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[personal profile] luinaldawen posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Original (Nocturne Whispers)
Charaktere: Faith und Aiden Harper
Challenge: Verfallsdatum
Anmerkung: Das Setting gehört nicht mir, sondern [livejournal.com profile] obscurita, ich leihe es mir nur kurz aus. <3 Faith ist mein Charakter aus dem gleichnamigen rpg.

„Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?“ Faith starrte ihren Bruder an. Sie wusste ja, dass er manchmal einen Knall hatte (vielleicht eine kleine Nachwirkung des Bisses damals, wer konnte das schon beurteilen) aber das hier war schon ganz besonders... dämlich.
„Die Hälfte der Leute hier hat das Verfallsdatum schon lange hinter sich!“ Das war ungewöhnlich zurückhaltend von ihr, wenn man bedachte, dass der Club, von dem Aiden ihr vorgeschwärmt hatte, schlimmer stank als die verdorbene Fleischlieferung, die das Restaurant in dem sie ihre Ausbildung machte, vor einer Weile erhalten hatte. Es war für sie schwer zu erklären, wonach es eigentlich stank.
Schon eine Weile totes Fleisch. Klar.
Aber da war noch eine Note, die ihr einfach alle Haare zu Berge stehen ließen und sie unbewusst die Zähne fletschen ließ.
Oh, wie sie Vampire hasste!
„Lass sie in Ruhe, dann lassen sie dich auch in Ruhe und du bekommst kein Hausverbot.“
„Na das ist ja nett“, knurrte sie, als sie ihrem Bruder an die Bar folgte. Dort stand... ein Vampir. Super.
Wenigstens ignorierte der ihren offenen Abscheu und sie erhielt ihren Wodka Lemon. Es war sicherlich keine gute Idee, sich hier zu betrinken, aber ein Glas hatte sie sich eindeutig verdient. Außerdem war Aiden dabei und ein paar seiner Freunde wollten auch noch kommen. Die würden eine Katastrophe sicherlich zu vermeiden wissen.
„Sag mal... Was ist eigentlich mit Peter?“
Hä? „Peter? Was soll mit dem sein?“ Peter war einer von Aidens Freunden, die nicht gerne zwischendurch mal die Gestalt wechselten. Und damit sowas von tabu für sie...
„Er steht total auf dich.“
„Ein Vorteil von ihm ist, er lebt noch.“ Sie schoss einen Blick auf die Vampirin ab, die gerade aufgetaucht war und sich weit über den Tresen lehnte, um den Barkeeper auf sich aufmerksam zu machen. „Aber ganz ehrlich: Ich will gerne, dass es so bleibt!“ Sie war ein Werwolf, verflucht nochmal! Und dazu noch einer mit einem unberechenbaren Temperament! Beim ersten Krach... sie wollte es sich nicht einmal vorstellen. Es kam zwar inzwischen seltener vor, dass sie sich unbeabsichtigt verwandelte, aber vollkommene Sicherheit gab es nie. Und ein Mensch... die starben so schnell. Die Gefahr, dass sie ihn verwandelte, hatte sie so tief in die hinterste Ecke ihres Oberstübchens verbannt, dass ihr das kaum mehr in den Sinn kam.
„Du bist in seiner Gegenwart immer sehr viel ruhiger als sonst“, merkte Aiden an. Wollte der sie ernsthaft davon überzeugen, Peter eine Chance zu geben? Ausgerechnet in einem Club voller Monster? Sie hätte ihn für klüger gehalten.
„Außerdem... du kannst es ihm ja sagen.“
„Ja. Natürlich. 'Hey Peter! Ich weiß, du bist total in mich verliebt, aber überleg es dir besser nochmal, ich bin nämlich ein Werwolf. Aiden übrigens auch, nur damit du es weißt.' Das wäre ein Freifahrtsschein in die nächste Klapse. Der Kerl studiert Psychologie!“ Für wie blöd hielt Aiden sie eigentlich?
„Ich weiß.“
Der hatte Nerven... leise knurrend drehte sie ihr Glas zwischen den Händen. Vielleicht sollte sie mal trinken... „Außerdem... ich werde Köchin!“
„Na und? Wo ist dein Problem? Hast du Angst, ihm nicht das Wasser reichen zu können?“
„Nein.“ Ja. Irgendwie schon. Sie wusste ja selbst, dass es lächerlich war. Immerhin verdiente sie schon ihr eigenes Geld, während Peter seiner Uni noch einen Haufen Kohle in den Rachen warf. Das war ein Grund, warum College nie für sie in Frage gekommen war. Sie konnte es sich nicht leisten und sah es außerdem nicht ein, sich zu verschulden. Außerdem reichte es wirklich, wenn man sich in der Schule den Kopf mit unnützen Wissen vollstopfte.
„Du machst es dir wirklich unnötig kompliziert. Du musst ihm ja auch nicht sofort unter die Nase binden, was du bist. Aber auf Dauer würde es natürlich schwer werden zu erklären, wohin du immer zu Vollmond verschwindest...“ Aiden schien ihre Sorgen nicht zu teilen, er grinste. Idiot.
Mit einer Grimasse nahm sie ihr Glas doch noch in die Hand und nahm einen großen Schluck.
„Und Peter ist am Herd doch eine totale Nullnummer, er lag dir doch schon für die Bolognese letztens zu Füßen.“
Das brachte Faith zum Grinsen. Aiden meinte das nicht im übertragenen Sinne, Peter war wirklich voller Bewunderung vor ihr auf die Knie gefallen. Tina hatte sie hinterher geneckt, dass nur noch der Ring gefehlt hatte.
„Das war doch noch gar nichts.“ Bolognese war wirklich eine ihrer leichtesten Übungen. Wieder drehte sie ihr Glas hin und her. Es war ja nicht so, als wäre Peter ihr gleichgültig. Im Gegenteil. „Ich denke drüber nach. Nicht mehr.“
Die wandelnde Leiche neben ihr verzog sich endlich und sie hatte gleich das Gefühl, etwas freier atmen zu können. Wie ertrugen die Vampire sich bloß selbst? Es wollte nicht in ihren Kopf. Und noch wichtiger: Wie ertrugen die beiden Spezies sich hier gegenseitig? Nicht nur hier, eigentlich. Aber wenn sie sich so umsah, war das Nocturne Whispers der Inbegriff des wackeligen Friedens zwischen Vampiren und Werwölfen. Eigentlich eine nette Idee... aber sie hätte es trotzdem vorgezogen, hätte Aiden sie irgendwohin geschleppt, wo es nicht so vermodert stank.
Wo blieb eigentlich der Rest?
„Wollten nicht noch Sabrina und Justin kommen?“ Jedenfalls hatte Aiden das gesagt, aber im Moment traute sie ihm auch zu, dass er gelogen hatte.
„Ja. Schon.“
„Aber?“ Wehe, die hatten abgesagt.
„Ich hab sie ne halbe Stunde später herbestellt.“
„Warum?“ Eigentlich kannte sie die Antwort. Sabrina gehörte zu den Werwölfen, die mit Vampiren relativ gut klarkamen. Und eine Oberzicke, die sich erst noch an dieses Friede-Freude-Eierkuchen hier gewöhnte, was nicht gerade etwas, was das sensible Mädchen mochte. „Vergiss es, ich kanns mir denken.“
„Dachte ich mir.“ Aiden legte einen Arm um sie und sein Geruch verdrängte den Gestank der Vampire erstmal. „Hey, ich bin auch nicht glücklich mit der ganzen Klientel hier. Aber siehs mal so: Hier müssen wir nicht verstecken, was wir sind. Und das wiegt für mich eine ganze Menge wieder auf.“
Natürlich hatte er Recht. Wie üblich.
„Es stinkt trotzdem.“ Trotzdem ließ sie sich das letzte Wort nicht nehmen.
Vergammeltes Fleisch roch sie da doch lieber bei der Arbeit.

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