch, macht ein ersticktes Geräusch und schnappt mit der grobschlächtigen Verzweiflung eines Halbtoten nach Luft.
Mimi lächelt brav und winkt dem verschüchtert grinsenden Jou von ihrem Platz aus zu als Minuten später ein begeisterter Applaus für den wackeren Lebensretter aufbrandet, als die Dame ihm um den Hals fällt und ihn tätschelt und herzt wie einen geliebten Sohn, als der Manager des Restaurants ihm und seiner „bezaubernden Begleitung“ ein kostenloses Essen verspricht. Doch tief in ihrem Inneren sitzt ein winziges Stimmchen und flüstert ihr Dinge ins Ohr, die man normalerweise nachts kurz vor dem Einschlafen mit letzter Kraft zurückdrängt.
Sie mag vielleicht so aussehen, aber sie war nie eines dieser Mädchen, die möglichst früh einen Karrieremann heiraten und drei Kinder bekommen wollen. Sie ist zufrieden mit ihrem Job beim Fernsehen. Vielleicht wird sie bald sogar befördert. Kochen und backen wollte sie zwar schon immer, aber nicht in erster Linie vor einem Ehemann, sondern vor ganz Japan.
Auf dem Heimweg schweigen sie sich betreten an. Die letzten Bahnen dieses Abends wiegen ihre Passagiere mit einem wohligen Schaukeln, das in den Schlaf lullt. Sie hält Jous Hand nachdem sie ausgestiegen sind und fühlt ihn schüchtern ihren Handrücken mit dem Daumen streicheln.
Das Haus ihrer Eltern ist noch etwa drei Gehminuten entfernt, da räuspert er sich umständlich.
„Hör mal...Du musst das hier nicht tun.“
„Was nicht tun?“
„Das mit uns hier.“
Er zeigt abwechselnd auf seine und ihre Nase.
„Ich bin Arzt. Es gehört zu meinem Beruf und ist meine Aufgabe, Leben zu retten. Du-ähm- du musst dich mir nicht verpflichtet fühlen deswegen.“
Er räuspert sich erneut, befeuchtet seine Unterlippe mehr als es nötig wäre und schaut betont auf den finsteren Asphalt vor ihnen.
„Ich weiß, mein Leben ist nicht besonders angenehm. Also, in der Hinsicht, meine ich. Ich hab Notfallschichten. Und einen Peeper. Und manchmal schlafe ich im Krankenhaus. Ein Leben im Ausnahmezustand, wenn du so willst. Das mag nicht jedes Mädchen.“
Er wagt einen scheuen Seitenblick auf sie, schaut aber sofort wieder weg, als würde er sich an ihren Augen verbrennen. Mimi hat das Gefühl, er würde die Straßenseite wechseln, würde sie ihn nicht an der Hand festhalten.
„Ich hab jeden Tag mit so etwas zu tun. Natürlich mag ich meinen Beruf, und ich bin froh, ihn gewählt zu haben, weil du sonst...naja, du wärst vielleicht sonst...“ Er räuspert sich wieder.
„Aber vielleicht willst du nochmal darüber nachdenken? Also, ob wir uns weiter sehen wollen?“
Mimi seufzt unhörbar. Immer noch derselbe, gute Jou, der redet und redet und sich dabei immer weiter verstrickt. Plötzlich sieht sie vor ihrem geistigen Auge wieder den zwölfjährigen Jungen mit der großen Umhängetasche und Gomamon, das ihn skeptisch anschaut und ihn bittet, sich doch endlich mal zu entspannen.
Im nächsten Augenblick bemerkt sie, dass sie vor ihrer Haustür stehen und Jou hochschaut zum Balkon ihrer Familie, als gäbe es da etwas furchtbar Interessantes zu beobachten.
„Es geht nicht um mich, oder?“, sagt sie und hält ihn etwas fester an der Hand, nur um sicherzugehen, dass er nicht wirklich türmt.
Er schaut sie erschrocken an. Dann lächelt sie und schüttelt den Kopf;
„Eigentlich ist es lustig. Du nähst die Menschen zusammen und entfernst eklige Dinge aus ihren Rachen, aber Angst hast du trotzdem vor ihnen.“
Sie stellt sich auf die Zehenspitzen, weil er so lächerlich groß geworden ist in seinen letzten Teenagerjahren, küsst ihn auf die Lippen und genießt das Kitzeln tief in ihrem Bauch.
„Ich habe keine Angst“, murmelt er kleinlaut und wird etwas rot.
„Doch, hast du. Zumindest vor mir. Dass ich bei der nächsten Gelegenheit wieder weggehe und nicht zurückkomme. So wie damals.“
Sie schaut ihn nachdenklich an.
„Tut mir leid.“
„Ach, nicht doch. Außerdem...“ Er zuckt die Achseln und lässt seinen Blick zurück auf den Balkon schweifen.
„...ist man irgendwann so gewohnt, allein zu sein, dass Dinge wie das hier komisch sind.“ Er senkt die Augenbrauen;
„Das klang zynisch, oder? Sollte es nicht.“
Sie senkt den Kopf und schaut ihn durch ihre Ponysträhnen an.
„Das treibe ich dir schon noch aus.“
Fandom: Digimon 02
Challenge: Angst/h/c - Ausnahmezustand [Für mich]
Pairing: Mimi/Jou
Wörter: 905
Warnung: schnulzschmadderschmier
Sie ist sich sicher, dass Jou zu irgendeinem unbekannten Zeitpunkt in seinem Leben einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben muss. Nicht bewusst – das will sie ihm auf keinen Fall unterstellen- aber womöglich in einem schwachen Moment wie jenem, in dem ein Staubsaugervertreter an der Haustür klingelt und so lange schleimt und redet bis man entnervt eine Bestellung für den SuperHoover 3000 ausfüllt.
Daher ist sie kaum überrascht als eine ältere Dame in echten Fuchspelz gehüllt am Nebentisch des Restaurants plötzlich irgendetwas in den falschen Hals verschluckt, wahrscheinlich eine Muschel oder Escargôt, sich an den Hals fasst und langsam, aber sicher blau anläuft. Wo Jou ist, lauert der Tod.
Mimi sitzt steif und starr da und bemerkt erst viel später, dass ihre rechte Hand mit der Gabel und den daraufgespießten Bandnudeln noch immer in der Luft schwebt, auch dann, als Jou schon längst an den Nebentisch gehechtet ist und an der Frau diesen magischen Griff, dessen Namen Mimi vergessen hat, anwendet. Wäre dies nur ein Film, denkt Mimi und blinzelt ungläubig, es wäre ein schlechter, aber womöglich könnte sie trotzdem darüber lachen. Aber hier und jetzt hängt dieses Menschenleben am seidenen Faden und alle starren ihr Date an, einen hageren, großgewachsenen Arzt, dem die halblangen Haare nun ins Gesicht gefallen sind.
Sekunden später hustet die Frau einen undefinierbaren Klumpen Grau hoch, macht ein ersticktes Geräusch und schnappt mit der grobschlächtigen Verzweiflung eines Halbtoten nach Luft.
Mimi lächelt brav und winkt dem verschüchtert grinsenden Jou von ihrem Platz aus zu als Minuten später ein begeisterter Applaus für den wackeren Lebensretter aufbrandet, als die Dame ihm um den Hals fällt und ihn tätschelt und herzt wie einen geliebten Sohn, als der Manager des Restaurants ihm und seiner „bezaubernden Begleitung“ ein kostenloses Essen verspricht. Doch tief in ihrem Inneren sitzt ein winziges Stimmchen und flüstert ihr Dinge ins Ohr, die man normalerweise nachts kurz vor dem Einschlafen mit letzter Kraft zurückdrängt.
Sie mag vielleicht so aussehen, aber sie war nie eines dieser Mädchen, die möglichst früh einen Karrieremann heiraten und drei Kinder bekommen wollen. Sie ist zufrieden mit ihrem Job beim Fernsehen. Vielleicht wird sie bald sogar befördert. Kochen und backen wollte sie zwar schon immer, aber nicht in erster Linie vor einem Ehemann, sondern vor ganz Japan.
Auf dem Heimweg schweigen sie sich betreten an. Die letzten Bahnen dieses Abends wiegen ihre Passagiere mit einem wohligen Schaukeln, das in den Schlaf lullt. Sie hält Jous Hand nachdem sie ausgestiegen sind und fühlt ihn schüchtern ihren Handrücken mit dem Daumen streicheln.
Das Haus ihrer Eltern ist noch etwa drei Gehminuten entfernt, da räuspert er sich umständlich.
„Hör mal...Du musst das hier nicht tun.“
„Was nicht tun?“
„Das mit uns hier.“
Er zeigt abwechselnd auf seine und ihre Nase.
„Ich bin Arzt. Es gehört zu meinem Beruf und ist meine Aufgabe, Leben zu retten. Du-ähm- du musst dich mir nicht verpflichtet fühlen deswegen.“
Er räuspert sich erneut, befeuchtet seine Unterlippe mehr als es nötig wäre und schaut betont auf den finsteren Asphalt vor ihnen.
„Ich weiß, mein Leben ist nicht besonders angenehm. Also, in der Hinsicht, meine ich. Ich hab Notfallschichten. Und einen Peeper. Und manchmal schlafe ich im Krankenhaus. Ein Leben im Ausnahmezustand, wenn du so willst. Das mag nicht jedes Mädchen.“
Er wagt einen scheuen Seitenblick auf sie, schaut aber sofort wieder weg, als würde er sich an ihren Augen verbrennen. Mimi hat das Gefühl, er würde die Straßenseite wechseln, würde sie ihn nicht an der Hand festhalten.
„Ich hab jeden Tag mit so etwas zu tun. Natürlich mag ich meinen Beruf, und ich bin froh, ihn gewählt zu haben, weil du sonst...naja, du wärst vielleicht sonst...“ Er räuspert sich wieder.
„Aber vielleicht willst du nochmal darüber nachdenken? Also, ob wir uns weiter sehen wollen?“
Mimi seufzt unhörbar. Immer noch derselbe, gute Jou, der redet und redet und sich dabei immer weiter verstrickt. Plötzlich sieht sie vor ihrem geistigen Auge wieder den zwölfjährigen Jungen mit der großen Umhängetasche und Gomamon, das ihn skeptisch anschaut und ihn bittet, sich doch endlich mal zu entspannen.
Im nächsten Augenblick bemerkt sie, dass sie vor ihrer Haustür stehen und Jou hochschaut zum Balkon ihrer Familie, als gäbe es da etwas furchtbar Interessantes zu beobachten.
„Es geht nicht um mich, oder?“, sagt sie und hält ihn etwas fester an der Hand, nur um sicherzugehen, dass er nicht wirklich türmt.
Er schaut sie erschrocken an. Dann lächelt sie und schüttelt den Kopf;
„Eigentlich ist es lustig. Du nähst die Menschen zusammen und entfernst eklige Dinge aus ihren Rachen, aber Angst hast du trotzdem vor ihnen.“
Sie stellt sich auf die Zehenspitzen, weil er so lächerlich groß geworden ist in seinen letzten Teenagerjahren, küsst ihn auf die Lippen und genießt das Kitzeln tief in ihrem Bauch.
„Ich habe keine Angst“, murmelt er kleinlaut und wird etwas rot.
„Doch, hast du. Zumindest vor mir. Dass ich bei der nächsten Gelegenheit wieder weggehe und nicht zurückkomme. So wie damals.“
Sie schaut ihn nachdenklich an.
„Tut mir leid.“
„Ach, nicht doch. Außerdem...“ Er zuckt die Achseln und lässt seinen Blick zurück auf den Balkon schweifen.
„...ist man irgendwann so gewohnt, allein zu sein, dass Dinge wie das hier komisch sind.“ Er senkt die Augenbrauen;
„Das klang zynisch, oder? Sollte es nicht.“
Sie senkt den Kopf und schaut ihn durch ihre Ponysträhnen an.
„Das treibe ich dir schon noch aus.“
no subject
Date: 2012-07-13 05:57 am (UTC)Du schreibst die beiden so schnuffig.
Jou - der gute alte Jou.
Ja, Mimi ist wohl die einzige, die ihm helfen kann XD
(Egal, ob sie dann den Tod quasi mitdaten muss ^^***)
Echt toll! Bin gespannt, wie es weitergeht.
no subject
Date: 2012-07-15 01:22 am (UTC)(Ja, wir kennen Mimi, die kennt da gar nichts, der Tod kriegt da eher einen Arschtritt, wenn er sich nicht benimmt)
Oh, wenn es denn weitergeht. Ich fand, hier kann man einen guten Schnitt machen. Aber mal gucken =)
Danke für's Lesen!
no subject
Date: 2012-07-14 12:35 pm (UTC)Irgedendwie hab ich ein wenig Mitleid mit ihm. *g*
no subject
Date: 2012-07-15 01:23 am (UTC)Aber gut, ein bisschen maso war er ja auch schon immer, ne.
<3