[identity profile] sommerschnee.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten

Titel: Glück
Challenge: Karte 1, „Ein Opfer bringen“ (fürs Team)
Fandom: Original
Team: Joplin
Wörter: ~600
Anmerkungen: Nicht gegen gelesen :)

 

Er hätte an den Nordpol ziehen sollen.

Das war seine vollkommene Überzeugung. Wär er an den Nordpol gezogen, hätte er die schwerste Anreise gehabt, die nur möglich war. Wobei... wahrscheinlich wäre ihm die Anreise dann gar nicht möglich gewesen und das war ja auch nicht im Sinne der Sache.

Also irgendein anderer abgelegener Ort. Von dem man nur mit kleiner Propellermaschine und auf dem Rücken von merkwürdigen Tieren fort kam. Von wo aus er Tage unterwegs gewesen wäre um hierher zu kommen. Und er hätte angeben und prahlen können und alle hätten ihn für den nettesten Menschen gehalten. Und sie hätte gesehen wieviel sie ihm bedeutet und das alles beendet.

Tatsache jedoch war, dass er mitten in einer Metropole wohnte. Und er hatte sich gerade einmal zwanzig Minuten Zugfahrt angetan um hierher zu kommen. Zu dieser Hochzeit. Mit seiner Ex als Braut.

Er zuckte bei dem Gedanken zusammen. Er hasste es, wenn sie als seine Ex bezeichnet wurde. Und doch passierte es ihm teilweise selbst. Sie war so viel mehr und der Begriff 'Ex' so lapidar. Sie war seine große Liebe und ihre Beziehung war eine voller Leidenschaft und Dramatik gewesen wie Hollywood es sich nicht besser hätte erträumen können.

Sie hatten so viele Auf und Abs gehabt. In ihren besten Zeiten waren sie zusammen besser als jedes Liebespaar in der Historie gewesen. Aber in ihren schlechten Zeiten... Er schüttelte den Kopf. Irgendwann war es ihnen nicht mehr möglich gewesen den ganzen Schmerz mit schönen Erinnerungen zu überdecken.

Er war es gewesen, der die Beziehung schließlich beendet hatte. Sie war es gewesen, die geschafft hatte abzuschließen.

"Sie möchte dich sehen." Vorwurfsvoller Unterton. Missbilligender Blick. Die beste Freundin. Aber natürlich.

Er folgte ihr stumm zum Zimmer der Braut.

Sie stand in ihrem weißen Kleid am Fenster und sah aus als wäre sie einem Hochzeitsmagazin entsprungen. Oder einem Märchen. Woher auch immer, so war das Bild, dass sie ihm bot einfach perfekt. Und das weniger wegen dem wunderschönen Kleid das sie trug, sondern wegen dem Ausdruck puren Glücks auf ihrem Gesicht. Er folgte ihrem Blick aus dem Fenster. Im Garten half ihr Bräutigam bei den letzten Vorbereitungen für die anstehende Trauung. In ihm zog sich alles zusammen.

Erst jetzt bemerkte sie ihn. "Du bist gekommen."

Und für eine Sekunde sah er in ihrem Gesicht genau das was er sehen wollte: Freude, Hoffnung und Liebe. 'Halte mich auf' schien ihr Blick zu sein 'Bitte mich mit dir zu gehen, nimm mich mit.'. Und er wusste, wenn er sie jetzt darum bitten würde, dann würde sie mit ihm gehen. Noch im Brautkleid mit ihm ins Auto steigen, sich an einer Raststätte irgendwelche Kleidungsstücke holen und mit ihm verschwinden. Er konnte es direkt vor sich sehen wie sie den Rest des Lebens zusammen verbringen würden, mit all ihrer Liebe und all ihrem Drama.

Und dann dachte er an das Glück was er noch vor wenigen Sekunden in ihrem Gesicht gesehen hatte und wusste, dass er ihr das nicht nehmen konnte. Sein Glück stand direkt vor ihm, zum Greifen nahe und doch würde er es selbst zerstören wenn er nur danach griff.

Stattdessen legte er ihr die Hände auf die Schultern, trat an sie heran und küsste sie auf die Stirn. "Ich wünsche dir alles Glück der Welt.", sagte er leise und war stolz auf sich selbst wie sicher und fest seine Stimme klang. "Und ich bin mir sicher, dass du es mit ihm finden wirst. Aber nicht mit mir in deinem Leben. Ich sollte nicht hier sein."

Für eine Sekunde wartete er darauf, dass sie ihm wiedersprach, aber eigentlich war ihnen beiden klar, dass er die Wahrheit gesprochen hatte.

"Lebwohl.", flüsterte er und drehte sich um und ging, ohne zurückzublicken, während in ihm etwas zerbrach.

 


Date: 2011-08-05 07:15 pm (UTC)
From: [identity profile] zerstreuung.livejournal.com
Voll schön!! Sehr romantisch, habe sofort 'n trauriges Pianolied im Kopf..

<<<<Er war es gewesen, der die Beziehung schließlich beendet hatte. Sie war es gewesen, die geschafft hatte abzuschließen.<<< Schön voneinander abgesetzt. Gefällt mir sehr ^^ <<<<Erst jetzt bemerkte sie ihn. "Du bist gekommen." Und für eine Sekunde sah er in ihrem Gesicht genau das was er sehen wollte: Freude, Hoffnung und Liebe. 'Halte mich auf' schien ihr Blick zu sein 'Bitte mich mit dir zu gehen, nimm mich mit.'.<<<<< Hätte ich vielleicht vor "Du bist gekommen." gesetzt, weil ich jetzt erstmal n anderes Bild im Kopf hatte ^^ Und dann irritiert über deines war ^^ (habe gerade den "konstruktive Kritik" Thread mal gelesen und entschieden, dass ich kommentieren sollte ^^)

Date: 2012-07-12 05:43 pm (UTC)
From: [identity profile] keksdiebin.livejournal.com
Das ist wirklich eine schöne Geschichte... kurz aber trotzdem tiefgehend. Ich kann ihn total verstehen ._. Und er trifft am Ende die richtige Entscheidung...
Ich hab mich davon inspirieren (http://120-minuten.livejournal.com/683339.html) lassen =)

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