[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Dean
Challenge: Karte 2, Challenge: „Ich war betrunken“ (für mich)
Fandom: Arashi
Disclaimer: Eigentum von JE, ich leihe sie mir nur aus und gebe sie anschließend zurück.
Genre: Slash, Krimi
Pairing: Aiba/Nino
Warnung: /
Wörter: 1.328
Kommentar: Namen in japanischer Reihenfolge Nachname-Vorname
Teil 1, Teil 2, Teil 3

Wenn er Aiba Masaki mit nur einem Wort hätte beschreiben sollen, hätte Jun lange Zeit darüber nachgedacht. Aiba war weder dumm noch klug, weder langweilig, noch aufregend. Er war nicht das, was man sich unter „normal“ vorzustellen hatte, aber auch keine Person, der man den Er-ist-etwas-Besonderes-Stempel aufdrückte.

Nachdem Jun sich den Mann nach Ladenschluss der Bäckerei gekrallt, ihn in eine Kneipe um die Ecke eingeladen und ihm fünf Bier spendiert hatte, wusste er, welches Wort am besten auf Aiba passte: Einfältig. Er war nicht dumm, nur einfältig.

„Wie lange geht das schon mit euch beiden?“, fragte er und nippte betont langsam an seinem Tequila Sunrise. Am liebsten hätte er sich mit Stift und Notizblock neben Masaki gesetzt, aber das wäre womöglich doch wieder zu auffällig gewesen.
Es dauerte eine kleine Weile, ehe Aiba sein Gesicht wieder aus dem Bierglas hob. Seine Wangen und Augen schienen zu glühen, die Nasenflügel bebten.
„Seit wir… in der achten Klasse waren, glaube ich.“
Er drehte sich Jun zu und grinste.
„Ich mag Nino.“
Es hatte also nicht viel gebraucht um den Jungen betrunken zu bekommen. Maßnahmen wie diese waren für Jun nicht ganz legal, doch nachdem Sakurai, Ninomiya und die Schule sich verwehrt hatten, war Jun nichts anderes übrig geblieben- auch wenn in der hintersten Ecke seines Kopfes ein winselndes Stimmchen anderes rief.
Jun legte die Arme auf dem Tresen der Bar ab und beugte sich vor. Aiba roch wie eine Bierbrauerei.
„Du hast gesagt, Sakurai hätte euch irgendwann mal auf dem Schulklo erwischt. Und dann wären Dinge passiert“, murmelte er verhalten und versuchte, die eigene Aufregung zu unterdrücken.
„Was waren das für Dinge?“
Der Alkohol machte seine Glieder schwer und leicht zugleich. Jun spürte, wie sich sein Kopf mit einem Mal viel weiter weg anfühlte, als würde seine Rationalität wie ein Heliumballon irgendwo über ihm schweben.
Aiba schaute langsam wie in Zeitlupe zur Seite und in seinem Gesicht spiegelte sich etwas wider, was Jun als Scham erkennen wollte.
„Das war nicht gut“, murmelte er versunken.
„Das war nicht für Sho-chan und uns damals.“
„Was denn?“
Ehe er es sich versah, hatte Jun Aiba am Handgelenk gefasst.
„Was war nicht gut?“

„Ich würde sagen, du lässt ihn erstmal los!“
Die Stimme kam von hinten, scharf wie Rasierklingen, prallte an der Wand ab wie ein Bumerang und zerstreute sich im Raum. Jun fuhr herum und wäre er nicht so erschrocken gewesen, er hätte darüber gelacht, wie Ninomiya, der in liederlichen, halb zerschlissenen Klamotten dastand und so viel jünger und kleiner als Aiba aussah, versuchte, sich drohend aufzubauen.
„Nino-chan“, wimmerte Aiba glücklich und ließ sich seinem Freund in die Arme fallen.
„Nino-chan, ich mag dich!“
“Das ist ganz toll Masaki, aber willst du nicht lieber erstmal ins Bett?”
Ninomiya klopfte seinem Freund auf den Rücken und wand sich umständlich wieder aus dessen Klammergriff.
Erst als Aiba sich bückte um seine Tasche und Jacke zusammenzusuchen, wandte er sich an Jun, der eine Hand an seinem Glas, die andere noch immer gedankenverloren in der Luft schweben hatte.
„Denkst du wirklich, ich würde es dir so leicht machen?“
Er grinste so schief, dass Jun es für eine optische Täuschung hielt und innerhalb des Bruchteils einer Sekunde fiel die Temperatur um scheinbar zwanzig Grad innerhalb der kleinen Bar.
Jun verbrachte die folgende Nacht wiederum in seinem winzigen Apartment, eine Zigarette nach der anderen rauchend, über seinem Laptop grübelnd, mit vor Alkohol zitternden Fingern.
Er hasste Ninomiya.
Der Typ konnte nur Schuld an Sakurais Misere sein.
Der Typ hatte ein armes, unschuldiges, altes Ehepaar auf seinem Gewissen.

„Matsumoto, du siehst unglaublich schlecht aus“, begrüßte ihn sein Chef am nächsten Morgen.
„Ich war betrunken“, murmelte Jun lispelnd. Lieber wäre er im Bett geblieben und hätte sich mit seinem Brummschädel beschäftigt. Aber der Gedanke an Ninomiya hatte ihn schließlich kaum dass er ins Bett gegangen war, wieder aus dem Schlaf gerissen.
„So ähnlich wie Aiba-chan heute Morgen. Gott, sah der schlecht aus.“
Sein Chef sortierte gedankenverloren ein paar Dokumente.
`Der war auch betrunken´, wollte Jun sagen, ließ es aber. Es sollten nicht alle wissen, was er versucht hatte mit Aiba anzustellen.
„Oh, siehe da“, sein Chef kratzte sich am Kopf als Jun begann, an seinem Arbeitsrechner zu fummeln.
„Kato ist vor zwei Monaten seine Rente gestrichen worden. Wusste ich ja gar nicht. Kein Wunder, dass er zuletzt so nach links abgerutscht ist.“
Jun musste an die Eier denken, mit denen der alte Mann Sakurai beworfen hatte, aber der Gedanke verschwand schnell hinter den Kopfschmerzen.

Aiba war ein Wirbelwind.
Selbst wenn er einen Kater von letzter Nacht hatte- er ließ es sich nicht anmerken. Jun betrachtete den jungen Mann während der Mittagspause bei der Arbeit, wie er hin- und herfegte, Teller halb fallenließ, Bestellungen verwechselte und sich an Kaffee verbrühte- aber trotz allem seltsamerweise auf eine nervöse Art professionell wirkte.
Er hatte nichts vom lauten Donnern Sakurais oder dem gefährlichen Aufblitzen eines Ninomiya. Aiba war wie der Wind eines herannahenden Sturmes- an sich harmlos, aber womöglich ein Indikator dafür, dass es ungemütlich werden mochte.

Ninomiya war nirgends zu sehen. Doch bevor Jun einen weiteren Angriff auf Aiba vornehmen konnte, vibrierte das Handy in seiner Hosentasche und als er es hervorzog, blinkten wütend die Namenskanji seines Chefs auf.
„Wo steckst du? Sakurai ist wieder draußen und du könntest wenigstens versuchen, ein kurzes Interview mit ihm zu bekommen!“

Als Jun um die Straßenecke hetzte, war das Büro von Sakurai Sho längst wieder geöffnet.
Auf der anderen Seite der Straße lag klagend und gelb mit Absperrband versehen das leere Haus der Katos und Ninomiyas Elternhaus, aus dessen geöffnetem Fenster im ersten Stock laute Musik drang. Jun schaute hoch, blinzelte, versuchte einen kurzen Moment lang eine Silhouette auszumachen und drehte sich dann um.

„Ah, Matsumoto!“
Sakurai trug einen dunkelgrauen tadellos gebügelten Anzug und eine nichtssagende Krawatte als er mit ausgebreiteten Armen auf Jun zukam.
„Ich hatte mich schon gefragt, wann Sie hier aufkreuzen würden.“
Seine Sekretärin schaute kaugummikauend von einem Youtube-Video hoch.
„Ich hoffe, es geht Ihnen gut soweit?“
Jun bemerkte erst etwa eine Sekunde später, dass er Sakurai wie ein Idiot anstrahlte.
„Alles bestens.“
Sho setzte sich und sah hinter dem Stapel an liegengebliebener Post auf seinem Schreibtisch winzig aus.
„Die Sachlage wurde untersucht, von mir wurden keine Spuren am Tatort gefunden, alles bestens. Das können Sie gerne so schreiben.“
Sakurai lächelte verbindlich und wedelte kurz mit der Hand als wäre Jun eine Fliege, die man damit verscheuchen könne.
„Und der Mörder?“, entfuhr es diesem etwas piepsend.
„Ist nunmehr nicht meine Angelegenheit“, sagte Sakurai.
„Aber…“
In Juns Kater-Rauschkopf hatte irgendetwas angefangen, sich nervös zu drehen.
Auf der anderen Seite der Straße saß Ninomiya, dessen Plan nicht aufgegangen war. Was würde er nun tun? Würde Sakurai irgendeinen Racheplan in der Hinterhand haben? Würde demnächst wieder irgendwer in der Nachbarschaft tot aufgefunden werden?
„Kommen Sie doch übermorgen zu meiner Wahlkampfveranstaltung!“, durchbrach Sakurais Stimme das Gewaber in seinem Kopf.
„Ich würde mich sehr freuen!“

Das Lächeln des Mannes geisterte noch immer durch Juns Kopf als er schon längst auf dem Weg zurück in die Redaktion war. Das Seltsame war, dass er genau wusste, dass Sakurai ihn als PR-Mittel versuchte einzuspannen. Aber es machte ihm nichts aus. Er war ein Starpolitiker in dieser Nachbarschaft. Was konnte dabei schon schieflaufen?
Ohno Satoshi saß vor der kleinen, leeren Bäckerei und rauchte etwas, das nicht aussah wie eine gewöhnliche Zigarette.
Jun grüßte höflich, sah durch die Fensterscheibe drinnen Aiba Masaki an einem der Tische hängen, beide Arme auf der Tischplatte verschränkt und den Kopf darauf abgelegt, schlafend. Der Kater hatte natürlich letztendlich auch ihn erwischt.

„Ich war auf derselben Schule wie die drei, weißt du“, sagte Ohno plötzlich als Jun schon fast vorbeigelaufen war. Hinter den Häusern sank die Sonne rot zwischen Dächern, Strommasten und parkenden Autos ein.
Wäre dies ein Comic gewesen, Juns Schuhe hätten beim Stehenbleiben gequietscht. Oder gequalmt.
„Ein Jahr über Sho.“
Ohno zog genüsslich langsam an seinem Joint.
„Und an besagtem Tag auch dabei.“
Er zog die Lippen zu einem schrägen Grinsen auseinander bis die schiefen Zähne zum Vorschein kamen.

To be continued…

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