[identity profile] mondwolf.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Was ungesagt bleibt
Autor: [livejournal.com profile] mondwolf
Fandom: Original
Challenge: # 1 und/oder #2 (eigentlich hatte ich beide einbauen wollen, aber dann ist es doch irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes geworden)
Warnungen: Slash, Zärtlichkeiten, Küsse, aber nichts, was zu sehr unter die Gürtellinie geht.
Rating: PG-13
Wörter: ~ 1400

Was ungesagt bleibt

Benjamin lächelte, sobald er Dante in der Tür stehen sah. Der dunkelhaarige Mann hob eine Flasche mit Rotwein an und zwinkerte Benjamin zu. „Dieser Wein wird hervorragend zu dir passen“, verkündete er, bevor er Benjamin zur Begrüßung küsste und das Apartment betrat. Die Tür schloss sich mit einem leisen Klicken, das keiner der beiden Männer beachtete.

„Das Essen ist fast fertig“, sagte Benjamin. „Bist du sicher, dass du nicht doch auswärts essen möchtest? Oder vielleicht ins Kino gehen willst?“

Dante schüttelte den Kopf. „Ich ziehe es vor, mit dir allein zu sein, Benji. Und du musst zugeben, dass es nichts Besseres gibt, als Zeit mit demjenigen zu verbringen, den man liebt – vor allem wenn derjenige so ein großartiges Exemplar von Mann ist, wie du es bist.“ Vielleicht war es das vieldeutige Lächeln auf Dantes Gesicht, das Benjamin das Blut in die Wangen – und andere Körperteile – trieb und ihn sich plötzlich sehr erhitzt fühlen ließ.

„Ich hoffe, du magst Lasagne“, sagte Benjamin schnell und ging in die Küche.

„Nein“, erklärte Dante und ging hinter Benjamin her. Dann lehnte er sich an den Türrahmen zur Küche und zog Benjamin praktisch mit den Augen aus. „Mir wäre eigentlich ein traditionelles amerikanisches Dinner lieber – sehr viel anregender, wenn du verstehst, was ich meine.“

Oh, und wie gut Benjamin ihn verstand! „Hör auf damit, Dante! Du machst es mir gerade ziemlich schwer, mich zu konzentrieren“, sagte er mit einem leisen Lachen und drehte Dante den Rücken zu, um sich um den Salat auf der Anrichte zu kümmern. Dann fühlte er plötzlich Dantes Händen auf seiner Hüfte, Dantes Lippen an seinem Hals und Dantes Atem nahe an seinem Ohr.

„Das war Sinn und Zweck der Übung“, flüsterte Dante verführerisch. Benjamin drehte sich um und hielt seine Augen auf Dantes Lippen fixiert. „Es ist so lange her, Benji –“

Benjamin schluckte schwer. „Dann werden ein paar Minuten auch nichts mehr ausmachen. Das Essen ist fertig.“

Dante seufzte. „Na dann – Essen fassen!“ Er küsste Benjamin auf den Mund – eine Geste, die sein Verlangen nach mehr deutlich machte. Der heutige Abend würde nicht mit dem Essen enden. Benjamin konnte ihm nur von Herzen zustimmen.

Das Essen war hervorragend. Benjamin war ein ganz passabler Koch. Dante stichelte ein bisschen, dass Benjamin einen besseren Koch als Romanautor abgeben würde – und dass er dann im Cherry Tree arbeiten könnte, obwohl er dann natürlich damit leben müsste, von Dante konstant sexuell belästigt zu weden. Benjamin brachte diese Vorstellung zum Lachen – denn aus einem ihm nicht wirklich nachvollziehbaren Grund, konnte er sich diese Situation sehr gut vorstellen.

Immer wieder während des Essens und ihrer Unterhaltung, zog Dantes Lächeln Benjamin in seinen Bann. Es war – anders.

Nie zuvor hatte Benjamin bemerkt, wie wunderschön und faszinierend Dantes Lächeln tatsächlich war. Er fühlte sich als würde er ein großartiges Gemälde betrachten. Dantes Lächeln war einzigartig. Und Benjamin war glücklich, dass er dieses in diesem Moment sehen durfte.

Dante neigte dazu, den Kopf zu senken, wenn er nervös oder unsicher wurde. Das tat der junge Mann auch jetzt, während Benjamin ihn unverhohlen anstarrte; Dante schaute angestrengt auf seinen leeren Teller und das halbleere Glas vor sich, ein unnachahmliches Lächeln auf den Lippen.

„Was ist?“, fragte Dante.

„Du hast das bezauberndste Lächeln, das ich je gesehen habe“, sagte Benjamin aufrichtig.

Dante lachte, halb verschämt, halb glücklich über das Kompliment und nahm einen weiteren Schluck aus seinem Glas.

„Kann ich dich etwas fragen?“

„Alles“, erwiderte Dante ohne Zögern. 'Verdammt! Er weiß es!', schoss es ihm durch den Kopf und ein eiskalter Schauer lief ihm unangenehm das Rückgrat hinunter.

„Was ist deine Lieblingsfarbe?“ Himmel! Plötzlich fühlte Benjamin sich wieder zwölf Jahre alt.

Dante blinzelte überrumpelt. Er hatte alles erwartet, nur solch eine harmlose Frage nicht. „Was?“, kiekste er vor Überraschung und grenzenloser Erleichterung.

„Was ist deine Lieblingsfarbe?“, wiederholte Benjamin geduldig.

„Was ist das denn für eine Frage?“

„Ich möchte es einfach wissen.“ Benjamin lachte leise – ein Laut, der fast wie ein Kichern klang. „Ich möchte ALLES über dich wissen.“

Dante dachte einen Augenblick nach. Dann sagte er: „Blau. Ja, ich denke, blau ist meine Lieblingsfarbe. Und rot. Beide Farben sind schön –”

„Hund oder Katze?“

„Igel.“

„Eis oder Pudding?“

„Plätzchenteig.“

„Schwein oder Rind?“

„Hühnchen.“

„Du bist seltsam, Dante!“, entschied Benjamin, und beide lachten. „Was ist deine Lieblingsfernsehserie?“

„Ich hasse Fernsehen. Ich kriege Kopfschmerzen davon. Außerdem werde ich dann nur neidisch auf all die perfekten Familien in den Seifenopern. Ich lese lieber.“

„Lieblingsbuch?“

„Harry Potter und der Gefangene von Askaban.“

Benjamin verschluckte sich fast an seinem Wein. „Harry Potter?! Du magst Harry Potter?“

„Hey!“, rief Dante leicht pikiert. „Du hast mich gefragt! Außerdem lese ich auch anderes.“

„Zum Beispiel?“

„Och, dies und das“, meinte Dante und nahm einen weiteren Schluck Wein. „Was immer mir zwischen die Finger kommt.”

Benjamin räusperte sich. „Hast du einen Lieblingsfilm?“

Dante schaute ihn misstrauisch an. „Versprichst du, nicht zu lachen?“

„Klar – und jetzt zier dich nicht so!“

Der skeptische Ausdruck blieb, als Dante sagte: „Das fünfte Element.“ Seine Vorsicht stellte sich als gerechtfertigt heraus. Benjamin begann laut zu lachen. „Idiot!“, schimpfte Dante halbherzig, konnte dann jedoch ein Lächeln nicht verhindern.

„Tut mir Leid“, beteuerte Benjamin und bemühte sich darum, wieder ernster zu werden. „Ich wollte nicht lachen, ehrlich. Ich bin nur froh, dass du nicht Titanic oder sowas gesagt hast.“

„Nah, so schwul bin ich dann doch nicht!“ Dante grinste frech. „Ich mag es, wenn's hin und wieder mal knallt“, erklärte er dann, bevor er den Blick senkte, da Benjamin ihn erneut direkt ansah. Irgendwie schüchterten ihn Benjamins Augen auf eine Art und Weise ein, die er sich nicht erklären konnte – die ihm aber auch nicht völlig unangenehm war. Wenn er ehrlich war, dann taten sie alles andere als das.

„Ganz deiner Meinung“, stimmte Benjamin zu, bevor er die nächste Frage auf Dante losließ. „Hast du ein Lieblingslied?“ Seine Stimme klang ein bisschen atemlos und strafte seine vermeintliche Ruhe Lügen.

Dante schaute auf und schluckte schwer. Ein Blick über den Tisch hinweg genügte, und er versank in einen Meer aus Lust. Noch nie zuvor war ihm etwas Vergleichbares widerfahren, und wenn der Ausdruck in Benjamins Augen ein Hinweis darauf war, dann ging es dem anderen Mann nicht sehr viel anders. Er war als wollte man den Mond berühren – mit dem Wissen, dass man nur eine Armeslänge von ihm entfernt war. Dieses Verlangen, jemanden zu begehren, war eine unausweichliche Notwendigkeit – so stark, dass es an Schmerz grenzte. Einen Schmerz so süß, dass sie ihn ewig ertragen würden, ohne sich zu beschweren.

'Vielleicht war der Wein doch keine so gute Idee', ging es beiden Männern gleichzeitig durch den Kopf.

Ohne ein Wort zu sagen, stand Dante auf und ging zu Benjamin auf die andere Seite des Tisches. Auf dem Weg entledigte er sich ohne große Umstände seines Sweatshirts und des Hemds. Benjamin schaute auf und hatte im nächsten Moment seine Arme voll, als Dante sich rittlings auf seinen Schoß setzte. Ihre Oberkörper berührten sich, und Benjamin konnte Dantes Herzschlag spüren. Sie küssten sich, und Dante schlang die Arme um Benjamins Hals, als der Kuss inniger wurde.

Benjamin stöhnte leise, genießerisch auf. „Dante –“

Dante lehnte sich ein wenig zurück und schaute Benjamin prüfend an. Dann grinste er. „Wenn du mich jetzt nach meinem Lieblingsessen fragst, Benji, dann schwöre ich dir, dass ich aufstehe und gehe!“, drohte er ein wenig atemlos.

Benjamin riss erschrocken die Augen auf. „Wag das ja nicht!“ Er küsste Dante, bevor er sagte: „Außerdem glaube ich zu wissen, was dein Lieblingsessen ist.“ Ein weiterer Kuss, der sich eine kleine Ewigkeit hinzuziehen schien, bis beide Männer grinsen mussten. Sie schauten sich an, beruhigten sich langsam.

Benjamin strich mit den Händen zärtlich über Dantes Rücken, seine Berührung ließ den Jüngeren leicht erschaudern. Ihre Blicke trafen sich. „Dante –“

„Ich will dich, Benji.“

„Du hast mich.“

*

Später – viel später – lagen sie auf Benjamins Bett und hielten sie sich in den Armen. Dante hatte sich eng an Benjamin gekuschelt und fühlte sich geborgen und zufrieden. Benjamin streichelte ihm sanft durchs Haar und hielt ihn mit der anderen Hand fest an sich gedrückt – als hätte er Angst, dass er träumte und jeden Moment erwachte; er wusste, dass er sich dann wieder einsam und leer fühlen würde.

„Schlaf gut, Dante“, sagte er leise. Dantes graue Augen öffneten sich halb, und er lächelte Benjamin schläfrig an.

„Nacht, Benji“, murmelte Dante, bevor er endgültig einschlief.

Benjamin seufzte leicht und schloss ebenfalls die Augen –

– morgen würde er Dante wegen der frischen Narben an seinen Armen fragen.

Morgen.

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios