AU- "Cowboys" (Weiß Kreuz)- fürs Team
Jul. 10th, 2012 10:34 pmTeam: Kaleko
Challenge: AU- Cowboys (fürs Team)
Fandom: Weiß Kreuz
Charaktere: Ken Hidaka/ Aya (Ran) Fujimiya
Wörter: 678
Kommentar: Querschläger- Beitrag, der grade nix mit irgendwelcher Planung zu tun hat... egal ^^
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Die Nächte waren kalt, verdammt kalt hier draußen im Niemandsland. Das knackende Lagerfeuer
half nicht viel, die Pferdedecken schon etwas mehr aber trotzdem waren die Fingerknöchel
immer rot und dick vor Kälte. Die Haut wurde rissig, bis es weh tat überhaupt nur die
Zügel zu halten.
Ken war noch nie in seinem Leben so lange am Stück in einem Sattel gesessen. Er war wund
an den Oberschenkeln und unendlich müde. Jeder Knochen im Körper tat weh. Selbst die Bohnen
gingen zur Neige und von den verfluchten Kühen die sie suchen sollten gab es immer noch
keine Spur.
Mürrisch schaufelte er den Rest seiner winzigen Portion Abendessen in sich hinein. Über ihnen gleißte
ein Sternenhimmel der die Nacht fast zum Tag machte und ihm noch ein wenig mehr das Gefühl gab
aus der Realität gefallen zu sein. Mitten hinein in ein Universum, in dem es keine Menschenseele
gab außer ihm-... und diesem Kerl auf der anderen Seite des Feuers, den Mister Crawford für die
verlorenen Longhorns angeheuert hatte.
Seit sie hier draußen waren hatte er ihn noch nicht ein Wort reden hören. Zumindest nichts,
das über die knappe Verständigung hinaus ging, die für ihre Arbeit nun einmal nötig war.
Es war ein dürrer, spitzknochiger Kerl mit blutroten Haaren und weißer Haut, der nie den Kopf hob
und nie einen Blick erwiderte. Vielleicht ein Zigeuner. Oder einer von diesen verflixten Iren.
Verflucht, wenn es nur kein Ire war. Mit denen hatte er schlechte Erfahrungen.
Irgendwo in der Unendlichkeit heulte ein Coyote und Ken fühlte sich so verloren und weit weg
von allem, das noch halbwegs an Zivilisation erinnerte, dass er aus seinen Satteltaschen ein längliches
Metallkästchen hervorwühlte, liebevoll Dreck und Pferdehaare abwischte und es dann zwischen die
Lippen nahm.
Hell und schleifend sang die Mundharmonika ein einsames Lied in die warme Glut des Feuers.
Ken schloss die Augen und spielte das einzige Stücke das er ja ernsthaft geübt hatte. Nämlich für das
Mädchen, das irgendwo draußen auf der Ranch ihres Vaters auf ihn wartete- Moon River.
Wehmütig stieg die Melodie mit den goldenen Funken in den Nachthimmel auf.
Er spielte den Refrain noch einmal und dann gleich noch ein drittes Mal- und als er aufhörte und schweigend
in die Glut starrte bemerkte er, dass sein Begleiter sich verstohlen die Augenwinkel wischte.
Ein leises Schniefen drang herüber.
„Wenn wir das hier hinter uns haben“, sagte Ken halb zu sich selbst in ihre geteilte Einsamkeit und zerrte
eine zerknickte Fotografie aus seiner engen Hosentasche um einen langen Blick darauf zu werfen,
„Dann nehme ich mein Mädchen und haue ab nach Alaska.“
Eine halbe Ewigkeit waren das die einzigen Worte zwischen ihnen. Ken kamen merkwürdige Zweifel,
dass dieser andere ein echter Mensch war. Vielleicht war er ein Geist. Irgendein wütendes Gespenst,
beschworen von den Canyons und der unendlichen Weite.
„Meine Familie ist tot“, sagte er plötzlich mit rauer Stimme. Hinter den Flammen tanzten Schatten
auf dem mageren Gesicht.
„Das tut mir leid“, meinte Ken langsam, „Woran sind sie gestorben?“
Die Miene des Anderen war wie blanker Marmor. Sein Blick loderte mit dem Feuer und wieder hatte Ken
dieses Gefühl als wäre er Zeuge von etwas Unwirklichem. So als würde die Unterhaltung, alles was in den
letzten drei Tagen passiert war, nur in seinem Kopf statt finden. Ken zog unbehaglich die Pferdedecke dichter
und sah sich über die Schulter um. Der Coyote heulte jetzt aus einer anderen Richtung.
„Spiels noch einmal“, forderte der Andere ihn auf. Ken zögerte. Seine schwieligen Finger strichen über das
fein geprägte Metall der Mundharmonika, er wiegte sie in den Händen.
„Bitte“, kam die Ergänzung auf einmal sanfter.
Ken pustete in seine Hände, um die Kälte und das Zittern daraus zu vertreiben.
„Moment“, sagte er.
„Lass uns heute nur ein Zelt nehmen“, brummte der Andere, zog sein langes Jagdmesser aus der Scheide und
prüfte im blauen Licht des langsam sterbenden Feuers die Klinge mit dem Daumen, bevor er es mit einem Ruck
wieder zurück in die Hülle schob,
„Die Nacht ist zu verdammt kalt um allein zu schlafen“
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