[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Nach dem so ziemlich durchgeackerten Wochenende musste ich mir meine eigenen Challenges jetzt doch mal gönnen. Alle drei. Mit meinem Lieblings-Schreib-Fandom und ganz viel Crack. Und es hat verdammt Spaß gemacht!

Challenge: #1, #2, #3
Fandom: NGE
Warnung: silly

Shinji saß da und fühlte sich aufgedunsen.
Das mochte vom Kinderbier kommen, ganz bestimmt.
Vielleicht schmeckte ihm das Zeug gerade deshalb nicht, weil es ihm so unglaublich widersinnig vorkam. In einen riesenhaften Kampfroboter sollte er steigen, und außerirdische Wesen bekämpfen, die mit Kraftfeldern um sich warfen- doch echtes Bier trauten sie ihm nicht zu?

Echtes Bier, das durften nur die Erwachsenen trinken. Am Nebentisch saßen Misato und Makoto Hyuga, schauten tief in ihre Gläser und lachten sich über irgendetwas halb tot.
Betriebsfeier bei Nerv.
Wer war nochmal auf diese hirnverbrannte Idee gekommen?

In diesem Moment kam Touji vom Buffet und ließ sich mit einem möglichst machomäßigen Rumsen neben Shinji auf der Bank nieder.
„Na, du trübe Tasse?“, lachte er ihn an.
„Du siehst aus als würdest du dich eher verprügeln lassen als hier rumzusitzen!“

Wahrscheinlich hatte er sogar Recht.
Shinji konnte Menschenaufläufe nicht leiden.
„Wir sind ein Betrieb, oder?“, hatte Misato zum Kommandanten vor einer Woche gesagt.
„Sogar staatlich subventioniert!“
Bei der Bemerkung hatte Vater ausgesehen als ob er sie gleich erschießen wollte.
„Und die Kirschbäume blühen bald! Da gibt es immer Betriebsfeiern!“

Niemand hätte je geahnt, dass der Eisklotz so etwas genehmigen würde.
Davon abgesehen, dass die Kirschblüten an der Erdoberfläche waren und man die hier vom Geosektor aus nicht mal sehen konnte.
Natürlich war Vater nicht gekommen.

Als Shinji sich ein wenig umschaute, sah er Rei in einer Ecke über einem vegetarischen Gericht sitzen, Asuka, die an Kajis Hemdärmel hing und Ritsuko, die mit Maya Ibuki an einem Laptop hing. Dazwischen wuselte Kensuke, in der einen Hand ein Kinderbier, in der anderen seine Kamera, mit der er unablässig, die „Unbefugten ist der Eintritt verboten“-Schilder an den Türen, die extra für die Feier angebracht worden waren, filmte.

„Und du siehst aus wie einer, dem die Sonne aus dem Arsch scheint!“, moserte Ikari und konnte ein Rülpsen nicht unterdrücken.
Sein Freund pfiff bewundernd durch die Zähne;
„Mann, mann, hätte nicht gedacht, dass du solche Wörter auch nur in den Mund nimmst!“
„Sonne?“
„Nein, mann, Arsch!“
Shinji verschränkte die Arme auf dem Tisch und ließ seinen Kopf darauf sinken.
„Kein Wunder, ich habe ja den richtigen Lehrmeister...“
Er seufzte.

Im selben Moment setzte Hyuga ein altes Radio mit einem noch viel älteren Lied in Gang.
„Der Song ist fast hundert Jahre alt!“, rief er Misato zu, rückte seine Brille zurecht und forderte sie dann schüchtern zum Tanz auf.
„Das war ein berühmter Hit während des Pazifikkrieges in Amerika!“, brachte Kensuke sein Fachwissen an. Dass dieses Lied von Amerikanern gehört worden war, die japanische Soldaten über den Haufen gebombt hatten, ließ ihn dabei scheinbar völlig kalt. Er schielte verstohlen zu Asuka herüber, die ihrerseits versuchte, Kaji zum Tanzen zu bringen.

Es war definitiv ein Irrenhaus.

„Mann, was hast du für´n Problem?“
Touji begann, im Rhythmus zu nicken und zu swingen, bis die Bank zu wackeln begann.
„Alle sind gut drauf, du hast deine Freunde hier, dein Alter hockt missmutig zu Hause und stört dich nicht, mann, es ist alles soft!“
Er gluckerte ein Kinderbier herunter und versuchte dabei so auszusehen, als würde es echtes Bier sein.
„Zum Beispiel das da!“
Shinji zeigte auf das Getränk und öffnete den Mund nur soweit es zum Sprechen nötig war.
„Wir sitzen hier unter Tage in einem unterirdischen militärischen Gang. Wir trinken Saft, den man in unsinnige bierflaschenförmige Flaschen abgefüllt hat. Wir hören uralte Musik, die eine versucht einen Kerl abzuschleppen, der ihr Vater sein könnte, der nächste geilt sich an Verbotsschildern auf und du findest das alles wohl noch toll!“
Suzuhara setzte die Flasche ab.
„Joah.“, machte er und rülpste. Das konnte er viel lauter als Shinji.
„Weißt du, wie man das nennt?“

Er lehnte sich leicht gegen Shinji, bis dieser die fremde Wärme spürte.
„Das versteht man unter ´das Beste aus der Situation machen´ oder einfach nur `Spaß haben´!“
„Ich bin halt nicht in Stimmung.“, versuchte Shinji, sich zu verteidigen.
„Du bist nie in Stimmung.“, entgegnete Suzuhara trocken.
„Na los, komm, lass mich dich aufmuntern!“
„Ach was!“ Shinji wähnte sich auf einem nie gekannten Level des Sarkasmus.
„Hast du zu meinem Kinderbier auch die Schokoladenzigaretten, um mein Glück perfekt zu machen?“

Kensuke hatte sich an den Rand gesetzt und schielte noch immer zu Asuka herüber.
Obgleich nur sie mit Kaji und Misato und Hyuga tanzten, war doch die Fläche so klein, dass sie dauernd einander ins Gehege kamen.
Der Swing setzte sich in den Knochen der Leute fest, hatte Shinji das Gefühl. Sein Fuß wippte unwillkürlich.
Er bemerkte wie Hyuga Misato anstarrte, als wolle er sie aufnaschen.

„Sei nicht so´n Miesmacher!“, redete Touji auf ihn ein.
„Vielleicht bist du nicht gerade ´n Gesellschaftsmensch, aber ich denke mir immer, wenn du es mit Kensuke und mir aushälst, kannst du so asozial ja gar nicht sein!“
Er lachte nun freundlich und legte einen Arm um Shinjis Schulter.
„Du meinst, ich bin zu jung zum resigniert sein?“, murmelte Ikari und guckte sein Kinderbier an.
Er spürte Toujis Arm um sich und hatte das Gefühl, sein Körper würde seine Temperatur hochtreiben. Dabei war doch gar nichts drin in diesem lächerlichen gefälschten Bier?
Suzuhara sah ihn an und nickte im Takt.
„Genau das!“
Und dann setzte er Shinji einen übertriebenen, halbfeuchten und albernen Schmatzer auf die Stirn.


Im selben Augenblick schien Hyuga ihnen zuzusehen und schien sich, in Unkenntnis über Suzuharas Albereien, vom vermeintlichen Ausbruch verpönter Jungenliebe angespornt zu fühlen, seinen wahren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Zumindest setzte er Misato einen mindestens doppelt so dicken Kuss auf die Lippen. Kaji verharrte im Tanzen, quetschte Asukas Hand versehentlich- vermutlich wollte er das eher mit Hyugas Mund machen- bis diese aufquietschte. Misato hatte gar keine Zeit, ihre Hand flach zu öffnen und so traf ihre geballte Faust Makoto Hyuga direkt zwischen Wangenknochen und Nasenscheidewand.
Es brach ein halber Tumult los.
Asuka jaulte übertrieben und Kaji konnte sich nicht recht entscheiden, ob er sich bei ihr entschuldigen und ihre Hand tröstend streicheln oder lieber seine eigene Faust zusätzlich in Makotos Gesicht treiben sollte. Der lag auf dem Boden und blutete aus der Nase auf die Gläser seiner Brille, die er verloren hatte. Kensuke hielt die Kamera auf ihn.

„Vielleicht hast du Recht.“, murmelte Shinji mit bemüht routiniertem Tonfall, während er mit Touji am Rand saß und sich mit den Fingern über die Stirn wischte. Die Wärme war in ihm geblieben und er fragte sich, wie sich wohl so ein Kuss wie Hyugas eben anfühlen mochte. Vielleicht sollte er es ausprobieren. Vielleicht sollte er Touji das mal bei einer Schokoladenzigarette vorschlagen. Schließlich war der für fast alles zu haben.

Sie swingten ein wenig auf der Bank hin und her.
Kensuke war aufgestanden und bot Asuka ein wabbeliges Kühlakku aus seinem Gürtel an.
Kaji suchte nach echtem Bier und Ritsuko riss in einer anderen Ecke ein Kleenex nach dem anderen aus einer Pappdose, für Hyuga. Rei saß in einer Ecke über einem vegetarischen Salat. Ihr Fuß bewegte sich rhythmisch zu den Klängen des Songs.
In der Mitte hatte sich Hyuga aufgerappelt und setzte sich seine Brille wieder auf. Er konnte nur durch ein Glas etwas sehen, am anderen rannen zwei Bluttropfen hinunter. Seine Uniform war auch schon hin.

„Ich hab immer Recht!“, prollte Touji grinsend und drückte Shinji noch ein Kinderbier in die Hand.
„Das weißt du doch!“

Date: 2007-06-25 09:17 pm (UTC)
From: [identity profile] shojo-pingu.livejournal.com
Hach, schön geschrieben~ Ich meine, man ist die ganze Zeit am Schmunzeln, wenn man sich die Szenen vorstellt. Vor allem bei Rei mit ihrem vegetarischen Salat und SchilderFanboy!Kensuke. :D

Und ja, gib ihnen eine Schokozigarette, an der sie dann beide zusammen knabbern dürfen. ^o^

Date: 2007-06-26 10:04 am (UTC)
From: [identity profile] funky-mina.livejournal.com
Oh, wie toll! Wie toll, wie toll, wie toll!!! *_______* ~~<3!!
Ich kann das alles nicht zusammenfassen, zumindest nicht in einem kurzen LJ-Kommentar, aber es ist sooo geil und Shinji sooooooo tooolll angepisst!!!!! (Und du weißt, wie ich zu so einem stehe und bla und hick hack zick zack - ich liebe ihn *_*) Dieses Irrenhaus- gott, sooo gut eingefangen! Das ist EVA mal auf einer leichteren Art - die drehen eh alle frei und du zeigst das auf einer harmloseren, auf der freieren, leichter verdaulichen Ebene, was ich toll finde - und es macht ja auch soo viel mehr Spaß! *thehe*
Oh, tsu, it's so wonderfull! Könnt ich schreiben, könnt ich längeres schreiben, würde ich dir gerne deinen Wunsch vom gestrigen Jammern erfüllen, aber ich glaube, dafür bin ich wirklich nciht geschaffen. *dich trotzdem ganz lieb anherz*

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios