Nichts in der Welt...
Jun. 1st, 2012 08:56 pmTitel: Nichts in der Welt... (geliehen von den Ärzten)
Challenge: Weinen
Fandom: The Mortal Instruments
Charaktere: Alec, Izzy, Church
Wörter: 1669
Warnung: Spoiler für City of Lost Souls! Wer das Buch nicht gelesen hat, lässt die Finger hiervon, es ist zu eurem eigenen Besten!
Alec war es inzwischen schon gewohnt, dass im Institut niemand zu schlafen schien, daher schenkte er dem Licht in der Bibliothek keine weitere Aufmerksamkeit, als er mitten in der Nacht nach Hause kam.
Die vergangenen Stunden waren wie im Nebel an ihm vorbeigegangen und er wusste nicht einmal mehr genau, was seine Gedanken im Moment beherrschen sollte. Magnus oder Maureen. Irgendwie beide. Und hinter allem lauerte Camille, die selbst in ihrem Tod noch für Unheil und Chaos gesorgt hatte.
Falls sie tot war. Er war zwar durcheinander, aber nicht so dämlich, dem Wort eines offenbar durchgedrehten, frischen Vampirs einfach so Glauben zu schenken. Camille war niemand, der sich so einfach töten ließ, dafür war sie zu durchtrieben. Das hatte er am eigenen Leib erfahren. Die Konsequenzen hatte er noch immer nich ganz verarbeitet. Es war so unwirklich.
Dass es so plötzlich vorbei war.
Er trat auf irgendetwas Weiches und gleich darauf fauchte dieses Weiche und bohrte scharfe Krallen in seine Jeans.
Und Churchs Krallen konnten verdammt wehtun!
Leise fluchend scheuchte er den Kater davon, der jetzt sicherlich mindesten eine Woche schmollen würde. Super. Noch jemand, der nichts mehr von ihm wissen wollte. Der Vorteil bei Katzen war allerdings, dass sie spätestens, wenn sie Hunger hatten oder gestreichelt werden wollten, ihren Groll vergaßen. Bei Magnus wäre das sicherlich nicht so einfach.
Irgendwo fauchte Church direkt nochmal und etwas polterte. Wie es schien, war gerade jemand ungerannt worden. Katzen mit schlechter Laune konnten wirklich kleine Monster sein. Gegen seinen Willen musste Alec etwas lächeln, aber dann erschien eine recht zerzauste Isabelle auf der Treppe, die einen recht beeindruckenden Kratzer an einem Stiefel hatte. „Dämliches Vieh! Man sollte meinen, er wäre netter zu denen, die ihn füttern!“, schimpfte sie, als sie Alec bemerkte.
„Naja, meistens füttere ich ihn“, merkte dieser an und sah sich direkt einem scharfen Blick ausgesetzt. Er hatte nicht bedacht, dass Izzy ihn etwas zu gut durchschauen konnte.
„Du schuldest mir immer noch eine Erklärung! Oder wenigstens eine Entschuldigung!“
Ach, er hatte noch was verbockt? Er konnte sich an nichts erinnern. „Ähm...“
„Du hättest es mir sagen sollen!“ Isabelle hatte ihn nun erreicht und baute sich vor ihm auf. Was dank der hohen Absätze und der Tatsache, dass sie eine Stufe über ihm stand auch wunderbar funktionierte.
„Das hätte doch nichts geändert.“
„Na und? Ich hätte für dich da sein können!“
Mussten sie das auf der Treppe ausdiskutieren? Er wollte nicht ausgerechnet hier die Nerven verlieren, weil sein Leben in den letzten Stunden vollkommen aus den Fugen geraten war. Und das gerade als das Drama um Jace beendet worden war. Gerade, als er seinen Parabatai zurückbekommen hatte. Das war doch alles nicht fair.
„Alec?“
Izzy schien aufgegangen zu sein, dass etwas gerade fundamental falsch war. Aber Alec hatte keine besonders große Lust, das zu würdigen, daher schob er sich an ihr vorbei und hatte sein Zimmer schon fast erreicht, als seiner Schwester endlich einfiel, ihm zu folgen. Aber anstatt ihn aufzuhalten und direkt zur Rede zu stellen, folgte sie ihm hinein und setzte sich auf sein Bett.
„Alec...“, sprach sie ihn leise an und es klang, als würde sie bereits ahnen, was passiert war. Gut möglich, er hatte in letzter Zeit nicht in einen Spiegel geschaut, daher wusste er natürlich nicht, in was für einer Verfassung er war. Wenn er aber auch nur halb so beschissen aussah, wie er sich fühlte, dann bräuchte es eine ganz enorme Ignoranz um nicht zu merken, dass es ihm... nicht... gut ging. Gar nicht gut.
Wie er es schaffte, sich neben Izzy auf die Matraze sinken zu lassen und nicht einfach auf dem Boden zu landen, wusste er hinterher nicht mehr so recht. Aber mit einem Mal hatte er das Gefühl, als wäre sämtliche Kraft aus seinem Körper gewichen. Alles, was ihn irgendwie dazu gebracht hatte sich weiter zu bewegen, war ganz plötzlich verschwunden.
Eigentlich wollte er sich nur noch die Bettdecke über den Kopf ziehen, die Welt vergessen und... heulen. Oder sowas in der Richtung, er war sich da noch nicht ganz sicher.
Er bemerkte erst, dass er seiner Schwester noch keine Erklärung gegeben hatte, als sie die Arme um ihn legte, und ihn an sich drückte. Zum Glück stellte sie keine weiteren Fragen, auch wenn sie sich wohl wirklich davon abhalten musste, ihn zu löchern. Schließlich hatte sie es nicht gerne, wenn jemand aus ihrer Familie unglücklich war und sie nicht wusste warum. Und sie nicht helfen konnte.
War sie wirklich die Jüngere von ihnen beiden?
„Ich hab alles kaputt gemacht...“, brachte er irgendwie heraus, ohne sich bewusst dazu entschieden zu haben. Seine Stimme klang merkwürdig erstickt, aber das kümmerte ihn nicht. Die Tragweite des ganzen Dramas brach mit einer ungeahnten Heftigkeit über ihm zusammen, dass er das Gefühl hatte, einfach zu ersticken.
„Was ist passiert?“, fragte sie leise und rechnete sicherlich schon mit dem Schlimmsten. Zu Recht, wie Alec fand. Aber er fand keine Worte. Es wäre so schnell ausgesprochen, so schnell... aber es reichte einfach nicht, um dem gerecht zu werden. Der furchtbaren Erkenntnis dessen, was passiert war. Dass er Magnus verloren hatte, weil er einen großen Fehler gemacht hatte.
Ausgesprochen, wäre es so banal... würde es so banal klingen. Und so endgültig.
Eine Endgültigkeit, die er einfach nicht akzeptieren wollte. Oder konnte.
Aber natürlich schuldete er seiner Schwester irgendeine Erklärung. Irgendetwas musste er sagen. „Es ist Schluss...“ Seine Stimme brach irgendwo im letzten Wort und er spürte, wie Isabelle sich versteifte. „Was?“
Als ob er das nochmal wiederholen würde.
Das wurde zum Glück aber auch gar nicht von ihm erwartet. „Wieso...?“ Völliges Unverständnis schwang in ihrer Stimme mit. „Ich dachte...“
Sie sprach nicht aus, was sie dachte. Alec hätte es auch gar nicht hören wollen. Es war so schon schlimm genug.
„Meine Schuld...“ Es tat weh, darüber zu reden, auch wenn er bei jedem Versuch nur Bruchstücke hervorbrachte.
„Glaub ich nicht.“ Izzy klang so selbstverständlich überzeugt, dass Alec es beinahe geglaubt hätte. „Du liebst ihn doch! Und er dich!“
Als ob das das Problem wäre. Irgendwann reichten Gefühle einfach nicht mehr. Aber diese rückhaltlose Unterstützung sorgte dafür, dass er es mit einer ganzen Menge Pausen und noch mehr Taschentüchern, die Izzy zwischendurch besorgte, schaffte, ihr zu erzählen, was passiert war.
Danach herrschte erst einmal Schweigen und er brachte einfach nicht den Mut auf, seine Schwester anzusehen oder nachzufragen, was sie von all dem hielt.
Das war auch nicht nötig, Izzy war niemand, der sich lange bitte ließ, wenn es darum ging, ihre Meinung kundzutun. Vor allem, wenn ein Familienmitglied ein Problem hatte. Ein gigantisches Problem.
„Es ist nicht deine Schuld...“, sagte sie schließlich und strich ihm in einer merkwürdig hilflosen Geste durch die Haare.
„Doch. Es ist... er hat...“
„Alec!“ So oft wie heute hatte sie seinen Namen schon lange nicht mehr gesagt. Sie hatte einen kleinen Abstand zwischen sie gebracht, sodass er sie ansehen konnte. Aber er konnte sich keinen Reim aus dem machen, was er in ihrem Gesicht sah. Mitgefühl? Wut? Eine Mischung aus beidem? Eigentlich interessierte es ihn nicht. „Reiß dich zusammen!“
Zusammenreißen? Verständnislos starrte er sie an. Die Person, die ihm am Meisten bedeutete, hatte Schluss gemacht. Magnus... er wollte nichts mehr von ihm wissen. Wie sollte er sich da zusammenreißen?
Das war vollkommen unmöglich!
„Hör mir zu!“ Izzys Hände waren zwar recht schmal, aber sehr kräftig, als sie sich um seine Schultern schlossen. Und sie schienen das einzige zu sein, was sich wirklich real anfühlte.
Ohne sich wirklich dafür zu interessieren, ob er zuhörte oder nicht, fuhr sie fort: „Er liebt dich noch! Das hat er dir doch selbst gesagt!“
Alec nickte bestätigend, seiner Stimme traute er nun nicht mehr über den Weg.
„Na also. Es gibt bestimmt noch eine Chance... Ganz bestimmt...“ Dann machte sie ein schnaubendes Geräusch, das so gar nicht zu ihr passen wollte. „Er macht es sich gerade ja auch wunderbar einfach.“
„Was?“ Was reimte Izzy sich da schon wieder zusammen?
„Er ist ein Idiot. Wegen sowas einfach Schluss zu machen.“
Sonst gings ihr gut? Hatte sie überhaupt zugehört? Offenbar nicht.
„Izzy, ich...“
„Keine Widerrede! Er liebt dich, du liebst ihn! Das sollte doch nicht so schwer sein.“
„Sagt die, die es mit Simon nicht auf die Reihe bekommt.“ Sie stellte sich schließlich auch nicht so grandios an.
„Das ist etwas ganz anderes! Wir sind nicht zusammen...“
„Und genau das ist das Problem.“ Hielt sie ihn für blind? Oder dämlich?
„Hör auf, abzulenken. Es geht hier nicht um Simon und mich.“
Ja. Schade eigentlich. Izzys persönliches kleines Liebesdrama wäre eine willkommene Abwechslung zu seinem Super-GAU.
„Ich mach uns eben was zu essen, du beruhigst dich solange und dann reden wir. Klar?“
„Ähm...“ Die ehrliche Antwort wäre Nein gewesen, aberr Izzy wäre nicht Izzy, wenn sie ihn nicht noch mal umarmen würde, bevor sie rausging.
Alec blieb nichts anderes, als ihr hinterherzustarren. Was zur Hölle...
Entweder schmollte sie, weil er das heikle Thema namens Simon angesprochen hatte oder musste selbst erstmal nach Argumenten suchen, mit denen sie ihn meinte, aufheitern zu müssen. Wenns nach ihm ging, konnte sie es gerne lassen, auch wenn er sich mit einem Mal schon recht einsam fühlte.
Total geschafft ließ Alec sich endgültig auf das Bett fallen. Sich die Decke über den Kopf zu ziehen und zu heulen wäre jetzt jedenfalls umsetzbar. Nachdem er die Tür abgeschlossen hatte, natürlich. Allerdings bestünde dann die Gefahr, dass Izzy dann mit einer Streitaxt vor eben dieser stehen würde, er traute es ihr jedenfalls zu.
Plötzlich landete etwas nebem ihm auf dem Bett und eine schnuppernde Nase kitzelte sein Ohr. Als er den Kopf drehte, sah er natürlich Church, der noch etwas ratlos mit dem Schwanz zuckte, dann über ihn hinwegsprang, dann ein paar Mal auf ihm hin und her spazierte, bis er eine Stelle auf seinem Bauch gefunden hatte, die ihm zusagte. Dort ließ er sich einfach hinplumpsen und begann zu schnurren.
Challenge: Weinen
Fandom: The Mortal Instruments
Charaktere: Alec, Izzy, Church
Wörter: 1669
Warnung: Spoiler für City of Lost Souls! Wer das Buch nicht gelesen hat, lässt die Finger hiervon, es ist zu eurem eigenen Besten!
Alec war es inzwischen schon gewohnt, dass im Institut niemand zu schlafen schien, daher schenkte er dem Licht in der Bibliothek keine weitere Aufmerksamkeit, als er mitten in der Nacht nach Hause kam.
Die vergangenen Stunden waren wie im Nebel an ihm vorbeigegangen und er wusste nicht einmal mehr genau, was seine Gedanken im Moment beherrschen sollte. Magnus oder Maureen. Irgendwie beide. Und hinter allem lauerte Camille, die selbst in ihrem Tod noch für Unheil und Chaos gesorgt hatte.
Falls sie tot war. Er war zwar durcheinander, aber nicht so dämlich, dem Wort eines offenbar durchgedrehten, frischen Vampirs einfach so Glauben zu schenken. Camille war niemand, der sich so einfach töten ließ, dafür war sie zu durchtrieben. Das hatte er am eigenen Leib erfahren. Die Konsequenzen hatte er noch immer nich ganz verarbeitet. Es war so unwirklich.
Dass es so plötzlich vorbei war.
Er trat auf irgendetwas Weiches und gleich darauf fauchte dieses Weiche und bohrte scharfe Krallen in seine Jeans.
Und Churchs Krallen konnten verdammt wehtun!
Leise fluchend scheuchte er den Kater davon, der jetzt sicherlich mindesten eine Woche schmollen würde. Super. Noch jemand, der nichts mehr von ihm wissen wollte. Der Vorteil bei Katzen war allerdings, dass sie spätestens, wenn sie Hunger hatten oder gestreichelt werden wollten, ihren Groll vergaßen. Bei Magnus wäre das sicherlich nicht so einfach.
Irgendwo fauchte Church direkt nochmal und etwas polterte. Wie es schien, war gerade jemand ungerannt worden. Katzen mit schlechter Laune konnten wirklich kleine Monster sein. Gegen seinen Willen musste Alec etwas lächeln, aber dann erschien eine recht zerzauste Isabelle auf der Treppe, die einen recht beeindruckenden Kratzer an einem Stiefel hatte. „Dämliches Vieh! Man sollte meinen, er wäre netter zu denen, die ihn füttern!“, schimpfte sie, als sie Alec bemerkte.
„Naja, meistens füttere ich ihn“, merkte dieser an und sah sich direkt einem scharfen Blick ausgesetzt. Er hatte nicht bedacht, dass Izzy ihn etwas zu gut durchschauen konnte.
„Du schuldest mir immer noch eine Erklärung! Oder wenigstens eine Entschuldigung!“
Ach, er hatte noch was verbockt? Er konnte sich an nichts erinnern. „Ähm...“
„Du hättest es mir sagen sollen!“ Isabelle hatte ihn nun erreicht und baute sich vor ihm auf. Was dank der hohen Absätze und der Tatsache, dass sie eine Stufe über ihm stand auch wunderbar funktionierte.
„Das hätte doch nichts geändert.“
„Na und? Ich hätte für dich da sein können!“
Mussten sie das auf der Treppe ausdiskutieren? Er wollte nicht ausgerechnet hier die Nerven verlieren, weil sein Leben in den letzten Stunden vollkommen aus den Fugen geraten war. Und das gerade als das Drama um Jace beendet worden war. Gerade, als er seinen Parabatai zurückbekommen hatte. Das war doch alles nicht fair.
„Alec?“
Izzy schien aufgegangen zu sein, dass etwas gerade fundamental falsch war. Aber Alec hatte keine besonders große Lust, das zu würdigen, daher schob er sich an ihr vorbei und hatte sein Zimmer schon fast erreicht, als seiner Schwester endlich einfiel, ihm zu folgen. Aber anstatt ihn aufzuhalten und direkt zur Rede zu stellen, folgte sie ihm hinein und setzte sich auf sein Bett.
„Alec...“, sprach sie ihn leise an und es klang, als würde sie bereits ahnen, was passiert war. Gut möglich, er hatte in letzter Zeit nicht in einen Spiegel geschaut, daher wusste er natürlich nicht, in was für einer Verfassung er war. Wenn er aber auch nur halb so beschissen aussah, wie er sich fühlte, dann bräuchte es eine ganz enorme Ignoranz um nicht zu merken, dass es ihm... nicht... gut ging. Gar nicht gut.
Wie er es schaffte, sich neben Izzy auf die Matraze sinken zu lassen und nicht einfach auf dem Boden zu landen, wusste er hinterher nicht mehr so recht. Aber mit einem Mal hatte er das Gefühl, als wäre sämtliche Kraft aus seinem Körper gewichen. Alles, was ihn irgendwie dazu gebracht hatte sich weiter zu bewegen, war ganz plötzlich verschwunden.
Eigentlich wollte er sich nur noch die Bettdecke über den Kopf ziehen, die Welt vergessen und... heulen. Oder sowas in der Richtung, er war sich da noch nicht ganz sicher.
Er bemerkte erst, dass er seiner Schwester noch keine Erklärung gegeben hatte, als sie die Arme um ihn legte, und ihn an sich drückte. Zum Glück stellte sie keine weiteren Fragen, auch wenn sie sich wohl wirklich davon abhalten musste, ihn zu löchern. Schließlich hatte sie es nicht gerne, wenn jemand aus ihrer Familie unglücklich war und sie nicht wusste warum. Und sie nicht helfen konnte.
War sie wirklich die Jüngere von ihnen beiden?
„Ich hab alles kaputt gemacht...“, brachte er irgendwie heraus, ohne sich bewusst dazu entschieden zu haben. Seine Stimme klang merkwürdig erstickt, aber das kümmerte ihn nicht. Die Tragweite des ganzen Dramas brach mit einer ungeahnten Heftigkeit über ihm zusammen, dass er das Gefühl hatte, einfach zu ersticken.
„Was ist passiert?“, fragte sie leise und rechnete sicherlich schon mit dem Schlimmsten. Zu Recht, wie Alec fand. Aber er fand keine Worte. Es wäre so schnell ausgesprochen, so schnell... aber es reichte einfach nicht, um dem gerecht zu werden. Der furchtbaren Erkenntnis dessen, was passiert war. Dass er Magnus verloren hatte, weil er einen großen Fehler gemacht hatte.
Ausgesprochen, wäre es so banal... würde es so banal klingen. Und so endgültig.
Eine Endgültigkeit, die er einfach nicht akzeptieren wollte. Oder konnte.
Aber natürlich schuldete er seiner Schwester irgendeine Erklärung. Irgendetwas musste er sagen. „Es ist Schluss...“ Seine Stimme brach irgendwo im letzten Wort und er spürte, wie Isabelle sich versteifte. „Was?“
Als ob er das nochmal wiederholen würde.
Das wurde zum Glück aber auch gar nicht von ihm erwartet. „Wieso...?“ Völliges Unverständnis schwang in ihrer Stimme mit. „Ich dachte...“
Sie sprach nicht aus, was sie dachte. Alec hätte es auch gar nicht hören wollen. Es war so schon schlimm genug.
„Meine Schuld...“ Es tat weh, darüber zu reden, auch wenn er bei jedem Versuch nur Bruchstücke hervorbrachte.
„Glaub ich nicht.“ Izzy klang so selbstverständlich überzeugt, dass Alec es beinahe geglaubt hätte. „Du liebst ihn doch! Und er dich!“
Als ob das das Problem wäre. Irgendwann reichten Gefühle einfach nicht mehr. Aber diese rückhaltlose Unterstützung sorgte dafür, dass er es mit einer ganzen Menge Pausen und noch mehr Taschentüchern, die Izzy zwischendurch besorgte, schaffte, ihr zu erzählen, was passiert war.
Danach herrschte erst einmal Schweigen und er brachte einfach nicht den Mut auf, seine Schwester anzusehen oder nachzufragen, was sie von all dem hielt.
Das war auch nicht nötig, Izzy war niemand, der sich lange bitte ließ, wenn es darum ging, ihre Meinung kundzutun. Vor allem, wenn ein Familienmitglied ein Problem hatte. Ein gigantisches Problem.
„Es ist nicht deine Schuld...“, sagte sie schließlich und strich ihm in einer merkwürdig hilflosen Geste durch die Haare.
„Doch. Es ist... er hat...“
„Alec!“ So oft wie heute hatte sie seinen Namen schon lange nicht mehr gesagt. Sie hatte einen kleinen Abstand zwischen sie gebracht, sodass er sie ansehen konnte. Aber er konnte sich keinen Reim aus dem machen, was er in ihrem Gesicht sah. Mitgefühl? Wut? Eine Mischung aus beidem? Eigentlich interessierte es ihn nicht. „Reiß dich zusammen!“
Zusammenreißen? Verständnislos starrte er sie an. Die Person, die ihm am Meisten bedeutete, hatte Schluss gemacht. Magnus... er wollte nichts mehr von ihm wissen. Wie sollte er sich da zusammenreißen?
Das war vollkommen unmöglich!
„Hör mir zu!“ Izzys Hände waren zwar recht schmal, aber sehr kräftig, als sie sich um seine Schultern schlossen. Und sie schienen das einzige zu sein, was sich wirklich real anfühlte.
Ohne sich wirklich dafür zu interessieren, ob er zuhörte oder nicht, fuhr sie fort: „Er liebt dich noch! Das hat er dir doch selbst gesagt!“
Alec nickte bestätigend, seiner Stimme traute er nun nicht mehr über den Weg.
„Na also. Es gibt bestimmt noch eine Chance... Ganz bestimmt...“ Dann machte sie ein schnaubendes Geräusch, das so gar nicht zu ihr passen wollte. „Er macht es sich gerade ja auch wunderbar einfach.“
„Was?“ Was reimte Izzy sich da schon wieder zusammen?
„Er ist ein Idiot. Wegen sowas einfach Schluss zu machen.“
Sonst gings ihr gut? Hatte sie überhaupt zugehört? Offenbar nicht.
„Izzy, ich...“
„Keine Widerrede! Er liebt dich, du liebst ihn! Das sollte doch nicht so schwer sein.“
„Sagt die, die es mit Simon nicht auf die Reihe bekommt.“ Sie stellte sich schließlich auch nicht so grandios an.
„Das ist etwas ganz anderes! Wir sind nicht zusammen...“
„Und genau das ist das Problem.“ Hielt sie ihn für blind? Oder dämlich?
„Hör auf, abzulenken. Es geht hier nicht um Simon und mich.“
Ja. Schade eigentlich. Izzys persönliches kleines Liebesdrama wäre eine willkommene Abwechslung zu seinem Super-GAU.
„Ich mach uns eben was zu essen, du beruhigst dich solange und dann reden wir. Klar?“
„Ähm...“ Die ehrliche Antwort wäre Nein gewesen, aberr Izzy wäre nicht Izzy, wenn sie ihn nicht noch mal umarmen würde, bevor sie rausging.
Alec blieb nichts anderes, als ihr hinterherzustarren. Was zur Hölle...
Entweder schmollte sie, weil er das heikle Thema namens Simon angesprochen hatte oder musste selbst erstmal nach Argumenten suchen, mit denen sie ihn meinte, aufheitern zu müssen. Wenns nach ihm ging, konnte sie es gerne lassen, auch wenn er sich mit einem Mal schon recht einsam fühlte.
Total geschafft ließ Alec sich endgültig auf das Bett fallen. Sich die Decke über den Kopf zu ziehen und zu heulen wäre jetzt jedenfalls umsetzbar. Nachdem er die Tür abgeschlossen hatte, natürlich. Allerdings bestünde dann die Gefahr, dass Izzy dann mit einer Streitaxt vor eben dieser stehen würde, er traute es ihr jedenfalls zu.
Plötzlich landete etwas nebem ihm auf dem Bett und eine schnuppernde Nase kitzelte sein Ohr. Als er den Kopf drehte, sah er natürlich Church, der noch etwas ratlos mit dem Schwanz zuckte, dann über ihn hinwegsprang, dann ein paar Mal auf ihm hin und her spazierte, bis er eine Stelle auf seinem Bauch gefunden hatte, die ihm zusagte. Dort ließ er sich einfach hinplumpsen und begann zu schnurren.
no subject
Date: 2012-06-01 07:24 pm (UTC)Siehst du, er hat ja doch ein Herz =D Und er ist der Held dieser Geschichte, jaja.
Isabelle hat übrigens sehr recht >_> Er macht es sich wirklich arg einfach. Aber muss sie deswegen gleich anfangen, zu kochen? ._.
no subject
Date: 2012-06-01 07:36 pm (UTC)no subject
Date: 2012-06-02 08:33 pm (UTC)Nicht nur du... eigentlich sollte man CoLS so lange einfach aus dem Gedächtnis verbannen können. XD
Danke! <3