Team: Ovid
Challenge: Angst/h/c: Blutspende/Blutverlust - Für mich
Fandom: Digimon 02
Pairing: Mimi/Jou
Wörter: 1.063
Warnung: Blut. Viel Blut.
Als sie diesen langen weißen Gang des Krankenhauses betrat, überkam sie ein Schauer, von dem sie nicht wusste, ob er wohlig oder aus Angst über ihre Schultern und ihren Rücken lief.
Auf diesem Gang war sie vor einigen Monaten beinahe gestorben. Über diesen Gang hatte Jou die undichten Überreste ihres Körpers geschoben.
Zuerst hatte sie nicht ganz verstanden, warum er bei ihrem Vorschlag, ihn bei ihrem ersten Date nach der Schicht im Krankenhaus abzuholen, so große Augen bekommen hatte. Jetzt dämmerte es ihr langsam. Kaum jemand betritt den Ort, an dem er beinahe den Löffel abgegeben hatte, freiwillig ein zweites Mal.
Sie lehnte sich gegen die weiße Theke der Rezeption am Eingang und pustete sich eine Strähne wirren Haares aus der Stirn. Draußen fegte ein unbarmherziger Wind um das Gebäude. Sie blickte auf die Uhr: 15:45. Jous Schicht endete genau in diesem Augenblick.
Sie richtete sich das Haar, strich Kleid und Jacke zurecht und schaute sich um. Eine Krankenschwester kam vorbei und betrachtete sie pflichtbesorgt.
„Ich warte nur auf jemanden“, sagte Mimi.
Kinder spielten ausgelassener als man es in einem Krankenhaus sollte, neben dem Getränkeautomaten in der Ecke des Warteraumes. Der Schauer auf ihrem Rücken ließ nicht nach.
Als sie das nächste Mal auf die Uhr schaute, war eine halbe Stunde vergangen.
„Das macht nichts“, sagte sie leise in den Raum hinein. Wahrscheinlich hatte ihn nur irgendetwas aufgehalten. Womöglich einer der tausend Notfälle, mit denen er täglich zu kämpfen hatte. Er würde gleich um die Ecke kommen.
Die Schwester kam abermals vorbei und beäugte sie misstrauisch:
„Und Sie, junge Dame? Haben Sie schon das Anmeldeformular ausgefüllt?“
„Ich warte nur auf jemanden“, entgegnete Mimi geduldig.
„Er arbeitet hier. Er müsste jeden Augenblick kommen.“
Die Frau betrachtete sie ungeduldig für den Bruchteil einer Sekunde als wolle sie sagen „Kindchen, stiehl uns nicht unsere Zeit und unseren Raum“.
Dann fuhr ein Rollstuhlfahrer mit seinem rechten Rad über Mimis großen Zeh.
Eine halbe Stunde später wusste sie, dass es keinen Sinn mehr hatte, zu warten.
Ihre Füße schmerzten vom langen Stehen, denn sie hatte es nicht gewagt, sich hinzusetzen.
Hatte er sie vergessen? War er gegangen noch bevor sie gekommen war?
In diesem Moment flog weiter hinten im Gang eine der weißen Türen auf, die riesengroß mit „Nicht autorisierten Personen ist das Betreten strengstens verboten“-Schriftbändern überschrieben waren. Zwei junge Ärzte eilten dem Warteraum entgegen. Ihre Kittel waren getüncht in rote Farbe, von der Mimi erst beim zweiten Hinsehen erkannte, dass es eben keine Farbe war. Einer von ihnen war Jou, der hektisch seine Brille an einem weiß gebliebenen Stück Stoff seines Kittels abzuwischen versuchte.
Als er sie wieder aufsetzte, zogen sich noch immer blutige Schlieren quer über die Gläser.
„Was machst du denn hier?“, rief er überrascht und hastete zu Mimi herüber, sie an den Schultern fassend.
„Wie was ich hier mache? Wir waren verabredet vor einer Stunde.“
Er starrte sie mit offenem Mund an und blinzelte wie jemand, der ihre Sprache nicht verstand.
„Was machst du hier?“, wiederholte er und es klang als habe er vollkommen vergessen, dass er exakt diese Frage eben schon einmal gestellt hatte.
„Unser Date“, sagte Mimi, diesmal langsam, beugte sich vor und fasste ihn bei den Ellenbogen. Der Stoff fühlte sich feucht an. Jou war dünn und kühl und er roch nach Nasenbluten.
„Hast du's vergessen?“
Je länger und eingehender sie ihn betrachtete, desto weniger war sie sich sicher, dass er geistig überhaupt anwesend war. Sein Gesicht war fahl und eingefallen; es war, als sei er, von Kopf bis Fuß mit Blut beschmiert, selbst vollkommen blutleer.
„Jou“, sagte sie und schaute ihn fest an.
„Wann war deine letzte Pause?“
Er blinzelte sie an und nun fasste er sich wie in Zeitlupe an den Kopf.
„Wir wollten ins Kino“, murmelte er, mehr zu sich selbst als zu ihr.
„Oh Gott, entschuldige!“
Sie schüttelte den Kopf;
„Schon vergessen. Aber du solltest dich mal ausruhen, du siehst furchtbar aus.“
„Nein, nein.“ Er sah halb an ihr vorbei und seine Augenlider waren rot und schwer.
„Da hinten verblutet gerade jemand. Wir müssen die Blutkonserven in Empfang nehmen, die kommen jede Sekunde hier an.“
„Ich mag ja kein Arzt sein, aber ehrlich, du siehst nicht aus, als würdest du noch irgendwas hinkriegen.“
„Mimi, bitte, nicht jetzt, ich muss- ich muss wirklich-“
Weiter kam er nicht. Er hatte versucht, sich nach links umzudrehen, wo in diesem Moment drei Männer aus einem PKW mit Blaulicht stiegen und klobige Koffer ins Innere des Gebäudes schleppten. Mimi war eine halbe Sekunde lang abgelenkt, dann spürte sie Jou plötzlich gegen sich fallen, erhaschte einen Blick auf seine zufallenden Augen mit den nach oben rollenden Pupillen und breitete geistesgegenwärtig die Arme aus.
Blut schmierte gegen ihren rosa Trenchcoat und ihren weißen Kaschmirschal.
Sie kauerte auf dem Boden und legte Jou irgendwie auf ihrem Knie ab, während um sie herum Patienten mit Schmerzen stöhnten, Frauen ihren Blick abwandten ob des Blutes und Sanitäter um sie herumstürzten.
„Einen Arzt“, hörte sie sich rufen und fand sich furchtbar klischeehaft.
~
Mit der Erschöpfung eines Sterbenden schlug er bald wieder die Augen auf. Früher hatte sie diesen Vergleich nicht zu ziehen gewagt- das war jedoch die Zeit gewesen, bevor sie selbst halb verblutet war. Mit einem Blinzeln schien er den Tropf zu registrieren, dessen Nadel tief in seinen Unterarm gegraben war. Sie hatten ihn auf dem Gang auf eines der wenigen Ersatzbetten gelegt und waren zum nächsten Patienten weitergehastet.
„Tut mir so leid“, hauchte er und machte die Hundeaugen des Jahrhunderts.
„Das Kino...wann fängt der Film an?“
Sie betrachtete ihn schweigend und zwang sich zu einem Lächeln.
„Doppelschicht“, probierte er weiter.
„War ziemlich lang.“
„Zu lang.“
Er seufzte und atmete tief ein als sie eine Hand an seine blasse Wange legte.
Noch immer sah er so blutleer aus, selbst ohne den vollgeschmierten Kittel. Noch immer roch er nach Nasenbluten.
„Tut mir wirklich leid“, nuschelte er schließlich.
„Vielleicht bin ich doch nicht der richtige Mann zum Daten.“
„Ich mach mir keine Sorgen um Verabredungen“, entgegnete sie ruhig und streichelte etwas Farbe in seine Wange hinein.
„Ich mach mir Sorgen um dich.“
Irgendeine Ansage schallte über den Gang und sie betrachteten sich schweigend; langsam schlagende und müde Herzen.
Dann lächelte er erschöpft.
„Danke.“
Dass der Patient, für den Jou so verzweifelt auf die Konserven gewartet hatte, inzwischen verblutet war, erzählte Mimi ihm nicht.
Challenge: Angst/h/c: Blutspende/Blutverlust - Für mich
Fandom: Digimon 02
Pairing: Mimi/Jou
Wörter: 1.063
Warnung: Blut. Viel Blut.
Als sie diesen langen weißen Gang des Krankenhauses betrat, überkam sie ein Schauer, von dem sie nicht wusste, ob er wohlig oder aus Angst über ihre Schultern und ihren Rücken lief.
Auf diesem Gang war sie vor einigen Monaten beinahe gestorben. Über diesen Gang hatte Jou die undichten Überreste ihres Körpers geschoben.
Zuerst hatte sie nicht ganz verstanden, warum er bei ihrem Vorschlag, ihn bei ihrem ersten Date nach der Schicht im Krankenhaus abzuholen, so große Augen bekommen hatte. Jetzt dämmerte es ihr langsam. Kaum jemand betritt den Ort, an dem er beinahe den Löffel abgegeben hatte, freiwillig ein zweites Mal.
Sie lehnte sich gegen die weiße Theke der Rezeption am Eingang und pustete sich eine Strähne wirren Haares aus der Stirn. Draußen fegte ein unbarmherziger Wind um das Gebäude. Sie blickte auf die Uhr: 15:45. Jous Schicht endete genau in diesem Augenblick.
Sie richtete sich das Haar, strich Kleid und Jacke zurecht und schaute sich um. Eine Krankenschwester kam vorbei und betrachtete sie pflichtbesorgt.
„Ich warte nur auf jemanden“, sagte Mimi.
Kinder spielten ausgelassener als man es in einem Krankenhaus sollte, neben dem Getränkeautomaten in der Ecke des Warteraumes. Der Schauer auf ihrem Rücken ließ nicht nach.
Als sie das nächste Mal auf die Uhr schaute, war eine halbe Stunde vergangen.
„Das macht nichts“, sagte sie leise in den Raum hinein. Wahrscheinlich hatte ihn nur irgendetwas aufgehalten. Womöglich einer der tausend Notfälle, mit denen er täglich zu kämpfen hatte. Er würde gleich um die Ecke kommen.
Die Schwester kam abermals vorbei und beäugte sie misstrauisch:
„Und Sie, junge Dame? Haben Sie schon das Anmeldeformular ausgefüllt?“
„Ich warte nur auf jemanden“, entgegnete Mimi geduldig.
„Er arbeitet hier. Er müsste jeden Augenblick kommen.“
Die Frau betrachtete sie ungeduldig für den Bruchteil einer Sekunde als wolle sie sagen „Kindchen, stiehl uns nicht unsere Zeit und unseren Raum“.
Dann fuhr ein Rollstuhlfahrer mit seinem rechten Rad über Mimis großen Zeh.
Eine halbe Stunde später wusste sie, dass es keinen Sinn mehr hatte, zu warten.
Ihre Füße schmerzten vom langen Stehen, denn sie hatte es nicht gewagt, sich hinzusetzen.
Hatte er sie vergessen? War er gegangen noch bevor sie gekommen war?
In diesem Moment flog weiter hinten im Gang eine der weißen Türen auf, die riesengroß mit „Nicht autorisierten Personen ist das Betreten strengstens verboten“-Schriftbändern überschrieben waren. Zwei junge Ärzte eilten dem Warteraum entgegen. Ihre Kittel waren getüncht in rote Farbe, von der Mimi erst beim zweiten Hinsehen erkannte, dass es eben keine Farbe war. Einer von ihnen war Jou, der hektisch seine Brille an einem weiß gebliebenen Stück Stoff seines Kittels abzuwischen versuchte.
Als er sie wieder aufsetzte, zogen sich noch immer blutige Schlieren quer über die Gläser.
„Was machst du denn hier?“, rief er überrascht und hastete zu Mimi herüber, sie an den Schultern fassend.
„Wie was ich hier mache? Wir waren verabredet vor einer Stunde.“
Er starrte sie mit offenem Mund an und blinzelte wie jemand, der ihre Sprache nicht verstand.
„Was machst du hier?“, wiederholte er und es klang als habe er vollkommen vergessen, dass er exakt diese Frage eben schon einmal gestellt hatte.
„Unser Date“, sagte Mimi, diesmal langsam, beugte sich vor und fasste ihn bei den Ellenbogen. Der Stoff fühlte sich feucht an. Jou war dünn und kühl und er roch nach Nasenbluten.
„Hast du's vergessen?“
Je länger und eingehender sie ihn betrachtete, desto weniger war sie sich sicher, dass er geistig überhaupt anwesend war. Sein Gesicht war fahl und eingefallen; es war, als sei er, von Kopf bis Fuß mit Blut beschmiert, selbst vollkommen blutleer.
„Jou“, sagte sie und schaute ihn fest an.
„Wann war deine letzte Pause?“
Er blinzelte sie an und nun fasste er sich wie in Zeitlupe an den Kopf.
„Wir wollten ins Kino“, murmelte er, mehr zu sich selbst als zu ihr.
„Oh Gott, entschuldige!“
Sie schüttelte den Kopf;
„Schon vergessen. Aber du solltest dich mal ausruhen, du siehst furchtbar aus.“
„Nein, nein.“ Er sah halb an ihr vorbei und seine Augenlider waren rot und schwer.
„Da hinten verblutet gerade jemand. Wir müssen die Blutkonserven in Empfang nehmen, die kommen jede Sekunde hier an.“
„Ich mag ja kein Arzt sein, aber ehrlich, du siehst nicht aus, als würdest du noch irgendwas hinkriegen.“
„Mimi, bitte, nicht jetzt, ich muss- ich muss wirklich-“
Weiter kam er nicht. Er hatte versucht, sich nach links umzudrehen, wo in diesem Moment drei Männer aus einem PKW mit Blaulicht stiegen und klobige Koffer ins Innere des Gebäudes schleppten. Mimi war eine halbe Sekunde lang abgelenkt, dann spürte sie Jou plötzlich gegen sich fallen, erhaschte einen Blick auf seine zufallenden Augen mit den nach oben rollenden Pupillen und breitete geistesgegenwärtig die Arme aus.
Blut schmierte gegen ihren rosa Trenchcoat und ihren weißen Kaschmirschal.
Sie kauerte auf dem Boden und legte Jou irgendwie auf ihrem Knie ab, während um sie herum Patienten mit Schmerzen stöhnten, Frauen ihren Blick abwandten ob des Blutes und Sanitäter um sie herumstürzten.
„Einen Arzt“, hörte sie sich rufen und fand sich furchtbar klischeehaft.
~
Mit der Erschöpfung eines Sterbenden schlug er bald wieder die Augen auf. Früher hatte sie diesen Vergleich nicht zu ziehen gewagt- das war jedoch die Zeit gewesen, bevor sie selbst halb verblutet war. Mit einem Blinzeln schien er den Tropf zu registrieren, dessen Nadel tief in seinen Unterarm gegraben war. Sie hatten ihn auf dem Gang auf eines der wenigen Ersatzbetten gelegt und waren zum nächsten Patienten weitergehastet.
„Tut mir so leid“, hauchte er und machte die Hundeaugen des Jahrhunderts.
„Das Kino...wann fängt der Film an?“
Sie betrachtete ihn schweigend und zwang sich zu einem Lächeln.
„Doppelschicht“, probierte er weiter.
„War ziemlich lang.“
„Zu lang.“
Er seufzte und atmete tief ein als sie eine Hand an seine blasse Wange legte.
Noch immer sah er so blutleer aus, selbst ohne den vollgeschmierten Kittel. Noch immer roch er nach Nasenbluten.
„Tut mir wirklich leid“, nuschelte er schließlich.
„Vielleicht bin ich doch nicht der richtige Mann zum Daten.“
„Ich mach mir keine Sorgen um Verabredungen“, entgegnete sie ruhig und streichelte etwas Farbe in seine Wange hinein.
„Ich mach mir Sorgen um dich.“
Irgendeine Ansage schallte über den Gang und sie betrachteten sich schweigend; langsam schlagende und müde Herzen.
Dann lächelte er erschöpft.
„Danke.“
Dass der Patient, für den Jou so verzweifelt auf die Konserven gewartet hatte, inzwischen verblutet war, erzählte Mimi ihm nicht.
no subject
Date: 2012-07-09 07:00 pm (UTC)Mimi ist so großartig! Wer braucht schon Dates? Jou sollte besser auf sich achten, dann kann er sich immer noch Gedanken über solche Details machen. :/
Da ich in meinem letzten Kommentar irgendwie alles irgendwie brauchbare schon verprasst habe nur ein: Ich fands toll. <3 Eine wunderschöne, bittersüße kleine Episode.
no subject
Date: 2012-07-10 09:04 am (UTC)Ich habe Bedenken, mir Mimi schön zu schreiben, irgendwie wird sie in letzter Zeit immer mehr ooc, befürchte ich. Aber schön, dass es dir trotzdem gefallen hat =)
no subject
Date: 2012-07-10 01:54 pm (UTC)no subject
Date: 2012-07-10 10:03 am (UTC)Ich finde nicht, dass sie Ooc wirkt - ich meine, sie hat ne Nahtoderfahrung und alles.
Ach ich find die beiden schnuffig. Und ich denke, das erste Date wird so sein, dass sie Jou nach Hause schleift, ihn bekocht und ihn ins Bett steckt, damit er mal so richtig ausschlafen kann. XD Danach kann man ja immer noch ins Kino gehen. (wenn nicht wieder wer verblutet <.<)
Armer Jou. Ihm geht das sicher zu Herzen, dass er den Patienten verloren hat.
(Dein Schreibstil ist unvergleichlich - war er schon immer! <3)