Wichtel-FF für chija
Dec. 28th, 2011 09:55 pmFür:
chija
Fandom: Original
Kommentar: Diese Szene brach mit einem Mal so hervor und die Vorgeschichte und alle fügte sich wie von selbst zusammen. Ich hoffe es gefällt dir Wichtelkind :)
Das Rattern des Zuges hatte etwas beruhigendes. Seit sie die großen Städte hinter sich gelassen hatten hatte sich der Zug sichtlich geleert. Tim drehte den Kopf zur Seite und blickte aus dem Fenster. Draußen über den Feldern ging die Sonne unter.
Für andere hatte die Situation etwas romantisches, wunderbares. Das konnte Tim natürlich auch sehen. In seinem Kopf aber überlegte er wie er, wenn er jetzt dort draußen wäre, die Kamera aufstellen, welche Objektiv er nehmen und welche Einstellungen er wählen würde. Er hatte gerade die Kamera aus seinem Rucksack geholt als er unterbrochen wurde.
„Entschuldigung ist hier der Platz noch frei?“, fragte jemand und Tim brauchte einen Moment um zu begreifen, dass er gemeint war.
Er schaute den Mann an, der neben ihm stand – sie mussten etwa im selben Alter sein – und blickte sich dann bewusst demonstrativ im fast leeren Zug um.
„So wie im kompletten Abteil, ja.“, erklärte er schließlich, aber der andere schien den Ton gar nicht zu hören und setzte sich auf dem Viererplatz direkt gegenüber von Tim hin.
„Schöner Ausblick nicht wahr?“, fragte der andere. „Mein Name ist Jens übrigens.“, erklärte er mit einer Gelassenheit als wäre es selbstverständlich, dass sie sich nun die Fahrt über unterhalten würden. „Noch eine längere Fahrt vor dir? Dann werden wir wohl noch länger zusammen unterwegs sein.“
„Entschuldige bitte.. Jens war das, nicht wahr? Nimm es mir bitte nicht übel, aber ich habe nicht wirklich Interese an einer Unterhaltung. Wenn es dir darum geht, der Zug ist zwar fast leer, aber es findet sich bestimmt jemand, der sich über ein Gespräch mit dir freut.“
Jens schien von Tims Worten in keinster Weise beeinträchtigt zu sein. Stattdessen lächelte er sogar. „Das denkst du, ja? Das mag wohl wahr sein. Und wenn es mir um eine normale Unterhaltung gehen würde wäre das auch sicherlich der Fall.“
Tim wartete darauf, dass Jens mehr sagen würde, aber stattdessen schwieg dieser und betrachtete nun interessiert die Kamera, die Tim noch immer in der Hand hielt.
„Gute Kamera.“, sagte Jens, als hätte Tim gar nichts gesagt. „Etwas älteres Modell, aber macht gute Fotos.“
Tim schüttelte den Kopf, weil er das abstruse an der Situation nicht begreifen wollte. „Hör mal Kollege, ich kann es nur nochmal wiederholen, ich..“
„Du hast kein Interesse an einer Unterhaltung, das habe ich schon begriffen. Aber wenn ich dir sage, dass ich weiß, dass die Kamera deinem Vater gehört hat, dann wird sich das vielleicht ändern.“
Tim schwieg und da aus verschiedenen Gründen: Jens hatte Recht, die Kamera hatte seinem Vater gehört. Tim hatte sie vor zwei Jahren geerbt. Vorher hatte Tim nicht viel mit Fotografie am Hut gehabt und dann hatte er sich mit einem Male von dem Thema gefangen gefühlt. Es war aber nicht das Erstaunen darüber das Jens die Kamera erkannte.
Das Erkennen konnte nur eins bedeuten: Jens hatte Tims Vater gekannt. Und das konnte nichts gutes bedeuten. Tim wusste nicht genaues und er hatte sich bewusst von dem Thema fern gehalten, denn er hatte früh gelernt, dass sein Vater in Sachen involviert war von dem viele Leute auf der Straße noch nicht einmal etwas ahnten.
Wenn Jens – und Tim bezweifelte nun, dass das der richtige Name war – seinen Vater gekannt hatte konnte das nur bedeuten, dass Jens in diese Sachen ebenfalls involviert war. Und wenn er die Kamera wirklich kannte, dann musste er Tims Vater wirklich nahe stehen.
„Was willst du?“, fragte er nun ohne große Umschweife. „Ich bin nicht mein Vater und das sollte dir klar sein.“
Zu seiner Überraschung lachte Jens auf. „Junge, das ist mir klar. Von dir etwas wollen.. nein, das tue ich nun wirklich nicht. Aber es gibt Dinge, die du wissen solltest und Sachen, die du bekommen solltet. Ich bin nicht dieser Meinung, aber andere. Ich bin nur der Überbringer.“
„Warum sollte ich dir zuhören?“, fragte Tim. „Du bist ein Mensch, den ich nicht kenne.“
Jens stand auf. „Das ist wahr. Aber es gibt Geschäfte und es gibt Persönliches. Hierbei geht es um deinen Vater. Und vielleicht willst du Antworten.“
Er legte ein umgedrehtes Bild auf den Tisch und schob es Tim entgegen. „Aber vielleicht möchtest du auch ein paar Antworten finden. Falls du dich dazu entscheidest, steig an der nächsten Station aus.“
Jens verschwand und Tim zögerte nur einen Moment, bevor er das Foto aufnahm. Er erkannte sofort seinen Vater und im Hintergrund den Weihnachtsmarkt seiner Heimatstadt, sein Vater hielt einen Regenschirm hoch und neben seinem Vater erkannte er sich selbst. Er mochte vielleicht sieben oder acht Jahre alt sein, aber er konnte sich an diesen Moment nicht mehr erinnern und das obwohl Familienmomente für sie immer selten gewesen waren.
Aber was Tim an dem Bild fing war das Mädchen das neben ihm unter dem Schirm stand. Sie war vielleicht ein Jahr jünger als Tim, aber sie hatte eindeutig die gleichen Gesichtszüge. Wäre sie nicht eindeutig kleiner und jünger als Tim gewesen hätte man sie fast für Zwillinge halten können.
Aber Tim konnte sich nicht im geringsten an dieses Mädchen erinnern. Wer war sie? Woher kam dieses Foto?
Und von einer Sekunde auf die andere, während all diese Gedanken Tim durch den Kopf schossen, wusste er bereits, dass er sich entschieden hatte.
Als Tim ausstieg regnete es genau wie auf dem Foto, welches sich nun in einer Brusttasche befand.
Er stellte die Tasche neben sich auf dem Boden und wartete. Es würde schon alles von selber kommen.
Und tatsächlich dauerte es nur wenige Sekunden bis Jens neben ihm stand.
„Gute Entscheidung.“, war sein Kommentar. „Gib mir deine Tasche und lass uns gehen.“
Während sie zum Parkplatz liefen hatte Tim das Gefühl nie wieder zu dem Ort zurückzukehren der einmal sein Leben gewesen war.
„Sagst du mir nun deinen richtigen Namen?“, fragte Tim.
Jens grinste. „Irgendwann vielleicht Kleiner. Irgendwann wenn die Zeit so weit ist.“
„Ich bin gespannt.“, sagte Tim.
Sie wussten beide, das dieser Satz sich nicht nur auf den Namen bezog.
Fandom: Original
Kommentar: Diese Szene brach mit einem Mal so hervor und die Vorgeschichte und alle fügte sich wie von selbst zusammen. Ich hoffe es gefällt dir Wichtelkind :)
Das Rattern des Zuges hatte etwas beruhigendes. Seit sie die großen Städte hinter sich gelassen hatten hatte sich der Zug sichtlich geleert. Tim drehte den Kopf zur Seite und blickte aus dem Fenster. Draußen über den Feldern ging die Sonne unter.
Für andere hatte die Situation etwas romantisches, wunderbares. Das konnte Tim natürlich auch sehen. In seinem Kopf aber überlegte er wie er, wenn er jetzt dort draußen wäre, die Kamera aufstellen, welche Objektiv er nehmen und welche Einstellungen er wählen würde. Er hatte gerade die Kamera aus seinem Rucksack geholt als er unterbrochen wurde.
„Entschuldigung ist hier der Platz noch frei?“, fragte jemand und Tim brauchte einen Moment um zu begreifen, dass er gemeint war.
Er schaute den Mann an, der neben ihm stand – sie mussten etwa im selben Alter sein – und blickte sich dann bewusst demonstrativ im fast leeren Zug um.
„So wie im kompletten Abteil, ja.“, erklärte er schließlich, aber der andere schien den Ton gar nicht zu hören und setzte sich auf dem Viererplatz direkt gegenüber von Tim hin.
„Schöner Ausblick nicht wahr?“, fragte der andere. „Mein Name ist Jens übrigens.“, erklärte er mit einer Gelassenheit als wäre es selbstverständlich, dass sie sich nun die Fahrt über unterhalten würden. „Noch eine längere Fahrt vor dir? Dann werden wir wohl noch länger zusammen unterwegs sein.“
„Entschuldige bitte.. Jens war das, nicht wahr? Nimm es mir bitte nicht übel, aber ich habe nicht wirklich Interese an einer Unterhaltung. Wenn es dir darum geht, der Zug ist zwar fast leer, aber es findet sich bestimmt jemand, der sich über ein Gespräch mit dir freut.“
Jens schien von Tims Worten in keinster Weise beeinträchtigt zu sein. Stattdessen lächelte er sogar. „Das denkst du, ja? Das mag wohl wahr sein. Und wenn es mir um eine normale Unterhaltung gehen würde wäre das auch sicherlich der Fall.“
Tim wartete darauf, dass Jens mehr sagen würde, aber stattdessen schwieg dieser und betrachtete nun interessiert die Kamera, die Tim noch immer in der Hand hielt.
„Gute Kamera.“, sagte Jens, als hätte Tim gar nichts gesagt. „Etwas älteres Modell, aber macht gute Fotos.“
Tim schüttelte den Kopf, weil er das abstruse an der Situation nicht begreifen wollte. „Hör mal Kollege, ich kann es nur nochmal wiederholen, ich..“
„Du hast kein Interesse an einer Unterhaltung, das habe ich schon begriffen. Aber wenn ich dir sage, dass ich weiß, dass die Kamera deinem Vater gehört hat, dann wird sich das vielleicht ändern.“
Tim schwieg und da aus verschiedenen Gründen: Jens hatte Recht, die Kamera hatte seinem Vater gehört. Tim hatte sie vor zwei Jahren geerbt. Vorher hatte Tim nicht viel mit Fotografie am Hut gehabt und dann hatte er sich mit einem Male von dem Thema gefangen gefühlt. Es war aber nicht das Erstaunen darüber das Jens die Kamera erkannte.
Das Erkennen konnte nur eins bedeuten: Jens hatte Tims Vater gekannt. Und das konnte nichts gutes bedeuten. Tim wusste nicht genaues und er hatte sich bewusst von dem Thema fern gehalten, denn er hatte früh gelernt, dass sein Vater in Sachen involviert war von dem viele Leute auf der Straße noch nicht einmal etwas ahnten.
Wenn Jens – und Tim bezweifelte nun, dass das der richtige Name war – seinen Vater gekannt hatte konnte das nur bedeuten, dass Jens in diese Sachen ebenfalls involviert war. Und wenn er die Kamera wirklich kannte, dann musste er Tims Vater wirklich nahe stehen.
„Was willst du?“, fragte er nun ohne große Umschweife. „Ich bin nicht mein Vater und das sollte dir klar sein.“
Zu seiner Überraschung lachte Jens auf. „Junge, das ist mir klar. Von dir etwas wollen.. nein, das tue ich nun wirklich nicht. Aber es gibt Dinge, die du wissen solltest und Sachen, die du bekommen solltet. Ich bin nicht dieser Meinung, aber andere. Ich bin nur der Überbringer.“
„Warum sollte ich dir zuhören?“, fragte Tim. „Du bist ein Mensch, den ich nicht kenne.“
Jens stand auf. „Das ist wahr. Aber es gibt Geschäfte und es gibt Persönliches. Hierbei geht es um deinen Vater. Und vielleicht willst du Antworten.“
Er legte ein umgedrehtes Bild auf den Tisch und schob es Tim entgegen. „Aber vielleicht möchtest du auch ein paar Antworten finden. Falls du dich dazu entscheidest, steig an der nächsten Station aus.“
Jens verschwand und Tim zögerte nur einen Moment, bevor er das Foto aufnahm. Er erkannte sofort seinen Vater und im Hintergrund den Weihnachtsmarkt seiner Heimatstadt, sein Vater hielt einen Regenschirm hoch und neben seinem Vater erkannte er sich selbst. Er mochte vielleicht sieben oder acht Jahre alt sein, aber er konnte sich an diesen Moment nicht mehr erinnern und das obwohl Familienmomente für sie immer selten gewesen waren.
Aber was Tim an dem Bild fing war das Mädchen das neben ihm unter dem Schirm stand. Sie war vielleicht ein Jahr jünger als Tim, aber sie hatte eindeutig die gleichen Gesichtszüge. Wäre sie nicht eindeutig kleiner und jünger als Tim gewesen hätte man sie fast für Zwillinge halten können.
Aber Tim konnte sich nicht im geringsten an dieses Mädchen erinnern. Wer war sie? Woher kam dieses Foto?
Und von einer Sekunde auf die andere, während all diese Gedanken Tim durch den Kopf schossen, wusste er bereits, dass er sich entschieden hatte.
Als Tim ausstieg regnete es genau wie auf dem Foto, welches sich nun in einer Brusttasche befand.
Er stellte die Tasche neben sich auf dem Boden und wartete. Es würde schon alles von selber kommen.
Und tatsächlich dauerte es nur wenige Sekunden bis Jens neben ihm stand.
„Gute Entscheidung.“, war sein Kommentar. „Gib mir deine Tasche und lass uns gehen.“
Während sie zum Parkplatz liefen hatte Tim das Gefühl nie wieder zu dem Ort zurückzukehren der einmal sein Leben gewesen war.
„Sagst du mir nun deinen richtigen Namen?“, fragte Tim.
Jens grinste. „Irgendwann vielleicht Kleiner. Irgendwann wenn die Zeit so weit ist.“
„Ich bin gespannt.“, sagte Tim.
Sie wussten beide, das dieser Satz sich nicht nur auf den Namen bezog.
no subject
Date: 2011-12-29 12:49 am (UTC)Wirklich, gefällt mir sehr, dankeschön!