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Team: Hendrix
Autor: Jenchan
Titel: Gratwanderung
Challenge: Karte 1 - Genie und Wahnsinn (für mich)
Fandom: Original (Mindgames)
Charaktere: Noryoku Kiseki
Wörter: 1208
Warnings: unbetaed, nicht Korrektur gelesen
Disclaimer: Die beiden Charas sind auf meinem Mist gewachsen. Alle beschriebenen Ereignisse sind fiktiv und können daher auch unlogische Elemente enthalten.

Kommentar 1: Ich bin immer noch Luina zu großem Dank verpflichtet, dass sie mit mir diese Geschichte aufgebaut hat, auch wenn diese Ereignisse in Kisekis Vergangenheit stattfinden und es damit nichts mit den gegenwärtigen Problemen unser Protagonisten zu tun hat. Ich liebe alle unsere Charas heiß und innig. <--- wirklich ^^
Kommentar 2: Es ist total anders geworden, als ich ursprünglich geplant hab. Aber was solls XD


Gratwanderung

In den Augen einiger Menschen war er ein Genie. Er selbst hielt sich ja auch für ziemlich clever. Zumindest war er der Meinung, dass er mit seinen sechszehn Jahren durchaus schon fähig war, ein selbstständiges Leben zu führen.
Er hatte mit seinen Eltern einen Kompromiss geschlossen. Sie hatten ihn unbedingt auf diese Oberschule schicken wollen, obgleich ihm eine andere lieber gewesen wäre. Eine, die das Augenmerk mehr auf seine echte Leidenschaft gelegt hätte.
Aber seine Eltern waren hartnäckig gewesen und hatten darauf beharrt, dass er zu dieser Schule ging. Sie hatten auch vieles andere schon von ihm verlangt, aber Kiseki hatte für sich den bestmöglichen Deal herausgeschlagen.
Er hatte seine Eltern mit Vorwürfen überhäuft und sie beschuldigt, dass sie sich bisher nie um ihn gekümmert hätten und sie am besten erst gar nicht damit beginnen sollten. Das hatte sie sprachlos gemacht, genau wie er es vorhergesehen hatte. Das hatte ihm die Basis gegeben, sich als großzügig zu erweisen und seinen Eltern großmütig zu verzeihen. Es wäre nicht so schlimm, hatte er gemeint und fortgesetzt damit, dass er durchaus einsieht, dass sie es irgendwie kompensieren wollte. Er würde ihnen zuliebe auf die Schule gehen. Aber dafür durften sie sich nicht in sein Leben einmischen. Wenn er etwas von ihnen brauchen würde oder etwas für die Schule zu zahlen wäre, dann würde er ihnen das schon sagen. Anders als das, wollte er allerdings keine nervigen Fragen haben.
Er hatte sich ein Stück mehr Freiheit herausargumentiert und es hatte sich verdammt gut angefühlt. Losgesölt von allen Fesseln hatte er das Leben in einem neuen Blickwinkel kennengelernt.
Er hatte gelernt, wie man andere Leute um Geld und andere Dinge erleichtern konnte. Er hatte gesehen, welche Möglichkeiten einem offenstanden, wenn man nur ein wenig seinen Verstand einsetze und niemals vergaß, zu zeigen, dass man Spaß hatte. Keinen interessierte es, ob man sich wirklich fühlte.
Ein strahlendes Lächeln sahen die Leute gern. Das und korrektes Verhalten. Wer Manieren und Grips hatte und darüber hinaus auch noch Lächeln konnte, wenn es die Situation erforderte, dem standen alle Türen offen.

Kiseki interessierten diese Türen aber nicht. Er fand es viel spannender sich an den Hintertürchen zu wagen. Die Öffnungen, die meist viel fester verschlossen waren und nur mit einem sympathischen Lächeln und ein paar schlauen Worten nicht zu knacken waren.
Von wirklich kriminellen Handlungen sah er ab. Abgesehen davon, dass er regelmäßig die Gesetze übertrat, indem er in seinem Alter spät nachts noch draußen war, machte er nichts, was wirklich illegal war. Er wusste ganz genau seine Grenzen. Er kannte die Grauzone und er nutzte sie bis in den kleinsten Winkel aus.
Er konnte es sich leisten - seine Noten waren sehr gut. Jedenfalls hatte er in dem ganzen ersten Jahr der Oberstufe keine einzige Prüfung versaut und das obwohl er oft genug im Unterricht einschlief. Aber die Lehrer trauten sich dagegen schon nichts mehr sagen. Wenigstens störte er den Unterricht nicht oder untergrub die Autorität des Lehrers, indem er komplizierte Fragen stellte, deren Antwort den Rahmen eines jeden Unterrichts sprengen würde.
Die Lehrer hielten sein Verhalten für sehr bedenklich, aber Kiseki war das wirklich egal. Er fand nicht, dass ihre Meinung irgendetwas zählte. Nicht für ihn jedenfalls.

Dadurch gab es natürlich auch Menschen, die ihn schlichtweg für wahnsinnig hielten. Inoue Himitsu war einer davon. Kiseki nannte ihn seinen besten Freund und das war er auch. Himitsu war immer für ihn da. Sie waren Nachbarn schon seitdem Kiseki an den Stadtrand von Tokyo gezogen war. Damals war er fünf gewesen.
Auch heute noch konnte er sich stehts auf Himitsu verlassen und Himitsu war auch der Einzige, der ihn zu bremsen vermochte, wenn er mal wieder zu sehr auf der Überholspur unterwegs war. Himitsu war der einzige, der sich überhaupt traute, ihm irgendwie ins Gewissen zu reden und Kiseki war klar, dass sein bester Freund auch der einzige war, der damit durchkam. Himitsu war sein gewissen. Himitsu war einer der Personen, die einmal zu absoluten Musterbürgern heranwachsen würden. Manchmal tat es Kiseki Leid, dass er Himitsu zu ihm in die Grauzone zog. Mehr in den Schatten.
Aber dann wiederum: Himitsu hatte sich nie darüber beschwert und Kiseki wusste, dass Himitsu der Erste sein würde, der ihm den Rücken kehrte, wenn er wirklich über die Stränge schlug. Wenn er aus den Augen verlor, dass das Gesetz vor ihm nicht Halt machen würde, wenn es darauf ankam.
Kiseki schätzte sich glücklich, so einen Freund zu haben. Schon allein um diese Freundschaft zu schützen, beschränkte sich Kiseki die meiste Zeit darauf, den Lehrern streiche zu spielen und sich wie ein normaler Jugendlicher zu verhalten. Und wenn er abends unterwegs war, um ein paar reiche Jugendliche um etwas Geld zu erleichtern, behielt er das meistens für sich. Es kam nur manchmal vor, dass Himitsu ihn begleitete, aber dann wählte Kiseki eher Gesellschaft, die Himitsu nicht in Schwierigkeiten brachten. Denn niemand sollte das ausbaden müssen, was er sich selbst aufhalste.
Vielleicht war es dieses starke Beschützerbewusstsein gegenüber seinen Freunden, dass Himitsu ihn für vollkommen durchgeknallt hielt. Oder aber, er sah in ihm etwas, das kein anderer sah.

Kiseki war sich manchmal selbst nicht sicher, ob das was er vorhatte, ein genialer Geniestreich werden würde oder ob er tatsächlich nur einer Art von Wahnsinn verfallen war. Ob er in seiner Sucht nach Freiheit nicht schon lange Grenzen überschritten hatte, die ihn psychisch krank machten.
Aber wenn er wirklich psychisch krank war, dann konnte er das gut verbergen. Oder die Leute hielten es für harmlos. Letzteres war sehr wahrscheinlich, denn wie schnell war jemand für wahnsinnig erklärt, obwohl man es nicht böse meinte.
Er war mitunter also wirklich auf diese positiv-wahnsinnige Weise ein Genie.
Kiseki grinste und lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. Er saß in der ersten Reihe und hinter ihm saß sein bester Freund und schrieb fleißig mit, was der Lehrer vorne rezitierte. Kiseki interessierte sich nicht für das Gelaber - es enthielt für ihn keine neuen Erkenntnisse.
Stattdessen kippelte er mit den Stuhl nach hinten und legte den Kopf in den Nacken. Er grinste Himitsu ins Gesicht. "Ich hätte gerade große Lust, nach Shinjuku zu fahren", meinte er leise und seine dunklen Augen leuchteten verschmitzt.
Himitsu sah ihn besorgt an. "Du warst gestern schon. Du solltest heute mal wieder nach Hause fahren. Wir können ja gemeinsam Hausaufgaben machen."
Kiseki verdrehte die Augen. "Wer hat es dir verraten?"
Himitsu schnaufte. "Ich kenn dich. Das reicht. Außerdem hat Matsumoto mich heute gefragt, ob du in Schwierigkeiten steckst."
"Was hast du gesagt?"
"Dass du einfach nur ein Idiot bist. Ein wahnsinniger Idiot, der nachts anstatt zu Hause wie jeder andere zu schlafen, durch die Straßen von Tokyo läuft und versucht, nicht von der Sittenpolizei geschnappt zu werden."
Kiseki grinste. "Die haben mich nicht erwischt und die Typen, die mir mein Taschengeld gegeben haben, auch nicht."
Himitsu seufzte und schüttelte den Kopf. "Mach, was du willst. Du kennst meine Meinung."
Dann wurde Himitsu vom Lehrer ermahnt und Kiseki hob automatisch die Hand. Noch bevor ihn der Lehrer drannehmen (oder wahrscheinlicher ignorieren) konnte, meinte er auch schon: "In Ihren Ausführungen ist ein Trugschluss. Ich wollte mich nur noch einmal versichern, ob ich mich nicht verhört habe, aber..." Dann begann er den Inhalt der letzten zwanzig Minuten zu zerlegen und den Lehrer in eine Fachdiskussion zu ziehen...

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