25. Karte 4 - Gender trouble
Aug. 6th, 2011 07:01 pmTeam: Hendrix
Autor: Jenchan
Titel: Hurra, ein... Kind
Challenge: Karte 4 - Gender trouble (für mich)
Fandom: Original (Lina-verse)
Charaktere: Lina, Alex und das Kind
Wörter: 2096
Warnings: unbetaed, nicht Korrektur gelesen
Disclaimer: Alles meins.
Continuation: Teil 1 + 2 | Teil 3
Kommentar: Irgendwie hat sich das angeboten. Ich mag Lina und Alex doch irgendwie, auch wenn sie nicht ganz so einfach zum Schreiben sind. Leider ist es auch nicht ganz so geworden, wie ich es mir gewünscht hätte. Aber wahrscheinlich liegt es daran, dass ich mich im Moment so schwer konzentrieren kann und meine Zeit wirklich sehr sehr begrenzt ist. Akuter Zeitmangel ist fast so doof wie zuviel Zeit zu haben.
Hurra, ein... Kind
"Uff..." Lina ließ sich geschafft auf das Sofa fallen. Langsam wurde ihr der Bauch doch sehr lästig. Sie hatte da Gefühl, dass der Sommer dieses Jahr sogar besonders heiß geworden war, nur um sie zu ärgern. Sie hatte das Gefühl, in ihrem Leben nie so viel geschwitzt zu haben. Abgesehen davon, dass sie sich ständig schlapp fühlte und sie sich kaum bewegen wollte.
Seit dieser schrecklichen Geschichte im zu Weihnachten hat sich vieles getan. Alex und sie hatten standesamtlich geheiratet. Sie selbst hatte darauf bestanden, dass sie es taten, bevor das Kind auf der Welt war. Es hatte ihr Sicherheit gegeben, obgleich das sicherlich absoluter Unsinn war. Sie hatte es sich einfach nur eingebildet als sie besonders aufgeregt war. Sie war regelrecht euphorisch gewesen, dass sie sich nicht in Alex geirrt hatte und sie verliebter den je waren. Sie war so rundum glücklich gewesen, dass sie wochenlang gestrahlt hatte.
Alex hatte mit ihr gestrahlt. Er freute sich im Moment wahrscheinlich mehr auf das Kind, als sie selbst es tat. Ihr Bauch war gewachsen und gewachsen und mittlerweile sah sie aus wie eine Jumpo-Wassermelone. Wie ein riesiger Medizinball und wahrscheinlich war sie genauso schwer.
Nachdem Alex auch wieder eine Arbeit gefunden hatte, war sie nun viel zu oft und lange alleine zu Hause. Sie fühlte sich einsam und erschlagen und das war scheinbar einer der großen Nachteile, schwanger zu sein. Sie fragte sich ohnehin, wie sie dieses große Teil, das ihren Bauch schon fast zum Platzen brachte, überhaupt aus ihr rauskommen sollte.
Der Arzt hatte ihr versichert, dass alles in Ordnung war. Ein Junge würde es werden. Sie wollte ja lieber ein Mädchen haben, aber einen Sohn zu bekommen machte sie auch irgendwie stolz. Vor allem, wenn sie Alex so dabei zuhörte, wie er sich um seinen Sohnemann kümmern wollte, während er ihren Bauch streichelte oder ihre geschwollenen Füße massierte.
Er kam auch immer wieder mal mit einem Stofftier nach Hause oder anderem Kram nach Hause. Dabei war das Kind ja noch nicht einmal auf der Welt. Aber sie hatten schon alles gut ausgetüfftelt und Alex hatte sich sogar schon die Tage um den Geburtstermin herum frei genommen. Sein neuer Boss schien jedenfalls großes Verständnis für ihn zu haben, denn eigentlich war es eher unüblich, dass Angestellte, die erst neu in der Firma waren, schon Urlaubsansprüche stellen konnten. Andererseits arbeitete er ja auch in einer etwas gehobeneren Position und so wie Alex ihr das schilderte, war es seinem Vorgesetzten ähnlich gegangen. Wahrscheinlich kam daher das Verständnis.
Lina seufzte. Wie gerne hätte sie jetzt etwas Kaltes zu trinken. Es war die letzten Tage wieder so schwül geworden, dass sie selbst in ihrer recht kühlen Wohnung das Gefühl hatte, umzukommen. Gerade im Moment war sie geistig so gar nicht bereit, aufzustehen und sich etwas in der Küche zu holen. Ihr Bauch war so schwer und schon beim Gedanken daran, aufzustehen, schien sich ihr Baby noch schwerer zu machen. Sie war auf ihrem eigenen Sofa gefangen und würde bestimmt verdursten. Was für ein schrecklicher Tod.
Sie lag im Moment sogar so ungünstig, dass sie sich nicht einmal mit einem Telefonat ablenken konnte. Abgesehen davon wusste sie nicht einmal, wen sie anrufen konnte. Bei ihren Eltern war sie vorhin gerade gewesen, aber die waren gerade im Stress. Sie hatten eine Reise gewonnen und Lina hatte ihnen verboten, sie nur wegen ihr sausen zu lassen. Jetzt freuten sie sich natürlich ziemlich darauf und gerade vorhin hatte sie ihnen noch versichert, das sie gut zurecht kam und sie sich keine Sorgen machen mussten.
Da konnte sie jetzt ja schlecht anrufen, weil sie zu träge war, sich etwas zu trinken zu holen. Außerdem musste sie ohnehin aufstehen, weil ihre Blase wieder zu drücken begann. Dieses Ewige Aufsklorennen ging ihr auch ziemlich auf die Nerven. Sie hatte sich sogar schon einmal überlegt, einfach auf der Toilette sitzen zu bleiben. Dann waren ihre Elefantenbeine eingeschlafen und es war unangenehm geworden. Also hatte sie die Idee wieder verworfen.
Mit einem leisen Stähnen hievte sie ihren schweren Körper auf die Beine und hielt sich den Bauch, der jetzt nur noch heftiger auf ihre Blase drückte. Außerdem bekam sie scheinbar einen Kickboxer. Wenn ihr Baby genauso strampelte und trat, wenns auf der Welt war, würde sie ihm das ganz schnell abgewöhnen. Das war sowas von nicht angenehm.
Alex kam nach Hause, da hatte sie gerade so angenehm eingenickt. Das Baby hatte endlich Ruhe gegeben und sie hatte keine Heißhungerattacke, keinen Durst und musste nicht aufs Klo. Sie war endlich zur Ruhe gekommen, da stürmte regelrecht ihr Ehemann in die Wohnung, sodass sie fast vom Sofa fiel.
"Lina! Ben! Wie gehts meinen zwei Lieben?", war er auch gleich bei ihr und begrabschte ihren Bauch und gab ihr einen Kuss auf die Wange.
Lina grummelte. "Also meinetwegen hättest du ruhig noch ne Stunde länger in der Arbeit bleiben können..." Erschrocken sah Alex sie an und sie seufzte. Dann strich sie ihm liebevoll über die Wange. "Schon gut. Schlafen wird ohnehin überbewertet. Wie war deine Arbeit, Liebling?"
Alex atmete auf. "Sie war anstrengend, aber ich mag meine neuen Kollegen. Sie sind schon ganz neugierig auf dich und Ben." Lina verzog das Gesicht.
"Über den Namen müssen wir uns echt noch einmal unterhalten, Alex", meinte sie und versuchte sich ein wenig aufzusetzen, was ihr nur unter einem Ächzen gelang.
"Was hast du gegen Benjamin? Ich glaube, das passt ganz gut zu ihm."
"Es gibt sicher andere Namen, die noch besser passen, aber du findest ja jeden Vorschlag doof, der nicht Benjamin ist", beschwerte sich Lina und spürte, dass sich durch ihre Müdigkeit irrational gereizt war. Alex merkte das auch, denn sein Gesicht nahm eine schmollende Note an, aber er ging nicht weiter darauf ein.
"Ich massier dir jetzt die Füße und du suchst dir aus, was wir uns zum Abendessen liefern lassen, wie klingt das?", fragte Alex, schob sich auch schon auf die Couch und nahm Linas FÜße in die Hand. Sofort seufzte sie auf und der Protest, den sie machen wollte ging in einem wohligen Schnurren unter. Es dauerte nicht sehr lange, da war sie wieder eingeschlafen.
Dafür konnte sie dann in der Nacht wieder nicht schlafen. Alex war so umsichtig gewesen, hatte Essen bestellt und sie hatte bereits etwas zwischen die Zähne bekommen, den Moment, wo sie wieder erwacht war. Da war sie so hungrig gewesen, dass es ihr sogar egal war, für was sich Alex entschieden hatte.
Danach waren sie noch einmal das Kinderzimmer durchgegangen, vor allem die Dinge die noch fehlten und über die sie sich nach wie vor nicht einig waren. Sie hatte sich aber zumindest durchsetzen können, dass sie das Zimmer in einer neutralen Farbe strichen, aber mittlerweile hatte es sich mit allerhand Spielzeug für Jungs gefüllt. Besonders seitdem der Arzt ihnen verraten hatte, dass es ein Junge werden würde.
Dennoch wollte Lina nicht, dass schon ihr Neugeborenes den Vorlieben von ihnen unterlag. Sie wollte... ach sie wusste nicht so recht, was sie wollte. Die Schwangerschaft machte sie schon ganz wahnsinnig und deshalb war auch diesmal keine Entscheidung über die Vorhänge gefallen und über die fehlenden Möbelstücke.
Sie wollte einfach nur, dass das Kind endlich kam.
Verloren und ein wenig deprimiert stand sie nun also im dunklen, unfertigen Kinderzimmer und fühlte sich wach und elend. Sanft streichelte sie ihren Bauch. Leise flüsterte sie zu ihrem Kind: "Benjamin." Dann schüttelte sie leicht den Kopf. Sie würde sich nie mit diesem Namen anfreunden können. Das klang wie dieser schreckliche Elefant aus dem Fernseher. Auch wenn sie im Moment sicher einem kleinen Elefanten glich, so wollte sie eigentlich nicht ihren Sohn mit diesen großen Tieren in Verbindung bringen.
Es war zwei Tage später war es dann überraschend so weit und Lina geriet zuerst in Panik, als sich das erste Mal ihr Unterleib verkrampfte und sie überrascht aufschrie. Sie hatte sich schon in der Früh seltsam gefühlt, immer wieder hatte sie ein leichtes ziehen und drücken gespürt, aber sie hatte es irgendwie verdrängen können.
Aber der Schmerz, der sie nun durchfuhr war eindeutig und sie wünschte sich Alex her. Aber der war gerade in die Arbeit gegangen. In einer Woche hätte er Urlaub, dann wäre auch der Geburtstermin. Es war also zu Früh und sie wollte jetzt doch nicht mehr, dass das Kind schon kam.
Und was, wenn es gar keine Wehen waren?
Blanke Angst erfasst Lina und als der Krampf nachließ angelte sie nach dem Telefon. Aber sie wusste nicht genau, wenn sie anrufen sollte und hatte die Nummer von Alex' neuer Arbeit gewählt, noch bevor sie darüber nachdachte, was sie damit anrichten würde.
"Lina? Lina... was ist los?", drang dessen Stimme auch schon lauter aus dem Telefon und riss sie in die Realität zurück.
"Äh... nichts... glaub ich. Entschuldige... ich..." Lina versuchte ihre Gedanken zusammenzusammeln, als sie spürte, wie sich etwas in ihr löste. Es war wie wenn... "Scheiße..." Voller Entsetzen blickte Lina auf den Boden, auf dem sich eine dunkle Lacke ausbreitete.
"Was... Lina! Verdammt, was ist los!"
"... meine Fruchtblase ist geplatzt...", brachte sie schließlich fassungslos hervor und der nächste Gedanke war, dass sie den Teppich gerade vollkommen versaute. Wahrscheinlich mussten sie den nachher tauschen.
"Was?" Auch Alex glaubte nicht so recht, was er gerade gehört hatte, dann aber schaltete er recht schnell. "Hast du denn keine Wehen gespürt? Und was ist mit der Rettung? Hast du die schon gerufen?"
Lina schüttelte den Kopf, bis sie feststellte, dass Alex das gar nicht sehen konnte. "Nein... ich..."
"Oh Lina. Wir haben das doch geübt...", seufzte Alex und übersah dabei selbst vollkommen, dass das gerade der Ernstfall war und er lieber reagieren sollte, anstatt Lina zu tadeln. Erst als er ein Stöhnen aus dem Telefon hört und ein kaum verständliches "ich hab Angst" hörte, wurde ihm klar, dass er etwas tun musste.
"Leg dich hin, Lina und vergiss nicht zu atmen. Einfach atmen. Ich ruf dich Rettung und bin gleich bei dir." Er hatte eigentlich keine Zeit, aber das hier war ein Notfall. Er konnte Lina jetzt nicht alleine lassen. Kaum hatte er die Verbindung getrennt, schickte er die Rettung zu sich nach Hause und verließ selbst seinen Arbeitsplatz. Er sagte nur seinen Kollegen Bescheid, auf die Erlaubnis von seinem Chef verzichtete er.
"Herzlichen Glückwunsch... Sie haben eine Tochter." Lina sank erschöpft in die Kissen. Kaum war sie in den Kreissaal des Krankenhauses gekommen, ging alles eigentlich sehr schnell. Die armen Sanitäter hatten zwar sicher einen Gehörsturz und sie bildete sich ein, dass sie Alex die Finger gebrochen hatte, aber das Kind war dann doch schnell dagewesen.
Sie hatte noch gar nicht so recht mitbekommen, was der Arzt gesagt hatte, als ihr das kleine schreiende Bündel in die Arme gelegt wurde. Sie hatte ihr Baby und sie konnte nichts anderes, als es liebevoll anlächlen.
"Aber uns wurde gesagt, dass es ein Junge wird..." Erst jetzt hörte Lina ein wenig hin und registrierte, was offenbar los war.
"Sie ist hübsch. Sieh mal", lenkte sie Alex ab. Die Hebamme nahm ihr das Kind auf eine stumme Aufforderung hin ab und brachte es dem Mann, der tapfer die ganze Geburt mitgemacht hatte. Einen Moment schien Alex wirklich ablehnen zu wollen, nahm das kleine Bündel dann allerdings in den Arm, wobei ihm die Hebamme half, es richtig und sicher zu halten. Sein Blick fiel auf das Neugeborene und wurde von einer sanften Wärme erfüllt.
"Manchmal kommt es vor, dass man es auf dem Ultraschallbild nicht gut genug erkennen kann. Aber es ist alles so, wie es sein soll. Sie ist vollständig entwickelt und gesund."
"Aber... was ist mit Benjamin?" Lina lachte leicht verzweifel. Sie konnte ja ein wenig seine Verzweiflung verstehen. Er hatte sich so gefreut, als der Arzt gesagt hatte, dass es ein Junge werden würde. Er hatte auch schon so viele Pläne geschiedet und jetzt war es ein Mädchen.
"Was hältst du von Jasmin?", schlug Lina spontan vor. Immerhin war das ja ein fast ähnlicher Name. Sie konnte es wirklich noch nicht fassen, dass sie nun ein Baby zu Hause haben würden.
"Und du kannst das meiste deiner Planungen ja auch mit ihr machen. Wenn es ihr gefällt..." Sie wünschte sich, dass Alex auch jetzt nicht das Interesse an dem Kind verlieren würde. Sie wollte nicht, dass die Erziehung allein an ihr hängen blieb, sondern dass sie sich gemeinsam darüber freuten, ihre Tochter aufwachsen zu sehen.
"Jasmin...", teste Alex den Namen und lächelte schließlich. "Das ist ein hübscher Name, nicht war, meine Kleine?" Er hatte sich zwar einen Jungen gewünscht und er würde noch ein wenig brauchen, seine Enttäuschung zu überwinden, aber als seine Tochter die Augen öffnete und ihn ansah, verzieh er dem Arzt, das er solche Probleme verursacht hatte.
Autor: Jenchan
Titel: Hurra, ein... Kind
Challenge: Karte 4 - Gender trouble (für mich)
Fandom: Original (Lina-verse)
Charaktere: Lina, Alex und das Kind
Wörter: 2096
Warnings: unbetaed, nicht Korrektur gelesen
Disclaimer: Alles meins.
Continuation: Teil 1 + 2 | Teil 3
Kommentar: Irgendwie hat sich das angeboten. Ich mag Lina und Alex doch irgendwie, auch wenn sie nicht ganz so einfach zum Schreiben sind. Leider ist es auch nicht ganz so geworden, wie ich es mir gewünscht hätte. Aber wahrscheinlich liegt es daran, dass ich mich im Moment so schwer konzentrieren kann und meine Zeit wirklich sehr sehr begrenzt ist. Akuter Zeitmangel ist fast so doof wie zuviel Zeit zu haben.
Hurra, ein... Kind
"Uff..." Lina ließ sich geschafft auf das Sofa fallen. Langsam wurde ihr der Bauch doch sehr lästig. Sie hatte da Gefühl, dass der Sommer dieses Jahr sogar besonders heiß geworden war, nur um sie zu ärgern. Sie hatte das Gefühl, in ihrem Leben nie so viel geschwitzt zu haben. Abgesehen davon, dass sie sich ständig schlapp fühlte und sie sich kaum bewegen wollte.
Seit dieser schrecklichen Geschichte im zu Weihnachten hat sich vieles getan. Alex und sie hatten standesamtlich geheiratet. Sie selbst hatte darauf bestanden, dass sie es taten, bevor das Kind auf der Welt war. Es hatte ihr Sicherheit gegeben, obgleich das sicherlich absoluter Unsinn war. Sie hatte es sich einfach nur eingebildet als sie besonders aufgeregt war. Sie war regelrecht euphorisch gewesen, dass sie sich nicht in Alex geirrt hatte und sie verliebter den je waren. Sie war so rundum glücklich gewesen, dass sie wochenlang gestrahlt hatte.
Alex hatte mit ihr gestrahlt. Er freute sich im Moment wahrscheinlich mehr auf das Kind, als sie selbst es tat. Ihr Bauch war gewachsen und gewachsen und mittlerweile sah sie aus wie eine Jumpo-Wassermelone. Wie ein riesiger Medizinball und wahrscheinlich war sie genauso schwer.
Nachdem Alex auch wieder eine Arbeit gefunden hatte, war sie nun viel zu oft und lange alleine zu Hause. Sie fühlte sich einsam und erschlagen und das war scheinbar einer der großen Nachteile, schwanger zu sein. Sie fragte sich ohnehin, wie sie dieses große Teil, das ihren Bauch schon fast zum Platzen brachte, überhaupt aus ihr rauskommen sollte.
Der Arzt hatte ihr versichert, dass alles in Ordnung war. Ein Junge würde es werden. Sie wollte ja lieber ein Mädchen haben, aber einen Sohn zu bekommen machte sie auch irgendwie stolz. Vor allem, wenn sie Alex so dabei zuhörte, wie er sich um seinen Sohnemann kümmern wollte, während er ihren Bauch streichelte oder ihre geschwollenen Füße massierte.
Er kam auch immer wieder mal mit einem Stofftier nach Hause oder anderem Kram nach Hause. Dabei war das Kind ja noch nicht einmal auf der Welt. Aber sie hatten schon alles gut ausgetüfftelt und Alex hatte sich sogar schon die Tage um den Geburtstermin herum frei genommen. Sein neuer Boss schien jedenfalls großes Verständnis für ihn zu haben, denn eigentlich war es eher unüblich, dass Angestellte, die erst neu in der Firma waren, schon Urlaubsansprüche stellen konnten. Andererseits arbeitete er ja auch in einer etwas gehobeneren Position und so wie Alex ihr das schilderte, war es seinem Vorgesetzten ähnlich gegangen. Wahrscheinlich kam daher das Verständnis.
Lina seufzte. Wie gerne hätte sie jetzt etwas Kaltes zu trinken. Es war die letzten Tage wieder so schwül geworden, dass sie selbst in ihrer recht kühlen Wohnung das Gefühl hatte, umzukommen. Gerade im Moment war sie geistig so gar nicht bereit, aufzustehen und sich etwas in der Küche zu holen. Ihr Bauch war so schwer und schon beim Gedanken daran, aufzustehen, schien sich ihr Baby noch schwerer zu machen. Sie war auf ihrem eigenen Sofa gefangen und würde bestimmt verdursten. Was für ein schrecklicher Tod.
Sie lag im Moment sogar so ungünstig, dass sie sich nicht einmal mit einem Telefonat ablenken konnte. Abgesehen davon wusste sie nicht einmal, wen sie anrufen konnte. Bei ihren Eltern war sie vorhin gerade gewesen, aber die waren gerade im Stress. Sie hatten eine Reise gewonnen und Lina hatte ihnen verboten, sie nur wegen ihr sausen zu lassen. Jetzt freuten sie sich natürlich ziemlich darauf und gerade vorhin hatte sie ihnen noch versichert, das sie gut zurecht kam und sie sich keine Sorgen machen mussten.
Da konnte sie jetzt ja schlecht anrufen, weil sie zu träge war, sich etwas zu trinken zu holen. Außerdem musste sie ohnehin aufstehen, weil ihre Blase wieder zu drücken begann. Dieses Ewige Aufsklorennen ging ihr auch ziemlich auf die Nerven. Sie hatte sich sogar schon einmal überlegt, einfach auf der Toilette sitzen zu bleiben. Dann waren ihre Elefantenbeine eingeschlafen und es war unangenehm geworden. Also hatte sie die Idee wieder verworfen.
Mit einem leisen Stähnen hievte sie ihren schweren Körper auf die Beine und hielt sich den Bauch, der jetzt nur noch heftiger auf ihre Blase drückte. Außerdem bekam sie scheinbar einen Kickboxer. Wenn ihr Baby genauso strampelte und trat, wenns auf der Welt war, würde sie ihm das ganz schnell abgewöhnen. Das war sowas von nicht angenehm.
Alex kam nach Hause, da hatte sie gerade so angenehm eingenickt. Das Baby hatte endlich Ruhe gegeben und sie hatte keine Heißhungerattacke, keinen Durst und musste nicht aufs Klo. Sie war endlich zur Ruhe gekommen, da stürmte regelrecht ihr Ehemann in die Wohnung, sodass sie fast vom Sofa fiel.
"Lina! Ben! Wie gehts meinen zwei Lieben?", war er auch gleich bei ihr und begrabschte ihren Bauch und gab ihr einen Kuss auf die Wange.
Lina grummelte. "Also meinetwegen hättest du ruhig noch ne Stunde länger in der Arbeit bleiben können..." Erschrocken sah Alex sie an und sie seufzte. Dann strich sie ihm liebevoll über die Wange. "Schon gut. Schlafen wird ohnehin überbewertet. Wie war deine Arbeit, Liebling?"
Alex atmete auf. "Sie war anstrengend, aber ich mag meine neuen Kollegen. Sie sind schon ganz neugierig auf dich und Ben." Lina verzog das Gesicht.
"Über den Namen müssen wir uns echt noch einmal unterhalten, Alex", meinte sie und versuchte sich ein wenig aufzusetzen, was ihr nur unter einem Ächzen gelang.
"Was hast du gegen Benjamin? Ich glaube, das passt ganz gut zu ihm."
"Es gibt sicher andere Namen, die noch besser passen, aber du findest ja jeden Vorschlag doof, der nicht Benjamin ist", beschwerte sich Lina und spürte, dass sich durch ihre Müdigkeit irrational gereizt war. Alex merkte das auch, denn sein Gesicht nahm eine schmollende Note an, aber er ging nicht weiter darauf ein.
"Ich massier dir jetzt die Füße und du suchst dir aus, was wir uns zum Abendessen liefern lassen, wie klingt das?", fragte Alex, schob sich auch schon auf die Couch und nahm Linas FÜße in die Hand. Sofort seufzte sie auf und der Protest, den sie machen wollte ging in einem wohligen Schnurren unter. Es dauerte nicht sehr lange, da war sie wieder eingeschlafen.
Dafür konnte sie dann in der Nacht wieder nicht schlafen. Alex war so umsichtig gewesen, hatte Essen bestellt und sie hatte bereits etwas zwischen die Zähne bekommen, den Moment, wo sie wieder erwacht war. Da war sie so hungrig gewesen, dass es ihr sogar egal war, für was sich Alex entschieden hatte.
Danach waren sie noch einmal das Kinderzimmer durchgegangen, vor allem die Dinge die noch fehlten und über die sie sich nach wie vor nicht einig waren. Sie hatte sich aber zumindest durchsetzen können, dass sie das Zimmer in einer neutralen Farbe strichen, aber mittlerweile hatte es sich mit allerhand Spielzeug für Jungs gefüllt. Besonders seitdem der Arzt ihnen verraten hatte, dass es ein Junge werden würde.
Dennoch wollte Lina nicht, dass schon ihr Neugeborenes den Vorlieben von ihnen unterlag. Sie wollte... ach sie wusste nicht so recht, was sie wollte. Die Schwangerschaft machte sie schon ganz wahnsinnig und deshalb war auch diesmal keine Entscheidung über die Vorhänge gefallen und über die fehlenden Möbelstücke.
Sie wollte einfach nur, dass das Kind endlich kam.
Verloren und ein wenig deprimiert stand sie nun also im dunklen, unfertigen Kinderzimmer und fühlte sich wach und elend. Sanft streichelte sie ihren Bauch. Leise flüsterte sie zu ihrem Kind: "Benjamin." Dann schüttelte sie leicht den Kopf. Sie würde sich nie mit diesem Namen anfreunden können. Das klang wie dieser schreckliche Elefant aus dem Fernseher. Auch wenn sie im Moment sicher einem kleinen Elefanten glich, so wollte sie eigentlich nicht ihren Sohn mit diesen großen Tieren in Verbindung bringen.
Es war zwei Tage später war es dann überraschend so weit und Lina geriet zuerst in Panik, als sich das erste Mal ihr Unterleib verkrampfte und sie überrascht aufschrie. Sie hatte sich schon in der Früh seltsam gefühlt, immer wieder hatte sie ein leichtes ziehen und drücken gespürt, aber sie hatte es irgendwie verdrängen können.
Aber der Schmerz, der sie nun durchfuhr war eindeutig und sie wünschte sich Alex her. Aber der war gerade in die Arbeit gegangen. In einer Woche hätte er Urlaub, dann wäre auch der Geburtstermin. Es war also zu Früh und sie wollte jetzt doch nicht mehr, dass das Kind schon kam.
Und was, wenn es gar keine Wehen waren?
Blanke Angst erfasst Lina und als der Krampf nachließ angelte sie nach dem Telefon. Aber sie wusste nicht genau, wenn sie anrufen sollte und hatte die Nummer von Alex' neuer Arbeit gewählt, noch bevor sie darüber nachdachte, was sie damit anrichten würde.
"Lina? Lina... was ist los?", drang dessen Stimme auch schon lauter aus dem Telefon und riss sie in die Realität zurück.
"Äh... nichts... glaub ich. Entschuldige... ich..." Lina versuchte ihre Gedanken zusammenzusammeln, als sie spürte, wie sich etwas in ihr löste. Es war wie wenn... "Scheiße..." Voller Entsetzen blickte Lina auf den Boden, auf dem sich eine dunkle Lacke ausbreitete.
"Was... Lina! Verdammt, was ist los!"
"... meine Fruchtblase ist geplatzt...", brachte sie schließlich fassungslos hervor und der nächste Gedanke war, dass sie den Teppich gerade vollkommen versaute. Wahrscheinlich mussten sie den nachher tauschen.
"Was?" Auch Alex glaubte nicht so recht, was er gerade gehört hatte, dann aber schaltete er recht schnell. "Hast du denn keine Wehen gespürt? Und was ist mit der Rettung? Hast du die schon gerufen?"
Lina schüttelte den Kopf, bis sie feststellte, dass Alex das gar nicht sehen konnte. "Nein... ich..."
"Oh Lina. Wir haben das doch geübt...", seufzte Alex und übersah dabei selbst vollkommen, dass das gerade der Ernstfall war und er lieber reagieren sollte, anstatt Lina zu tadeln. Erst als er ein Stöhnen aus dem Telefon hört und ein kaum verständliches "ich hab Angst" hörte, wurde ihm klar, dass er etwas tun musste.
"Leg dich hin, Lina und vergiss nicht zu atmen. Einfach atmen. Ich ruf dich Rettung und bin gleich bei dir." Er hatte eigentlich keine Zeit, aber das hier war ein Notfall. Er konnte Lina jetzt nicht alleine lassen. Kaum hatte er die Verbindung getrennt, schickte er die Rettung zu sich nach Hause und verließ selbst seinen Arbeitsplatz. Er sagte nur seinen Kollegen Bescheid, auf die Erlaubnis von seinem Chef verzichtete er.
"Herzlichen Glückwunsch... Sie haben eine Tochter." Lina sank erschöpft in die Kissen. Kaum war sie in den Kreissaal des Krankenhauses gekommen, ging alles eigentlich sehr schnell. Die armen Sanitäter hatten zwar sicher einen Gehörsturz und sie bildete sich ein, dass sie Alex die Finger gebrochen hatte, aber das Kind war dann doch schnell dagewesen.
Sie hatte noch gar nicht so recht mitbekommen, was der Arzt gesagt hatte, als ihr das kleine schreiende Bündel in die Arme gelegt wurde. Sie hatte ihr Baby und sie konnte nichts anderes, als es liebevoll anlächlen.
"Aber uns wurde gesagt, dass es ein Junge wird..." Erst jetzt hörte Lina ein wenig hin und registrierte, was offenbar los war.
"Sie ist hübsch. Sieh mal", lenkte sie Alex ab. Die Hebamme nahm ihr das Kind auf eine stumme Aufforderung hin ab und brachte es dem Mann, der tapfer die ganze Geburt mitgemacht hatte. Einen Moment schien Alex wirklich ablehnen zu wollen, nahm das kleine Bündel dann allerdings in den Arm, wobei ihm die Hebamme half, es richtig und sicher zu halten. Sein Blick fiel auf das Neugeborene und wurde von einer sanften Wärme erfüllt.
"Manchmal kommt es vor, dass man es auf dem Ultraschallbild nicht gut genug erkennen kann. Aber es ist alles so, wie es sein soll. Sie ist vollständig entwickelt und gesund."
"Aber... was ist mit Benjamin?" Lina lachte leicht verzweifel. Sie konnte ja ein wenig seine Verzweiflung verstehen. Er hatte sich so gefreut, als der Arzt gesagt hatte, dass es ein Junge werden würde. Er hatte auch schon so viele Pläne geschiedet und jetzt war es ein Mädchen.
"Was hältst du von Jasmin?", schlug Lina spontan vor. Immerhin war das ja ein fast ähnlicher Name. Sie konnte es wirklich noch nicht fassen, dass sie nun ein Baby zu Hause haben würden.
"Und du kannst das meiste deiner Planungen ja auch mit ihr machen. Wenn es ihr gefällt..." Sie wünschte sich, dass Alex auch jetzt nicht das Interesse an dem Kind verlieren würde. Sie wollte nicht, dass die Erziehung allein an ihr hängen blieb, sondern dass sie sich gemeinsam darüber freuten, ihre Tochter aufwachsen zu sehen.
"Jasmin...", teste Alex den Namen und lächelte schließlich. "Das ist ein hübscher Name, nicht war, meine Kleine?" Er hatte sich zwar einen Jungen gewünscht und er würde noch ein wenig brauchen, seine Enttäuschung zu überwinden, aber als seine Tochter die Augen öffnete und ihn ansah, verzieh er dem Arzt, das er solche Probleme verursacht hatte.