Entfesselt
Aug. 16th, 2011 01:12 pmTeam: Joplin
Challenge: Juli - Karte 1 / Fesseln (für mich)
Titel: Entfesselt
Fandom: Original (Hm... die Reihe braucht einen Titel)
Genre: Endzeit / Mystery
Wörter: ~800
Summary: Die beiden Jäger Silas und Armand wurden in den Fünften Sektor geschickt, um dort ein mutmaßliches Medium aufzuspüren. Nach Tagen fruchtloser Ermittlungen macht das Medium endlich auf sich aufmerksam...
Teil 1 - Teil 2 - Entfesselt
Wie Eisenspähne auf einer Tischplatte, unter die man einen Magneten hält, zeichnet der Kreidestaub den Verlauf eines Kraftfeldes auf die Karte des Fünften Sektors, kaum dass Armand ihn dort verstreut hat. Das ist nicht, was er erwartet hatte, aber er gibt sich Mühe seinem Erstaunen für sich zu behalten.
Silas, der auf der anderen Seite der Karte im Schneidersitz hockt, presst einen behandschuhten Finger auf den Punkt, an dem die Kreise und Linien zu einander laufen und Armand fragt sich, weshalb der Junge seine Hände eigentlich immer unter Stoff versteckt hält.
„Das ist die Sektorsverwaltung“, stellt Silas überflüssigerweise fest. Name und Funktion des Gebäudes sind in großen, roten Lettern auf dem Plan vermerkt. Dann blickt er zu Armand, seine blassblauen Augen verraten einen Hauch von Wut, oder nicht einmal. Eher Enttäuschung.
„Das hättest du nicht früher machen können?“, fragt er.
Armand verzieht das Gesicht. Vielleicht ist der Klein tatsächlich der begabteste Seher den sie seit langem in ihren Reihen hatten begrüßen dürfen, von allen anderen Methoden des Jagens scheint er jedoch keinen Schimmer zu haben.
„Ein Kraftfeld wird nur sichtbar, wenn es aktiviert wurde“, erklärt Armand so geduldig es geht, kann es sich jedoch nicht nehmen lassen die Frage hinterher zu schieben, ob Silas in der Akademie denn gar nichts gelernt habe.
Silas zuckt kleinlaut mit den Schultern, streicht sich eine weißblonde Strähne aus der Stirn und kaut auf seiner Unterlippe.
„Aber dass ich nicht eher auf die Idee kam...“, Armand greift sich an den Kopf. Wer würde denn am ehesten in Versuchung kommen die Alten um Hilfe zu bitten?
Wieder muss Silas rennen um nicht zurück zu bleiben, stolpet Armand hinterher aus dem Kasernengebäude, vorbei an dem Eingangstor und dem gelangweilten Militionär, der dort lehnt.
„Du meinst“, gelingt es ihm zwischen rennen und schnaufen hervor zu bringen „der Sektorsvorsteher ist das -?“
Armand bleibt stehen, wirft Silas einen Blick zu, der ihn augenblicklich zum Schweigen bringt.
„Natürlich nicht“, er packt den Jungen bei den Schultern, ruppiger als beabsichtig, aber es gibt eben Themen über die redet man nicht auf der offenen Straße. Wenigstens nicht in normaler Lautstärke.
„Wenn es ein Medium hier gibt“, flüstert er „ist er der Erste der versuchen würde es zu benutzen.“
„Aber...“, Silas runzelt die Stirn. Wie überhaupt jemand auf die Idee kommen kann sich ein Medium nutzbar zu machen, die Alten Götter anzurufen und um Hilfe zu bitten, ist ihm schleierhaft.
Wer auf ein Wunder hofft, der muss sich auf die eigenen, menschlich-sterblichen, beschränkten Möglichkeiten verlassen, mit dem eigenen Geist in die tieferen Schichten der Wirklichkeit eindringen um, sozusagen, den Quelltext der Realität zu bearbeiten. Das ist einfache Magie, und nicht bedenklich. Kein Mensch wäre jemals in der Lage genügend an den Wurzeln der Welt zu rütteln, um sie ins Wanken zu bringen. Mit den Alten Göttern ist das anders. Ein Wimpernzucken von ihnen kann Ozeane zum verkochen bringen, die Erde aufreißen lassen und ganze Kulturen versenken. Es ist egal mit wie vielen Gebeten, wie vielen Opfern man sie zu beschwichtigen sucht, die Zeiten da sie Spaß daran hatten mit den Menschlein zu spielen, ihnen hier und da einen Wunsch zu erfüllen, ist lange vorbei. Wer heute einen der Alten Götter beschwört, der entfesselt damit eine Urgewalt, die nichts und niemand unter Kontrolle halten kann.
Niemand außer die Jäger. Theoretisch jedenfalls. Bisher war es – soweit Silas weiß – erst drei mal zu einem vollständigen Erwachen gekommen. Jedesmal mit verheerenden Folgen, und kaum einem Überlebenden, der berrichten könnte wie man den Alten Gott zurück in seine Schranken gewiesen hatte.
„Du hast die Menschen hier gesehen“, flüstert Armand „es dauert nicht mehr lange und der Fünfte Sektor wird endgültig geschlossen. Alle die hier leben werden raus geschickt. Da macht es keinen Unterschied ob sie einfache Schrotter sind, oder der Vorsteher persönlich. In den Augen der Zentralverwaltung ist er schuld am Niedergang seines Sektors, verdient also nichts besseres als seine Bürger.“
Jetzt erst lässt Armand Silas Schultern los.
„Wer würde da nicht auf ein Wunder hoffen“, sagt er leichthin und geht weiter.
„Sollten wir das nicht melden?“, stammelt Silas, während er erneut alle Mühe hat mit Armands langbeinigen Schritten schritt zu halten.
„Ira hat gesagt, wir sollte nur auskundschaften-“
„Schnickschnack!“, unterbricht ihn Armand. Er dreht sich um. Wie ein Wolf schaut er aus, denkt Silas, mit seinem breiten Raubtiergrinsen und einem Funkeln in seinen Augen, das fast genau so grausam ist wie die Aussicht einem der Alten Götter in seiner Leibhaftigkeit zu begegnen.
„Bevor die Berichte in der Zentrale eingehen ist hier schon die Hölle los“, sagt er – und klingt fast so, als würde er sich darüber freuen.
„Manchmal gehen die Dinge eben sehr schnell. Dann bleibt keine Zeit für Bürokratie.“
Challenge: Juli - Karte 1 / Fesseln (für mich)
Titel: Entfesselt
Fandom: Original (Hm... die Reihe braucht einen Titel)
Genre: Endzeit / Mystery
Wörter: ~800
Summary: Die beiden Jäger Silas und Armand wurden in den Fünften Sektor geschickt, um dort ein mutmaßliches Medium aufzuspüren. Nach Tagen fruchtloser Ermittlungen macht das Medium endlich auf sich aufmerksam...
Teil 1 - Teil 2 - Entfesselt
Wie Eisenspähne auf einer Tischplatte, unter die man einen Magneten hält, zeichnet der Kreidestaub den Verlauf eines Kraftfeldes auf die Karte des Fünften Sektors, kaum dass Armand ihn dort verstreut hat. Das ist nicht, was er erwartet hatte, aber er gibt sich Mühe seinem Erstaunen für sich zu behalten.
Silas, der auf der anderen Seite der Karte im Schneidersitz hockt, presst einen behandschuhten Finger auf den Punkt, an dem die Kreise und Linien zu einander laufen und Armand fragt sich, weshalb der Junge seine Hände eigentlich immer unter Stoff versteckt hält.
„Das ist die Sektorsverwaltung“, stellt Silas überflüssigerweise fest. Name und Funktion des Gebäudes sind in großen, roten Lettern auf dem Plan vermerkt. Dann blickt er zu Armand, seine blassblauen Augen verraten einen Hauch von Wut, oder nicht einmal. Eher Enttäuschung.
„Das hättest du nicht früher machen können?“, fragt er.
Armand verzieht das Gesicht. Vielleicht ist der Klein tatsächlich der begabteste Seher den sie seit langem in ihren Reihen hatten begrüßen dürfen, von allen anderen Methoden des Jagens scheint er jedoch keinen Schimmer zu haben.
„Ein Kraftfeld wird nur sichtbar, wenn es aktiviert wurde“, erklärt Armand so geduldig es geht, kann es sich jedoch nicht nehmen lassen die Frage hinterher zu schieben, ob Silas in der Akademie denn gar nichts gelernt habe.
Silas zuckt kleinlaut mit den Schultern, streicht sich eine weißblonde Strähne aus der Stirn und kaut auf seiner Unterlippe.
„Aber dass ich nicht eher auf die Idee kam...“, Armand greift sich an den Kopf. Wer würde denn am ehesten in Versuchung kommen die Alten um Hilfe zu bitten?
Wieder muss Silas rennen um nicht zurück zu bleiben, stolpet Armand hinterher aus dem Kasernengebäude, vorbei an dem Eingangstor und dem gelangweilten Militionär, der dort lehnt.
„Du meinst“, gelingt es ihm zwischen rennen und schnaufen hervor zu bringen „der Sektorsvorsteher ist das -?“
Armand bleibt stehen, wirft Silas einen Blick zu, der ihn augenblicklich zum Schweigen bringt.
„Natürlich nicht“, er packt den Jungen bei den Schultern, ruppiger als beabsichtig, aber es gibt eben Themen über die redet man nicht auf der offenen Straße. Wenigstens nicht in normaler Lautstärke.
„Wenn es ein Medium hier gibt“, flüstert er „ist er der Erste der versuchen würde es zu benutzen.“
„Aber...“, Silas runzelt die Stirn. Wie überhaupt jemand auf die Idee kommen kann sich ein Medium nutzbar zu machen, die Alten Götter anzurufen und um Hilfe zu bitten, ist ihm schleierhaft.
Wer auf ein Wunder hofft, der muss sich auf die eigenen, menschlich-sterblichen, beschränkten Möglichkeiten verlassen, mit dem eigenen Geist in die tieferen Schichten der Wirklichkeit eindringen um, sozusagen, den Quelltext der Realität zu bearbeiten. Das ist einfache Magie, und nicht bedenklich. Kein Mensch wäre jemals in der Lage genügend an den Wurzeln der Welt zu rütteln, um sie ins Wanken zu bringen. Mit den Alten Göttern ist das anders. Ein Wimpernzucken von ihnen kann Ozeane zum verkochen bringen, die Erde aufreißen lassen und ganze Kulturen versenken. Es ist egal mit wie vielen Gebeten, wie vielen Opfern man sie zu beschwichtigen sucht, die Zeiten da sie Spaß daran hatten mit den Menschlein zu spielen, ihnen hier und da einen Wunsch zu erfüllen, ist lange vorbei. Wer heute einen der Alten Götter beschwört, der entfesselt damit eine Urgewalt, die nichts und niemand unter Kontrolle halten kann.
Niemand außer die Jäger. Theoretisch jedenfalls. Bisher war es – soweit Silas weiß – erst drei mal zu einem vollständigen Erwachen gekommen. Jedesmal mit verheerenden Folgen, und kaum einem Überlebenden, der berrichten könnte wie man den Alten Gott zurück in seine Schranken gewiesen hatte.
„Du hast die Menschen hier gesehen“, flüstert Armand „es dauert nicht mehr lange und der Fünfte Sektor wird endgültig geschlossen. Alle die hier leben werden raus geschickt. Da macht es keinen Unterschied ob sie einfache Schrotter sind, oder der Vorsteher persönlich. In den Augen der Zentralverwaltung ist er schuld am Niedergang seines Sektors, verdient also nichts besseres als seine Bürger.“
Jetzt erst lässt Armand Silas Schultern los.
„Wer würde da nicht auf ein Wunder hoffen“, sagt er leichthin und geht weiter.
„Sollten wir das nicht melden?“, stammelt Silas, während er erneut alle Mühe hat mit Armands langbeinigen Schritten schritt zu halten.
„Ira hat gesagt, wir sollte nur auskundschaften-“
„Schnickschnack!“, unterbricht ihn Armand. Er dreht sich um. Wie ein Wolf schaut er aus, denkt Silas, mit seinem breiten Raubtiergrinsen und einem Funkeln in seinen Augen, das fast genau so grausam ist wie die Aussicht einem der Alten Götter in seiner Leibhaftigkeit zu begegnen.
„Bevor die Berichte in der Zentrale eingehen ist hier schon die Hölle los“, sagt er – und klingt fast so, als würde er sich darüber freuen.
„Manchmal gehen die Dinge eben sehr schnell. Dann bleibt keine Zeit für Bürokratie.“