Regen

Aug. 7th, 2011 01:26 pm
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Team: Dean
Challenge: Karte 2, Challenge: Bild „Ruderschule“ (für mich)
Fandom: Arashi
Disclaimer: Eigentum von JE, ich leihe sie mir nur aus und gebe sie anschließend zurück.
Genre: Slash, Krimi, Thriller?
Teil: 5/6
Pairing: Aiba/Nino
Warnung: /
Wörter: 1.084
Kommentar: Namen in japanischer Reihenfolge Nachname-Vorname
Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4


Es musste angenehm sein, direkt über seinem Arbeitsplatz zu wohnen, dachte Jun, als er hinter Ohno die schmale Treppe zum Apartment über der winzigen Bäckerei erklomm. Man musste morgens nicht so viel früher aufstehen, sich nicht mit anderen Menschen im Berufsverkehr um den Platz zum Atmen in der Bahn streiten und konnte in der Mittagspause schnell ein Nickerchen machen. Obwohl Ohno augenscheinlich auch während der Arbeitszeit Nickerchen machte.

Ohno ließ ihn rein, wartete nicht darauf, dass Jun sich im Eingangsbereich die Schuhe abstreifte, sondern verschwand gleich um die Ecke in eine winzige Küche. Das Wohnzimmer stand vollgepackt mit Leinwänden in den verschiedensten Stadien des Bemaltseins.

„Wow, ich wusste gar nicht, dass du ein Hobbykünstler bist.“
Jun spazierte verzückt durch das Labyrinth aus Farben und Formen. Als er Ohno in die Küche folgen wollte, stieß er sich den großen linken Zeh an einem eingerahmten Bild, welches den Weg in den Raum halb versperrte.
„Woher solltest du das auch wissen?“, klang Ohno dumpf aus der Küche.
„Ich hab nie davon erzählt und auf meiner Stirn steht es nicht geschrieben.“

Auf dem schwarz-weißen Bild, dessen Aufnahme gegen die Sonne gerichtet war, glitt ein Boot über eine finstere Wasseroberfläche. Man konnte nicht sehen, wieviele Ruderer dem Betrachter ihre Rücken zuwandten.
„Das ist schön“, sagte Jun und klang mehr nach Small Talk als ihm lieb war. Ohno drückte ihm eine Tasse grünen Tees in die Hand.
„Hast du das gemalt?“
„Das ist ein Foto.“
Jun trank schnell aus der Tasse um sich die Beschämung nicht anmerken zu lassen, doch er verbrannte sich nur die Zunge dabei.

„Was denkst du, wieviele Menschen sind auf diesem Bild?“, fragte Ohno mit spitzbübischem Lächeln.
„Ist das eine Fangfrage?“
„Das denkst du.“
„Keine Ahnung…zwei? Drei? Man kann es nicht sehen.“

Etwas in seinem Hinterkopf klopfte an sein Gedächtnis, weshalb er eigentlich hier war.
Nach all den unberechenbaren, widerspenstigen Gesprächen mit Ninomiya, dem sturen Sakurai und Aiba, dessen Worte nicht einmal als „nichtssagend“ hätten durchgehen können, war Ohno Satoshi womöglich der Informant, nach dem Jun die ganze Zeit suchte.

„Lass mich dir ein, zwei Fragen stellen“, sagte Ohno plötzlich noch ehe Jun seine Gedanken ganz gesammelt hatte. Er zeigte auf die kleine Couch in der Mitte des Zimmers und schien zu warten bis Jun es sich darauf einigermaßen gemütlich gemacht hatte.

„Wie oft triffst du dich mit deiner Freundin?“
Jun blinzelte perplex.
„Ich...äh…hab keine.“
„Und Freunde? Ich meine, wie oft gönnst du dir nach dem Feierabend was?“
„Ich versteh nicht, was das soll. Wieso interessiert dich das?“
„Ich dachte, wir machen ein bisschen Small Talk“, erwiderte Ohno unschuldig.
„Ich bin nicht so gut in rhetorischen Dingen, tut mir Leid.“
Jun konnte sich nicht dagegen wehren, dass es ihm das Herz etwas wärmte.
Ohno Satoshi fühlte sich an wie der erlösende Gewitterregen nach einem langen, schweren Sommer.
„Ich hab massenhaft Freunde“, setzte Jun schließlich an und versuchte, seine Augenbrauen dabei keine komischen Dinge tun zu lassen.
„Die Arbeit frisst nur alle Zeit auf, die ich für sie bräuchte.“
„Verstehe.“
Ohno nickte verständnisvoll und Jun liebte ihn in diesem Augenblick.
„Aber es ist auch wichtig, sich nach Feierabend anderen Dingen als der Arbeit zu widmen“, sagte er dann.
„Manchmal merkt man gar nicht, wie sehr man in eingefahrenen Rastern lebt. Ich zum Beispiel muss mich manchmal abhalten, nach Feierabend noch Currybrötchen zu backen.“
„Currybrötchen?“
Juns Augenbrauen hoben sich.
„Weil sie so traumhaft lecker sind.“
Schwelgend schaute Ohno in eine nicht erkennbare Ferne an der Oberkante seines Zimmers, ehe sein Blick zurückkehrte.
„Okay, was möchtest du gerne wissen?“

Etwas verunsichert fischte Jun Stift und Notizblock aus seiner Tasche. Beides war noch immer kaum benutzt und in seinem Kopf spukte die Frage, was für seltsame Menschen hier lebten.
„Also, du hast gesagt, du warst eine Klassenstufe über Sakurai damals?“
„Ja.“
„Das heißt, du kanntest ihn?“
„Wie man jemanden in der Stufe drunter so kennt. Er war irgendwann Schulsprecher und im Debatierclub, da kannte man ihn. Und nach dem Vorfall mit dem zu hohen Podest waren wir Freunde.“
„Podest?“
Ohno grinste.
„Ist dir noch nie aufgefallen, dass Sho nie auf zu hohe Bühnen gehen mag? Er hat extreme Höhenangst. Damals hatte er beim Sommerschulfest einen zu hohen Podest und hat beim Reden so geschwitzt und gestottert, dass ich ihn hinterher zur Krankenschwester gebracht habe, weil ich dachte, er hat einen Schock. Aber man kann Leute ja nicht eigenständig in Unfall-Aluminiumfolie wickeln.“
Bedauernd schaute Ohno zu Boden. Jun bemerkte, dass seine Augenbrauen den Ansatz seiner Haare suchten.
„Okay…und Aiba und Ninomiya, was war mit den beiden?“
„Die lernte ich durch Sho kennen.“
„Wie?“
„Naja, du weißt doch, Freunde vom Freund, man lernt sich kennen und so weiter.“
„Freunde?!“
Jun wollte reflexartig den Block an seine Brust reißen und das Wort „Freunde“ notieren bis ihm aufging, wie sinnlos das war. Wie hatte er bis dato davon ausgehen können, dass Sakurai und Ninomiya sich persé gehasst hatten? Waren die grausamsten Geschichten des Lebens nicht gerade von guten Freunden geschrieben?

„Das heißt, es war eine Dreiecksgeschichte!“, platzte Jun heraus. Er konnte kaum glauben, dass Sakurai ihn angelogen hatte.
Diesmal hob Ohno die Augenbrauen.
„Was?“
„Ganz einfach!“ rief Jun begeistert.
„Sakurai ist heimlich in einen der beiden verliebt, wahrscheinlich Aiba. Sakurai erwischt Aiba und Ninomiya auf dem Schulklo. Sakurai ist furchtbar eifersüchtig; dann prügeln er und Ninomiya sich, letzterer fliegt von der Schule, Aiba ist verstört und hält zu Ninomiya und Ninomiya will sich an Sakurai rächen, indem er den Verdacht, einen Doppelmord begangen zu haben, auf Sakurai lenkt!“
Ohno sagte gar nichts mehr. Sein Mund war geöffnet, aber es schien nicht, als wüsste er, etwas damit anzufangen.
„Du hast mir sehr geholfen!“, Jun unterdrückte den Impuls, Ohno zu umarmen und sprang von der Couch auf.
„Ich muss sofort in die Redaktion und das einarbeiten!“ Er bahnte sich einen Weg zwischen den Leinwänden Richtung Wohnungstür.
„Übrigens, auf dem Bild mit dem Boot ist nur ein Ruderer drauf. Sieht man doch sofort!“
„Was für ein Doppelmord?“
„Die Katos natürlich!“ Jun zwängte seinen linken Fuß bereits in seinen modischen Stiefel als Ohno sich von der Couch erhob.
„Wieso?“
Ohno war schnell. Was natürlich war, hier, in seinem natürlichen Lebensraum.
Ehe Jun den zweiten Schuh hatte, legte Ohno ihm beinahe ruckartig die Hand auf die Schulter.
„Die Katos haben Selbstmord begangen, Jun-kun.“

Der Stiefel rutschte ihm aus den Fingern.
„Was?!“
Ohno sah ihn mit großen Augen an und nickte.
„Stand doch heute in eurer Zeitung. Liest du die etwa nicht?“

Mit einem Mal fühlten sich die Worte des Mannes nicht mehr wie ein sanfter, erfrischender Regen an; eher wie kalte Hagelkörner. Jun hasste Hagel.

To be continued…

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