Titel: Krankenhäuser
Challenge: Karte 2, „Du nennst es Unfall, ich nenne es Schicksal?“ (fürs Team)
Fandom: Digimon
Team: Joplin
Wörter: ~900
Anmerkungen: Nicht gegen gelesen :)
Er hasste Krankenhäuser. Hatte er immer und würde er immer tun.
Taichi fand es schon schlimm genug, wenn er irgendwen im Krankenhaus besuchen musste, aber dann auch noch selber Patient zu sein… das machte alles noch einmal schlimmer.
Aber er hatte ja unbedingt trotz des regnerischen Wetters joggen müssen. Der Boden war voller nasser Blätter gewesen und bevor Taichi hatte reagieren können hatte er bereits am Boden gelegen. Es passte zu seinem Karma, dass er so unglücklich gefallen war, dass er sich direkt den Fuß gebrochen hatte. Eine Woche wollten die Ärzte ihn nun hierbehalten um ihn zu versorgen.
„Ich habe es hinbekommen.“, erklärte Jou und Taichi blickte erstaunt auf. Er hatte gar nicht bemerkt, dass sein alter Freund, der inzwischen Assistenzarzt war, den Raum betreten hatte. „Sie entlassen dich noch heute, auf eigenes Risiko natürlich, aber ich muss darauf bestehen Taichi, dass du zu jemandem gehst der sich um dich kümmert.“
Das war einfacher gesagt als getan. Taichis Eltern waren vor zwei Jahren zu den Großeltern aufs Land gezogen und Hikari war für ihr Studium in Kyoto. Andere Verwandte gab es nicht und Freunde..
Nunja, viele Freunde hatte er nicht mehr. Natürlich gab es den ein oder anderen Bekannten mit dem man mal etwas unternahm, aber niemand, den er bitten konnte sich um ihn zu kümmern.
Natürlich gab es noch die Digiritter, aber da hatten sich die Wege schon lange verlaufen. Natürlich war es hier eine Freundschaft, die man mit nichts aufwiegen konnte. Und niemand würde ihnen all das was sie erlebt hatten jemals nehmen können. Aber sie waren erwachsen geworden, hatten Schule und Ausbildungen inzwischen abgeschlossen und waren ins Berufsleben gestartet. Den einen hatte es hierhin, den anderen dorthin verschlagen und so war der Kontakt fast komplett erstorben. Manchmal sah man sich natürlich noch und dann war es so, als wäre niemals Zeit vergangen und sie redeten miteinander als würden sie sich täglich sein. Taichi war inzwischen alt genug um zu wissen, dass dies die Freundschaften waren, die wirklich zählten.
Aber niemand von diesen war gerade greifbar. Der einzige, den Taichi fragen konnte war Jou selbst und Taichi wusste nur zu gut welche Arbeitszeiten Jou hatte. Die wenige Zeit, die Jou überhaupt Zuhause war erfüllte sicherlich die Bedingungen der Definition von ‚kümmern‘.
„Jou…“, begann Taichi deshalb und wurde unterbrochen als die Tür zum Krankenzimmer sich öffnete. „Da bin ich.“, erklärte eine Stimme, die Taichi nur zu gut kannte und als er sich zur Tür drehte erkannte er, dass es tatsächlich Yamato war der dort stand. Der Mensch mit dem er am wenigsten gerechnet hatte.
„Du hast Yamato angerufen?“, fragte er, an Jou gewandt.
Jou zuckte mit den Schultern. „Aber natürlich. Er ist von der Tour zurück und hat die nächsten Wochen frei und Zeit. Außerdem wohnte er bei dir um die Ecke. Da bot sich das doch an.“
Jou sprach, als wäre das was er da erzählte selbstverständlich. Für ihn war es das wahrscheinlich auch. Aber natürlich. Niemand wusste davon, dass Yamato und Taichi nicht miteinander sprachen. Es war einen Tag gewesen bevor Yamato zu seiner Tour aufgebrochen war. Sie hatten sich wegen irgendetwas gestritten, worum genau es ging wusste Taichi gar nicht mehr, er wusste nur, dass es hässlich gewesen war. Irgendwann hatten sie beide das Level erreicht gehabt an dem sie sich einfach nur noch gegenseitig verletzten.
Seitdem hatten sie nicht mehr miteinander geredet.
Taichi hatte gewusst, dass Yamato wieder zurück war. Aber er war zu stolz gewesen sich zu melden und hatte zu viel Angst vor Yamatos Reaktion gehabt.
„Na dann ist ja alles klar.“, erklärte Jou. „Hier sind die Entlassungspapiere, ich muss wieder an die Arbeit. Ihr beide macht das schon alles. Yamato, der Rollstuhl steht hier, er ist eine Leihgabe des Krankenhauses, also geht pfleglich damit um.“
Und dann war Jou schon verschwunden und ließ die beiden alleine. „Ich..“, begann Taichi und brach dann ab, weil er eigentlich gar nicht wusste was er sagen sollte. Als Yamato ihn jedoch er wartungsvoll anblickte stammelte er schließlich etwas von Unfall und Blättern vor sich hin.
„Du nennst es Unfall.“, erklärte Yamato. „Ich nenne es Schicksal.“
Taichi beobachtete wie Yamato den Rollstuhl neben das Bett schob und war so perplex durch die Aussage, dass er gar nicht reagierte, als Yamato ihn in den Rollstuhl reinhob.
„Wie meinst du das?“, fragte er schließlich, als sein Gehirn langsam wieder anfing zu funktionieren.
Yamato schob ihn aus dem Zimmer und Richtung Ausgang. „Ein Streit Taichi – wenn auch ein sehr hässlicher – und du denkst tatsächlich die Freundschaft wäre vorbei. Auf keinen meiner Anrufe hast du reagiert“, das stimmte, musste Taichi eingestehen, in den ersten Wochen hatte Yamato öfter angerufen, aber Taichi war nie dran gegangen, weil er immer noch zu wütend und verletzt gewesen war „Und hättest du dich bei mir gemeldet jetzt wo ich zurück bin? Nein. Siehst du? Schicksal. So kommst du nun mit zu mir, ruhst dich aus und wir werden stundenlang und vehement darüber diskutieren warum du ein solcher Idiot bist. Und keine Ausflüchte. Verdammter Trottel, denkst du kannst die Freundschaft einfach wegwerfen.“
Und während Yamato ihn weiterschob und dabei eine vor sich hingemurmelte Tirade von Beschwerden von sich gab konnte Taichi nicht anders als zu lächeln.
Vielleicht waren Krankenhäuser ja gar nicht so schlimm. Zumindest an Tagen wie heute.