Team: Novalis
Challenge: Hurt/Comfort/Angst - Alpträume (für mich)
Fandom: Original (Der Blaue Salon)
Wörter: ~500
Charaktere: Maron, Niél, Ian
Anmerkung: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Manche behaupten, die Mondkinder könnten Gedanken lesen, könnten in die Köpfe der Menschen gucken und deren Geheimnisse erspähen. Die Wahrheit ist anders. Sie hören die Gedanken, spüren sie. Aber nur dann, wenn sie laut genug sind, wenn sie zu Schreien im Kopf werden, wenn die Emotionen kurz vor dem Siedepunkt stehen.
Niél hört den Bluthund Maron, fühlt was er fühlt, ohne dass sie es will. Sie liegt auf ihrem Lager und starrt zu ihm hinüber. Sie hat seine Wunden versorgt. Ohne höhere Mächte um Hilfe zu bitten. Sie konnte sich nicht überwinden die größte und wichtigste Regel des Blauen Salons zu brechen. (Kein Lebewesen darf sie töten – wenn sie gewollt hätten, hätten sie so viel mehr gekonnt, als nur die Brücken des Palastes einstürzen lassen.) Sie hat seine Wunden versorgt, aber weiter nichts.Vielleicht stirbt er, hofft sie im Stillen, und es ist nicht ihre Schuld.
Seine Gedanken sind wirr, blutgetränkt – wie sollte es anders sein. Schreie hört sie und Klingen die klirrend aneinander schlagen. Ein tiefes Schuldgefühl, ein schwarzes Nichts pumpt durch ihre Adern, sie weiß nicht ob es ihm oder ihr selbst gehört. Sie wünscht sie könnte seine Gedanken ausblenden, sich die Ohren zuhalten, nur hört sie ihn nicht mit den Ohren.
Mit Mühe zwingt sie sich zu schlafen, sinkt in Dunkelheit. Sie träumt. Aber das ist nicht ihr Traum.
In einem Zimmer, einer Zelle, sitzt sie auf einem harten Eisenbett. Ein Waschbecken wächst aus der Wand, ein trüber Spiegel darüber. Die Wände sind kalt verputzt. Sie hält etwas auf dem Schoß. Ein Kind. Ein Junge. Drei Jahre alt, und zweieinhalb Monate. Mit einem viel zu großen Löffel, versucht sie ihm Esse einzuflößen. Der Junge hält die Lippen fest aufeinander gepresst. Dunkle Lippen, die selben, die seine Mutter gehabt hatte – seine Augen leuchten blass, auf seiner Stirn ist schwach, fast unsichtbar, das Mal der Mondkinder zu sehen.
Niél versucht ihm zuzureden, küsst seine Haare, seine Wangen. Sie hat Angst, hat so unbeschreibliche Angst um ihn, dass sie fast vergisst seine Mutter zu vermissen.
... Sie sind auf der Straße. Auf dem Weg zum Hafen. Der Junge hängt an ihrer Hand. Er trägt einen gelben Regenmantel, eine Kapuze, die sein Mondgesicht verschwinden lässt. Der Regen schluckt alle Geräusche. Die Autos tauchen aus dem Nichts auf, verstellen ihnen den Weg. Die Männer, die aussteigen, kennt sie. Kameraden. Freunde, manche von ihnen – das hatte sie jedenfalls irgendwann geglaubt, das waren sie irgendwann gewesen. Sie halten ihre Säbel, die Klauen der Autorität, in den Händen.
Niél lässt die Hand des Jungen los. „Lauf!“, befielt sie ihm – zieht ihre eigene Waffe. Sie will ihm mit den Augen folgen, will sehen wie er sich einen Weg zwischen den Beinen der Bluthunde bahnt, aber die Bluthunde stürzen sich schon auf sie, graben ihre Klauen in Niéls Fleisch. Sie ersticht einen, zwei, drei von ihnen – mit Tobin hatte sie manchmal Karten gespielt – lockt sie weg vom Hafen, in die andere Richtung.
Niél erwacht. Sie schlingt die Arme um ihre Beine und stiert in die Dunkelheit. Sie hört den Bluthund Maron rufen. Im Traum, in Gedanken, in Wirklichkeit. Sie weiß es nicht.
„Ian“, ruft er.
Niél weiß, dass das der Name des Jungen ist. Oder war. Und plötzlich weiß sie auch, dass sie nicht zufällig über den Bluthund Maron gestolpert ist. Dass sie ihn finden musste. Weil sie jetzt nicht mehr alleine ist.
Challenge: Hurt/Comfort/Angst - Alpträume (für mich)
Fandom: Original (Der Blaue Salon)
Wörter: ~500
Charaktere: Maron, Niél, Ian
Anmerkung: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Manche behaupten, die Mondkinder könnten Gedanken lesen, könnten in die Köpfe der Menschen gucken und deren Geheimnisse erspähen. Die Wahrheit ist anders. Sie hören die Gedanken, spüren sie. Aber nur dann, wenn sie laut genug sind, wenn sie zu Schreien im Kopf werden, wenn die Emotionen kurz vor dem Siedepunkt stehen.
Niél hört den Bluthund Maron, fühlt was er fühlt, ohne dass sie es will. Sie liegt auf ihrem Lager und starrt zu ihm hinüber. Sie hat seine Wunden versorgt. Ohne höhere Mächte um Hilfe zu bitten. Sie konnte sich nicht überwinden die größte und wichtigste Regel des Blauen Salons zu brechen. (Kein Lebewesen darf sie töten – wenn sie gewollt hätten, hätten sie so viel mehr gekonnt, als nur die Brücken des Palastes einstürzen lassen.) Sie hat seine Wunden versorgt, aber weiter nichts.Vielleicht stirbt er, hofft sie im Stillen, und es ist nicht ihre Schuld.
Seine Gedanken sind wirr, blutgetränkt – wie sollte es anders sein. Schreie hört sie und Klingen die klirrend aneinander schlagen. Ein tiefes Schuldgefühl, ein schwarzes Nichts pumpt durch ihre Adern, sie weiß nicht ob es ihm oder ihr selbst gehört. Sie wünscht sie könnte seine Gedanken ausblenden, sich die Ohren zuhalten, nur hört sie ihn nicht mit den Ohren.
Mit Mühe zwingt sie sich zu schlafen, sinkt in Dunkelheit. Sie träumt. Aber das ist nicht ihr Traum.
In einem Zimmer, einer Zelle, sitzt sie auf einem harten Eisenbett. Ein Waschbecken wächst aus der Wand, ein trüber Spiegel darüber. Die Wände sind kalt verputzt. Sie hält etwas auf dem Schoß. Ein Kind. Ein Junge. Drei Jahre alt, und zweieinhalb Monate. Mit einem viel zu großen Löffel, versucht sie ihm Esse einzuflößen. Der Junge hält die Lippen fest aufeinander gepresst. Dunkle Lippen, die selben, die seine Mutter gehabt hatte – seine Augen leuchten blass, auf seiner Stirn ist schwach, fast unsichtbar, das Mal der Mondkinder zu sehen.
Niél versucht ihm zuzureden, küsst seine Haare, seine Wangen. Sie hat Angst, hat so unbeschreibliche Angst um ihn, dass sie fast vergisst seine Mutter zu vermissen.
... Sie sind auf der Straße. Auf dem Weg zum Hafen. Der Junge hängt an ihrer Hand. Er trägt einen gelben Regenmantel, eine Kapuze, die sein Mondgesicht verschwinden lässt. Der Regen schluckt alle Geräusche. Die Autos tauchen aus dem Nichts auf, verstellen ihnen den Weg. Die Männer, die aussteigen, kennt sie. Kameraden. Freunde, manche von ihnen – das hatte sie jedenfalls irgendwann geglaubt, das waren sie irgendwann gewesen. Sie halten ihre Säbel, die Klauen der Autorität, in den Händen.
Niél lässt die Hand des Jungen los. „Lauf!“, befielt sie ihm – zieht ihre eigene Waffe. Sie will ihm mit den Augen folgen, will sehen wie er sich einen Weg zwischen den Beinen der Bluthunde bahnt, aber die Bluthunde stürzen sich schon auf sie, graben ihre Klauen in Niéls Fleisch. Sie ersticht einen, zwei, drei von ihnen – mit Tobin hatte sie manchmal Karten gespielt – lockt sie weg vom Hafen, in die andere Richtung.
Niél erwacht. Sie schlingt die Arme um ihre Beine und stiert in die Dunkelheit. Sie hört den Bluthund Maron rufen. Im Traum, in Gedanken, in Wirklichkeit. Sie weiß es nicht.
„Ian“, ruft er.
Niél weiß, dass das der Name des Jungen ist. Oder war. Und plötzlich weiß sie auch, dass sie nicht zufällig über den Bluthund Maron gestolpert ist. Dass sie ihn finden musste. Weil sie jetzt nicht mehr alleine ist.
no subject
Date: 2012-07-12 06:48 pm (UTC)Und es ist so düster... (bei mir kommt Comfort auch immer zu kurz, weil ich Hurt so toll finde).
Wie viel hast du schon zu dieser Original geschrieben?
no subject
Date: 2012-07-13 07:30 am (UTC)Hmm, ja. Das mit dem Comfort ist auch so eine Sache... sobald er wirklich comforting daher gelaufen kommt, kann man die Geschichte ja auch beenden.
Bisher nur die zwei Texte hier. Die Idee hatte ich irgendwann im Herbst, aber eigentlich schreibe ich ja gerade einen Roman (oder versuche es) - darum habe ich sie erstmal hinten angestellt. Aber im Kopf hatte ich schon recht viel hin und her gedreht. (Da geht das Verbieten so viel schwerer ^^)
no subject
Date: 2012-07-12 09:42 pm (UTC)no subject
Date: 2012-07-13 07:32 am (UTC)