2. Fantasy - Mond (für's Team)
Jul. 2nd, 2012 01:05 amTeam: Dickinson
Challenge: Fantasy - Mond (für's Team)
Fandom: Original | Vinya Noré
Charaktere: Tyelperin Nim'Meril Saeleth Fainethiel ed i noss Aerin (ja, Elfennamen sind lang -_-)
Wörter: 927
Kommentar: Basierend auf meinem Nano-Setting vom letzten Jahr und dem Liverollenspiel-Elfenhintergrund, den ich mit meinem Freund geschrieben habe. Als kurze Erklärung: Eine Tyelperin ist die Herrscherin eines Elfenhauses, davon gibt es neun. Der Malantur ist ihr Heerführer, die Gesellschaft ist matriarchalisch mit durchlässigen Standesgrenzen. Eine Tyelperin ist im Normalfall sehr alt und sehr weise, aber es gibt zumindest eine, die keines von beidem ist. Da wir momentan noch viel an dem Hintergrund arbeiten, werden sich wohl einige Stories dazu am Ende hier finden und ich hoffe, es wird dann alles etwas klarer.
„Mylady? Wenn Ihr angekleidet seid, bittet der Malantur um eine Unterredung. Es geht um die Truppenentsendung an unsere Bündnispartner.“
„Herrin? Es ist eine Botin der Uilos eingetroffen. Sie erwartet Euch im großen Saal.“
„Hohe Hüterin? Es wurde ein Kranker in den Schrein gebracht und wir wissen nicht mehr weiter. Würdet Ihr ihn Euch ansehen?“
„Saeleth? Wir müssen die Selbiaten in ihre Schranken weisen. Die letzte Unterredung war eine einzige Brüskierung!“
Tausend Stimmen. Tausend Worte. Tausend Bitten und Fragen und keine einzige, die sie abweisen, die sie verschieben konnte. Weil jede Angelegenheit ihre Aufmerksamkeit verdiente. Weil jeder erwartete, dass sie sich seinen Belangen annahm. Weil sie die Höchste Hüterin, die Fürstin, die Mutter des Hauses, seine höchste Diplomatin war.
Weil sie sie war.
Und manchmal, wenn die Stimmen um sie herum schwiegen und die Silberne Festung in tiefem Schlummer lag, stand sie oben an den Zinnen und erinnerte sich.
An eine Zeit, in der die Zeichnung auf ihrer Stirn nicht das weiß einer Edlen gewesen war und keine Herrschaftslinie und kein Diadem von ihrem Stand gezeugt, sondern das violett der Frühjahresblumen ihre Farbe gewesen war. Eine Zeit, in der keine Entscheidung mehr von ihr erwartet wurde als die, welches Kleid für die hohe Herrin wohl angemessen war und eine Zeit, in der all ihre Aufmerksamkeit dem Wohlergehen derer gegolten hatte, deren Untergebene sie gewesen war.
Damals hatte sie ihre Heimatstadt geliebt. Damals hatte sie sich keinen schöneren Ort und kein schöneres Leben vorstellen können. Damals war alles einfach gewesen. Jetzt hasste sie es so manches Mal.
Und wusste zugleich, dass es falsch war. Dass sie aus einem Grund erwählt worden war für die hohen Ehren und Pflichten. Dass sie sich, ihr Haus, ihr Volk verriet mich jedem einzelnen Gedanken an ein früheres Leben.
Und wenn die Gedanken gar nicht mehr vergehen wollten, dann schlich sie sich hinaus. Im Schutze der Dunkelheit, gehüllt in einen einfachen Mantel und das letzte einfache Kleid, das sie vor den wachsamen Augen ihrer Zofe verborgen hatte. Allein, endlich allein, fort von den wachsamen Augen ihrer Diener und Zofen, Mägden und Leibwachen, die sie keinen unbeobachteten Schritt tun ließen. Im Gürtel der kurze Dolch, mit dem umzugehen sie schon als Kind gelernt hatte, und der Fächer, der ihr half, ihre Mächte zu entfesseln. Auf der kleinen Lichtung im dichten Wald nahe des Schreins, am Ufer des kleinen Teichs fühlte sie sich manchmal sicherer als hinter den dicksten Festungsmauern.
In dieser Nacht spiegelte sich der Vollmond besonders hell in der glatten, kühlen Wasseroberfläche. Ein Abbild der Höchsten der Hohen sollte sie sein, deren Zeichen eben dieser Mond war, den die Höchste einst geschaffen, mit dem sie einst die Nacht erhellt hatte. Und was war sie?
„Ein kleines, verängstigtes Kind, das in zu großen Kleidern tanzen möchte und sie sich dabei zerreißt.“ Wütend schlug sie auf die Wasseroberfläche. Das Zerrbild des Mondes in den unzähligen kleinen Wellen passte viel besser zu ihr.
Langsam ließ sie sich zurück in das weiche, feuchte Gras sinken und sah hinauf in den Himmel. Es war ihr, als spüre sie das Mondlicht auf ihrer Haut beinahe prickeln. Ja, in solchen Nächten war sie auf der Höhe ihrer Kraft. Ja, sie hätte nicht viel mehr als eine Handbewegung gebraucht, um die gesamte Lichtung in helles Licht zu tauchen oder durch einen Kreis vor allen Eindringlingen zu schützen. Aber was war das wert?
Und ehe sie sich versehen hatte, war sie eingeschlafen.
Selbst die Fäden der Traumwelt erschienen in solchen Nächten besonders dicht. Mondnächte, Machtnächte. Trotzdem bemerkte sie die Person – oder ihr Traumabbild – erst, als sie direkt neben ihr erschien.
„Mutter.“
„Mein Kind.“ Faineth legte ihrer Tochter eine Hand auf den Arm. „Warum liegst du hier draußen in der Kälte statt in deinem warmen Bett im Palast?“
„Ich…“, sie senkte den Blick und genoss für einen Augenblick einfach die Berührung. So wenige wagten es noch, sie anzufassen.
„Du denkst, du bist dem nicht gewachsen, hab ich recht?“ Kein Ärger, kein Vorwurf schwang in Faineths Stimme mit und sie hob überrascht den Kopf.
„Erwartest du, dass ich dir zürne deswegen? Aus welchem Grund? Glaubst du, ich wünsche eine stärkere Tochter? Eine Tyelperin von noch höherer Macht? Du weißt, dass du noch jung bist. Du weißt, dass du vielleicht Perfektion in einer, aber noch lange nicht in allen Künsten erlangt hast und dass du als Herrscherin des Hauses noch Rat brauchst. Das macht dich nicht schwach, das macht dir stark. Der hohe Rat und die hohe Königin haben dich aus einem Grund ausgewählt, Kind. Weil du genau das sehen kannst.“
Sie blinzelte. So hatte sie die Dinge noch nicht betrachtet. Ein jeder verlangte von ihr Stärke. Selbst ihr Gatte, der Malantur und erste Ritter ihres Hauses kritisierte sie für ihre Nachgiebigkeit. Aber auf diese Weise gesehen…
Sie wollte etwas antworten, ihrer Mutter danken, aber diese war verschwunden, die Traumwelt um sie herum löste sich auf und sie erwachte auf dem weichen Waldboden, der sich allerdings doch langsam unangenehm hart anfühlte. Sie rappelte sich auf. Wenn sie zurück sein wollte, bevor ihre Zofe erwachte, musste sie sich beeilen.
Weil sie es sehen konnte. Manchmal musste man die Dinge einfach aus einem anderen Blickwinkel betrachten.
„Selbstverständlich. Sag dem Malantur ich erwarte ihn in einer Stunde mit genauen Plänen.“
„Wie erfreulich. Unterhalte dich noch einen Augenblick mit ihr, Gaileth, ich stoße gleich zu euch.“
„Führt mich zu ihm. Ich werde sehen, was ich tun kann.“
„Es sind Menschen. Auch du musst dich ihnen gegenüber in Nachsicht üben. Sie wollten dich nicht brüskieren, sie sind es nicht anders gewohnt. Also grolle nicht, sondern bereite das nächste Treffen sorgfältiger vor.“
Challenge: Fantasy - Mond (für's Team)
Fandom: Original | Vinya Noré
Charaktere: Tyelperin Nim'Meril Saeleth Fainethiel ed i noss Aerin (ja, Elfennamen sind lang -_-)
Wörter: 927
Kommentar: Basierend auf meinem Nano-Setting vom letzten Jahr und dem Liverollenspiel-Elfenhintergrund, den ich mit meinem Freund geschrieben habe. Als kurze Erklärung: Eine Tyelperin ist die Herrscherin eines Elfenhauses, davon gibt es neun. Der Malantur ist ihr Heerführer, die Gesellschaft ist matriarchalisch mit durchlässigen Standesgrenzen. Eine Tyelperin ist im Normalfall sehr alt und sehr weise, aber es gibt zumindest eine, die keines von beidem ist. Da wir momentan noch viel an dem Hintergrund arbeiten, werden sich wohl einige Stories dazu am Ende hier finden und ich hoffe, es wird dann alles etwas klarer.
„Mylady? Wenn Ihr angekleidet seid, bittet der Malantur um eine Unterredung. Es geht um die Truppenentsendung an unsere Bündnispartner.“
„Herrin? Es ist eine Botin der Uilos eingetroffen. Sie erwartet Euch im großen Saal.“
„Hohe Hüterin? Es wurde ein Kranker in den Schrein gebracht und wir wissen nicht mehr weiter. Würdet Ihr ihn Euch ansehen?“
„Saeleth? Wir müssen die Selbiaten in ihre Schranken weisen. Die letzte Unterredung war eine einzige Brüskierung!“
Tausend Stimmen. Tausend Worte. Tausend Bitten und Fragen und keine einzige, die sie abweisen, die sie verschieben konnte. Weil jede Angelegenheit ihre Aufmerksamkeit verdiente. Weil jeder erwartete, dass sie sich seinen Belangen annahm. Weil sie die Höchste Hüterin, die Fürstin, die Mutter des Hauses, seine höchste Diplomatin war.
Weil sie sie war.
Und manchmal, wenn die Stimmen um sie herum schwiegen und die Silberne Festung in tiefem Schlummer lag, stand sie oben an den Zinnen und erinnerte sich.
An eine Zeit, in der die Zeichnung auf ihrer Stirn nicht das weiß einer Edlen gewesen war und keine Herrschaftslinie und kein Diadem von ihrem Stand gezeugt, sondern das violett der Frühjahresblumen ihre Farbe gewesen war. Eine Zeit, in der keine Entscheidung mehr von ihr erwartet wurde als die, welches Kleid für die hohe Herrin wohl angemessen war und eine Zeit, in der all ihre Aufmerksamkeit dem Wohlergehen derer gegolten hatte, deren Untergebene sie gewesen war.
Damals hatte sie ihre Heimatstadt geliebt. Damals hatte sie sich keinen schöneren Ort und kein schöneres Leben vorstellen können. Damals war alles einfach gewesen. Jetzt hasste sie es so manches Mal.
Und wusste zugleich, dass es falsch war. Dass sie aus einem Grund erwählt worden war für die hohen Ehren und Pflichten. Dass sie sich, ihr Haus, ihr Volk verriet mich jedem einzelnen Gedanken an ein früheres Leben.
Und wenn die Gedanken gar nicht mehr vergehen wollten, dann schlich sie sich hinaus. Im Schutze der Dunkelheit, gehüllt in einen einfachen Mantel und das letzte einfache Kleid, das sie vor den wachsamen Augen ihrer Zofe verborgen hatte. Allein, endlich allein, fort von den wachsamen Augen ihrer Diener und Zofen, Mägden und Leibwachen, die sie keinen unbeobachteten Schritt tun ließen. Im Gürtel der kurze Dolch, mit dem umzugehen sie schon als Kind gelernt hatte, und der Fächer, der ihr half, ihre Mächte zu entfesseln. Auf der kleinen Lichtung im dichten Wald nahe des Schreins, am Ufer des kleinen Teichs fühlte sie sich manchmal sicherer als hinter den dicksten Festungsmauern.
In dieser Nacht spiegelte sich der Vollmond besonders hell in der glatten, kühlen Wasseroberfläche. Ein Abbild der Höchsten der Hohen sollte sie sein, deren Zeichen eben dieser Mond war, den die Höchste einst geschaffen, mit dem sie einst die Nacht erhellt hatte. Und was war sie?
„Ein kleines, verängstigtes Kind, das in zu großen Kleidern tanzen möchte und sie sich dabei zerreißt.“ Wütend schlug sie auf die Wasseroberfläche. Das Zerrbild des Mondes in den unzähligen kleinen Wellen passte viel besser zu ihr.
Langsam ließ sie sich zurück in das weiche, feuchte Gras sinken und sah hinauf in den Himmel. Es war ihr, als spüre sie das Mondlicht auf ihrer Haut beinahe prickeln. Ja, in solchen Nächten war sie auf der Höhe ihrer Kraft. Ja, sie hätte nicht viel mehr als eine Handbewegung gebraucht, um die gesamte Lichtung in helles Licht zu tauchen oder durch einen Kreis vor allen Eindringlingen zu schützen. Aber was war das wert?
Und ehe sie sich versehen hatte, war sie eingeschlafen.
Selbst die Fäden der Traumwelt erschienen in solchen Nächten besonders dicht. Mondnächte, Machtnächte. Trotzdem bemerkte sie die Person – oder ihr Traumabbild – erst, als sie direkt neben ihr erschien.
„Mutter.“
„Mein Kind.“ Faineth legte ihrer Tochter eine Hand auf den Arm. „Warum liegst du hier draußen in der Kälte statt in deinem warmen Bett im Palast?“
„Ich…“, sie senkte den Blick und genoss für einen Augenblick einfach die Berührung. So wenige wagten es noch, sie anzufassen.
„Du denkst, du bist dem nicht gewachsen, hab ich recht?“ Kein Ärger, kein Vorwurf schwang in Faineths Stimme mit und sie hob überrascht den Kopf.
„Erwartest du, dass ich dir zürne deswegen? Aus welchem Grund? Glaubst du, ich wünsche eine stärkere Tochter? Eine Tyelperin von noch höherer Macht? Du weißt, dass du noch jung bist. Du weißt, dass du vielleicht Perfektion in einer, aber noch lange nicht in allen Künsten erlangt hast und dass du als Herrscherin des Hauses noch Rat brauchst. Das macht dich nicht schwach, das macht dir stark. Der hohe Rat und die hohe Königin haben dich aus einem Grund ausgewählt, Kind. Weil du genau das sehen kannst.“
Sie blinzelte. So hatte sie die Dinge noch nicht betrachtet. Ein jeder verlangte von ihr Stärke. Selbst ihr Gatte, der Malantur und erste Ritter ihres Hauses kritisierte sie für ihre Nachgiebigkeit. Aber auf diese Weise gesehen…
Sie wollte etwas antworten, ihrer Mutter danken, aber diese war verschwunden, die Traumwelt um sie herum löste sich auf und sie erwachte auf dem weichen Waldboden, der sich allerdings doch langsam unangenehm hart anfühlte. Sie rappelte sich auf. Wenn sie zurück sein wollte, bevor ihre Zofe erwachte, musste sie sich beeilen.
Weil sie es sehen konnte. Manchmal musste man die Dinge einfach aus einem anderen Blickwinkel betrachten.
„Selbstverständlich. Sag dem Malantur ich erwarte ihn in einer Stunde mit genauen Plänen.“
„Wie erfreulich. Unterhalte dich noch einen Augenblick mit ihr, Gaileth, ich stoße gleich zu euch.“
„Führt mich zu ihm. Ich werde sehen, was ich tun kann.“
„Es sind Menschen. Auch du musst dich ihnen gegenüber in Nachsicht üben. Sie wollten dich nicht brüskieren, sie sind es nicht anders gewohnt. Also grolle nicht, sondern bereite das nächste Treffen sorgfältiger vor.“
no subject
Date: 2012-07-02 03:09 pm (UTC)no subject
Date: 2012-07-02 06:18 pm (UTC)no subject
Date: 2012-07-02 05:58 pm (UTC)Nimm es also als das große Kompliment, das es ist, dass ich mich auf mehr freue. ♥
no subject
Date: 2012-07-02 06:17 pm (UTC)