Projekt Big Boom Bang
Jun. 10th, 2007 05:03 pmTitel: Projekt 'Big Boom Bang'
Fandom: Original (Collision)
Challenge: #2 (mehr oder weniger)
Warnungen: öhm, dürfte nichts dabei sein
Charaktere: Liz (Elizabeth), Sam, Ian und ein Gastauftritt von Kira und Chloe (nützt zwar nichts, weil sie in meinem Original alle noch nicht aufgetaucht sind, aber ich erwähne sie trotzdem^^)
Wörter: 2.334 (inklusive "..." falls ich denn welche drin hab)
Kommentar: Ich bin wieder etwas zu spät >_< aber das nur, weil ich alles noch formatieren musste v_V Für RS- und Grammatik-Fehler haftet meine Deutschlehrerin :)
Fandom: Original (Collision)
Challenge: #2 (mehr oder weniger)
Warnungen: öhm, dürfte nichts dabei sein
Charaktere: Liz (Elizabeth), Sam, Ian und ein Gastauftritt von Kira und Chloe (nützt zwar nichts, weil sie in meinem Original alle noch nicht aufgetaucht sind, aber ich erwähne sie trotzdem^^)
Wörter: 2.334 (inklusive "..." falls ich denn welche drin hab)
Kommentar: Ich bin wieder etwas zu spät >_< aber das nur, weil ich alles noch formatieren musste v_V Für RS- und Grammatik-Fehler haftet meine Deutschlehrerin :)
Es war schwül und sehr warm. Im Klassenzimmer war es sogar noch wärmer und verdammt stickig und Elizabeth fragte sich, warum sie ausgerechnet heute Kunst im obersten Stockwerk hatte.
"Boah, es ist so heiß! Chloe, mach was!", hörte sie Kira, ihre Klassenkameradin sich gegenüber, jammern. Chloe, das Mädchen neben Kira, ließ sich nur kurz davon ablenken, erwiderte ihr mit "Stell dich nicht so an" und arbeitete an ihrem Bild weiter.
Bis jetzt stellte es eine getigerte Katze dar, die sich mit der linken Pfote putzte. Nur die Augen, die Nase und der Schwanz fehlten noch.
Elizabeth sah auf ihr eigenes Kätzchen, was eher einem Dino mit Fell ähnelte. Kunst war nicht so ihr Fall.
Sie seufzte erleichtert auf, als es - nach Stunden, wie ihr schien - endlich zur Pause schellte.
Die Mittagspause war die Erlösung nach einem Vormittag mit ihren schlimmsten Fächern - SoWi, Religion und Kunst. Besonders dann, wenn man schon halb geröstet war.
Elizabeth lächelte traurig. Andererseits waren die Pausen auch sehr unangenehm, wenn man nicht wusste, wo man hinsollte. Sie war neu an dieser Schule und wie es bei Neulingen so üblich war, wurde sie von allen mit misstrauischen Blicken bedacht und in keinem Grüppchen aufgenommen. Daher versuche sie es auch gar nicht. Sie kam schließlich auch alleine zurecht.
Zum Mittagessen ging sie nicht in die Cafeteria, sondern mit ihrem Essen (fettige, übersalzene Pommes mit gebratenen Wurstscheiben und Kohl gemischt mit Tomaten und Gurken als Salat) direkt wieder die Treppe hoch, die sie hinuntersteigen musste, um sich in der Schlange für das Mittagessen anzustellen.
Da sie gerne neue Wege ausprobierte - die Schule war sehr groß - bog sie in der obersten Etage in einen kleinen Seitengang ein, der direkt hinter dem Lehrerzimmer zur Treppe zum Dach führte. Er schien nicht besonders oft benutzt zu werden.
Sie selbst hatte ihn erst in der letzten Woche entdeckt und seitdem nicht mehr benutzt.
Als sie etwa auf der Mitte des Ganges war, hörte sie eine Stimme aufgeregt flüstern.
"Nein, wir brauchen einen besseren Ort, irgendwo, wo wir ohne bemerkt zu werden abhauen können, wenn's losgeht."
"Sam, diesen Gang benutzt niemand. Er führt dort zur Treppe, und die führt nicht nur nach oben, weißt du?"
Elizabeth wollte eigentlich nicht lauschen, aber die Neugier siegte und sie schlich sich näher heran.
Womit sie nicht gerechnet hatte war, dass der Boden nicht ganz eben war, wohl weil der Gang sowieso unbenutzt war. Aufgrund dieser Tatsache trat sie etwas zu laut auf und verzog augenblicklich das Gesicht.
Hoffentlich hatten es die beiden Jungen nicht gehört. Hoffentlich war es nicht zu laut. Hoffentlich würden sie es nicht beachten, hoffentlich-
"Hey, wer bist du denn? Du hast nicht etwa gelauscht?!" Ein roter Haarschopf lugte aus einer Nische hervor und der Junge, zu dem er gehörte, sah Elizabeth wütend an.
Ein brünetter Schopf erschien direkt neben ihm und der andere Junge sah nicht minder wütend aus.
"Hi?", erwiderte Elizabeth nervös lächelnd. Sie hatte eigentlich nicht vorgehabt, die beiden zu unterbrechen oder gar zu verärgern. Immerhin heckten die beiden etwas aus und sie liebte Streiche.
"Na klasse, wir können's vergessen. Sie ist Klassensprecherin", sagte der Brünette und rollte mit den Augen.
"Toll... Sie ist bestimmt auch so eine spießige, doofe Spielverderberin. Ich wette, wir bekommen es gleich wieder mit dem Direxchen zu tun. Danke auch." Der rothaarige spießte Elizabeth geradezu mit seinem Blick auf.
Sie biss sich jedoch auf die Unterlippe.
Sie und spießig? Spielverderberin? Niemand hatte das Recht, sie so zu nennen!
"Ich bin nicht spießig! Und nur, weil ich zur Klassensprecherin gewählt wurde, heißt nicht, dass ich es auch wirklich wollte!" Elizabeth fauchte beinahe schon wie eine Katze.
Die beiden Jungen hoben wie auch Kommando gleichzeitig skeptisch die Augenbrauen.
"Klar, sicher. Und ich bin Harry Potter, siehst du meine Narbe?" Er lachte spöttisch und deutete auf seine Stirn, wo - oh Wunder - keine Narbe zu sehen war.
"Ts, ich mache mit", sagte Elizabeth bestimmt.
"Wer sagt, dass du es darfst?" Der Rotschopf sah sie herausfordernd an.
"Ich sage das. Und wenn ich es sage, hat es auch zu geschehen! Los, klärt mich auf."
Die beiden Jungs sahen sich kurz an und der Brünette nickte. "Einverstanden, aber wehe dir, du sagst irgendjemandem auch nur ein Sterbenswörtchen!"
"Gut." Elizabeth lächelte zufrieden mit sich selbst. Dann konnte der Spaß ja losgehen.
"Mein Name ist übrigens Elizabeth. Aber nennt mich bitte nicht so, ich hasse diesen Namen."
Der Rotschopf stellte sich als Sam, der Brünette als Ian vor und sie schworen ihr hoch und heilig, sie "Liz" zu nennen, denn das war ohnehin kürzer.
"Also, wie lautet der Plan?" Elizabeth war zu den beiden in die Nische gekommen und wartete darauf, zu erfahren, was die beiden so geplant hatten.
"Wir wollen etwas großes." Sam grinste.
"Etwas, was viel Aufsehen erregt", fuhr Ian fort, während Elizabeth nach jedem Satz nickte.
"Wir haben da an ein Feuerwerk gedacht", sagte Sam fröhlich.
"In der Schule", beendete Ian.
"In der Schule? Wie wollt ihr das denn anstellen?" Elizabeth sah die beiden sehr skeptisch an. Um genügend Feuerwerkskörper in die Schule zu schmuggeln, brauchte man Platz - und vor allem die Feuerwerkskörper. Und es war gerade mitten im April.
"Naja, wir brauchen ein Versteck, wo wir dann täglich ein paar Feuerwerkskörper hinbringen, damit es auch schön viele werden. Dann brauchen wir einen Platz, wo wir sie hochgehen lassen können und wir brauchen Feuerwerkskörper", erklärte Sam.
"Die sind kein Problem. Wir haben noch einige zu Hause. Heuler wären auch nicht schlecht. Mein Bruder hat nicht alle aufgebraucht", sagte Ian.
"Hm, ihr wisst, dass es ziemlich riskant ist? Ich meine, wenn der Direx das alles mitbekommt oder wir geschnappt werden, dann fliegen wir womöglich von der Schule." Elizabeth grinste nun auch.
"Ja, das ist uns vollkommen bewusste, nicht wahr, Ian?" Sam grinste seinem Freund zu.
"Aber natürlich, Sam."
"Gut. Und ich kenne ein geeignetes Versteck." Die beiden Jungen sahen Elizabeth mit glänzenden Augen an.
"Wirklich?"
"Bist du dir sicher? Ganz sicher?"
Elizabeth lächelte überlegen. "Ganz sicher."
"Danke! Du rettest unser Projekt!" Sam hüpfte fast vor Freude, aber Ian hielt ihn zurück.
"Wir treffen uns nach der Schule am Eingang, dann gehen wir alle zu mir und jeder nimmt sich eine Tüte Feuerwerkskörper mit, die wir dann im Laufe der nächsten Tage alle zur Schule mitbringen. Elizabeth, zeigst du uns das Versteck?"
"Nichts lieber als das, folgt mir", erwiderte sie, stand auf und lief den beiden Jungen voran ein Stockwerk tiefer.
Dort war ein ähnlich wenig benutzter Gang wie der, in dem sie den Plan geschmiedet hatten. An der Wand hing ein Landschafts-Gemälde mit vielen Bäumen, einer Wiese und einem Bach. Vögel waren auch zu sehen.
"Hinter diesem Gemälde ist ein Loch, da dürften die Feuerwerkskörper alle reinpassen." Elizabeth schob das Gemälde zur Seite, sodass es nun schräg hing. Dahinter kam ein größeres Loch zum Vorschein.
"Spitze! Aber sag mal, woher weißt du das?", fragte Sam neugierig und sah sie abwartend an.
"Ich streife gerne durch die Schule und das Gemälde kam mir gleich verdächtig vor, weil es, nun ja, ziemlich verloren in diesem Gang wirkt. Also habe ich einfach mal nachgesehen und voilá." Sie deutete auf das Loch.
"Nicht schlecht, für eine Klassensprecherin." Sam grinste sie an. Auch Ian sah sehr froh aus.
"Tja, wir Klassensprecher haben auch so unsere Vorteile, uns vertraut man mehr oder weniger und ich habe noch nie etwas angestellt - jedenfalls wurde ich nie erwischt."
"Nun denn, Operation 'Big Boom Bang' kann beginnen!", sagte Sam äußerst erfreut.
Am nächsten Tag kam Elizabeth wie gewohnt zur Schule, nur hatte sie dieses Mal noch Feuerwerkskörper in ihrer Tasche. Sie hatten sich abgesprochen, nicht gleichzeitig zum Versteck zu gehen, sondern im Abstand von fünf Minuten. Elizabeth sollte die erste sein, da sie ohnehin in den oberen Stockwerken Unterricht hatte - sowohl Chemie als auch Physik wurden zusammen mit Kunst in den obersten zwei Stockwerken unterrichtet.
Alles schien reibungslos zu verlaufen. In der Pause ging Elizabeth so unauffällig wie möglich zum Gemälde, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass alle Schüler die Etage verlassen hatten. Um zu vertuschen, dass sie genau darauf wartete, verwickelte sie ihren Chemielehrer in ein Gespräch.
Sie konnte verdammt knifflige Fragen stellen, wenn sie wollte und sie war sowieso der Liebling ihres Chemielehrers, weil sie sich alles sehr gut einprägen konnte.
Als sie das Gemälde erreicht, es zur Seite geschoben, ein paar kleine Raketen und Heuler hineingetan und das Gemälde wieder in die richtige Position geschoben hatte, hörte sie Schritte hinter sich.
Sie drehte sich um und wollte schon die beiden Jungs begrüßen, doch es war ein Lehrer. Um genau zu sein einer der Lehrer, die es missbilligten, wenn sich Schüler herumtrieben.
Unglücklicherweise war es sogar einer ihrer Lehrer - ihr Englischlehrer.
"Was machen Sie denn hier, Miss Moore?" Seine Stimme war schneidend und eiskalt. Elizabeth hatte ihn noch nie richtig leiden können.
"Ich erkunde die Schule, Sir. Ich entdecke gerne neue Gänge und Orte." Elizabeth hoffte nur, dass Sam und Ian nicht gleich hier sein würden, denn sie hatten ihr erzählt, dass sie bei allen Lehrern äußerst unbeliebt waren, weil sie andauernd etwas ausheckten.
Wenn Herr Greenwood die beiden hier entdeckte, würde er sicher nicht aufhören, sie auszufragen und dann garantiert das Loch entdecken - sofern er es nicht schon kannte.
Um sein Misstrauen zu unterstreichen, verengte Herr Greenwood seine Augen zu Schlitzen, sodass Elizabeth Mühe hatte, ihm weiterhin in die Augen zu sehen. Sie konnte es nicht leugnen, er war gruselig. Als könne er Gedanken lesen, glitt sein kurz Blick über das Gemälde.
"Sir, sie haben erwähnt, dass wir das nächste Mal Shakespeare lesen. Welches seiner Werke ist es denn?", fragte Elizabeth gespielt interessiert. Sie musste es irgendwie schaffen, ihren Lehrer aus diesem Gang zu bekommen.
"Ah, ja. Ja, wir werden Shakespeare lesen. Kommen Sie, das hier ist nun wirklich kein Platz, an dem man sich unterhalten sollte." Er sah Elizabth scharf an, als hätte sie irgendetwas vor, was gegen die Regeln verstieß. Und damit lag er nicht einmal im Unrecht.
Elizabeth jubelte in Gedanken, als sie mit Herrn Greenwood den Gang entlang und die Treppe hoch ging. Er war wohl auf dem Weg zum Lehrerzimmer.
Elizabeth erfuhr, dass sie nicht Romeo und Julia lesen würden, sondern Macbeth. Doch eigentlich interessierte es sie gar nicht. Zumindest hatte sie Sam und Ian gerettet, dafür sollten sich die beiden besser bei ihr bedanken.
Als sie ihren Lehrer endlich abwimmeln konnte, kehrte sie zum Versteck zurück, wo Sam und Ian bereits ungeduldig warteten.
"Wo warst du?", war auch gleich die erste Frage, die Sam ihr stellte.
"Greenwood abschütteln. Ihr solltet froh sein, dass ich ihn hier weggelockt habe, sonst wärt ihr direkt vor seine Nase gelaufen." Elizabeth schnaubte ob der Undankbarkeit.
"Hn, gut, du hast auch schon deine Sachen rein getan. Unsere sind jetzt auch da drin. Wenn wir noch morgen und übermorgen Einiges mitbringen, dürfte es reichen, nicht wahr, Sam?"
"Ganz genau, Ian. Hey, Liz, wir wollen, dass du die Raketen zündest, wenn es so weit ist, klar? Immerhin wolltest du dich ja beweisen." Sams Grinsen wurde eine Spur hinterhältiger, als es ohnehin schon war.
Ian nickte zustimmend.
"Na schön, wie ihr wollt", sagte Elizabeth ergeben. Es stimmte ja, dass sie sich das ganze selbst eingebrockt hatte.
"Gut, noch zwei Tage und dann kann es am Ende der Pause losgehen. Wir müssen nur schnell genug in unsere Klassenräume kommen." Ian zog nachdenklich die Stirn kraus.
"Haben wir nicht irgendwo gleichzeitig eine Freistunde? Das wäre sehr viel praktischer."
Elizabeth und Ian kramten ihre Stundenpläne hervor und verglichen sie.
"Da am Mittwoch, in der siebten Stunde", bemerkte Elizabeth.
"Trifft sich ja super, danach ist immer noch eine Stunde und wir haben in aller Ruhe Zeit. Wie sieht's aus, Sam?"
"Könnte nicht besser sein, Ian." Die beiden grinsten sich an als hätten sie gerade beide den ersten Platz auf der Tennis-Weltrangliste ergattert.
Nun schauten sie auch Elizabeth an und grinsten noch eine Spur breiter. Elizabeth ließ sich von der Begeisterung mitreißen und tat es ihnen gleich.
Sie hatten genügend Raketen, Heuler und Bienen gesammelt, die sechste Stunde war zu Ende und mit klopfendem Herzen begab sich Liz in den vierten Stock, wo Sam und Ian bereits auf sie warteten.
Grinsend schlugen sie mit Elizabeth ein, kramten ihre Raketen und den anderen Krimskrams aus dem Loch und stiegen die Treppe hoch, eine Etage weiter.
Ihr Ziel war der Gang, in dem sie sich kennen gelernt hatten. Dort würde kein Lehrer den Lärm überhören. Zum Teil, weil auf der einen Seite die Rückwand zum Lehrerzimmer war und auf der anderen Seite die Klassenzimmer, bei denen die Türen ebenfalls auf der anderen Seite waren.
Aufgeregt begannen die drei die Raketen auf den Boden zu legen. Sie hatten alle Raketen mit einer langen Zündschnur befestigt, um schnell genug abhauen zu können, ebenso wie bei den Bienen und den Heulern. Elizabeth beugte sich hinunter, entzündete ein Streichholz und zündete die drei Schnüre nacheinander an.
"Und jetzt, lauft!", sagte Elizabeth und die drei nahmen die Beine in die Hand und sprinteten die Treppe hinunter.
"Folgt mir! Hier lang." Elizabeth bog in einen anderen Gang ein, der ebenfalls nicht oft benutzt wurde, als sie bereits im zweiten Stock waren. Die Treppe am Ende des ganges führte direkt nach unten und zum Schulhof.
Noch bevor sie durch die Tür nach draußen rennen konnten, hörten sie von oben einen lauten Knall nach dem anderen.
Die drei Missetäter sahen sich kurz an und lachten, bevor sie die Tür öffneten und noch immer lachend auf eine Eiche zurannten. Dort angekommen legten sie sich ins Gras. Elizabeth in der Mitte, Sam links und Ian rechts von ihr.
Der Himmel war strahlend blau und die weißen Wolken hoben sich deutlich von ihm ab. Es war heiß und die Bienen summten. Elizabeth schwitzte, doch es machte ihr nichts aus.
Genau wie die beiden Jungs zu ihren Seiten grinste sie dem Himmel entgegen.
"Da habt ihr's, ich bin nicht spießig, nicht dumm und keine Spielverderberin."
Sam und Ian drehten ihre Köpfe Elizabeth zu.
"Tja, auch Genies können sich irren."
Und das einzige, was danach noch zu hören war, war ihr Lachen.
"Boah, es ist so heiß! Chloe, mach was!", hörte sie Kira, ihre Klassenkameradin sich gegenüber, jammern. Chloe, das Mädchen neben Kira, ließ sich nur kurz davon ablenken, erwiderte ihr mit "Stell dich nicht so an" und arbeitete an ihrem Bild weiter.
Bis jetzt stellte es eine getigerte Katze dar, die sich mit der linken Pfote putzte. Nur die Augen, die Nase und der Schwanz fehlten noch.
Elizabeth sah auf ihr eigenes Kätzchen, was eher einem Dino mit Fell ähnelte. Kunst war nicht so ihr Fall.
Sie seufzte erleichtert auf, als es - nach Stunden, wie ihr schien - endlich zur Pause schellte.
Die Mittagspause war die Erlösung nach einem Vormittag mit ihren schlimmsten Fächern - SoWi, Religion und Kunst. Besonders dann, wenn man schon halb geröstet war.
Elizabeth lächelte traurig. Andererseits waren die Pausen auch sehr unangenehm, wenn man nicht wusste, wo man hinsollte. Sie war neu an dieser Schule und wie es bei Neulingen so üblich war, wurde sie von allen mit misstrauischen Blicken bedacht und in keinem Grüppchen aufgenommen. Daher versuche sie es auch gar nicht. Sie kam schließlich auch alleine zurecht.
Zum Mittagessen ging sie nicht in die Cafeteria, sondern mit ihrem Essen (fettige, übersalzene Pommes mit gebratenen Wurstscheiben und Kohl gemischt mit Tomaten und Gurken als Salat) direkt wieder die Treppe hoch, die sie hinuntersteigen musste, um sich in der Schlange für das Mittagessen anzustellen.
Da sie gerne neue Wege ausprobierte - die Schule war sehr groß - bog sie in der obersten Etage in einen kleinen Seitengang ein, der direkt hinter dem Lehrerzimmer zur Treppe zum Dach führte. Er schien nicht besonders oft benutzt zu werden.
Sie selbst hatte ihn erst in der letzten Woche entdeckt und seitdem nicht mehr benutzt.
Als sie etwa auf der Mitte des Ganges war, hörte sie eine Stimme aufgeregt flüstern.
"Nein, wir brauchen einen besseren Ort, irgendwo, wo wir ohne bemerkt zu werden abhauen können, wenn's losgeht."
"Sam, diesen Gang benutzt niemand. Er führt dort zur Treppe, und die führt nicht nur nach oben, weißt du?"
Elizabeth wollte eigentlich nicht lauschen, aber die Neugier siegte und sie schlich sich näher heran.
Womit sie nicht gerechnet hatte war, dass der Boden nicht ganz eben war, wohl weil der Gang sowieso unbenutzt war. Aufgrund dieser Tatsache trat sie etwas zu laut auf und verzog augenblicklich das Gesicht.
Hoffentlich hatten es die beiden Jungen nicht gehört. Hoffentlich war es nicht zu laut. Hoffentlich würden sie es nicht beachten, hoffentlich-
"Hey, wer bist du denn? Du hast nicht etwa gelauscht?!" Ein roter Haarschopf lugte aus einer Nische hervor und der Junge, zu dem er gehörte, sah Elizabeth wütend an.
Ein brünetter Schopf erschien direkt neben ihm und der andere Junge sah nicht minder wütend aus.
"Hi?", erwiderte Elizabeth nervös lächelnd. Sie hatte eigentlich nicht vorgehabt, die beiden zu unterbrechen oder gar zu verärgern. Immerhin heckten die beiden etwas aus und sie liebte Streiche.
"Na klasse, wir können's vergessen. Sie ist Klassensprecherin", sagte der Brünette und rollte mit den Augen.
"Toll... Sie ist bestimmt auch so eine spießige, doofe Spielverderberin. Ich wette, wir bekommen es gleich wieder mit dem Direxchen zu tun. Danke auch." Der rothaarige spießte Elizabeth geradezu mit seinem Blick auf.
Sie biss sich jedoch auf die Unterlippe.
Sie und spießig? Spielverderberin? Niemand hatte das Recht, sie so zu nennen!
"Ich bin nicht spießig! Und nur, weil ich zur Klassensprecherin gewählt wurde, heißt nicht, dass ich es auch wirklich wollte!" Elizabeth fauchte beinahe schon wie eine Katze.
Die beiden Jungen hoben wie auch Kommando gleichzeitig skeptisch die Augenbrauen.
"Klar, sicher. Und ich bin Harry Potter, siehst du meine Narbe?" Er lachte spöttisch und deutete auf seine Stirn, wo - oh Wunder - keine Narbe zu sehen war.
"Ts, ich mache mit", sagte Elizabeth bestimmt.
"Wer sagt, dass du es darfst?" Der Rotschopf sah sie herausfordernd an.
"Ich sage das. Und wenn ich es sage, hat es auch zu geschehen! Los, klärt mich auf."
Die beiden Jungs sahen sich kurz an und der Brünette nickte. "Einverstanden, aber wehe dir, du sagst irgendjemandem auch nur ein Sterbenswörtchen!"
"Gut." Elizabeth lächelte zufrieden mit sich selbst. Dann konnte der Spaß ja losgehen.
"Mein Name ist übrigens Elizabeth. Aber nennt mich bitte nicht so, ich hasse diesen Namen."
Der Rotschopf stellte sich als Sam, der Brünette als Ian vor und sie schworen ihr hoch und heilig, sie "Liz" zu nennen, denn das war ohnehin kürzer.
"Also, wie lautet der Plan?" Elizabeth war zu den beiden in die Nische gekommen und wartete darauf, zu erfahren, was die beiden so geplant hatten.
"Wir wollen etwas großes." Sam grinste.
"Etwas, was viel Aufsehen erregt", fuhr Ian fort, während Elizabeth nach jedem Satz nickte.
"Wir haben da an ein Feuerwerk gedacht", sagte Sam fröhlich.
"In der Schule", beendete Ian.
"In der Schule? Wie wollt ihr das denn anstellen?" Elizabeth sah die beiden sehr skeptisch an. Um genügend Feuerwerkskörper in die Schule zu schmuggeln, brauchte man Platz - und vor allem die Feuerwerkskörper. Und es war gerade mitten im April.
"Naja, wir brauchen ein Versteck, wo wir dann täglich ein paar Feuerwerkskörper hinbringen, damit es auch schön viele werden. Dann brauchen wir einen Platz, wo wir sie hochgehen lassen können und wir brauchen Feuerwerkskörper", erklärte Sam.
"Die sind kein Problem. Wir haben noch einige zu Hause. Heuler wären auch nicht schlecht. Mein Bruder hat nicht alle aufgebraucht", sagte Ian.
"Hm, ihr wisst, dass es ziemlich riskant ist? Ich meine, wenn der Direx das alles mitbekommt oder wir geschnappt werden, dann fliegen wir womöglich von der Schule." Elizabeth grinste nun auch.
"Ja, das ist uns vollkommen bewusste, nicht wahr, Ian?" Sam grinste seinem Freund zu.
"Aber natürlich, Sam."
"Gut. Und ich kenne ein geeignetes Versteck." Die beiden Jungen sahen Elizabeth mit glänzenden Augen an.
"Wirklich?"
"Bist du dir sicher? Ganz sicher?"
Elizabeth lächelte überlegen. "Ganz sicher."
"Danke! Du rettest unser Projekt!" Sam hüpfte fast vor Freude, aber Ian hielt ihn zurück.
"Wir treffen uns nach der Schule am Eingang, dann gehen wir alle zu mir und jeder nimmt sich eine Tüte Feuerwerkskörper mit, die wir dann im Laufe der nächsten Tage alle zur Schule mitbringen. Elizabeth, zeigst du uns das Versteck?"
"Nichts lieber als das, folgt mir", erwiderte sie, stand auf und lief den beiden Jungen voran ein Stockwerk tiefer.
Dort war ein ähnlich wenig benutzter Gang wie der, in dem sie den Plan geschmiedet hatten. An der Wand hing ein Landschafts-Gemälde mit vielen Bäumen, einer Wiese und einem Bach. Vögel waren auch zu sehen.
"Hinter diesem Gemälde ist ein Loch, da dürften die Feuerwerkskörper alle reinpassen." Elizabeth schob das Gemälde zur Seite, sodass es nun schräg hing. Dahinter kam ein größeres Loch zum Vorschein.
"Spitze! Aber sag mal, woher weißt du das?", fragte Sam neugierig und sah sie abwartend an.
"Ich streife gerne durch die Schule und das Gemälde kam mir gleich verdächtig vor, weil es, nun ja, ziemlich verloren in diesem Gang wirkt. Also habe ich einfach mal nachgesehen und voilá." Sie deutete auf das Loch.
"Nicht schlecht, für eine Klassensprecherin." Sam grinste sie an. Auch Ian sah sehr froh aus.
"Tja, wir Klassensprecher haben auch so unsere Vorteile, uns vertraut man mehr oder weniger und ich habe noch nie etwas angestellt - jedenfalls wurde ich nie erwischt."
"Nun denn, Operation 'Big Boom Bang' kann beginnen!", sagte Sam äußerst erfreut.
***
Am nächsten Tag kam Elizabeth wie gewohnt zur Schule, nur hatte sie dieses Mal noch Feuerwerkskörper in ihrer Tasche. Sie hatten sich abgesprochen, nicht gleichzeitig zum Versteck zu gehen, sondern im Abstand von fünf Minuten. Elizabeth sollte die erste sein, da sie ohnehin in den oberen Stockwerken Unterricht hatte - sowohl Chemie als auch Physik wurden zusammen mit Kunst in den obersten zwei Stockwerken unterrichtet.
Alles schien reibungslos zu verlaufen. In der Pause ging Elizabeth so unauffällig wie möglich zum Gemälde, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass alle Schüler die Etage verlassen hatten. Um zu vertuschen, dass sie genau darauf wartete, verwickelte sie ihren Chemielehrer in ein Gespräch.
Sie konnte verdammt knifflige Fragen stellen, wenn sie wollte und sie war sowieso der Liebling ihres Chemielehrers, weil sie sich alles sehr gut einprägen konnte.
Als sie das Gemälde erreicht, es zur Seite geschoben, ein paar kleine Raketen und Heuler hineingetan und das Gemälde wieder in die richtige Position geschoben hatte, hörte sie Schritte hinter sich.
Sie drehte sich um und wollte schon die beiden Jungs begrüßen, doch es war ein Lehrer. Um genau zu sein einer der Lehrer, die es missbilligten, wenn sich Schüler herumtrieben.
Unglücklicherweise war es sogar einer ihrer Lehrer - ihr Englischlehrer.
"Was machen Sie denn hier, Miss Moore?" Seine Stimme war schneidend und eiskalt. Elizabeth hatte ihn noch nie richtig leiden können.
"Ich erkunde die Schule, Sir. Ich entdecke gerne neue Gänge und Orte." Elizabeth hoffte nur, dass Sam und Ian nicht gleich hier sein würden, denn sie hatten ihr erzählt, dass sie bei allen Lehrern äußerst unbeliebt waren, weil sie andauernd etwas ausheckten.
Wenn Herr Greenwood die beiden hier entdeckte, würde er sicher nicht aufhören, sie auszufragen und dann garantiert das Loch entdecken - sofern er es nicht schon kannte.
Um sein Misstrauen zu unterstreichen, verengte Herr Greenwood seine Augen zu Schlitzen, sodass Elizabeth Mühe hatte, ihm weiterhin in die Augen zu sehen. Sie konnte es nicht leugnen, er war gruselig. Als könne er Gedanken lesen, glitt sein kurz Blick über das Gemälde.
"Sir, sie haben erwähnt, dass wir das nächste Mal Shakespeare lesen. Welches seiner Werke ist es denn?", fragte Elizabeth gespielt interessiert. Sie musste es irgendwie schaffen, ihren Lehrer aus diesem Gang zu bekommen.
"Ah, ja. Ja, wir werden Shakespeare lesen. Kommen Sie, das hier ist nun wirklich kein Platz, an dem man sich unterhalten sollte." Er sah Elizabth scharf an, als hätte sie irgendetwas vor, was gegen die Regeln verstieß. Und damit lag er nicht einmal im Unrecht.
Elizabeth jubelte in Gedanken, als sie mit Herrn Greenwood den Gang entlang und die Treppe hoch ging. Er war wohl auf dem Weg zum Lehrerzimmer.
Elizabeth erfuhr, dass sie nicht Romeo und Julia lesen würden, sondern Macbeth. Doch eigentlich interessierte es sie gar nicht. Zumindest hatte sie Sam und Ian gerettet, dafür sollten sich die beiden besser bei ihr bedanken.
Als sie ihren Lehrer endlich abwimmeln konnte, kehrte sie zum Versteck zurück, wo Sam und Ian bereits ungeduldig warteten.
"Wo warst du?", war auch gleich die erste Frage, die Sam ihr stellte.
"Greenwood abschütteln. Ihr solltet froh sein, dass ich ihn hier weggelockt habe, sonst wärt ihr direkt vor seine Nase gelaufen." Elizabeth schnaubte ob der Undankbarkeit.
"Hn, gut, du hast auch schon deine Sachen rein getan. Unsere sind jetzt auch da drin. Wenn wir noch morgen und übermorgen Einiges mitbringen, dürfte es reichen, nicht wahr, Sam?"
"Ganz genau, Ian. Hey, Liz, wir wollen, dass du die Raketen zündest, wenn es so weit ist, klar? Immerhin wolltest du dich ja beweisen." Sams Grinsen wurde eine Spur hinterhältiger, als es ohnehin schon war.
Ian nickte zustimmend.
"Na schön, wie ihr wollt", sagte Elizabeth ergeben. Es stimmte ja, dass sie sich das ganze selbst eingebrockt hatte.
"Gut, noch zwei Tage und dann kann es am Ende der Pause losgehen. Wir müssen nur schnell genug in unsere Klassenräume kommen." Ian zog nachdenklich die Stirn kraus.
"Haben wir nicht irgendwo gleichzeitig eine Freistunde? Das wäre sehr viel praktischer."
Elizabeth und Ian kramten ihre Stundenpläne hervor und verglichen sie.
"Da am Mittwoch, in der siebten Stunde", bemerkte Elizabeth.
"Trifft sich ja super, danach ist immer noch eine Stunde und wir haben in aller Ruhe Zeit. Wie sieht's aus, Sam?"
"Könnte nicht besser sein, Ian." Die beiden grinsten sich an als hätten sie gerade beide den ersten Platz auf der Tennis-Weltrangliste ergattert.
Nun schauten sie auch Elizabeth an und grinsten noch eine Spur breiter. Elizabeth ließ sich von der Begeisterung mitreißen und tat es ihnen gleich.
***
Sie hatten genügend Raketen, Heuler und Bienen gesammelt, die sechste Stunde war zu Ende und mit klopfendem Herzen begab sich Liz in den vierten Stock, wo Sam und Ian bereits auf sie warteten.
Grinsend schlugen sie mit Elizabeth ein, kramten ihre Raketen und den anderen Krimskrams aus dem Loch und stiegen die Treppe hoch, eine Etage weiter.
Ihr Ziel war der Gang, in dem sie sich kennen gelernt hatten. Dort würde kein Lehrer den Lärm überhören. Zum Teil, weil auf der einen Seite die Rückwand zum Lehrerzimmer war und auf der anderen Seite die Klassenzimmer, bei denen die Türen ebenfalls auf der anderen Seite waren.
Aufgeregt begannen die drei die Raketen auf den Boden zu legen. Sie hatten alle Raketen mit einer langen Zündschnur befestigt, um schnell genug abhauen zu können, ebenso wie bei den Bienen und den Heulern. Elizabeth beugte sich hinunter, entzündete ein Streichholz und zündete die drei Schnüre nacheinander an.
"Und jetzt, lauft!", sagte Elizabeth und die drei nahmen die Beine in die Hand und sprinteten die Treppe hinunter.
"Folgt mir! Hier lang." Elizabeth bog in einen anderen Gang ein, der ebenfalls nicht oft benutzt wurde, als sie bereits im zweiten Stock waren. Die Treppe am Ende des ganges führte direkt nach unten und zum Schulhof.
Noch bevor sie durch die Tür nach draußen rennen konnten, hörten sie von oben einen lauten Knall nach dem anderen.
Die drei Missetäter sahen sich kurz an und lachten, bevor sie die Tür öffneten und noch immer lachend auf eine Eiche zurannten. Dort angekommen legten sie sich ins Gras. Elizabeth in der Mitte, Sam links und Ian rechts von ihr.
Der Himmel war strahlend blau und die weißen Wolken hoben sich deutlich von ihm ab. Es war heiß und die Bienen summten. Elizabeth schwitzte, doch es machte ihr nichts aus.
Genau wie die beiden Jungs zu ihren Seiten grinste sie dem Himmel entgegen.
"Da habt ihr's, ich bin nicht spießig, nicht dumm und keine Spielverderberin."
Sam und Ian drehten ihre Köpfe Elizabeth zu.
"Tja, auch Genies können sich irren."
Und das einzige, was danach noch zu hören war, war ihr Lachen.