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Fandom: Original
Challenge: Franz Ferdinand - Michael
Words: 2039

Kommentar: Ich wünsche meinem Wichtelkind fröhliche Weihnachten und hoffe, dass ich damit den Geschmack gut getroffen hab. Es war wirklich spannend sich etwas zu diesen Challenges zu überlegen.



Do you know Michael?

"Was ist denn mit dir los, Ben?" Blaue Augen starrten besorgt in die des besten Freundes, der irgendwie verträumt bei Tisch lümmelte. Benedikt 'Ben' Hewitt war ein junger Mann Mitte zwanzig mit grünen Augen und braunen, leicht gekräuselten Haaren. Unter den großen T-Shirts, die Ben meistens trug, konnte man dessen schlanke, durchtrainierte Form nur erahnen.
Sein bester Freund, Conrad Pitchens hieß er, hatte hingegen strohblondes Haar und Augen so blau wie der Himmel. Conrad wünschte sich des Öfteren, dass er genauso gut gebaut war, wie sein guter Freund Ben, und fand darüber hinaus, dass sein bester Freund ruhig seinen Körper besser präsentieren konnte. Aber Ben interessierten solche Oberflächlichkeiten nicht. Gerade mal, wenn sie abends hin und wieder in einen Club gingen, konnte Conrad Ben dazu bringen, sich etwas Schickeres anzuziehen, als schlabbrige T-Shirts und locker sitzende Trainingshosen.

Natürlich lief Ben nicht immer in so legerer Kleidung herum. Wenn er beispielsweise zur Arbeit ging, dann trug er meist eine Jeans und eher neutrale T-Shirts oder Hemden. Ben arbeitete in einem Elektronikfachhandel als Verkäufer und behauptete zu Recht, dass er nicht besonders gut aussehen musste, wenn er zur Arbeit ging und sich dort in seine Uniform quälte.
Benedikt mochte die Arbeit nicht unbedingt, aber sie brachte Geld nach Hause und das war es nun einmal, was in der heutigen Zeit eine unverzichtbare Notwendigkeit war. Und weil er seinen Job - so dumm er ihn öfters als nicht fand - nicht verlieren wollte, versuchte er sich für seinen Arbeitsweg auch seriös zu kleiden. Immerhin könnte er ja erkannt werden.

"Kennst du Michael?", fragte Ben schließlich und setzte sich auf, wobei er sich auf seinem Stuhl zurücklehnte und Conrad mit einem Blick bedachte, der deutlich herausfordernd war. Ben kannte die Antwort seines besten Freundes bereits.
"Michael? Wer ist Michael?"
Ben seufzte. "Das wüsste ich auch gern."
Conrad schob sich geräuschvoll einen Stuhl zurecht und setzte sich mit einem neugierigen Blick auf seinen Freund ebenfalls zu Tisch. "Ich fürchte, du musst mich aufklären, Ben. Was ist gestern noch passiert, nachdem ich mit Niki weg bin?" Sie waren gestern in einem Club gewesen und normalerweise war Ben derjenige, der schon am frühen Abend wieder nach Hause fuhr.
Conrad wurde es nicht müde, seinen besten Freund immer wieder in solche Tanzlokale zu schleifen, obgleich er genau wusste, dass Ben sich dort nicht wohlfühlte.
Diesmal war es allerdings anders gewesen und hätte Conrad gewusst, dass er etwas verpasste, er hätte seine Freundin Nicole dazu überredet, doch noch etwas länger zu bleiben. Aber er war nur ein Mann und Niki hatte sehr gute Argumente gehabt, die Partygäste im Club allein zu lassen und sie lieber nach Hause zu bringen.
Er hatte sich also von Benedikt verabschiedet, der etwas niedergeschlagen an der Bar gesessen hatte und an seinem Cocktail schlürfte. Conrad hatte sich natürlich ein wenig Sorgen gemacht, aber Ben hatte ihm versichert, dass er nicht mehr zu lange bleiben würde, nur dass die Musik im Moment ganz passabel wäre und er noch in Ruhe seinen Drink genießen wolle.

Conrad hatte diesmal darauf verzichtet, Ben darauf hinzuweisen, dass er in einem Tanzclub war und nicht in einer Cocktailbar. Normalerweise diskutierte er ja mit seinem besten Freund gerne darüber und versuchte ihn wenigstens für einen oder zwei Lieder auf die Tanzfläche zu verbringen, aber Nicole war an diesen Abend scheinbar besonders scharf auf ihn gewesen, weshalb er Ben einfach Ben sein ließ.
"Nichts... na gut, fast nichts, aber es ist wirklich nicht der Rede wert", winkte Benedikt ab. Er hatte eigentlich keine große Lust mit Conrad die Ereignisse der letzten Nacht aufzurollen. Dazu war das alles auch viel zu frisch und nachdem Conrad Michael auch nicht kannte, konnte dieser ihm nicht helfen.
"Jetzt komm schon Ben. Wir sind schon wie lange befreundet? Zehn Jahre? Da werde ich es mir doch wohl verdient haben, dass du mir wenigstens ein klein wenig vertraust." Conrad war jetzt nur noch schärfer darauf, die Geschichte zu hören. "Erzähl mir von Michael."

Benedikt stieß ein Seufzen aus und schüttelte den Kopf. "Ich werde Michael sicher nicht wiedersehen, also ist es doch ganz unwichtig, was gestern Abend passiert ist. Abgesehen davon bezweifle ich, dass Michael mich wiedersehen will."
"Aber du bist ganz begeistert von ihm", schlussfolgerte Conrad und legte seinem Freund eine Hand auf die Schulter. "Ich glaube wirklich, du solltest mit der Sprache rausrücken, Ben. Sonst frisst es dich nur wieder auf und dann rennst du wochenlang mit einem Gesicht herum, als würde die Welt jeden Moment untergehen."
Ben zog die Augenbrauen zusammen und funkelte Conrad an. "Du hast ja keine Ahnung!"
"Stimmt, aber du bringst ja auch nie deinen Schnabel auf. Gott verdammt nochmal, Ben. Nur weil ich lieber meinen Schwanz in Muschis stecke, bedeutet das nicht, dass ich dir nicht auch helfen kann." Conrad fand Ben in diesem Punkt wirklich schwierig.
Ben verdrehte die Augen. "Oh - du bist ja so ein großer Experte, wenn es um homosexuelle Beziehungen geht."
"Das hab ich nicht gesagt, Ben. Zick hier jetzt nicht rum, ich versuche dir zu helfen. Vielleicht... finden wir diesen Michael ja. Du gibst immer viel zu schnell auf."
"Weil realistisch betrachtet, die Wahrscheinlichkeit, dass Michael ausgerechnet MICH will, irgendwo bei minus Null liegt. Tendenz fallend", brauste Ben auf und Conrad schüttelte nur den Kopf. Benedikt hatte sich ihm vor einigen Jahren anvertraut, dass er eher auf Männer stand. Es hatte ihn überrascht, weil er so etwas Ben eigentlich nicht zugetraut hatte, aber das hatte auch sehr effektiv erklärt, warum es nie funktioniert hatte, seinen besten Freund mit einem Mädel zu verkuppeln.
Seither hatte Conrad immer nur versucht, Benedikt unter Menschen zu bringen, dass er auch irgendwann einen Freund fand und nicht vor Einsamkeit verging. Bisher hatte das nicht funktioniert und wenn er Ben nun so zuhörte, konnte er sich fast zusammenreimen, wieso Ben noch nie einen Partner gehabt hatte.

"Etwas mehr Selbstvertrauen, wenn ich bitten darf. Und nun erzähl endlich, wer Michael ist und was gestern passiert ist", forderte Conrad nun etwas strenger und machte damit klar, dass er seinen besten Freund nicht mehr gehen lassen würde, ehe er alle Details kannte.
Am Blick, den Ben ihm zuwarf, konnte Conrad erkennen, dass sich sein bester Freund dessen bewusst war. Dennoch schwieg Benedikt und versuchte dann sogar noch einmal abzulenken, indem er Kaffee verlangte.
Conrad war so nett und brachte ihm eine Tasse mit der koffeinhaltigen, pechschwarzen Flüssigkeit und machte dann eine auffordernde Handbewegung. Er wollte diese Geschichte erfahren und umso mehr sich Ben dagegen sträubte, sie zu erzählen, desto interessanter wurde sie.
Irgendetwas Großes war gestern nach seinem Abgang passiert und es war schade, dass der Einzige, der davon wusste, sich so sträubte, mit der Sprache rauszurücken.
Benedikt nahm sich hingegen Zeit, den heißen Kaffee durch pusten etwas abzukühlen und vorsichtige Schlucke davon zu nehmen. Dann seufzte er.
"Nachdem du gestern weg warst, habe ich mir noch einen Cocktail bestellt. Ich war einfach zu faul schon nach Hause zu fahren und die Musik war gestern wirklich nicht so schlecht gewesen, wie sonst immer." Conrad hörte gespannt zu und ließ sich wieder auf seinen Stuhl sinken.
"Ich weiß nicht, wie lange ich der tanzenden Menge zugesehen habe, aber plötzlich hat mich von der Seite jemand angesprochen. Ich schätze, er war so in unserem Alter, vielleicht auch etwas Älter. Jedenfalls war er groß, hatte schwarze Haare und blaue Augen. Das allein ist ja schon eine ungewöhnliche Mischung, aber dazu kam noch, dass er Gothic-Klamotten trug. Er sah ein bisschen angsteinflößend aus und mein erster Gedanke war, dass der Typ sich im Club geirrt hatte. Tja - hat er nicht. Er hat mir erzählt, dass er mit einigen Freunden hier war, die sich alle jemanden gefunden hätten und er nun hier irgendwie alleine dastand."
Ben zuckte mit den Schultern. "Mir ging es nicht anders und als er mich gefragt hat, ob wir nicht tanzen wollten, habe ich ihm zugestimmt, ohne zu wissen, in was für eine Lage mich das bringen würde. Der Typ war ein unglaublicher Tänzer. So etwas hast du noch nie gesehen!" Als Benedikt die Szene rekapitulierte, entwischte ihm ein sehnsüchtiges Seufzen. "Er hat so heiß ausgesehen. Wenn es mir nicht zu peinlich gewesen wäre, ich hätte ihn sicher auf der Tanzfläche zu mehr überredet. Stattdessen habe ich einfach nur versucht, mit ihm mitzuhalten bis mir die Puste endgültig ausgegangen ist."
"Das klingt doch sehr gut. Wenn er mit dir getanzt hat, ist die Chance hoch, dass er auch so tickt wie du. Ich würde mir da nicht so viele Gedanken machen. Habt ihr Nummern ausgetauscht? Ich nehme an, sein Name ist Michael."
"Tjaaa... wer weiß?", erwiderte Ben und nahm einen weiteren Schluck von seinem Kaffee.
"Hast du ihn nicht nach dem Namen gefragt?", wurde Conrad skeptisch. Das war doch Bens Chance des Lebens gewesen und der blonde Mann wollte nicht glauben, dass sein bester Freund diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen ließ.
"Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Wir haben nach dem Tanzen noch etwas getrunken, um wieder zu Atem zu kommen und... das letzte, was ich weiß ist, dass ich ihn geküsst habe. Oder eher, ich habe ihm meine Zunge in seinen Rachen geschoben... das nächste woran ich mich erinnere ist dann, dass ich heute Morgen in meinem Bett erwacht bin und mir der Name Michael nicht mehr aus dem Kopf geht."

Zu Bens Verzweiflung begann Conrad lauthals zu lachen. Benedikt fand das ganz und gar nicht komisch und er wünschte sich, er könnte sich an mehr erinnern, aber da hatte er eindeutig zu viel getrunken gehabt.
"Furchtbar komisch... und so wahnsinnig hilfreich", meinte Ben schließlich eingeschnappt, als Conrad sich nicht und nicht beruhigen wollte. Der strich sich schließlich auch die Lachtränen aus seinen blauen Augen und klopfte seinem Freund auf die Schulter.
"Ich... bin überzeugt... davon", brachte er nach Luft schnappend hervor: "... dass du... alles richtig gemacht hast."
"Klar. Ich meine, das ist ja auch so reif einem völlig fremden, dessen Name man noch nicht einmal kennt, die Zunge in den Rachen zu schieben."
"Hey, du hast keine gebrochenen Knochen, keine blauen Flecken, keine Prellungen, gebrochenen Nasen oder sonst irgendwelche Blessuren. Also ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Typ nichts gegen den Kuss hatte. Oder die Tatsache, dass du auf Männer stehst."
Ben dachte über die Worte seines Freundes nach, der ihm auf die Schulter klopfte. "Lass den Kopf nicht hängen."
Benedikt seufzte auf. "Du hast leicht reden. Er sah wirklich toll aus. Eigentlich war er genau mein Typ, aber ich fürchte, ich habe mich gestern nicht unbedingt vorteilhaft verhalten. Aber wenn... wenn es wirklich noch eine Chance gibt, ihn wieder zu sehen, dann würde ich das nur zu gerne nutzen."
Conrad lächelte. "Viel Erfolg, Sportsfreund", meinte er und erhob sich, um Ben wieder alleine zu lassen. Genau in diesem Moment durchbrach eine schräge Klingelmelodie die Atmosphäre und die beiden Freunde sahen sich perplex an.
"Was ist? Das ist dein Handy, Ben", merkte Conrad an, als sich sein Freund nicht in Bewegung setzte. Er selbst würde sich nie so ein Lied als Klingelton einstellen.
"Und wer ist es?", fragte Conrad als Ben sich das Handy vom Fensterbrett geholt hatte, wo die allgemeine Ladestation für ihre Handys war. Immer noch hatte Benedikt den Anruf nicht angenommen und Conrad fragte sich, warum Ben zögerte.
"Was ist los, Ben?", versuchte Conrad seinen Freund aus seiner Starre zu reißen. Selbst das Klingeln verstummte bereits und Conrad war sich sicher, dass nun die Mailbox rangegangen war.
Mit heftigem Herzklopfen meinte Ben schließlich: "Auf dem Display stand Michael."

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