[identity profile] somali77.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten

Team: Kaléko
Challenge: Romantik/Intimität- "Wortlos" (fürs Team)
Fandom: Durarara!
Pairing: Shinra/Celty
Warnings/Kommentar: Sie ist zwar nicht wirklich Corpse Bride, aber auch nicht weniger creepy. Es fehlen wichtige Körperteile. Aber wenn man jemanden wirklich liebt ist einem anscheinend sogar das, öhm... egal. :)
Wörter: 502



~

Der Schlüssel rasselte im Schloss und die Tür schwang auf. Shinra kam nach Hause.
Er stieg aus seinen Schuhen, legte die braune Ledertasche zur Seite und machte den ersten schweren Schritt in den Flur. Sein offener Arztkittel
hing knochenweiß an ihm hinunter. Die Wohnung war dunkel. Vor den großen Fenstern fiel ein ruhiger Regen auf die Stadt unter ihnen und malte
kleine, silberne Striche an die Scheiben. Alles war still, bis auf gedämpfte Stimmen aus dem bläulich leuchtenden Fernseher. Celty saß wie üblich
vor dem Flachbildschirm. Von seinem Standpunkt aus sah er dort hinter der Rückenlehne des Sofas die säuberlich glatte Stelle ihres Halses,
wo ihr Kopf sitzen sollte. Dort war nichts- nur Dunkelheit und friedliche, schwarze Rauchschwaden, die sich vor elektronischem Licht kräuselten.
Shinra atmete auf und spürte Erleichterung über sich schwappen.
Wenigstens sie war genau so wie immer.

Er schlich auf selbstgestrickten Wollsocken zum Sofa hinüber. Normalerweise rief er seine Begrüßung von der Haustür her oder bombadierte sie
vor dem Heimkommen mit SMS-... heute blieb ihm jedes Wort im Hals stecken. Er hoffte, dass sie verstand-... aber natürlich. Wenn sie ihn nicht
verstehen konnte, wer sonst?

Leise, mit gesenktem Kopf kam er zu ihr wie ein geprügelter Hund, beugte den Oberkörper, nahm ihre Hand um sie sich an die Lippen zu drücken-
tief einzuatmen- und sie zu küssen.
Er liebte ihre Hände. Und heute konnte er einfach nicht loslassen. Er küsste sie noch einmal und noch einmal-... den Handrücken, die Stelle am
Ansatz zwischen zwei Fingern. Er drehte ihre Hand behutsam um, drückte die Lippen verloren und innig auf die Handfläche-... da schloss sie
die Finger leicht. Mit dem Daumen streichelte sie seine Wange, berührte mit den Fingerkuppen sein Kinn und schob ihm die andere Hand in die
immer chaotischen, immer widerspenstigen Haare. Shinra schloss die Augen und schmolz darunter zusammen.

Er kletterte zu ihr, schob sich so zurecht, dass er sich auf dem Sofa ausstrecken konnte. Nur den Kopf legte er in ihren Schoß. Und sofort waren
die Hände bei ihm, ihre kühlen, weißen, vertrauten Hände. Sie kämmte mit den Fingern sein Haar, nahm ihm die Brille ab und betastete sein Gesicht,
als wolle sie sich jedes Detail genau einprägen. Vielleicht, dachte Shinra, berührte sie so gern seinen Kopf, weil sie selbst keinen hatte. Aber er gab ihn ihr gern.
Er vertraute ihr.

Als ihr Daumen seine Lippen streifte fing er ihre Hand ein, verschränkte die Finger und drückte- sie drückte sanft zurück.
Er gab ein leises Seufzen von sich. Draußen fiel stiller Regen, im Fernsehen lief eine Dokumentation über Asteroiden und Sternschnuppen.
Weltraumschrott. Shinra drehte sich weg davon, schlang seine Arme um Celtys Becken, kuschelte sich ganz nah zu seiner kopflosen
Partnerin und ließ sich von ihr in den Schlaf streicheln.

Wenn es auf dieser verrückten Welt einen Zustand von solchem Glück, solcher Dankbarkeit gab, dass er einen wehrlos und überwältigt zurück ließ-
das musste er sein. Shinra entspannte sich, ließ sich in gnädiges, morpheus´sches Vergessen fallen.

Die Stimme von ihr, die er niemals hören würde, hatte er noch nie vermisst.

~



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