Bis die Welt zu Staub zerfällt
Jul. 2nd, 2012 03:50 pmTeam: Novalis
Challenge: Fantasy/Mystery - Apokalypse (für mich)
Fandom: Original
Wörter: 425
Kommentar: Weltuntergang, ein bisschen anders. Ich fürchte, das sind noch Nachwehen des Fusion-Wochenendes...
Es war ein Dienstag, als Sie kamen. Aus dem Boden tauchten Sie auf, wuchsen aus den Rissen im Asphalt hervor wie Blumen, mit schimmernd transparenten Körpern und leuchtend blauen Augen.
Manche von uns hielten Sie für einen Scherz, für Kunst, für Werbung, aber dann hörten wir aus dem Radio, dass Sie nicht nur auf unserer Straße – nicht nur in unserer Stadt, unserem Land, nicht nur auf diesem Kontinent aufgetaucht waren. Auf der ganzen Welt sprossen Sie aus dem Erdboden hervor. Schimmernd und unwirklich. Eisköniginnen-Schön. Außerirdische nannten die einen Sie, Engel die anderen, Dämonen die dritten. Das Jüngste Gericht, sagten manche.
Für eine Zeit standen Sie einfach da. Standen still und stumm und schauten uns an. Mit Ihren blau-leuchtenden Augen schauten sie tief in uns hinein.
Dann begannen sie zu singen. Ihr Gesang begann sehr leise. Man hörte ihn gar nicht, zu Anfang, nicht bewusst, merkte nur, dass etwas anders war, anders klang, doch allmählich wurden sie lauter und lauter, ihre Stimmen fächerten sich auf, ließen eine breite Mehrstimmigkeit wachsen.
Es war das Schönste, das wir jemals gehört hatte. Das Überwältigenste. Wir dachten nicht nach, konnten nicht denken. Wir begannen zu zucken, zu tanzen – willenlos umher springen. Die Straßen bebten. Die Häuser zitterten. Es wurde dunkel (irgendwo auf der Welt wurde es jetzt hell), und wir tanzten noch. Der Asphalt sprang unter unseren Füßen, der Putz bröckelte von den Wänden und wir tanzten noch. Als die Sonne den Himmel im Osten rot färbte, tanzten wir noch, tanzten sie in ihren Zenit, tanzten und tanzten drei Tage und drei Nächte. Wir sahen die Städte um uns herum zusammenbrechen und tanzten weiter. Wir sahen die Menschen um uns herum zusammenbrechen und tanzten weiter und tanzten und tanzten, bis unsere eigenen Beine nachgaben.
Am vierten Morgen verstummten Sie. Lösten sich in Luft auf. Wir erwachten – diejenigen von uns, die noch erwachen konnten. Wie aus einem Rausch, noch halb berauscht, noch viel zu beeindruckt, erwachten wir und sahen die Welt in Trümmern liegen, die ganze Menschliche Zivilisation zu Staub zertanzt, sahen diejenigen, die nicht mehr tanzen konnten, tot am Boden liegen. Ausgesiebt. Das alles sahen wir, mit erschöpften Augen, hörten die Fliegen über den Leichen kreisen und konnten doch nicht traurig sein.
Wir setzten uns in Parks, auf Wiesen oder Felder. In kleinen Gruppen. Fremde mit Fremden schlossen sich zusammen und teilten – die Einkäufe die sie dabei gehabten hatten, als es passierte – brachen Brot und Äpfel. Wir teilten was wir hatten und was uns verband, und lachten über die Welt, wie sie vorher gewesen war.
Challenge: Fantasy/Mystery - Apokalypse (für mich)
Fandom: Original
Wörter: 425
Kommentar: Weltuntergang, ein bisschen anders. Ich fürchte, das sind noch Nachwehen des Fusion-Wochenendes...
Es war ein Dienstag, als Sie kamen. Aus dem Boden tauchten Sie auf, wuchsen aus den Rissen im Asphalt hervor wie Blumen, mit schimmernd transparenten Körpern und leuchtend blauen Augen.
Manche von uns hielten Sie für einen Scherz, für Kunst, für Werbung, aber dann hörten wir aus dem Radio, dass Sie nicht nur auf unserer Straße – nicht nur in unserer Stadt, unserem Land, nicht nur auf diesem Kontinent aufgetaucht waren. Auf der ganzen Welt sprossen Sie aus dem Erdboden hervor. Schimmernd und unwirklich. Eisköniginnen-Schön. Außerirdische nannten die einen Sie, Engel die anderen, Dämonen die dritten. Das Jüngste Gericht, sagten manche.
Für eine Zeit standen Sie einfach da. Standen still und stumm und schauten uns an. Mit Ihren blau-leuchtenden Augen schauten sie tief in uns hinein.
Dann begannen sie zu singen. Ihr Gesang begann sehr leise. Man hörte ihn gar nicht, zu Anfang, nicht bewusst, merkte nur, dass etwas anders war, anders klang, doch allmählich wurden sie lauter und lauter, ihre Stimmen fächerten sich auf, ließen eine breite Mehrstimmigkeit wachsen.
Es war das Schönste, das wir jemals gehört hatte. Das Überwältigenste. Wir dachten nicht nach, konnten nicht denken. Wir begannen zu zucken, zu tanzen – willenlos umher springen. Die Straßen bebten. Die Häuser zitterten. Es wurde dunkel (irgendwo auf der Welt wurde es jetzt hell), und wir tanzten noch. Der Asphalt sprang unter unseren Füßen, der Putz bröckelte von den Wänden und wir tanzten noch. Als die Sonne den Himmel im Osten rot färbte, tanzten wir noch, tanzten sie in ihren Zenit, tanzten und tanzten drei Tage und drei Nächte. Wir sahen die Städte um uns herum zusammenbrechen und tanzten weiter. Wir sahen die Menschen um uns herum zusammenbrechen und tanzten weiter und tanzten und tanzten, bis unsere eigenen Beine nachgaben.
Am vierten Morgen verstummten Sie. Lösten sich in Luft auf. Wir erwachten – diejenigen von uns, die noch erwachen konnten. Wie aus einem Rausch, noch halb berauscht, noch viel zu beeindruckt, erwachten wir und sahen die Welt in Trümmern liegen, die ganze Menschliche Zivilisation zu Staub zertanzt, sahen diejenigen, die nicht mehr tanzen konnten, tot am Boden liegen. Ausgesiebt. Das alles sahen wir, mit erschöpften Augen, hörten die Fliegen über den Leichen kreisen und konnten doch nicht traurig sein.
Wir setzten uns in Parks, auf Wiesen oder Felder. In kleinen Gruppen. Fremde mit Fremden schlossen sich zusammen und teilten – die Einkäufe die sie dabei gehabten hatten, als es passierte – brachen Brot und Äpfel. Wir teilten was wir hatten und was uns verband, und lachten über die Welt, wie sie vorher gewesen war.
no subject
Date: 2012-07-02 03:47 pm (UTC)no subject
Date: 2012-07-02 03:51 pm (UTC)no subject
Date: 2012-07-02 05:52 pm (UTC)So etwas ist ja genau nach meinem Geschmack (auch wenn ich zu pessimistisch bin für den Schluss), aber Gott ja, war das gut. So mitreißend und melodisch und bunt und laut.
Wunderschön
:D
no subject
Date: 2012-07-02 08:25 pm (UTC)Oh, das bin ich eigentlich auch. Wenn ich nicht die letzten drei Tage zwischen tanzenden Hippies verbracht hätte, wäre das sicherlich auch ganz anders ausgegangen ;)
no subject
Date: 2012-07-02 06:29 pm (UTC)Ein beeindruckender Text.
Wirklich toll umgesetzt.
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Date: 2012-07-02 08:25 pm (UTC)no subject
Date: 2012-07-03 05:39 pm (UTC)Na egal, wie man es auch nennt - die Geschichte hatte es irgendwie unter meine Haut geschafft und verursacht nun eine ganz prickelnde Gänsehaut.
Wunderbar. Absolut herrlich *__*
no subject
Date: 2012-07-03 10:32 pm (UTC)Freut mich, jedenfalls, wenn sie dir gefallen hat.
no subject
Date: 2012-07-04 10:24 pm (UTC)no subject
Date: 2012-07-05 10:00 am (UTC)