Fandom: Original
Genre: Übernatürliches vs. Alltag
Challenge: Die schamlose Selbstbefriedigung. Nachdem ich nun feststelle, dass es sehr blöd war mitten im November neu mit einem anderen Roman anzufangen und ich nun realistisch gesehen, keinen von beiden fertig bekommen werde, möchte ich wenigstens eine Szene posten.
Worum gehts? Marie ist eine fünfjährige Synästhetikerin, die die Stimme/Stimmung von Menschen schmecken kann. Wie jede gute Gabe hat das erst viel später einen Sinn - momentan ist es nur ein Fluch und führt u.a. zu einem Klinikaufenthalt. Während sie sich von Zeit zu Zeit durch grausame Märchenwelten irrt, versucht sie zurück in der Realität alles, um den Schein von Normalität aufrecht zu erhalten...
Kapitel 1 – Es war einmal…
[...] Marie liegt wach in ihrem Bett und wartet auf den Morgen. Sie will nicht wieder in den Kindergarten, nie wieder, aber das kann sie ihren Eltern nicht erzählen. Gestern hat sie ihren so genannten Freunden verraten, was sie schmeckt. Hexe ist ein Spitzname, den sie die nächsten Jahre nicht loswerden wird. Am Abend hat sie ihrem Teddybären versprochen es nie wieder auszusprechen. Die Tür ihres Zimmers öffnet sich und das sanfte Licht vom Flur fällt hinein. Ihre Mutter zieht die Vorhänge auf, bevor sie sich über ihr Bett beugt. Marie hat die Augen fest geschlossen, als würde sie schlafen. „Guten Morgen Sonnenschein“ hört sie, aber sie schmeckt es zäh und fest. Sie öffnet schlagartig den Mund, aus Angst ihre Zähne könnten ansonsten für immer zusammenkleben. Ihre Mutter ist längst wieder aus dem Zimmer verschwunden, während sie mit der Zunge über ihre Zähne fährt. Ihr Mund fühlt sich so voll an, ist aber komplett leer. Die Zähne fühlen sich ebenfalls normal an, jetzt muss nur noch der Geschmack nachlassen. Marie setzt sich langsam auf, wohl darauf bedacht, keine Gliedmassen hinunter hängen zu lassen. Dann holt sie tief Luft und schaut mit einer schnellen Bewegung unter ihr Bett. Keine Monster vorhanden. Sie atmet erleichtert aus. Die Drachenhausschuhe sind ihr schon ein wenig zu klein – immerhin ist sie bereits fünf Jahre alt und damit ein wirklich großes Mädchen – aber sie hängt so an ihnen. Im Nebenzimmer kann sie hören wie ihr kleiner Bruder sich gegen den Morgen wehrt. Er geht erst seit einigen Tagen zusammen mit ihr in den Kindergarten und mag es ganz und gar nicht. So wie er vieles nicht mag. Manchmal fragt sie sich, wie die Welt für ihn schmeckt, aber nur in den kurzen Momenten, bevor sie sich um ein Spielzeugauto streiten oder die Sesamstraße anfängt.
Marie steht auf dem kleinen Hocker im Badezimmer, auf dem sie groß genug ist, um sich im Spiegelbild zu sehen. Ihre Kinderzahnpasta schmeckt nach synthetischer Erdbeere. Sie drückt eine große Menge Zahnpasta auf die kleine pinke Bürste und putzt Zahn für Zahn. Danach spült sie aus und fängt ein weiteres Mal von vorne an. Die Erzieherin hat mit ihrer Mutter über einen möglichen Waschzwang geredet, aber die hat nur gelächelt und gesagt, wie schwierig es ist andere Kinder zum Putzen zu bekommen und das man doch froh sein könne, wenn ein kleines Mädchen die Wichtigkeit von Zahnhygiene bereits verstanden hat. Marie weiß weder was Hygiene, noch was ein Zwang ist. Ihre Mutter klopft wie jeden Morgen ein Mal an die Badezimmertür, damit sie weiß, dass es Zeit fürs Frühstück ist. Ein stimmloses Zeichen, das Klopfen schmeckt angenehm nach nichts. [...]
Beim Frühstück sitzt sie ihrem Vater gegenüber, der ein „Morgen“ hinter seiner Zeitung murmelt. Wie fast alles, was er zu ihr sagt, ist es geschmacklos. Leer, würde sie es benennen, wenn sie jemand fragt, aber so etwas fragt nie jemand. Leer ist eine der besseren Geschmacksrichtungen, weshalb sie gerne Zeit mit ihm verbringt. Ihre Mutter kann es nicht ganz verstehen, hält diese Bindung allerdings typisch für Töchter und Väter. Ihr Vater kann es nicht begreifen, warum dieses Kind. das er nicht wollte und für das er sich nur in Rahmen der gesellschaftlichen Norm interessiert ist, ihn so liebt. Dieses Kind, das mit seinen dünnen Armen und den Sommersprossen so anders als er aussieht. Er kann nichts daran ändern, dass sie an seinen Lippen hängt, wenn er von seinem Tag spricht. Dabei versteht sie nicht, was er als Steuerprüfer tut und kennt die meisten Begriffe nicht, die er benutzt. Manchmal kann sie ihn überreden, dass er ihr eine Gute-Nacht-Geschichte vorliest, ohne verstellte Stimme und ohne eine besonders Betonung. Er ließt Dornröschen wie den Wirtschaftsteil der Zeitung. Marie kann sich alle Figuren bei ihm wirklich vorstellen, weil sie nicht von anderen Stimmungen überlagert werden. Als ihre Mutter ihr gestern Schneewittchen vorgelesen hat, klangen die Zwerge so dermaßen erschöpft, dass sie Angst um sie hatte. Marie hat kurz darauf Schlaf vorgetäuscht, um den entkräfteten Märchenwesen eine Pause zu gönnen. Später in der Nacht hat Marie von ihnen geträumt, wie sie alle in kleinen Glassärgen lagen.
[...]Das psychologische Gutachten in der folgenden Woche ergibt keinen Befund. Ihre Eltern nicken und versprechen ein wachsames Auge auf ihre Tochter zu haben. Ihre Mutter kauft sich ein Buch über Kinderzeichungen. Marie versteht es, begreift es aber nicht ganz. Ab da malt sie ihre Bilder bei anderen Kindern ab, um keine Fehler zu machen. Die anderen Kinder gehen ihr aus dem Weg, denn auch sie haben an diesem Tag ein wenig von Maries Angst gespürt.
Genre: Übernatürliches vs. Alltag
Challenge: Die schamlose Selbstbefriedigung. Nachdem ich nun feststelle, dass es sehr blöd war mitten im November neu mit einem anderen Roman anzufangen und ich nun realistisch gesehen, keinen von beiden fertig bekommen werde, möchte ich wenigstens eine Szene posten.
Worum gehts? Marie ist eine fünfjährige Synästhetikerin, die die Stimme/Stimmung von Menschen schmecken kann. Wie jede gute Gabe hat das erst viel später einen Sinn - momentan ist es nur ein Fluch und führt u.a. zu einem Klinikaufenthalt. Während sie sich von Zeit zu Zeit durch grausame Märchenwelten irrt, versucht sie zurück in der Realität alles, um den Schein von Normalität aufrecht zu erhalten...
Kapitel 1 – Es war einmal…
Synästhesie
aus dem altgriechischen „syn“ („zusammen“) und „aistehsis“ (empfinden),
bezeichnet eine seltene Fähigkeit, bei der im Gehirn neuronale Vernetzungen vorhanden sind, die unterschiedliche Sinneseindrücke miteinander verbinden. Dies kann sich darauf beziehen, dass Menschen Geräusche oder schwarze Zahlen in Farbe sehen. Synästhetiker empfinden ihre Empfindungen entweder als normal, da sie selber nie eine andere Art der Wahrnehmung erlebt haben oder verdrängen diese bewusst, nachdem sie bereits in ihrer Kindheit die Erfahrung gemacht haben, als psychisch krank behandelt zu werden…
(vgl. http://www.g-netz.de/gaz/synaesthesie.shtml)
aus dem altgriechischen „syn“ („zusammen“) und „aistehsis“ (empfinden),
bezeichnet eine seltene Fähigkeit, bei der im Gehirn neuronale Vernetzungen vorhanden sind, die unterschiedliche Sinneseindrücke miteinander verbinden. Dies kann sich darauf beziehen, dass Menschen Geräusche oder schwarze Zahlen in Farbe sehen. Synästhetiker empfinden ihre Empfindungen entweder als normal, da sie selber nie eine andere Art der Wahrnehmung erlebt haben oder verdrängen diese bewusst, nachdem sie bereits in ihrer Kindheit die Erfahrung gemacht haben, als psychisch krank behandelt zu werden…
(vgl. http://www.g-netz.de/gaz/synaesthesie.shtml)
[...] Marie liegt wach in ihrem Bett und wartet auf den Morgen. Sie will nicht wieder in den Kindergarten, nie wieder, aber das kann sie ihren Eltern nicht erzählen. Gestern hat sie ihren so genannten Freunden verraten, was sie schmeckt. Hexe ist ein Spitzname, den sie die nächsten Jahre nicht loswerden wird. Am Abend hat sie ihrem Teddybären versprochen es nie wieder auszusprechen. Die Tür ihres Zimmers öffnet sich und das sanfte Licht vom Flur fällt hinein. Ihre Mutter zieht die Vorhänge auf, bevor sie sich über ihr Bett beugt. Marie hat die Augen fest geschlossen, als würde sie schlafen. „Guten Morgen Sonnenschein“ hört sie, aber sie schmeckt es zäh und fest. Sie öffnet schlagartig den Mund, aus Angst ihre Zähne könnten ansonsten für immer zusammenkleben. Ihre Mutter ist längst wieder aus dem Zimmer verschwunden, während sie mit der Zunge über ihre Zähne fährt. Ihr Mund fühlt sich so voll an, ist aber komplett leer. Die Zähne fühlen sich ebenfalls normal an, jetzt muss nur noch der Geschmack nachlassen. Marie setzt sich langsam auf, wohl darauf bedacht, keine Gliedmassen hinunter hängen zu lassen. Dann holt sie tief Luft und schaut mit einer schnellen Bewegung unter ihr Bett. Keine Monster vorhanden. Sie atmet erleichtert aus. Die Drachenhausschuhe sind ihr schon ein wenig zu klein – immerhin ist sie bereits fünf Jahre alt und damit ein wirklich großes Mädchen – aber sie hängt so an ihnen. Im Nebenzimmer kann sie hören wie ihr kleiner Bruder sich gegen den Morgen wehrt. Er geht erst seit einigen Tagen zusammen mit ihr in den Kindergarten und mag es ganz und gar nicht. So wie er vieles nicht mag. Manchmal fragt sie sich, wie die Welt für ihn schmeckt, aber nur in den kurzen Momenten, bevor sie sich um ein Spielzeugauto streiten oder die Sesamstraße anfängt.
Marie steht auf dem kleinen Hocker im Badezimmer, auf dem sie groß genug ist, um sich im Spiegelbild zu sehen. Ihre Kinderzahnpasta schmeckt nach synthetischer Erdbeere. Sie drückt eine große Menge Zahnpasta auf die kleine pinke Bürste und putzt Zahn für Zahn. Danach spült sie aus und fängt ein weiteres Mal von vorne an. Die Erzieherin hat mit ihrer Mutter über einen möglichen Waschzwang geredet, aber die hat nur gelächelt und gesagt, wie schwierig es ist andere Kinder zum Putzen zu bekommen und das man doch froh sein könne, wenn ein kleines Mädchen die Wichtigkeit von Zahnhygiene bereits verstanden hat. Marie weiß weder was Hygiene, noch was ein Zwang ist. Ihre Mutter klopft wie jeden Morgen ein Mal an die Badezimmertür, damit sie weiß, dass es Zeit fürs Frühstück ist. Ein stimmloses Zeichen, das Klopfen schmeckt angenehm nach nichts. [...]
Beim Frühstück sitzt sie ihrem Vater gegenüber, der ein „Morgen“ hinter seiner Zeitung murmelt. Wie fast alles, was er zu ihr sagt, ist es geschmacklos. Leer, würde sie es benennen, wenn sie jemand fragt, aber so etwas fragt nie jemand. Leer ist eine der besseren Geschmacksrichtungen, weshalb sie gerne Zeit mit ihm verbringt. Ihre Mutter kann es nicht ganz verstehen, hält diese Bindung allerdings typisch für Töchter und Väter. Ihr Vater kann es nicht begreifen, warum dieses Kind. das er nicht wollte und für das er sich nur in Rahmen der gesellschaftlichen Norm interessiert ist, ihn so liebt. Dieses Kind, das mit seinen dünnen Armen und den Sommersprossen so anders als er aussieht. Er kann nichts daran ändern, dass sie an seinen Lippen hängt, wenn er von seinem Tag spricht. Dabei versteht sie nicht, was er als Steuerprüfer tut und kennt die meisten Begriffe nicht, die er benutzt. Manchmal kann sie ihn überreden, dass er ihr eine Gute-Nacht-Geschichte vorliest, ohne verstellte Stimme und ohne eine besonders Betonung. Er ließt Dornröschen wie den Wirtschaftsteil der Zeitung. Marie kann sich alle Figuren bei ihm wirklich vorstellen, weil sie nicht von anderen Stimmungen überlagert werden. Als ihre Mutter ihr gestern Schneewittchen vorgelesen hat, klangen die Zwerge so dermaßen erschöpft, dass sie Angst um sie hatte. Marie hat kurz darauf Schlaf vorgetäuscht, um den entkräfteten Märchenwesen eine Pause zu gönnen. Später in der Nacht hat Marie von ihnen geträumt, wie sie alle in kleinen Glassärgen lagen.
[...]Das psychologische Gutachten in der folgenden Woche ergibt keinen Befund. Ihre Eltern nicken und versprechen ein wachsames Auge auf ihre Tochter zu haben. Ihre Mutter kauft sich ein Buch über Kinderzeichungen. Marie versteht es, begreift es aber nicht ganz. Ab da malt sie ihre Bilder bei anderen Kindern ab, um keine Fehler zu machen. Die anderen Kinder gehen ihr aus dem Weg, denn auch sie haben an diesem Tag ein wenig von Maries Angst gespürt.