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Team: Hendrix
Autor: Jenchan
Titel: Antipathie
Challenge: Karte 1 - Joker (für mich)
gewählte Challenge: (1.2.2011) Nehmt das nächstbeste Buch in eurer Nähe und schlagt es auf Seite 75 auf. Nehmt das erste Nomen, was ihr findet als Challenge: Hölle.
Fandom: Original (Hugh-versum)
Charaktere: Hugh, Eliza
Wörter: 1593
Warnings: unbetaed, nicht Korrektur gelesen
Disclaimer: Alles meins, bis auf den Plot, den ich von einer Freundin gespendet bekommen habe.
Continuation: Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4 | Teil 5

Kommentar: Irgendwie - tun mir alle meine Charaktere ab einem gewissen Punkt Leid. Aber so ist das Leben, warum sollten sie es besser haben als die reale Menschheit? XD


Antipathie

Hugh hatte keine Ahnung, wie lange er im Gemeinschaftsraum schon saß. Er hatte sich zwar auf das Buch konzentrieren wollen, aber letztlich hatte er einfach nur aus dem Fenster gesehen und nachgedacht.
Darüber nachgedacht, wie wohl seine nähere Zukunft aussehen würde. Die jüngsten Entwicklungen ließen da kaum zu rosige Gedanken aufkommen. Allerdings konnte er auch jederzeit ausziehen und sich eine Wohnung nehmen, wie es seine Eltern ursprünglich vorgeschlagen hatten. Nur dann war sein Projekt gescheitert und eigentlich machte dann sein Studium zum Architekten auch nicht mehr viel Sinn.
Wenn er nicht die Menschen verstand, was sollte er dann für nützliche Bauwerke kreiieren? Wenn Bauwerke einmal fertig gestellt waren, sollten sich diejenigen, die es ansahen oder gar darin lebten oder es benutzten, damit identifizieren können. Sie sollten sagen können: Das sieht echt gut aus und ist obendrein noch praktisch.
Hugh hatte in dem Punkt ein sehr perfektionistisches Denken, insofern wollte er, dass sein Projekt ein Erfolg wurde. Dass er nach dem Studium sagen konnte, er hätte echt viel gelernt.
"So früh hatte ich mit dir hier nicht gerechnet..." Hugh drehte sich zu der Frauenstimme um, die eindeutig Eliza zuzuordnen war. Sie stand im Durchgang zur Küche gelehnt mit einer Schüssel und einer Gabel in der Hand da und ihre Augen waren auf ihn gerichtet. Sie hatten einen amüsierten Glanz darin und er fragte sich, wie lange sie schon dastand und ihn beobachtete.
Er hatte sie nicht mitbekommen.
"Ich wollte in Ruhe lesen und nachdem hier noch niemand war, habe ich mir diesen Raum ausgesucht." Es klang, als ob er viele Alternativen gehabt hätte. Als wäre das ein Palast und er könnte sich aussuchen, in welches Zimmer er ging.
"Nach lesen hat das aber nicht ausgesehen. Ist die Aussicht wirklich so prickelnd?" Hugh hörte deutlich das Kichern in Elizas Stimme und presste kurz die Lippen zusammen. Also war sie tatsächlich nicht erst eingetreten, sondern hatte ihn ein wenig beobachtet. Er wusste nicht, was er davon halten sollte.
"Ich habe nachgedacht", erwiderte er schließlich ehrlich und legte das Buch, dass er bisher aufgeschlagen gehalten hatte, zusammengeklappt in seinen Schoß. In einer fast schützenden, aber eleganten Art und Weise legte er seine Hände darauf.
Sein Blick huschte noch einmal kurz nach draußen, um überhaupt zu registrieren, was es dort zu sehen gab, bevor er sich Eliza vollständig zuwandte. "Sie sollten sich beim Essen setzen", merkte er dann an. Es machte ihn doch ein wenig nervös. Als hätte die junge Frau keine Zeit, in Ruhe ihre Mahlzeit zu genießen. "Ich kann auch gerne gehen, wenn Sie lieber allein sein möchten."
Eliza lachte und verschluckte sich dabei fast. Dann schüttelte sie den Kopf, aber grinste immer noch breit. "Ja, Opa", neckte sie ihn, stieß sich vom Türrahmen ab und wählte einen Platz in der Nähe von ihm. Jetzt konnte Hugh auch einen Blick in ihre Schüssel werfen. Nudeln, rote Bohnen, Mais - und war das Thunfisch?
Subtil schnupperte und bestätigte sich, dass es in der Tat Thunfisch war. Es sah ein wenig aus, als wäre die Kombination eine mexikanische Spezialität. Aber so genau kannte er sich in den verschiedenen Küchen nicht aus. Meistens aß er, was ihm vorgesetzt wurde, auch wenn ihm klar war, dass er nur hochwertige Nahrungsmittel bisher bekommen hatte. Der Ausflug in die Pizzaria heute Mittag war wirklich eine neue Erfahrung gewesen und er spürte, wie sich ein leichtes Zwicken in seinem Magen bemerkbar machte.
Er hatte ja immerhin auch noch nichts zu abend gegessen und eigentlich wollte er heute auch gar nicht mehr so wirklich weggehen. Es blieb ihm zwar nichts anderes übrig, da er hier keine Lebensmittel hatte - er hatte ja aber auch vom Kochen gar keine Ahnung.
"Hungrig?", fragte Eliza und erst jetzt bemerkte Hugh, dass sich sein Blick auf ihre Schüssel und dessen Inhalt geheftet hatte. Verlegen sah er zur Seite und räusperte sich leicht. "Entschuldigung. Ich wollte Sie nicht beim Essen stören." Seine Manieren schienen wirklich mit jeder Begegnung des gewöhnlichen Volkes mehr zu leiden.
"Hast du nicht und das war auch nicht die Frage...", erwiderte Eliza und nahm noch einen Bissen von ihren Nudeln. Zu seinem Entsetzen musste Hugh feststellen, dass er aus den Augenwinkeln der Bewegung gefolgt war und der jungen Frau nun beim Kauen zusah.
Sofort richtete er seinen Blick wieder nach draußen und presste leicht die Lippen zusammen. "Ein wenig. Aber ich werde gleich losgehen und mir etwas zu essen organisieren."
"Du wirkst nicht, als wolltest du wirklich noch einmal fortgehen."
Hugh schwieg. Sie hatte ja Recht und einmal mehr stellte er fest, wie aufmerksam Eliza war. Auch im Restaurant hatte sie ihn quasi durchschaut und Dinge auf den Tisch gebracht, die er so bewusst nie wahrgenommen hatte oder nie ausgesprochen hätte.
"Es ist noch etwas von dem Nudel-Thunfischsalat übrig. Du kannst also gerne eine Portion abhaben." Bei Eliza klang es, als wäre das keine große Sache, aber er wusste, dass Studenten meistens kein Geld hatten und es kam ihm falsch vor, Eliza um ihr Essen zu bringen.
"Es ist Ihr Essen, Eliza", betonte Hugh und machte damit auch gleich klar, dass er nicht wollte, dass sie etwas davon herschenkte. Immerhin hatte sie dafür bezahlt.
Die Gabel klimperte, als Eliza sie in die Schüssel warf und Hugh erbost ansah. Er wusste nicht, was er nun schon wieder getan hatte, aber er sah eindeutig wieder dieses Temperament in ihr auflodern.
"Du tust ja fast so, als würde ich verhungern, wenn ich dir etwas zu essen gebe", beschwerte sie sich. "Mag sein, dass du mehr Geld besitzt als viele anderen hier, aber das bedeutet noch lange nicht, dass wir am Hungertuch nagen oder du uns so herablassend behandeln kannst, Hugh."
"Wow... Eliza hat schon wieder ihre zickigen fünf Minuten", ertönte vom Eingang her eine Männerstimme. Aber Hugh war noch etwas gar perplex, um den Neuankömmling zu mustern.
"Halt die Klappe, Max. Das geht dich gar nichts an", blaffte sie auch gleich den Mitstudenten nieder und schoss immer noch feurige Blitze auf Hugh ab, der leicht schluckte und sich dann leise räusperte.
"Ich versichere Ihnen, Eliza, das war so nicht gemeint. Es tut mir Leid, wenn ich mich missverständlich..." Eliza machte ein frustriert-verärgetes Geräusch und Hughs Blick flog zu dem anderen Studenten, der losgeprustet hatte. Dann beendete er leiser seinen Satz: "... ausgedrückt habe."
Anschließend erhob er sich. Ihm gefiel nicht, in welche Richtung das alles ging und er hatte mit der Reaktion seines Zimmergenossen heute eigentlich schon genug von unhöflichem Verhalten. "Entschuldigt mich. Eliza, danke für das Angebot, aber ich halte es für besser, es nicht anzunehmen."
"Hugh...", setzte Eliza an und Hugh schüttelte leicht den Kopf und rang sich ein leichtes Lächeln ab. Er legte ihr sanft eine Hand auf die Schulter und fügte hinzu: "Ein anderes Mal vielleicht. Mir war heute schon eine angenehme Mahlzeit mit dir vergönnt. Ich werde wie versprochen später noch einmal hier vorbeisehen."
Er warf noch einen kurzen Blick auf Max, als er aus dem Raum ging und zurück in sein Zimmer, um sich für einen kurzen Aufenthalt draußen zurecht zu machen.

Als er das Zimmer betrat, lag Jared immer noch ausgestreckt auf dem Boden und spielte an der Spielkonsole. Soweit er das beurteilen konnte, hatte sich allerdings das Spiel geändert.
Vorsichtig, um seinen Zimmerkumpanen nicht zu stören, stieg er über diesen hinweg und öffnete den Schrank.
Er zuckte allerdings zusammen, als Jared plötzlich zu fluchen begann und vorsichtig warf er einen Blick über seine Schulter. Aber diesmal waren die Worte offenbar an den Fernseher gerichtet und innerlich atmete Hugh durch.
Es war nicht so, dass er wirklich Angst vor Jared hatte, aber dessen doch als recht aggressiv zu bezeichnendes Verhalten, verhinderte, dass er sich in dessen Gegenwart entspannen konnte. Er wollte nicht unvorsichtig und zum Schluss tatsächlich noch tätlich angegriffen werden. Das würde alles nur unnötig komplizierter machen.
Also beschloss Hugh, sich einfach nur eine dünne Jacke zu nehmen und schnellstens wieder aus dem Zimmer zu verschwinden. Bevor wirklich nur er persönlich dafür verantwortlich gemacht wurde, dass Jared anscheinend verlor.
Leise schloss er die Zimmertüre hinter sich und ging zum Treppenhaus. Es würde gut tun, noch etwas frische Luft zu schnappen und Energie zu tanken. Die Leute hier waren alle eine Klasse für sich und Hugh wusste im Moment nicht, ob er sich das wirklich die nächsten Jahre antun wollte. Für ihn würde es gewiss die Hölle werden, zumal er eindeutig von keiner Seite aus Verständnis für seine Situation erwarten konnte.
Selbst Eliza machte nur zu klar, dass sie das Schlimmste von ihm dachte.
Dabei hielt sich Hugh eigentlich nicht für arrogant und überheblich. Er versuchte ja auch, sich ein wenig anzupassen, aber es war sein erster Tag hier gewesen. Und außer dem recht angenehmen Mittagessen und dem anschließenden Stadtbummel, war der Tag eigentlich zum Schmeißen gewesen.
Hätte er es nicht versprochen, hätte er sich wirklich noch einmal überlegt, ob er heute Abend noch in den Gesellschaftsraum kommen würde. Er war eigentlich nicht erpicht darauf, noch mehr Rüpel und Heuchler kennen zu lernen.
Allerdings brach er keine Versprechen. Er musste einfach nur zusehen, dass er die Hölle unbeschadet überstand. Am besten er gab sich zwei Wochen Testphase, ob es wirklich tragbar war, sein persönliches Projekt durchzuziehen. Spätestens da würde sich ja herauskristallisiert haben, ob und wie er mit dem gewöhnlichen Volk klar kommen würde.
Und er beschloss, morgen seine Mutter anzurufen. Es würde gut tun, wenn er ihre Stimme hören konnte. Aber das würde er ausgeschlafen machen, wenn sich sein innerer Ärger etwas gelegt hatte und seine Gedanken nicht mehr in solch einer Unordnung waren. Er musste sich auf jeden Fall ein paar gute Strategien für den Abend einfallen lassen.


(PN mit den Links folgt noch)

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