Titel: Die Macht der Umstände
Team: Dickinson
Challenge: Crack/Humor - "Keine Sorge, das ist noch nie schiefgegangen" (für mich)
Fandom: Original | Schalmeienklänge
Charaktere: Feobar, Torín, Ninia, der Hinkende
Wörter: 1067
„Keine Sorge, das ist noch nie schiefgegangen“, sagte Ninia schulterzuckend und tauchte ihr Füße wieder in den eiskalten Bach. Sie hatten am Rand eines kleinen Waldstückes halt gemacht, etwa eine Wegstunde von der kleinen Stadt entfernt, über deren mager besetzte Wache Ninia gerade so freimütig spottete. „Ernsthaft. Besoffen machen, ablenken, rein, ran an die Kasse, raus. Ihre Bücher sind so schlecht geführt, dass sie noch nicht einmal merken, wenn ein paar Silbermünzen fehlen. Genug Silbermünzen, um uns über den nächsten Monat zu bringen.“
„Sag mal, woher weiß du das eigentlich alles?“, warf Torín ein. Er saß an einen Baumstamm gelehnt und hatte seinen breiten Filzhut ins Gesicht gezogen. „Seit du mit uns unterwegs bist, waren wir noch nicht in dieser Gegend. Und das ist schon eine ziemlich lange Zeit.“
Ninia lachte. „Buntes Volk, schon vergessen? Man erzählt sich von ihnen. Meine Mutter hat das gleiche Spielchen mit ihnen getrieben und als ich das letzte Mal welche von uns getroffen habe, ihr wisst schon, die Gaukler aus Kleinsee, haben sie erzählt, dass sie gerade von hier kamen. Und die Wache auch gleich erleichtert haben.“
„Geschichten, ja? Ich weiß nicht.“
„Jetzt hör mir mal zu!“ Ninia sprang von dem flachen Felsen, auf dem sie gesessen hatte. Das Wasser spritzte um ihre Füße auf und ein neugieriger Fisch verzog sich verschreckt hinter den nächsten Stein. „Es sind unsere Geschichten! Sowas kannst du nicht verstehen, du… Bauer!“
„Hey, hey, ihr beiden!“ Feobar, der die ganze Sache bisher stumm verfolgt hatte, stand auf. „Jetzt beruhigt euch mal. Ninia, entschuldige dich. Torín, du auch. Ninias Hinweise waren bisher immer ausgezeichnet. Ich weiß, dass es dir nicht gefällt, wenn sie stiehlt, ich mag es auch nicht, aber unsere Reserven sind momentan wirklich nicht gerade umfassend und wir könnten ein kleines Polster mehr als gut gebrauchen.“
„Und warum gehen wir dann nicht ins nächste Wirtshaus, Ninia tanzt, du spielst, ich trommle, der Hinkende spuckt ein paar Flammen durch die Gegend und schon haben wir wieder ein paar Silber mehr im Beutel?“
„Weil du in die Wirtshäuser in dieser Gegend wirklich nicht gehen möchtest.“ Der Hinkende trat aus dem Wald heraus, unter dem Arm ein dickes Bündel Feuerholz. „Die Wache ist wirklich nicht besonders gut besetzt, und über ihre Ausbildung sprechen wir erst gar nicht. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass das finstere Gesindel hier einen wahren Sammelpunkt hat. Geh in ein Wirtshaus und du verlässt es unter Garantie mit weniger, als du es betreten hast. Und das nicht, weil das Bier so gut ist. Glaubt mir, ich war hier schonmal und ich hätte den Mantel, den sie mir hier gestohlen haben gerne noch ein paar Winter getragen. Außerdem, was habt ihr gegen ein wenig Nervenkitzel? Rein, raus, fertig und dann weg von hier und irgendwo ein richtig gutes Essen. Habt ihr schonmal vom Schwarzen Keiler gehört? Es ist ein Wirtshaus mit der bestes Küche weit und breit, sagt man, und manche behaupten steif und fest, man würde den Weingeist zwischen den Tischen hin und her springen sehen. Und es ist kaum mehr als eine Tagesreise von hier entfernt. Also, erst Stadtwache und dann Keiler. Ich bin dabei.“
„Na also, endlich jemand.“ Ninia stieg ans Ufer des Baches und begann, ihre Sachen zusammenzupacken. „Das mit dem Bauer tut mir Leid, Torín.“
„Schon gut“, grummelte der Trommler, schob den Hut zurück und kam dann auch auf die Füße. „Aber ich mag den Plan immernoch nicht. Wollte ich nur gesagt haben.“
Sie näherten sich dem Städtchen im Schutz der Dämmerung. Feobar hatte sich in die dreckigsten Lumpen gehüllt, die er in ihrem Gepäck gefunden hatte – dass da auch ein alter Rock von Ninia darunter gewesen war, den Torín mit einem Schnitt zum leichten Umhang umfunktioniert hatte, würde er sich später standhaft weigern zuzugeben. In dem kleinen Wachhaus brannte flackerndes Licht.
„Gut…“, wisperte Ninia. „Feobar, du klopfst an die Tür und bittest um Almosen. Blinder Bettler und so. Torín, du bleibst in Sichtweite und kommst dazu, falls es nötig ist. Hinkender, wir beide gehen rein. Schaffst du das Fenster?“ Sie deutete auf die kleine, ladenlose Öffnung im ersten Stock des Wachhauses. Der Hinkende nickte. Schon den ganzen Weg hierher war er immer wieder ein paar Schritte nach vorne getrabt oder hatte seine Muskeln gelockert. „Nichts leichter als das.“
„Gut, dann machen wir es so. Wir sehen uns gleich wieder hier.“
„Das sehe ich anders.“ Eine bärenschwere Pranke sauste auf Ninias Schulter herab und ließ sie erschreckt aufschreien. Ehe sie sich versahen waren sie umringt von fünf Wachmännern mit Fackeln. Wachmänner in ordentlichen, neuen Brustpanzern und mit Helmen und glänzenden Schwertern. Und definitiv einem neuen Hauptmann, denn der bärenprankige Kerl, dessen Hand immernoch wie angeklebt auf Ninias Schulter lag sah so gar nicht aus wie der schnauzbärtige, hagere Kerl, den man ihr als Hauptmann beschrieben hatte.
„Wie war das mit „es ist noch nie schiefgegangen?““, zischte Torín ihr ins Ohr.
„Klappe halten, Gesindel! Wolltet uns wohl ausnehmen, wie? Tja, die Zeiten sind vorbei. Schafft sie in den Kerker!“
Die Bezeichnung „Kerker“ war etwas unverdient für die roh gezimmerte Hütte hinter dem Wachhaus, die nicht verleugnen konnte, dass sie ihr Leben einmal als Lagerhaus begonnen hatte.
„Und was machen wir jetzt?“ Nervös tigerte Torín auf und ab, was bei seiner hünenhaften Statur zugegebener Weise etwas albern wirkte.
„Wir brechen aus.“
„Bitte?!“ Zwei Augenpaare schauten Ninia irritiert an und auch Feobar hatte den Kopf in ihre Richtung gedreht. „Na kommt schon. Wir wollen wohl kaum hier bleiben, bis sie uns morgen den Prozess machen, oder? Sie mögen zwar etwas dazugelernt haben, aber eines können sie immernoch nicht – vernünftige Wachen aufstellen. Die letzte ist vor einer ganzen Weile gegangen und die neue ist noch nicht hier. Wenn das jedes Mal so läuft… oder sie denken, wir brechen schon nicht aus, mit einem Blinden und einem Dicken.“
„Hey!“
„Entschuldige, Torín. Also, der Plan ist ganz einfach.“ Sie rückte weiter zur Mitte des Raumes und zerrte Feobar, der mal wieder als einziger nicht reagierte mit in den Kreis.
„Du bist wahnsinnig.“
„Bist du dir sicher, dass das überhaupt gehen kann?“
„Versucht es doch.“ Feobar zuckte zusammen und warf dem Gevatter einen bösen Blick zu und dieser zuckte nur die Schultern, grinste (nicht, weil er es lustig fand, sondern weil er immer grinste), deutete auf eine kleine Kate auf der anderen Seite der Wachstube und verschwand wieder.
„Nein. Aber kommt – es ist doch noch nie schiefgegangen.“
„Wir sind noch nie irgendwo ausgebrochen.“
„Sag ich doch.“
Team: Dickinson
Challenge: Crack/Humor - "Keine Sorge, das ist noch nie schiefgegangen" (für mich)
Fandom: Original | Schalmeienklänge
Charaktere: Feobar, Torín, Ninia, der Hinkende
Wörter: 1067
„Keine Sorge, das ist noch nie schiefgegangen“, sagte Ninia schulterzuckend und tauchte ihr Füße wieder in den eiskalten Bach. Sie hatten am Rand eines kleinen Waldstückes halt gemacht, etwa eine Wegstunde von der kleinen Stadt entfernt, über deren mager besetzte Wache Ninia gerade so freimütig spottete. „Ernsthaft. Besoffen machen, ablenken, rein, ran an die Kasse, raus. Ihre Bücher sind so schlecht geführt, dass sie noch nicht einmal merken, wenn ein paar Silbermünzen fehlen. Genug Silbermünzen, um uns über den nächsten Monat zu bringen.“
„Sag mal, woher weiß du das eigentlich alles?“, warf Torín ein. Er saß an einen Baumstamm gelehnt und hatte seinen breiten Filzhut ins Gesicht gezogen. „Seit du mit uns unterwegs bist, waren wir noch nicht in dieser Gegend. Und das ist schon eine ziemlich lange Zeit.“
Ninia lachte. „Buntes Volk, schon vergessen? Man erzählt sich von ihnen. Meine Mutter hat das gleiche Spielchen mit ihnen getrieben und als ich das letzte Mal welche von uns getroffen habe, ihr wisst schon, die Gaukler aus Kleinsee, haben sie erzählt, dass sie gerade von hier kamen. Und die Wache auch gleich erleichtert haben.“
„Geschichten, ja? Ich weiß nicht.“
„Jetzt hör mir mal zu!“ Ninia sprang von dem flachen Felsen, auf dem sie gesessen hatte. Das Wasser spritzte um ihre Füße auf und ein neugieriger Fisch verzog sich verschreckt hinter den nächsten Stein. „Es sind unsere Geschichten! Sowas kannst du nicht verstehen, du… Bauer!“
„Hey, hey, ihr beiden!“ Feobar, der die ganze Sache bisher stumm verfolgt hatte, stand auf. „Jetzt beruhigt euch mal. Ninia, entschuldige dich. Torín, du auch. Ninias Hinweise waren bisher immer ausgezeichnet. Ich weiß, dass es dir nicht gefällt, wenn sie stiehlt, ich mag es auch nicht, aber unsere Reserven sind momentan wirklich nicht gerade umfassend und wir könnten ein kleines Polster mehr als gut gebrauchen.“
„Und warum gehen wir dann nicht ins nächste Wirtshaus, Ninia tanzt, du spielst, ich trommle, der Hinkende spuckt ein paar Flammen durch die Gegend und schon haben wir wieder ein paar Silber mehr im Beutel?“
„Weil du in die Wirtshäuser in dieser Gegend wirklich nicht gehen möchtest.“ Der Hinkende trat aus dem Wald heraus, unter dem Arm ein dickes Bündel Feuerholz. „Die Wache ist wirklich nicht besonders gut besetzt, und über ihre Ausbildung sprechen wir erst gar nicht. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass das finstere Gesindel hier einen wahren Sammelpunkt hat. Geh in ein Wirtshaus und du verlässt es unter Garantie mit weniger, als du es betreten hast. Und das nicht, weil das Bier so gut ist. Glaubt mir, ich war hier schonmal und ich hätte den Mantel, den sie mir hier gestohlen haben gerne noch ein paar Winter getragen. Außerdem, was habt ihr gegen ein wenig Nervenkitzel? Rein, raus, fertig und dann weg von hier und irgendwo ein richtig gutes Essen. Habt ihr schonmal vom Schwarzen Keiler gehört? Es ist ein Wirtshaus mit der bestes Küche weit und breit, sagt man, und manche behaupten steif und fest, man würde den Weingeist zwischen den Tischen hin und her springen sehen. Und es ist kaum mehr als eine Tagesreise von hier entfernt. Also, erst Stadtwache und dann Keiler. Ich bin dabei.“
„Na also, endlich jemand.“ Ninia stieg ans Ufer des Baches und begann, ihre Sachen zusammenzupacken. „Das mit dem Bauer tut mir Leid, Torín.“
„Schon gut“, grummelte der Trommler, schob den Hut zurück und kam dann auch auf die Füße. „Aber ich mag den Plan immernoch nicht. Wollte ich nur gesagt haben.“
Sie näherten sich dem Städtchen im Schutz der Dämmerung. Feobar hatte sich in die dreckigsten Lumpen gehüllt, die er in ihrem Gepäck gefunden hatte – dass da auch ein alter Rock von Ninia darunter gewesen war, den Torín mit einem Schnitt zum leichten Umhang umfunktioniert hatte, würde er sich später standhaft weigern zuzugeben. In dem kleinen Wachhaus brannte flackerndes Licht.
„Gut…“, wisperte Ninia. „Feobar, du klopfst an die Tür und bittest um Almosen. Blinder Bettler und so. Torín, du bleibst in Sichtweite und kommst dazu, falls es nötig ist. Hinkender, wir beide gehen rein. Schaffst du das Fenster?“ Sie deutete auf die kleine, ladenlose Öffnung im ersten Stock des Wachhauses. Der Hinkende nickte. Schon den ganzen Weg hierher war er immer wieder ein paar Schritte nach vorne getrabt oder hatte seine Muskeln gelockert. „Nichts leichter als das.“
„Gut, dann machen wir es so. Wir sehen uns gleich wieder hier.“
„Das sehe ich anders.“ Eine bärenschwere Pranke sauste auf Ninias Schulter herab und ließ sie erschreckt aufschreien. Ehe sie sich versahen waren sie umringt von fünf Wachmännern mit Fackeln. Wachmänner in ordentlichen, neuen Brustpanzern und mit Helmen und glänzenden Schwertern. Und definitiv einem neuen Hauptmann, denn der bärenprankige Kerl, dessen Hand immernoch wie angeklebt auf Ninias Schulter lag sah so gar nicht aus wie der schnauzbärtige, hagere Kerl, den man ihr als Hauptmann beschrieben hatte.
„Wie war das mit „es ist noch nie schiefgegangen?““, zischte Torín ihr ins Ohr.
„Klappe halten, Gesindel! Wolltet uns wohl ausnehmen, wie? Tja, die Zeiten sind vorbei. Schafft sie in den Kerker!“
Die Bezeichnung „Kerker“ war etwas unverdient für die roh gezimmerte Hütte hinter dem Wachhaus, die nicht verleugnen konnte, dass sie ihr Leben einmal als Lagerhaus begonnen hatte.
„Und was machen wir jetzt?“ Nervös tigerte Torín auf und ab, was bei seiner hünenhaften Statur zugegebener Weise etwas albern wirkte.
„Wir brechen aus.“
„Bitte?!“ Zwei Augenpaare schauten Ninia irritiert an und auch Feobar hatte den Kopf in ihre Richtung gedreht. „Na kommt schon. Wir wollen wohl kaum hier bleiben, bis sie uns morgen den Prozess machen, oder? Sie mögen zwar etwas dazugelernt haben, aber eines können sie immernoch nicht – vernünftige Wachen aufstellen. Die letzte ist vor einer ganzen Weile gegangen und die neue ist noch nicht hier. Wenn das jedes Mal so läuft… oder sie denken, wir brechen schon nicht aus, mit einem Blinden und einem Dicken.“
„Hey!“
„Entschuldige, Torín. Also, der Plan ist ganz einfach.“ Sie rückte weiter zur Mitte des Raumes und zerrte Feobar, der mal wieder als einziger nicht reagierte mit in den Kreis.
„Du bist wahnsinnig.“
„Bist du dir sicher, dass das überhaupt gehen kann?“
„Versucht es doch.“ Feobar zuckte zusammen und warf dem Gevatter einen bösen Blick zu und dieser zuckte nur die Schultern, grinste (nicht, weil er es lustig fand, sondern weil er immer grinste), deutete auf eine kleine Kate auf der anderen Seite der Wachstube und verschwand wieder.
„Nein. Aber kommt – es ist doch noch nie schiefgegangen.“
„Wir sind noch nie irgendwo ausgebrochen.“
„Sag ich doch.“